Fallbasiertes Lehren und Lernen

Projektziele & Arbeitsschritte

Im Arbeitsfeld CaseLab im ProViel-Gesamtvorhaben wird die Entwicklung und Gestaltung einer dauerhaft nutzbaren, online-basierten Lernplattform angestrebt, die in der Präsenzlehre, in Blended Learning-Einheiten und in Online-Vorlesungen an Hochschulen eingesetzt werden kann. Vorrangig erfolgt die Nutzung der Lernplattform durch Studierende und Dozierende, um die Lehrerbildung an der Universität Duisburg-Essen zu verbessern. Des Weiteren kann die Lernplattform nach einem gesicherten Registrierungsvorgang und der Erteilung zusätzlicher, zielgruppenspezifischer Zugangsschlüssel durch Studierende und Dozierende anderer Hochschulstandorte, Lehrer*innen, Ausbilder*innen und andere pädagogische Fachkräfte sowie durch Wissenschaftler*innen zu Ausbildungs- und Forschungszwecken genutzt werden.

Die online-basierte Lernplattform soll:

  • der Förderung der Professionsentwicklung der Studierenden in der Lehrerausbildung dienen.
  • die Theorie-Praxis-Integration stärken.
  • zur Sensibilisierung angehender Lehrkräfte für bestimmte schulrelevante Themen (z. B. Heterogenität in den Schulen) beitragen.
  • frei von Handlungsdruck situierte Lerngelegenheiten schaffen.
  • perspektivisch zur Entwicklung kompetenzorientierter Testverfahren dienen (z. B. videobasierte Tests zur Unterrichtbeurteilungskompetenz von Studierenden).

Das Teilprojekt Fallbasiertes Lehren und Lernen wird mit der Erhebung einer ganzheitlichen Sammlung schulbezogener Materialien elementar dazu beitragen, die Lernplattform inhaltlich zu gestalten. Durch eine Analyse des Nutzungsverhaltens soll die Lernplattform kontinuierlich optimiert werden. Angestrebt ist die Integration der Plattform als fester Bestandteil in der Lehrer*innenausbildung.

Um die Materialbasis zu erstellen, werden Schulen in NRW ausgewählt, an denen die Erhebung im Projektzeitraum 2017-2019 stattfindet. Die Schulen gehören den Schulformen Gymnasium, Gesamtschule, Grundschule, Realschule, Berufskolleg sowie Sekundarschule an und charakterisieren somit die derzeitige Schullandschaft. Um ein möglichst umfassendes Bild der Schulen zu realisieren, wird die Erstellung eines ganzheitlichen Schulporträts der einzelnen Schulen angestrebt. Dabei werden im Sinne eines Mixed-Method-Ansatzes vielfältige Erhebungsmethoden eingesetzt. Die Videografie authentischer Unterrichtsstunden bildet die Basis, um die sich der Einsatz weiterer Methoden gruppiert. So werden in Ergänzung halbstrukturierte, themenzentrierte sowie narrative Interviews mit den videografierten Lehrkräften sowie der Schulleitung geführt und Informationen zum Schulkontext, zum Beispiel in Form von Dokumenten, Internetauftritten und Bildern gesammelt. Komplettiert wird die ganzheitlich-orientierte Sammlung schulbezogener Materialien durch die Erfassung der Schülerperspektive mittels unterrichtsrelevanter Fragebögen. Inhaltlich steht bei der Datenerfassung im Hinblick auf die späteren Nutzer*innen der Lernplattform ein breites Spektrum studienrelevanter Themen im Fokus. Ein besonderes Anliegen im Projekt ist dabei das zielgruppenspezifische Vorgehen bei der Erstellung des Erhebungsmaterials. So wurde eigens das Maskottchen „Fridolin“ entwickelt, das die jüngeren Schüler*innen durch die Beantwortung der Fragebögen begleiten soll. In Planung ist ebenfalls die Entwicklung einer Handpuppe, die vorrangig den Grundschüler*innen den Zugang zum ungewohnten Format einer Fragebogenstudie erleichtern soll.

Sorgfalt beim Umgang mit den Daten

Mit besonderer Sorgfalt wurden die Anforderungen des Datenschutzes in den Blick genommen und auf höchstem Niveau in Form zielgruppenspezifischer Einwilligungserklärungen für die Schulerhebungen umgesetzt.

Vor der Bereitstellung der Materialien auf der Lernplattform erfolgt eine Datenaufbereitung im Hinblick auf die vorgesehenen Nutzungszwecke. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Sicherung der Zugriffsrechte der Plattform. Voraussetzung ist ein Registrierungsantrag, in dessen Folge ein personalisierter Zugangsschlüssel vergeben wird, der zielgruppenspezifische Zugriffsbeschränkungen erlaubt.

Technische Ausstattung

Eine weitere Besonderheit des Teilprojekts liegt im Equipment, das dem Projektteam bei den bald stattfindenden Aufnahmen vor Ort zur Verfügung stehen wird. So wird bereits während der Aufnahme der Bild- und Tonaufzeichnungen auf eine hochwertige Kamera wie die JVC GY-HM100E zurückgegriffen. Ein besonderes Highlight ist die Möglichkeit, Außenaufnahmen des Schulgebäudes per Drohne (DJI Phantom Professional), betreut durch das Zentrum für Informations- und Mediendienste der Universität Duisburg-Essen (ZIM), anfertigen zu lassen. Durch professionelle Videoschnittprogramme lässt sich die Datenaufbereitung problemlos realisieren, dies ist einer späteren Nutzung auf der Lernplattform zweckdienlich.

Besondere Stärken des Teilprojekts

Vielseitige & übergreifende Nutzung

Die online-basierte Lernplattform ist mit ihren schulbezogenen Inhalten veranstaltungsübergreifend sowie zeit- und ortsunabhängig einsetzbar. Lernmaterialien sind in verschiedenen Stadien der Professionsentwicklung unter unterschiedlichen Gesichtspunkten nutzbar.

Ganzheitlichkeit & Authentizität

Inhaltlich liegt das Potenzial des Teilprojekts vor allem in der Ganzheitlichkeit der Materialbasis. Durch die unterschiedlichen methodischen Ansätze ergänzen sich die Materialien wechselseitig und zeichnen so ein überaus differenziertes Bild authentischen Unterrichtens. Die realitätsgetreuen Abbildungen bilden die Quelle eines inneren Bands der Lehramtsausbildung: So ist in einem Kurs die Auswertung der Fragebogendaten einer Klasse möglich, in einem anschließenden Kurs dann das Kennenlernen der zugehörigen Lehrkraft denkbar. Befragungen der Schülerschaft, Unterrichtsaufzeichnungen und Lehrer*innen-Interviews kontextualisieren sich im Wechselspiel und erzeugen so das ganzheitliche Abbild des komplexen Schulalltags der Klassenzimmer in NRW, das sich nun zur Professionsentwicklung der Lehramtsstudierenden heranziehen lässt.

Arbeitsformen zum Material

Neben der Erstellung der Materialbasis werden Arbeitsformen als exemplarische Zugänge zu den Inhalten des Materialkerns erarbeitet. Diese Arbeitsformen greifen die technischen Möglichkeiten (z. B. Inline-Annotationen) auf, die im virtuellen Lernraum über ILIAS bereitgestellt werden.

Teilprojekt Fallbasiertes Lehren und Lernen

Universität Duisburg-Essen
Fakultät für Bildungswissenschaften
Arbeitseinheit Unterrichtsforschung
S06 S05 B81
Universitätsstr. 2
45141 Essen

Aktueller Stand

 In den vergangenen Wochen konnten bereits die ersten Interessensbekundungen von fünf Schulen verzeichnet werden. Ganz im Sinne des Projektziels, ein umfassendes Bild der Schullandschaft in der Materialsammlung zeichnen zu können, freuen wir uns über das Interesse zweier Grundschulen, eines Gymnasiums, einer Gesamtschule sowie einer Sekundarschule. Nach erfolgter Zustimmung durch das Schulministerium wird die Datenerhebung bald beginnen. Die ersten Termine sind im kommenden Schuljahr 2017/18 zu erwarten.

Projektleitung

Das Porträt zeigt Marten ClausenProf. Dr. Marten Clausen
Lehrstuhl für Unterrichtsforschung

E-Mail an Prof. Dr. Marten Clausen

Wissenschaftliche Mitarbeiterin


Mag.a Susanna Jahn

E-Mail an Susanna Jahn

ProViel wird im Rahmen der gemeinsamen
„Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund
und Ländern aus Mitteln des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung gefördert.

Unter dem FKZ 01 JA 1610