Ruhe-EKG und Belastungs-EKG zur Risikostratifikation asymptomatischer Personen

Herz Kardiovaskuläre Erkrankungen | July 2007, Volume 32, Issue 5, pp 362-370

– Stefan Möhlenkamp, Heinrich Wieneke, Stefan Sack, Raimund Erbel
Das Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG) und das Belastungs- EKG sind in der kardiologischen Routinediagnostik fest etabliert. In Ergänzung zur diagnostischen Bedeutung für strukturelle Herzkrankheiten und Rhythmusstörungen enthält das EKG in Ruhe oder unter Belastung auch prognostisch relevante Informationen…

moehlenkamp_ekg-Herz-tab-1Das Zwölf-Kanal-Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG) und das Belastungs-EKG sind als weitverbreitete, einfach durchzuführende, schmerzfreie und gut evaluierte Verfahren im strumentarium der kardiologischen Diagnostik fest etabliert. Das Zwölf-Kanal-Ruhe-EKG ist neben den Herzenzymen der wichtigste Test für einen akuten Myokardinfarkt und bildet die Grundlage zur Identifikation vieler Herzrhythmusstörungen. Im Rahmen der fahrrad- oder laufbandbasierten Belastungsdiagnostik spielt das EKG weiterhin eine wegweisende
Rolle für die adäquate Indikationsstellung zur weiterführenden invasiven Diagnostik bei klinischen Hinweisen für eine stenosierende koronare Herzkrankheit (KHK). Dennoch konnte für Ruhe- und Belastungs-EKG bislang nicht einwandfrei geklärt werden, ob sie als Screeningverfahren bei asymptomatischen Personen einen prognostischen Nutzen unabhängig von den etablierten Risikofaktoren haben.
In einer Vielzahl bevölkerungsbasierter Studien wurde der prädiktive Nutzen von Ruhe-EKG-Variablen im Vergleich zu den konventionellen Risikofaktoren untersucht (Tabelle 1). Eine detaillierte Übersicht liefern Arbeiten von Ashley et al. und der U.S. Preventive Task Force zum Screening einer asymptomatischen KHK.

moehlenkamp_ekg-Herz-tab-2Mehrere EKG-Abnormalitäten wurden im Rahmen des U.S. Pooling Project in Major- und Minor-Kriterien zusammengefasst  (Tabelle 2) und vielfach in epidemiologischen Studien genutzt. In der belgischen BIRNH-Studie waren die Major-Kriterien gemeinsam mit anderen etablierten Risikofaktoren alleinige signifikante unabhängige EKG-basierte Prädiktoren für die kardiovaskuläre (RR = 3,88) und koronare (RR = 2,89) Mortalität. In drei weiteren Studien wurden RRs zwischen 1,4 und 2,2 für die Gesamtmortalität sowie zwischen 1,5 und 2,72 für die koronare Mortalität berichtet. (weiter…)