EMI Essener Migrations-Inventar

EMI, Essener Migrations-Inventar

Ist Migration ein Risikofaktor für Gesundheit und psychische Störungen?

Menschliches Verhalten und Erleben unterliegen oft auch kulturellen Einflüssen. Politik, Gesellschaft und das Gesundheitssystem greifen zunehmend die damit verbundenen Schwierigkeiten und Probleme auf, aber auch die Chancen und Herausforderungen.

Warum erscheint diese Frage wichtig?

Laut dem Statistischen Bundesamt von 2011 leben in Deutschland derzeit mehr als 15,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Dies entspricht einem Anteil von 19,3% an der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund betrifft alle seit 1950 nach Deutschland Zugewanderten und deren Nachkommen. Dahinter verbergen sich vielfältige heterogene Gruppen, also Menschen unterschiedlicher Herkunftsländer mit über 200 Ethnien, verschiedener Migrationsgenerationen, mit unterschiedlichen kulturell-religiösen Hintergründen und Werteorientierungen.  

In der psychiatrisch-epidemiologischen Forschungsrichtung wurde die Migration lange Zeit primär als belastendes Lebensereignis verstanden. Im deutschsprachigen Raum gibt es kaum groß angelegte epidemiologische Studien über die Einwanderung und ihren Einfluss auf die psychische Gesundheit von Migranten (Marschalck & Wiedl, 2001; Tagay et al., 2011). Verschiedene Autoren betonen weiterhin, psychisch kranke Menschen mit Migrationshintergrund würden in Deutschland nicht ausreichend medizinisch versorgt und diese Gruppe stelle das Gesundheitssystem zunehmend vor besondere Herausforderungen (Fakai et al., 2012; Traue et al., 2010; Marschalck & Wiedl, 2001).

Grundsätzlich ist festzustellen: Eine Migration ist tatsächlich ein einschneidendes Lebensereignis und meist mit vielfältigen Stresssituationen verbunden, die unterschiedlich erlebt und verarbeitet werden. Wir wissen heute aber, dass eine Migration nicht regelhaft zu psychischen Problemen führen muss. Sie kann daher auch eine Bereicherung sein, indem sie dem Individuum neue Handlungsräume eröffnet. Auf diesem Hintergrund zeichnet sich in der Migrationsforschung eine Entwicklung von defizitorientierten zu ressourcenorientierten Konzepten ab.

Die interkulturelle Psychologie und Psychotherapie beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen in einer neuen Kultur zurechtkommen und ihr Leben gestalten (Berry, 1997). Über lange Zeit wurde davon ausgegangen, dass eine Migration zwangläufig mit psychosozialen Problemen einhergeht und mit Gesundheit negative korreliert (Malzberg & Lee, 1956). Eine solche negative Sicht und grobe Verallgemeinerung hat sich aber nicht als evident erwiesen  (Murphy, 1965; Westermeyer, 1986; Marschalck & Wiedl, 2001).

 In der Migrationsforschung werden meist vier Arten der Akkulturation unterschieden: Integration, Assimilation, Separation und Marginalisation (Berry, 1997). Soweit aus der Literatur ersichtlich, gibt es bislang kein Verfahren, das neben diesen „klassischen Migrationstypen“ zusätzlich noch das Phänomen untersucht, wenn Menschen zwischen der Herkunftskultur und der Kultur der Mehrheitsgesellschaft psychosozial leiden und einen „täglichen Kampf“ führen. Ferner liegt bislang kein Instrument vor, das zusätzlich die Werteorientierung „Individualismus vs. Kollektivismus“ misst (Hofstede, 1980). Daher besteht der Bedarf nach einem umfassenden Instrument, das gleichzeitig ein breites Spektrum von Migrationsprozessen in Verbindung mit der Wertedimension „Individualismus vs. Kollektivismus“ untersucht. Vor diesem Hintergrund wurde das Essener Migrations-Inventar (EMI) entwickelt.

Das Essener Migrations-Inventar wurde auf der Grundlage eigener Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Migrationsforschung entwickelt (Tagay et al., 2009, 2011, 2013). Die Fragebogenkonstruktion und –evaluation erfolgten in einem mehrstufigen Untersuchungsdesign.

Das EMI ist als theorieübergreifendes Messinstrument konzipiert, welches die Migrationseinflüsse bzw. Migrationstypen sowie die Wertedimensionen der Befragten in insgesamt sieben Bereichen misst. Im Einzelnen handelt es sich um die folgenden Migrationsprozesse (Dimensionen):

1) Integration, 2) Assimilation, 3) Separation, 4) Marginalisation, 5) Zerrissenheit,
6) Individualismus, 7) Kollektivismus

Jedes Item aus den sieben Dimensionen des EMI besteht aus einem Aussagesatz in der Ich-Form, z.B.: „Ich lebe gerne in Deutschland.“ Beurteilt werden sollen alle Items auf einer 4-stufigen Skala nach dem Grad ihres Zutreffens (0=trifft nie zu bis 3=trifft sehr zu). Je höher der Wert, desto ausgeprägter ist die jeweilige Dimension. Der komplette Fragebogen für Erwachsene ab 18 Jahren  steht für Sie kostenlos auf dieser Seite zum Download bereit.

Fragen:

Bei Fragen zur Itemzuordnung, der SPSS-Maske und der SPSS-Syntax für das EMI können Sie sich gerne an Herrn PD Dr. Dipl. Psych. Sefik Tagay wenden:
Tel.: +49 (0) 201 / 7227 - 326
sefik.tagay@uni-due.de 

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deutsch EMI - deutsch für Erwachsene ab 18 Jahren

 

Kontakt

PD Dr. Dipl.Psych. S. Tagay 

LVR-Klinikum Essen
Kliniken/Institut der Universität Duisburg-Essen
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Virchowstraße 174
45147 Essen

Tel.:  +49 (0) 201 / 7227 - 326
Fax.: +49 (0) 201 / 7227 - 305
sefik.tagay@uni-due.de