6.2.5.5 Funktion des Passivs

Die Leistung des Passivs wird offensichtlich, wenn man Aktiv- und Passivsätze miteinander vergleicht. Aktivsätze haben häufig ein Subjekt, das den Täter oder Urheber einer Handlung angibt. Diese Angabe tritt im Passivsatz in den Hintergrund, die Handlung wird aus der Sicht des Betroffenen beschrieben. Der eigentlich Handelnde muss im Passivsatz nicht genannt werden.

Es können verschiedene Gründe vorliegen, ihn nicht zu nennen. Es könnte sein,
- dass der Schreiber den Täter nicht kennt,
- dass dieser im Vergleich zur Handlung und zur betroffenen Person unwichtig ist (z. B. in einer Bastelanleitung) oder
- dass der Täter nicht genannt werden darf bzw. nicht genannt werden soll.

Welche Motivation auch immer zugrunde liegt, die Hauptfunktion des Passivs scheint zu sein, die Aufmerksamkeit auf die Handlung oder das Handlungsresultat zu lenken. Gleichzeitig vermittelt das Passiv den Eindruck größerer Objektivität, und es schafft Distanz durch die Konzentration auf den Vorgang allein. Als Schreiber sollte man überprüfen, ob man das Passiv zum Zwecke der Verschleierung des Täters einsetzt und ob der Text für den Leser dann immer noch verständlich ist.