§ 52a UrhG

Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte

Rechtssicher Materialien in der Online-Lehre nutzen

Die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung fremder Werke oder Werkteile ist zunächst nur mit Zustimmung des Rechteinhabers (bei Texten in der Regel der Verlag) gestattet.

Auf dieser Seite informieren wir Sie über Möglichkeiten und Einschränkungen, wenn Sie fremde Materialien in der Online-Lehre wie z. B. in Moodle und Semesterapparaten bereitstellen möchten.

Aktuell: Bis 28.02.2017 weiterhin pauschale Abgeltung

Kultusministerkonferenz (KMK), Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) haben vereinbart, die pauschale Abgeltung der Ansprüche der VG Wort nach § 52a UrhG weiterhin bis zum 28.02.2018 fortzuführen.

Ursprünglich war vorgesehen, für die Nutzung von Texten nach § 52a UrhG ab 1.1.2017 eine Einzelmeldung und - abrechnung mit der VG Wort einzuführen. Wie andere Hochschulen hatte sich das Rektorat am 9.11.2016 gegen den Beitritt zum Rahmenvertrag mit der VG Wort ausgesprochen.

Inzwischen hat die Bundesregierung das neue Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz (UrhWissG) beschlossen, das zum 01.03.2018 in Kraft tritt.

Informieren Sie sich hier über den Hintergrund und die aktuelle Entwicklung!

Bereitstellung nach § 52a UrhG

Der § 52a des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte ermöglicht es, unter bestimmten Bedingungen fremde Werke und Werkteile auch ohne Zustimmung des Rechteinhabers in der Lehre zu verwenden.

Gestattet ist die Vervielfältigung und öffentliche Zugänglichmachung von

  • kleinen Teilen eines Werkes, z.B. ein Auszug aus einem Fachbuch, im Umfang von bis zu 12 % des Gesamtumfangs bzw. maximal 100 Seiten Text, maximal 5 Minuten von Musikstücken und Kinofilmen (älter als zwei Jahre) oder 6 Noten-Seiten.
    Der Gesamtumfang berechnet sich inkl. Inhalts- und Literaturverzeichnis, Einleitung sowie Namens- und Sachregister. Leerseiten sowie Seiten, deren Inhalt nicht überwiegend aus Text besteht, werden dabei nicht berücksichtigt.
  • einzelnen Beiträgen und Aufsätzen aus Fachzeitschriften oder Zeitungen
  • Werken geringen Umfangs mit einem maximalen Gesamtumfang von 25 Seiten. Abbildungen und Grafiken dürfen vollständig gezeigt bzw. verwendet werden.

Voraussetzung ist, dass die Zugänglichkeit auf den Kreis der Teilnehmenden beschränkt ist (s.u.) Diese Regelungen gelten für deutsche genauso wie für ausländische Werke!

Welche Einschränkungen sind zu beachten?

  • Materialien, die unter § 52a UrhG fallen, dürfen nicht frei auf der Homepage des Lehrstuhls oder in einer anderen nicht zugriffsbeschränkten Plattform „in der Cloud“ bereitgestellt werden, da der Zugriff auf den Kreis der Teilnehmenden beschränkt sein muss (Vergabe von Einschreibe- (Moodle) bzw. Zugriffsschlüssel (Semesterapparate)).
  • Auch die Bereitstellung auf anderen Plattformen wie Sciebo oder Dropbox unterliegen dem § 52a UrhG!
  • Für die Verwendung von Textauszügen aus Schulbüchern, d. h. "für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werken" (siehe § 52a Abs. 2) ist grundsätzlich die Zustimmung des Verlages bzw. eine Lizenzierung erforderlich!
  • Auch eine sukzessive Bereitstellung von Werkteilen und somit die Umgehung der 12 %-Regelung ist nicht gestattet.

Sonderfall: Vorrangiges Verlagsangebot

Die Bereitstellung eines Textes nach § 52a UrhG ist ebenfalls nicht mehr zulässig, wenn der Rechteinhaberein eigenes Angebot zur digitalen Bereitstellung zeitnah und zu angemessenen Bedingungen unterbreitet. Dieses Angebot hat dann Vorrang und muss genutzt werden. Die Digitalisierung und Bereitstellung nach § 52a ist dann nicht gestattet.

Die Universitätsbibliothek hat die Plattform digitaler-semesterapparat.de der Firma Booktex lizenziert, auf der über 50.000 Titel von über 30 Verlagen als Textauszüge für die Lehre angeboten werden. Buchauszüge, die Sie in Semesterapparaten anfordern, lizenziert die UB über diese Plattform nach Rücksprache für Sie. Gern stellen wir auch Texte für Moodle bereit - sprechen Sie uns an!

Die Kosten liegen im Durchschnitt bei ca. 4 bis 6 Cent pro Seite und Teilnehmer. Die Finanzierung erfolgt zurzeit aus Qualitätsverbesserungsmitteln zentral durch die UB.

Alternativen und unbedenkliche Materialien

Die UB stellt ein umfangreiches Angebot an E-Books und E-Journals bereit. Verlinken Sie diese Materialien in Ihren Semesterapparaten oder Moodle-Kursen! Das Setzen von Hyperlinks auf lizenzierte Inhalte ist grundsätzlich unbedenklich, die direkte Bereitstellung des Textes als PDF-Datei dagegen meist nicht.

Ebenso können Sie folgende Materialien online unbedenklich nutzen:

  • Open Content-Materialien, die unter einer Creative-Commons-Lizenz im Open Access frei zugänglich sind und weiterverwendet werden dürfen,
  • selbst erstellte Inhalte, auch unter Verwendung von Zitaten (unter Berücksichtigung von § 51 UrhG),
  • ältere, sogenannte gemeinfreie Werke, bei denen der urheberrechtliche Schutz bereits erloschen ist (70 Jahre nach dem Tod des längstlebenden Urhebers) sowie Materialien, bei denen eine individuelle Erlaubnis (Lizenz) des Rechteinhabers (i.d.R. Verlag) vorliegt.