UNIKATE 41

Geschlechterforschung – Blick hinter die Kulissen (2012-07-04)

Weder die männliche noch die weibliche Erfahrung für sich genommen können einen ganzheitlichen Blick auf die gesellschaftliche Realität liefern. Daher nimmt Geschlechterforschung das Verhältnis der Geschlechter in den Blick und analysiert Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Geschlechter in der Gesellschaft im Hinblick auf ihre Lebenswirklichkeiten, ihre Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe, ihren Zugang zu materiellen und immateriellen Ressourcen sowie auf Normen, Werte und Rechte, um daraus konkrete Erkenntnisse für die gesellschaftliche Praxis ableiten zu können.
 
Die Frage nach Einfluss und Wirkung des biologischen und des gesellschaftlich-konstruierten und damit grundsätzlich veränderbaren sozialen Geschlechts, also von sex und gender, ist eine Querschnittsfragestellung und kann in den unterschiedlichsten Fachbereichen und Forschungszusammenhängen sinnvoll gestellt werden. Die in diesem UNIKATE-Heft versammelten Beiträge zeigen das breite, interdisziplinäre und institutionelle Spektrum, innerhalb dessen an der Universität Duisburg-Essen Geschlecht als Kategorie wissenschaftlicher Analyse herangezogen wird – ob in den Fakultäten der Geistes-, Gesellschafts- und Ingenieurwissenschaften oder der Medizin. Die Untersuchungen machen gleichzeitig deutlich, dass Geschlecht nicht als eine alle wesentlichen Gesichtspunkte umfassende Kategorie zu verstehen ist, sondern verwoben ist mit weiteren Merkmalen, die uns von anderen Menschen unterscheiden wie beispielsweise sozio-ökonomische Situation, ethnische Herkunft, Bildungshintergrund, Klassen- oder Schichtzugehörigkeit oder Alter.

Federführung Dr. Maren A. Jochimsen 978-3-934359-41-3
Impressum - Vertrieb

Aus dem Inhalt

Linda van den Berg, Andrea Kindler-Röhrborn

„Das individuelle Krebsrisiko – Spielt das Geschlecht eine Rolle?“

Es ist offensichtlich, dass das Krebsrisiko von Männern und Frauen sowohl durch Lebensgewohnheiten, die dem soziokulturellen Geschlecht (Gender) zugehörig sind, als auch durch Determinanten, die mit dem biologischen Geschlecht (Sex) assoziiert sind, beeinflusst wird. Die Analyse der Faktoren, die das geschlechtsspezifische Tumorrisiko determinieren, ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine im wahren Sinne personalisierte Tumormedizin.
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Sigrid Elsenbruch, Julia Schmid, Sven Benson

„Geschlechterunterschiede bei Schmerzen – Interaktionen zwischen psychosozialen und biologischen Faktoren“

Diese Übersichtsarbeit stellt die Komplexität der aktuellen wissenschaftlichen Befunde zu Geschlechterunterschieden im Kontext Schmerz dar und zeigt den daraus resultierenden nach wie vor erheblichen Forschungsbedarf aus einer interdisziplinären Perspektive auf.
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Sibylle Plogstedt

„Zeit heilt Wunden, aber keine Traumata – Der Genderblick auf die politischen DDR-Häftlinge“

Für ihre Forschungsarbeit am Essener Kolleg für Geschlechterforschung erhielt Dr. Sibylle Plogstedt 2011 den einheitspreis der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Arbeit erschien unter dem Titel: „Knastmauke – Das Schicksal von politischen Häftlingen der DDR nach der deutschen Wiedervereinigung.“

Claudia Weinkopf

„Hat Niedriglohn ein Geschlecht? – Niedrig- und Mindestlöhne aus der Gender-Perspektive“

Dieser Beitrag macht deutlich, dass die Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre erheblich zugenommen hat und zugleich auch eine deutliche Ausdifferenzierung des Lohnspektrums nach unten erkennbar ist, von der Frauen besonders betroffen sind.
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Karen Shire

„Who cares? – Gender, Migration and Care Work in Austria and Germany“

Dieser englische Beitrag behandelt die Situation des (vorwiegend weiblichen) ausländischen Pflegepersonals in deutschen und österreichischen Haushalten. Zum Teil nicht offiziell gemeldet, befinden sich diese Frauen häufig in prekären Arbeitsverhältnissen. In dem vorliegenden Text werden die politischen Leitstrategien im Bereich der Pflegeversicherung, der Steuergesetze sowie der Familien- und Beschäftigungspolitik der beiden „konservativen Wohlfahrtstaaten“ miteinander verglichen.
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Ute Klammer

„Wenn Mama das Geld verdient… – Familienernährerinnen als Untersuchungsgegenstand der Geschlechterforschung“

Die deutsche Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ist auf die neuen Konstellationen und Bedarfe von „Familienernährerinnenhaushalten“ bisher nicht adäquat eingestellt. Eine sozialpolitische Strategie der Förderung eines gleichberechtigten Geschlechtermodells müsste beispielsweise die widersprüchlichen sozialpolitischen Signale beseitigen oder eigenständige Ansprüche an die Stelle abgeleiteter Ansprüche setzen.
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Christine Wimbauer

„Doppelkarriere-Paare – Von Anerkennungshürden und Ungleichheiten“

Kommt es mit gesellschaftlichen Veränderungen wie Orientierung an Gleichberechtigung, Abkehr vom Familienernährermodell wirklich zu mehr Gleichheit zwischen den Geschlechtern? Werden Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen kleiner? Oder entstehen womöglich neue Ungleichheiten? Und kommt es auch zu einer Angleichung der Anerkennungschancen zwischen Männern und Frauen?
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Amalie Fößel

„Frauen und Macht im Mittelalter – Konstellationen weiblichen Einflusses“

Die Praxis weiblicher Herrschaftsausübung und politischer Einflussnahme hat es im europäischen Mittelalter in verschiedenen rechtlichen Rahmenbedingungen und politischen Ausprägungen gegeben. Die über die typisch weiblichen Aktionsräume einer Ehefrau und Mutter hinausgehende Kompetenz der politischen Teilhabe wird mit männlichen Zuschreibungen bestimmter Handlungs- und Wissenskategorien in Bezug gesetzt, indem tradierte weibliche Stereotype wie Freundlichkeit und Gottesfurcht mit männlichen Tugenden wie Disziplin, Stärke, Wachsamkeit, Tatkraft und Klugheit zusammengeführt werden.
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Patrizia Plummer

„„Güzel Sultanum“: Gender und Macht im weiblichen Orientdiskurs – Die Orientreise Lady Mary Wortley Montagus (1716–1718)“

Lady Mary Wortley Montagu überschreitet in ihrem literarischen Werk ebenso wie in zahlreichen visuellen Inszenierungen kulturelle und geschlechtsspezifische Grenzen. Ihre differenzierten und kritischen Ausführungen zu Frauen und Macht in unterschiedlichen kulturellen, religiösen und sozialen Zusammenhängen belegen, dass reisende Frauen (nicht nur) die Grenzen von privatem und öffentlichem Bereich überschreiten.
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Anne Schlüter

„Führungsfrauen – Unter welchen Bedingungen lernen Frauen leiten und führen?“

Dieser Artikel berichtet über eine Befragung von Leiterinnen von Bildungseinrichtungen. An vier Beispielen werden unterschiedliche Typen von weiblicher Führung herausgearbeitet. Ihnen gemeinsam sind folgende (selbsteingeschätzte) Eigenschaften: Verantwortungsbewusstsein, Leistungsbereitschaft, Ausdauer, Teamgeist, Zutrauen zu sich und anderen, Entscheidungsfreudigkeit, Interesse am Feld, Netzwerkarbeit, unbefangenes Verhältnis zur Macht, Überzeugungsfähigkeit, Glück und vor allem Engagement.
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Ute Pascher

„Berufliche Selbstständigkeit von Chemikerinnen in Deutschland – Ergebnisse einer sozialwissenschaftlichen Analyse“

Dieser Beitrag basiert auf einer Teilstudie, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes „ExiChem“ durchgeführt wurde. Hier wurde eine Berufsgruppe in den Blick genommen, die die meisten von uns mit einer selbstständigen Beschäftigung nicht in Verbindung bringen: Akademisch ausgebildete Chemikerinnen – Frauen, die Chemie an einer deutschen Hochschule studiert haben.
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Nicole Krämer, Sabrina Eimler, Jennifer Klatt

„Sex matters – Der Einfluss des Geschlechts auf Nutzung und Wirkung neuer Medien“

Der Text gibt einen Überblick über drei unterschiedliche Forschungsbereiche, in denen Geschlecht thematisiert wird. Der erste Abschnitt geht auf Studien ein, in denen analysiert wird, inwieweit die Nutzung und Wirkung von neuen Medien sich in Abhängigkeit vom Geschlecht der Nutzerin/des Nutzers unterscheidet. Der zweite Abschnitt fragt, inwieweit die Wahrnehmung und Beurteilung von Männern und Frauen in den neuen Medien durch Geschlechtsstereotype beeinflusst werden. Schließlich thematisiert der dritte Abschnitt, inwieweit man neue Technologien nutzen kann, um Grundlagenforschung zu Geschlechtsstereotypen zu betreiben.
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