UNIKATE 44 - Medizin - Ulrich Radtke

Ulrich Radtke. Foto: Max Greve


Verehrte Leserinnen und Leser,

mit den UNIKATEN 44 halten Sie eine sehr lesenswerte Zusammenstellung wichtiger Forschungsergebnisse aus unserer medizinischen Fakultät in Händen. Vor nunmehr 50 Jahren als städtisches Krankenhaus angefangen, nimmt das Essener Universitätsklinikum heute auch einen vorderen Platz in der internationalen Forschung ein. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fakultät sind in national wie international führenden Gremien vertreten. Das Spitzenprofil unseres Klinikstandorts – wie z. B. mit dem erfolgreichen Westdeutschen Herzzentrum und dem Westdeutschen Tumorzentrum – ist weithin sichtbar und resultiert in eine hervorragende Reputation. Die translationale Ausrichtung lässt Grundlagen- und Klinische Forschung optimal Hand in Hand agieren.

So ist es nur konsequent, dass sich die Beiträge in diesem Jubiläumsheft größtenteils im thematischen Umkreis des so genannten „HOT (Herz-Kreislauf, Onkologie, Transplantation) Spot“ des Klinikums bewegen. Auch die Virologie ist ein wachsendes Feld innerhalb der modernen medizinischen Forschung. Fortschritte in der Epigenetik lassen heute Phänomene erklären, die mit der klassischen Genetik noch undenkbar erschienen: Gegen Infektionen mit Viren und Bakterien kann man heute mit Methoden der Genetik und der Molekularchemie zielgenau angehen. Das Herz ist seit jeher im Zentrum des medizinischen Interesses; mit hochmoderner Technik kann man heutzutage früher undenkbare Heilerfolge erzielen. Ebenso im Fokus ist die Leber – ein elementarer Part des metabolischen Systems. Dass der Blick auf eine möglichst große Gruppe an Individuen für eine moderne medizinische Forschung unerlässlich ist, zeigen die epidemiologischen Untersuchungen an unserer Klinik. Mit langjährigen Studien an großen Kohorten ist man den Ursachen zahlreicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf der Spur.

Insgesamt beeindruckt das vorliegende Heft mit Forschungsergebnissen, die das Prädikat „Spitzenmedizin“ verdienen. Die besondere Aufbereitung und die gute Lesbarkeit vermitteln Ihnen spannende Einblicke in die Welt aktueller medizinischer Forschung. Mit den besten Wünschen für eine anregende Lektüre


Ihr

Ulrich Radtke,
Rektor der Universität
Duisburg-Essen


UNIKATE 44 - Medizin - Jan Buer

Jan Buer. Foto: Klaus Lemke

Verehrte Leserinnen und Leser,

in diesem Jahr feiert die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen ihr 50-jähriges Bestehen. 50 Jahre: gemessen an einem Menschenleben sicher eine lange Zeit. Und in diesen letzten 50 Jahren hat sich die Medizin dramatisch verändert. War 1963 eine akute Leukämie noch ein sicheres Todesurteil, so ist sie heute dank der Forschung heilbar. Neue Herausforderungen sind hinzugekommen, wie die Immunschwächekrankheit AIDS. Aber auch das Medizinstudium hat sich sehr verändert. Die strikte Trennung zwischen Vorklinik und Klinik ist weggefallen, die Studierenden lernen heute von Beginn an mit Blick auf den klinischen Bezug. Völlig neue Lehrformen sind hinzugekommen wie Patienten-Simulationsprogramme oder Skills Labs. Auch unsere Fakultät hat in dieser Zeit eine rasante Entwicklung genommen. Gemessen am Alter vieler anderer Medizinischen Fakultäten ist unsere Fakultät vergleichsweise recht jung. Dennoch konnte sie sich in dieser Zeit auf Augenhöhe mit den anderen Medizinischen Fakultäten in Nordrhein-Westfalen etablieren; so liegt unsere Fakultät deutschlandweit mit an der Spitze – gemessen an der Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen bezogen auf die Zahl seiner Professorinnen und Professoren. Dabei stechen nicht nur die Forschungsschwerpunkte Herz-Kreislauf, Onkologie, Transplantation, Genetische Medizin und Immunologie/Infektiologie hervor; auch andere Disziplinen genießen internationales Renommee. Besonderes Augenmerk gilt dabei zunehmend der translationalen Forschung, die zum Ziel hat, „from bench to bedside“ – Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in verbesserte Diagnoseverfahren und wirksamere Therapien zum Wohle der Patienten zu übersetzen. Aber nicht, dass wir uns mit dem bislang Erreichten zufrieden geben würden. Die Dynamik unserer Fakultät fand letztes Jahr ihre augenfällige Spiegelung im Spatenstich für unser neues Lehr-Lern-Gebäude und in der Einweihung des Medizinischen Forschungszentrums – sicherlich zwei wichtige Meilensteine in der Fortentwicklung unserer Fakultät.

Jan Buer,
Dekan der Medizinischen Fakultät


UNIKATE 44 - Medizin - Eckhard Nagel

Eckhard Nagel. Foto: Klaus Lemke


Verehrte Leserinnen und Leser,

das Universitätsklinikum Essen hat einen klaren gesellschaftlichen Auftrag: Er besteht im Dreiklang aus Forschung, Lehre und Krankenversorgung. Im Mittelpunkt unseres Wirkens steht immer der einzelne Mensch. Dass wir unsere Patienten optimal versorgt wissen, verdanken wir vor allem der herausragenden Position der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen in der Forschung und der Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte von Morgen.

So gibt es einen engen Schulterschluss in der Entwicklung der medizinischen Schwerpunkte zwischen Fakultät und Klinik, und wir konzentrieren uns seit Jahren erfolgreich auf die Bereiche Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Onkologie und Transplantation sowie Genetische Medizin, Immunologie und Infektiologie. Auch abseits dieser Schwerpunkte haben wir einen hervorragenden Ruf. Beispiele hierfür sind das Perinatalzentrum, die Endokrinologie oder die Nuklearmedizin. Erfolge, auf denen wir uns jedoch nicht ausruhen. So nehmen aktuell das Zentrum für Seltene Erkrankungen und das Westdeutsche Zentrum für Infektiologie ihre Arbeit auf und werden von der herausragenden Expertise der Medizinischen Fakultät profitieren.

Ein Projekt, das Viele mit besonderem persönlichem Engagement vorantreiben, ist der geplante Bau der modernsten Kinderklinik Europas. Unter einem Dach sollen unsere etablierten, aber nur unter räumlich schwierigen Bedingungen arbeitenden kindermedizinischen Disziplinen vereint werden. Die Entscheidung zum Bau der Kinderklinik wurde zusammen mit dem Land NRW getroffen. Die Verwirklichung dieser großen Idee lässt sich nur in einem gemeinsamen Kraftakt Vieler erreichen. Wir freuen uns sehr über engagierte Mitstreiter, unter anderem den Initiativkreis Ruhr, die dieses große Projekt unterstützen.

Auch in Zukunft werden wir hart daran arbeiten, dass die Menschen in der Region und vor allem hier in Essen sich mit ihrem Universitätsklinikum identifizieren.


Eckhard Nagel,
Ärztlicher Direktor
des Universitätsklinikums


UNIKATE 44 - Medizin - Friedrich Wilhelm Eigler

Friedrich Wilhelm Eigler. Foto: Klaus Lemke


Verehrte Leserinnen und Leser,

die Gründung der Medizinischen Fakultät Essen vor 50 Jahren erfolgte im Interesse einer praxisnahen ärztlichen Ausbildung. Als zweite Medizinische Fakultät für die Münsteraner Universität errichtet, 1967 an die Ruhruniversität weitergereicht, bildete sie 1972 den primär universitären Teil der Gesamthochschule, später Universität GH Essen, die seit zehn Jahren mit der Mercator-Universität zur Universität Duisburg-Essen fusioniert ist. Anfangs war das Ziel eines kliniknahen Unterrichts bei nur 70 Studierenden leicht zu erreichen. Die massive Zunahme der Auszubildenden gemäß der Kapazitätsverordnung erlaubte keinen individuelleren Unterricht, führte aber über Essen hinaus zu bedeutsamen didaktischen Innovationen. Vor allem in der Pädiatrie wurde unter dem Kindernephrologen Prof. Hermann Olbing ein studentisches Tutorensystem eingeführt, das durch ein Videoprogramm typischer Kinderkrankheiten bei Demonstrationen ergänzt wurde. Als erste Medizinische Fakultät in Deutschland hat Essen sich am Erasmusprogramm, also dem Studierendenaustausch zwischen Spanien, den Niederlanden, Belgien und Frankreich beteiligt. Weitere Initiativen zur Verbesserung der Lehre betrafen die Einführung eines Kurses „Lehren Lernen“, eines so genannten „Skills Lab“ zur Einübung praktischer Fähigkeiten, eines Simulationspatientenprogramms mit Schauspiel-Studierenden als Darstellern für Krankheitsbilder und der Online-Bereitstellung von Lehrinhalten zur Examensvorbereitung. Für alle diese Initiativen wird voraussichtlich in diesem Winter ein eigenes Lehr-Lern-Zentrum fertiggestellt.

Parallel zur Lehre entwickelte sich die Forschung, die in Wechselwirkung mit den klinischen Schwerpunkten Herz-Kreislauf, Onkologie und Transplantation inzwischen einen hohen Stand erreicht hat. Davon legt nicht zuletzt dieses Heft eindrucksvoll Rechenschaft ab und die Medizinische Fakultät macht damit dem interessierten Leserkreis, vor allem aber sich selbst, ein ganz besonderes Geschenk.

Friedrich Wilhelm Eigler,
Gründer des Transplantations-
zentrums und ehemaliger Dekan



Die Epigenetik erklärt, wie uns frühe Entwicklungsereignisse dauerhaft prägen

Inzwischen sind viele Vererbungs-Phänomene beschrieben, die sich nicht oder nicht nur mit der Vererbung von DNA erklären lassen. Angesichts der Fülle „epigenetischer“ Daten, die heutzutage erhoben werden, möchte dieser Artikel daran erinnern, dass der sich entwickelnde Organismus ein komplexes System mit emergenten Eigenschaften in einer fluktuierenden Umgebung ist.


Sphingolipide, bakterielle Infektionen und zystische Fibrose

Erst vor ungefähr 15 Jahren erkannte man, dass insbesondere die so genannten Sphingolipide und hier wiederum vor allem die Ceramide eine sehr wichtige Rolle bei der Infektion menschlicher Zellen mit Bakterien spielen.


Viren tricksen das Immunsystem aus, um chronische Infektionen zu etablieren

Die Frage ist, wie Viren sich der angeborenen und der erworbenen Immunität entziehen, um chronische Infektionen auszulösen. Mit diesem Wissen kann man neue Strategien für die Therapie und die Impfung gegen persistierende Viren entwickeln.


Die Leber im Zentrum des metabolischen Syndroms

Die Leber ist an vielen lebensnotwendigen Vorgängen im Körper beteiligt. Sie reguliert nicht nur den Eiweiß-, Fett- und Zuckerstoffwechsel, sondern auch den Mineral-, Vitamin- und Hormonhaushalt. Sie spielt eine tragende Rolle bei der Infektabwehr sowie beim Abbau toxischer Substanzen.


Der Beitrag der Epidemiologie zum Verständnis und zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Dieser Beitrag skizziert die Entwicklungslinien und Meilensteine der Herz-Kreislauf-Epidemiologie und stellt die Forschungsschwerpunkte und -ergebnisse der seit mehr als zehn Jahren am Universitätsklinikum Essen vertretenen Herz-Kreislauf-Epidemiologie vor.


Koronare Mikroembolisation

Die Mikroembolisierung hat den Blick für die Pathogenese der koronaren Herzerkrankung wesentlich erweitert und steht im Zentrum des Interesses bei der weiteren Entwicklung der primären und sekundären Prävention.


Herzferne Konditionierung durch wiederholtes Aufblasen einer Blutdruckmanschette verringert Herzmuskelschäden

Eine erstaunlich einfache Intervention kann das Herz vor dem Infarkt schützen.


Wissenschaftliche Entwicklungen und Fortschritte der letzten 30 Jahre

Die akute Behandlung und Vorbeugung des Schlaganfalls hat in den letzten 30 Jahren große Fortschritte zu verzeichnen. Nun gilt es, diese Methoden und Medikamente auch optimal einzusetzen; zur Aufklärung der Patienten und um die verfügbaren Vorbeuge-Maßnahmen optimal zwischen den einzelnen Fachgebieten der Medizin zu koordinieren.


Zellulärer Energiemangel, „ranzige“ Membranen und zerstörte Zellkraftwerke – und was man dagegen tun kann…

Lösungen für die derzeit drängendste Frage in der Transplantationsmedizin, die akute und langfristige Verbesserung der Transplantatfunktion bei immer grenzwertiger werdenden Spenderorganen, die eventuell auch unterschiedliche Ansätze für verschiedene Organe und Vorschädigungen erfordert, lassen sich nur durch eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit finden.


Kombinierte PET/MRT-Bildgebung am Universitätsklinikum Essen

Die moderne Medizin basiert in immer stärkerem Maße auch auf radiologischen und nuklearmedizinischen Bildgebungsverfahren. Neben immer individueller angepassten Schnittbildgebungsprotokollen hat sich im letzten Jahrzehnt die Kombination von Bildgebungsmodalitäten in der Ganzkörper-Diagnostik etabliert.


Modellkrankheiten für die Entstehung und Behandlung von Krebs

Viele Erkenntnisse zur Entstehung und Behandlung von Krebserkrankungen wurden zunächst an Leukämien gewonnen. Unsere Kenntnisse über die Struktur des blutbildenden Systems und die Regulation der ordnungsgemäßen Zellneubildung sind weit fortgeschritten. Dies begünstigte die Aufklärung der Mechanismen, die der Entwicklung von Leukämien zugrunde liegen.


Personalisierte Diagnostik und Behandlung für krebskranke Kinder

Vielversprechende molekular gezielte Medikamente für eine Therapie, die für jeden individuellen Tumor maßgeschneidert ist, sind unter anderem für das Neuroblastom in der Entwicklung und werden uns hoffentlich bereits in wenigen Jahren am Krankenbett zur Verfügung stehen.


Paradigmenwechsel in der Dermatoonkologie

Für Jahrzehnte waren die dermatoonkologische Forschung und die damit verbundenen Fortschritte in der Therapie sehr begrenzt. Doch in letzter Zeit haben Entwicklungen im molekularen Verständnis in der Tumorbiologie sowie der Immunologie zu einer Vielzahl von Neuerungen geführt.