Erfahrungsbericht von Prof. Leisten

Erfahrungen mit Vorlesungsmitschnitten (von Prof. Leisten)

Am Anfang waren es meine Neugier auf das technisch Mögliche und die Spannung, wie die Studierenden damit umgehen würden, die mich dazu veranlasst haben, es mit der Video-Aufzeichnung meiner Vorlesungen zu probieren. Seit Herbst 2010 werden meine größeren Lehrveranstaltungen mit Hilfe des ZIM aufgezeichnet und den Studierenden ein paar Tage später im Internet (im UDE-Bereich) zur Verfügung gestellt.

Klar hat die Zahl der Studierenden im Hörsaal dadurch etwas abgenommen. Aber es sind zum einen nicht immer nur dieselben Studierenden, die kommen bzw. nicht kommen. Nachdem in meinem ersten Streaming-Semester viele Studierende der Vorlesung fern geblieben sind, unmittelbar vor der Klausur scheinbar zwei oder drei Video-Nächte eingelegt haben (was wir an den Download-Zahlen gesehen haben) und die Ergebnisse entsprechend grottenschlecht waren, haben die Studierenden zum anderen auch gelernt, verantwortungsvoll mit der Freiheit der Video-Verfügbarkeit der Vorlesung umzugehen. Das heißt insbesondere auch, nicht zehn Vorlesungen auflaufen zu lassen, sondern höchstens zwei oder drei Vorlesungen en bloc im Netz anzusehen und dann nachzuarbeiten.

Die Zahl der Klausurteilnehmer ist übrigens angestiegen, meines Erachtens nicht nur wegen der gestiegenen Studierendenzahlen insgesamt, sondern auch deshalb, weil man im Bedarfsfall mit dem Video-Stream eine gute Gelegenheit hat, regelmäßig und bei Bedarf offene Fragen noch einmal nachzuarbeiten.

 

Diversity

Auch aus der Perspektive des in der UDE mit hoher Priorität versehenen Diversity Managements hat die Video-Verfügbarkeit Wirkungen: Nicht nur, dass ganz einfach die eine oder andere Anfahrt zum Campus eingespart werden kann (ökologische Nachhaltigkeit!?), Studierende haben damit auch die Möglichkeit, Job- und/oder (zum Beispiel familiäre) Betreuungszeiten flexibler zu gestalten. Und manche Freizeitaktivität mag auch flexibler geplant werden können.

Dennoch: Für nicht wenige Studierende ist der Besuch der Vorlesung immer noch mit einem direkten Mehrwert verbunden, denn der Vorlesungsraum ist immer noch gut gefüllt.

Abschließend noch eine Bemerkung zu meiner Scheu bzw. Nicht-Scheu vor der Video-Aufzeichnung: Natürlich war es für mich zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, eine Kamera im Hörsaal zu haben und sich ein paar Tage später dann im UDE-Netz ansehen zu können, wie viele gute, aber auch manchmal weniger gute Dinge ich in der Vorlesung gesagt habe. Aber weder ich als Dozent noch die Studierenden erwarten, dass jeder einzelne meiner Sätze buchreif ist bzw. sein muss. Ich habe mich inzwischen an die Kamera in meiner Vorlesung vollständig gewöhnt, auch wenn sie die guten wie die weniger guten Passagen meiner Vorlesungen breit verfügbar macht. Die Studierenden bewerten das Streaming-Angebot in der Veranstaltungsbefragung jedenfalls durchweg positiv, und zwar am liebsten in der Version, dass Dozent und Computerbildschirm (Folien mit Beschreiben) sichtbar und der Ton hörbar sind. Nur Computerbildschirm mit Ton wird nicht so gerne genutzt, obwohl wir beide Versionen testweise angeboten haben.