VolkswagenStiftung bewilligt ein Promotions-Forschungskolleg zur postindustriellen Neuerfindung der transatlantischen Stadtentwicklung

Die Antragsteller(innen) mit Forschungs-Prorektor Prof. Dr. Jörg Schröder, UDE (links), Wissenschaftler(innen) in der Qualifikation (Courtney Moffett-Bateau und Dr. Dietmar Meinel, 2. u. 3. v.r.) und studentischen Mitarbeitenden Juliane Borosch und Chris Katzenberg (3. v.l. u. Mitte)


Große Freude bei den geisteswissenschaftlichen Nordamerika-Expert(inn)en der Universitätsallianz Ruhr: Barbara Buchenau, Jens Martin Gurr, Josef Raab (Universität Duisburg-Essen); Walter Grünzweig, Randi Gunzenhäuser (TU Dortmund); Kornelia Freitag und Michael Wala (Ruhr-Universität Bochum). Im Rahmen ihrer Ausschreibung "Wissenschaft und berufliche Praxis in der Graduiertenausbildung" bewilligt die VolkswagenStiftung am Institut für Anglophone Studien der Uni Duisburg-Essen die Einrichtung des Promotions-Forschungskollegs "Scripts for Postindustrial Urban Futures: American Models, Transatlantic Interventions" (Förderzeitraum 2018-22). Hier werden die geisteswissenschaftlichen Forscher(innen) der Universitätsallianz Ruhr eng mit Berufspraktikern in amerikanischen und deutschen Unternehmen aus den Bereichen Stadtverwaltung und -entwicklung, Kultur, Bildung, Transport sowie nachhaltiges Bauen und Wohnen zusammenarbeiten. Gemeinsam wollen sie herausfinden, mittels welcher imaginativer Strategien sich die "alten" amerikanischen und deutschen Kohle-, Stahl- und Auto-Städte neue, wegweisende Zukunftsszenarien erarbeiten können. Mit ihrer Ausschreibung möchte die VolkswagenStiftung strukturverändernd auf die Promotionskonzepte in den Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften wirken. Deshalb unterstützt sie Forschungskollegs mit Pilotcharakter, in denen Nachwuchswissenschaftler(innen) Einblicke in verschiedene Berufsfelder erhalten und sich so während der Promotion auch für eine außeruniversitäre Tätigkeit qualifizieren können. Mit gut 1,7 Mio. € wird dieses innovative Forschungs- und Ausbildungskonzept gefördert, das die gesellschaftlichen Wirkungsweisen von normativen Texten, Bildern, Denkfiguren, und Medien in konsequenter, auch streitfreudiger, Zusammenarbeit der Kulturwissenschaften mit den Anwender(inne)n erörtert. Aus der beruflichen Praxis sind folgende Unternehmen an dem Kolleg beteiligt:


  • für Entwicklungen im Bereich creative city die Kultureinrichtung Dortmunder U, der Regionalverband Ruhr, das Tía Chucha's Centro Cultural in Los Angeles
  • für Entwicklungen im Bereich inclusive city die Bildungsinitiative RuhrFutur, die Kulturkooperative Quilomboarte in New York und die California State University Northridge
  • für Entwicklungen im Bereich sustainable city das Öko-Zentrum NRW, das Umweltamt Essen und die Grüne Hauptstadt Europas, die Stadtentwickler Zachary & Associates aus Detroit, die Duisburger Hafen AG sowie die Stiftung Zollverein.

Acht junge Wissenschaftler(innen) der Nordamerikastudien haben in diesem Umfeld die bisher viel zu seltene Gelegenheit, ihre wissenschaftliche Qualifikation mit Einblicken in die berufliche Praxis zu verbinden. Sie arbeiten in einer einjährigen Praxisphase bei Unternehmen aus Deutschland und den USA, um eine zunehmend virulente Form des Stadtmarketings detaillierter untersuchen zu können. Analysiert werden gegenwärtige Modelle, Selbstbeschreibungs-prozesse und Handlungslogiken - kurz "Scripts" - für eine ökologisch nachhaltige, künstlerisch-kreative, aber auch sozial und kulturell inklusive Zukunft postindustrieller Städte. "Diese populären Drehbücher forcieren nicht nur wirkmächtige Geschichten einer stringenten Entwicklung aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Sie entwickeln vor allem folgenreiche Szenarien für die Zukunft. Da die Vorlagen für solche städtischen Scripts sehr oft aus Nordamerika stammen, interessieren wir uns insbesondere dafür, zu welchen Anpassungen und Umschreibungen es kommt oder kommen müsste, damit derart zukunftsorientierte Drehbücher als Stadtentwicklungs-Modelle greifen", erklärt Prof. Dr. Barbara Buchenau, die Sprecherin des Kollegs.

Die Untersuchung amerikanischer postindustrieller Scripts erfolgt im Kolleg aus dem exemplarischen Blickwinkel des Ruhrgebiets, einer Wissens-Region mit vergleichbar umwälzender De- und Reindustrialisierung und lange Zeit schrumpfender und gleichzeitig älter und vielfältiger werdender Bevölkerung. Wie Ko-Sprecher Prof. Dr. Jens Martin Gurr erläutert, "zeigt dieser transatlantische Blickwinkel, dass sich die Selbstbeschreibungen deutscher Städte gern bei Bildern, Geschichten und Deutungsmustern amerikanischer Städte bedienen, wobei diese oft zeitgleich als Vorbilder und als Gegenentwürfen dienen." Bochum etwa suchte sich zur Zeit der Schließung der Opel-Werke mit dem Slogan "This is not Detroit" vom nordamerikanischen Urbild der im Niedergang befindlichen Altindustriestadt abzugrenzen und zugleich den Detroiter Willen zur Neuerfindung auf die eigene Kulturszene zu übertragen.

Nach einem Jahr der wissenschaftlichen Einarbeitung in das Forschungsfeld sammeln die Promovierenden bei den Praxispartnern Daten und erhalten über ihre angewandte Textarbeit Einblicke in zukünftige Berufsfelder außerhalb der Universität. Simone Raskob, Bau- und Umweltdezernentin der Stadt Essen und mit dem Umweltamt eine der Praxispartner(innen), freut sich über die wissenschaftliche Unterstützung und beschreibt den Nutzen dieser Zusammenarbeit für beide Seiten: "Mit ihrer kulturwissenschaftlichen Expertise und ihrer Vertrautheit mit amerikanischen Modellen der nachhaltigen Stadtentwicklung können uns gerade amerikanistische Kulturwissenschaftler(innen) ganz praktisch bei der Weiterentwicklung kreativer, nachhaltiger und sozial inklusiver Stadtentwicklung unterstützen - und die gewonnenen Erkenntnisse als Feldforschung für ihre Dissertationen nutzen". Das Kolleg wird seinen Sitz am Institut für Anglophone Studien der Universität Duisburg-Essen haben, die Graduiertenausbildung findet am RuhrCenter of American Studies der Ruhr-Universität Bochum, der TU Dortmund und der Universität Duisburg-Essen statt. Am RuhrCenter haben die Antragsteller(innen) bereits von 2012 bis 2015 in dem von MERCUR geförderten Projekt Urban Transformations: Spaces-Communities-Representations unter der Leitung von Prof. Dr. Walter Grünzweig (Koordination Dr. Julia Sattler) zusammengearbeitet. Der Profilschwerpunkt "Urbane Systeme" der UDE und das Kompetenzfeld "Metropolenforschung" der Universitätsallianz Ruhr bieten das notwendige wissenschaftliche Umfeld.
Kontakt: Prof. Dr. Barbara Buchenau

Pressemitteilung der Volkswagen Stiftung
Pressemitteilung Universität Duisburg-Essen
Pressemitteilung Ruhr-Universität Bochum
Pressemitteilung Technische Universität Dortmund

About the RuhrCenter of American Studies

RuhrCenter of American Studies


The RuhrCenter of American Studies

The RuhrCenter of American Studies integrates the rich American Studies resources of Ruhr-University Bochum, TU Dortmund University, and the University of Duisburg-Essen.The inaugural ceremony of the RuhrCenter of American Studies took place on Wednesday, 27 October 2010 with a key-note address by Carol Kahn Strauss, Executive Director of the Leo Baeck Institute, New York, on European Emigrés and the Transformation of American Culture. Our international Ph.D. program in Transnational and Transatlantic American Studies is open to young scholars from around the world. Research at the RuhrCenter of American Studies has a transnational, a hemispheric, and a transatlantic perspective; it focuses on American History, Literature, and Culture as nationally diverse and multi-ethnic as well as globally contextualized and interconnected. We invite you to join our group of international and interdisciplinary young scholars opening up new and exciting areas in American Studies.
Contact: dietmar.meinel[at]uni-due.de


Ruhr-University Bochum


American Studies in Bochum follows a historical as well as literary and cultural studies trajectory. Our approach to North America's history, culture, and literature is interdisciplinary and transnational, taking into account globalization, diaspora, and other current academic approaches and fields of research demanding a rethinking and reconstitution of our understanding of the United States and Canada. In American Studies we deal with different media – literature, poetry, film, television, archival material, etc. – and we investigate the construction of identities and communities in relation to space and history. Urban Studies, regionalism, and Body Studies help us to understand changing realities and conceptualizations of "nation – region – home," "race – class – identity," or "gender – beauty – body," their effects on North American culture, economy, and politics, as well as the processes that generate or shape change. Our interactive modes of teaching are based on our research; they involve students, doctoral researchers, and colleagues alike. We foster ties with other American Studies specialists in the U.S., Germany, and other parts of Europe; ties that provide for exchange opportunities and also result in inspiring lectures, workshops, and conferences supporting our transnational understanding of American Studies by enriching the regular curricula.
Contact: heike.steinhoff[at]rub.de


TU Dortmund


American Studies in Dortmund focuses on the manifold literary, cultural, and media texts in transatlantic narratives. We view American culture as a system of relationships and investigate the extensive discursive networks in which it is embedded – both on a national and an international level. As researchers we deal with 19th, 20th, and 21st century American spaces, media, and technologies. Our main objective is to understand the many stories that are shared and contested across the Atlantic Ocean and how they manifest themselves in all kinds of texts from novels, poems, essays, and histories to paintings, films, or computer games. In our project-oriented courses we promote individual research interests and encourage cooperative work. Our American Studies program interacts with many other departments and programs at TU Dortmund University, including religion, journalism, urban/regional planning, marketing, and engineering. Members of these programs frequently participate in the weekly meetings of the doctoral research group as well as in collaborative projects. We maintain student and research exchanges with fifteen colleges and universities all around the United States offering students and researchers direct and privileged access to overseas academic resources and networks.
Contact: sina.nitzsche[at]udo.edu


University of Duisburg-Essen


American Studies at Duisburg-Essen is dedicated to the multidisciplinary study of North America, its manifold and often conflicting cultural geographies, literary and cultural production, and multi-ethnic urban and rural societies. Major fields of inquiry include early modern, colonial, romantic, and contemporary literature and history, urban spaces and places, ethnicity, hemispheric and transatlantic relations, film, and television. We are particularly interested in the interconnections between U.S. American and Canadian, Caribbean, and Latin American cultures and literatures as well as in the imaginary and actual crossings of multiple borders in the Americas from the fifteenth to the twenty-first century. Our program organized the 2010 inaugural conference of the International Association of Inter-American Studies and it is centrally involved in the university’s Main Research Area "Urban Systems." In collaboration with our international partners we engage in interdisciplinary research and teaching on issues ranging from urbanity and cosmopolitan networks for the production, distribution, and reception of North American literature, film, art, and performance to cultural hybridity, an inter-American culture industry, and a trans-border consumer culture.
Contact: dietmar.meinel[at]uni-due.de

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