Claus Pias  |  Archiv

 

Lehrveranstaltungen vergangener Semester

– Einführung in die Medientheorie (Seminar, Uni Essen)

Die Veranstaltung verschafft einen Überblick über die einflußreichsten Positionen der Medientheorie. Da dies ausschließlich durch die gemeinsame Diskussionen ›klassischer‹ Texte geschehen soll, wird von den TerilnehmerInnen die Bereitschaft zu einem wöchentlichem Lesepensum erwartet. Ein Themenplan wird in der ersten Sitzung ausgegeben. Grundlage für die gesamte Veranstaltung (und daher zur Anschaffung empfohlen) ist: Claus Pias/Joseph Vogl/Lorenz Engell (Hrsg.), Kursbuch Medienkultur, Stuttgart (DVA) 2002. Qualifizierte Leistungsnachweise können durch eine Kausur am Ende des Semsters erworben werden.  > PLAN

– Kolloquium für Examenskandidaten (Uni Essen)

Die Veranstaltung dient der Vorstellung und Diskussion laufender Diplom-, Magister- und Promotionsarbeiten. Studierende, die gerade mit ihrem Thema beginnen und möglicherweise Orientierungshilfen brauchen, sind ebenso willkommen wie diejenigen, die schon fortgeschritten sind und noch einmal desorientiert werden möchten. Ein Themenplan wird in der ersten Sitzung erstellt, Vorschläge können jedoch schon vorab an mich gerichtet werden. Die Veranstaltung findet gemeinsam mit Prof. Dr. Herta Wolf statt.  > PLAN

– Sammeln und Ausstellen. Kleine Museen in NRW (Seminar mit Exkursionen, Uni Essen)

Schon weil Sommer ist, bewegt sich das Seminar aus seinem Raum hinaus. Das Ziel sind die nicht ganz so großen und nicht ganz so berühmten Museen Nordrhein-Westfalens, die allemal einen (womöglich ersten) Besuch lohnen. Dabei interessieren nicht nur verborgene Schätze, sondern vor allem auch deren museal/mediale Präsentation und Inszenierung. Im Gespräch mit den jeweiligen MuseumsleiterInnen wird einiges über Geschichte und Gegenwart der Häuser zu erfahren sein. Dazwischen soll es Sitzungen geben, in denen die Eindrücke gesammelt und theoretisch vertieft werden. Als einführende Lektüre ist zu empfehlen: Boris Groys, Logik der Sammlung. Das Ende des musealen Zeitalters, München (Hanser) 1997
Die ungewöhnliche Form der Veranstaltung erfordert von den TeilnehmerInnen Engagement und Zuverlässigkeit. Da der Vertretungsprofessur keine Mittel zur Verfügung stehen, muß die Anreise privat organisiert werden. Qualifizierte Leistungsnachweise können durch Referate mit schriftlicher Ausarbeitung oder Hausarbeiten erworben werden.  > PLAN

– WS 03/04 Computer/Spiele. Geschichte und Theorie (Vorlesung, Uni Essen)

Warum gibt es Computerspiele? Läßt sich der Zeitpunkt ihres Entstehens festmachen? Und wo ist der Ort, an dem völlig heterogene Gerätschaften, Körper und Symboliken zu diesem Spiel ganz neuer Art zusammenfinden? Was ist das für ein Wissen, das Techniken, Institutionen und Maschinen durchquert und verbindet und sich zu bestimmen anschickt, was die 'Spiele des Menschen' heute sind? Diesen und ähnlichen Fragen wird in einem ersten, historischen Teil der Vorlesung nachzugehen sein. Ein zweiter, systematischer Teil soll dem seltsamen Umstand Rechnung tragen, daß heute nicht nur jene frenetischen Nintendo-Kids (auf deren schmalen Schultern oft genug der Kulturpessimismus der Gegenwart lasten muß) Computerspieler sind, sondern genauso gut auch hoch dotierte Physikprofessoren und kühle Militärstrategen, nobelpreisverdächtige Mikrobiologen und staatstragende Ökonomen. Eine Geschichte von Steuerungstechnologien im engeren Sinn soll sich also mit einer weiträumigeren Archäologie der Gegenwart verbinden und damit auf jene Zäsuren aufmerksam machen, die unser gegenwärtiges Wissen erst ermöglicht haben.  > PLAN

– WS 03/04 Technik als Unruhe (Seminar, Uni Essen)

Technik ist nicht bloß eine Extension des menschlichen Körpers, aber auch nicht bloß eine Ansammlung von Apparaten; sie ist nicht bloß eine Handlungsanweisung, aber auch nicht bloß eine funktionierende Trivialisierung. Was aber dann? Wie könnte man die Frage (insbesondere der Medien-)Technik jenseits der hergebrachten Perspektiven von Technikphilosophie, Technikgeschichte, Technikanthropologie und Konstruktivismus formulieren? Das Seminar soll versuchen, Technik als eine Kraft oder Figur zu erkennen, die Beziehungen zwischen Ästhetiken, Praxen, Apparaten und Wissen organisiert und dabei Neues und Unerwartetes produziert: Technik stiftet Unruhe. Technik ist nicht etwas, sondern tut etwas, und dies zugleich an mehreren Stellen: Sie stellt ästhetische, praktische, apparative und epistemische Zusammenhänge her, deren ästhetische, praktische, apparative und epistemische Folgen wiederum unbestellt und nicht vorhersagbar sind. Dies soll an konkreten Beispielen untersucht werden, die – je nach Interesse – noch zu bestimmen sind. Denkbar sind bspw. der Wechselstrom, die Glühbirne, das Radio, die Röhre, der Transistor, das Handy, die Webcam...  > PLAN

– WS 03/04 Liebe (Seminar, Uni Essen)

Ohne Medien gibt es keine Liebe, und schon darum hat sie eine Geschichte. Wörter und Gesten, Bilder und Orte machen ununterbrochen das Unwahrscheinliche wahrscheinlich, lassen wissen und machen sprechen, selegieren Objekte oder stellen Serien her. Man wird daraus nicht lernen, was Liebe ist, aber vielleicht, wie Liebe gemacht wurde und wird. Das Seminar soll daher von der Lektüre und gemeinsamen Diskussion einschlägiger Texte (von Tristan bis Theweleit, von Kierkegaard bis Kittler, von Laclos bis Luhmann) seinen Ausgang nehmen und in der Gegenwart von Film, Fernsehen, Dancefloor, SMS oder Chat enden.  > PLAN

– WS 03/04 Kulturfreie Bilder (Seminar, Uni Essen)

Um Bilder »richtig« zu verstehen bedarf es einer gemeinsamen kulturgeschichtlichen Basis, denn sonst befände man sich in der mißlichen Lage eines »Buschmanns«, der Leonardos Abendmahl für eine »erregte Tischgesellschaft in Geldstreitigkeiten« hält (Panofsky). Während die Kunstgeschichte noch über den lachte, der nur sieht, was auch zu sehen ist, und dabei ihr historisches Apriori befestigte, verstanden es ganz andere Bildwissenschaften, die Dummheit produktiv zu machen. In Arbeitswissenschaft und Avantgarde, in Werbung und Intelligenzforschung, in Statistik und Pädagogik beispielsweise entstanden Bildprogramme, die das Nicht-Wissen produktiv machten. An den verschiedensten Stellen wurde ein naiver Betrachter erfunden, dessen okulare Unschuld zum gestalterischen Ausgangspunkt für (vermeintlich) kulturfreie Bilder wurde – Bilder, deren Verständnis keiner Bildung, Kultur oder Geschichte zu bedürfen schienen. Diese Figuren sind beispielsweise das Kind, der Behinderte, die Testperson, der Arbeiter, der Wilde, der Außerirdische, der User oder der Fremde. Das Seminar wird demgemäß von Testbildern und Icons, von Intelligenztests und monochromer Malerei, von Eignungsdiagnostik und Bildpädagogik, von Kommunikation mit Außerirdischen und von atomaren Endlagerstätten, von Tarnkeidung und Benutzeroberflächen handeln.  > PLAN

– SS 03 Computerspiele der Wissenschaften I (Vorlesung, Bochum)

Fast überall, wo in den Medienwissenschaften neuerdings von Computerspielen die Rede ist, geht es um die gerade erst salonfähig gewordenen Produkte der Unterhaltungsindustrie. Was jedoch diesen Rahmen transzendiert, ist die Einsicht, daß heutige Wissenschaften selbst, direkt oder indirekt, Computerwissenschaften sind. Nicht nur jene frenetischen Nintendo-Kids, auf deren schmalen Schultern oft genug der Kulturpessimismus der Gegenwart lasten muß, sondern auch hoch dotierte Physikprofessoren, nobelpreisverdächtige Mikrobiologen und staatstragende Ökonomen sind streng genommen Computerspieler. Computerspiele weiten daher die Diskursanalyse auch auf jene Aussagen aus, die Programmiersprachen und gebaute Hardware selbst sind. Eine Geschichte des Machtwissens im weiteren Sinn verschränkt sich so mit einer Geschichte von Steuerungstechnologien im engeren Sinn und vermag vielleicht als Archäologie der Gegenwart jene Zäsuren prägnant machen, die ein gegenwärtiges Wissen ermöglicht haben.
Die Vorlesung wird sich an ausgewählten Beispielen mit der Geschichte von Computerspielen und Simulationen, mit Modellierungsfragen und Szenario-Entwicklungen beschäftigen. Ergänzende Gastvorträge werden über die Gegenwart von Computerspielen in verschiedenen Disziplinen (Biologie, Ökonomie, Klimaforschung, Militärwesen usw.) berichten.

– SS 03 Rechnender Raum. Zur Historiographie des Computers (Hauptseminar)

Das Seminar hat eine doppelte Wendung: Es soll einen groben Überblick über die Geschichte des Computers vermitteln und dabei zugleich grundlegende Konzepte der Technik- und Wissenschaftsgeschichtsschreibung selbst thematisieren. Es wird daher stets von Apparaten und zugleich von Poetologien die Rede sein, von den Erfindungen der Erfindung und den sogenannten Fakten, von Institutionen, Agenten und Inszenierungsweisen. Zur Vorbereitung empfehle ich den Bildband »A Computer Perspective« von Charles und Ray Eames sowie Bruno Latours »How to draw things together«.

– WS 02/03 Zeit der Kybernetik (Hauptseminar, Uni Bochum)

– WS 02/03 Die Epoche der Kybernetik (Vorlesung, Humboldt-Uni Berlin)

– WS 02/03 Die Vollzähligkeit der Sterne (Hauptseminar, Uni Weimar)

Warum ist die Unendlichkeit nicht unendlich hell und warum fällt der Mond nicht herunter? Was wissen ein Fernrohr oder ein Radioteleskop vom Universum? Was sucht und was (er)findet der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel? Hans Blumenbergs fulminanter Versuch einer „Astronoetik“ entzifferte noch die größten Fragen zielsicher in der kleinsten medienhistorischen Anekdote. Das Seminar soll dort anschließen: bei Äpfeln, die von Bäumen und Philosophen, die in Brunnen fallen, bei Gedichten und Instrumenten, Verliebten, Dachdeckern und Theologen. Verbindliche Lektüregrundlage für alle Teilnehmer ist Hans Blumenberg „Die Vollzähligkeit der Sterne“ (Suhrkamp).

– SS 02 Das andere Selbst I: Bild (Hauptseminar, Uni Weimar)

Das Seminar wird sich mit Geschichte und Theorie der Selbst-Darstellung beschäftigen. Dabei wird es zunächst um ausgewählte Selbstbildnisse aus dem Bereich der bildenden Kunst von der Renaissance bis zur Gegenwart gehen. Im Wintersemester wird ein Seminar zur literarischen Autobiographik folgen. Zur Einführung empfehle ich Jacques Derrida: »Aufzeichnungen eines Blinden. Das Selbstporträt und andere Ruinen« (München: Fink 1997) und Victor I. Stoichita: »Das selbstbewußte Bild. Der Ursprung der Metamalerei« (München: Fink 1998).

– SS 02 Zur Geistesgegenwart der Medienwissenschaft (Hauptseminar, Uni Weimar)

Seit einiger Zeit beginnen sich die Neuerscheinungs-Tische der Buchhandlungen im Bereich »Medien« bedenklich durchzubiegen. Neben zahllosen Sammelbänden und Monographien sind es vermehrt auch sog. »Einführungen« und »Übersichten«, die eine zunehmende Disziplinierung und Kanonisierung ihres Gegenstands zu forcieren. Das Seminar versteht sich als Colloquium, in dem aktuelle Neuerscheinungen (nicht älter als ein Jahr) aus dem Bereich Mediengeschichte und –theorie gelesen und kritisch besprochen werden. Von TeilnehmerInnen, die einen qualifizierten Leistungsnachweis erwerben wollen, wird als Diskussionsgrundlage die Vorstellung eines Buches ihrer Wahl erwartet.

– WS 01/02 Im Rausch der Medien (Hauptseminar, Uni Weimar)

Nietzsche beschrieb den Rausch als paradoxen Zustand, in dem man zu träumen scheint, aber zugleich hellwach ist, als einen Zustand der "Kraftsteigerung und Fülle, ... wo sich gleichsam die ganze Welt in uns drängt". Das Seminar soll solchen ekstatischen Situationen kursorisch und versuchsweise nachspüren: in der Existenzphilosophie Heideggers und der politischen Theologie Carl Schmitts, in den chemischen Paradiesen der Dichter und den Cockpits der Sturzkampfflieger, in den Verzückungen von Heiligen und den Labors der Experimentalpsychologie, in den Ritualen des Schamanismus und den Rhythmen von dancefloors, im Vertigo von Achterbahnen und der Psychomotorik von Computerspielen. Das Seminar ist Bestandteil des Projekts "Störung, Rauschen, Entertainment". Von den TeilnehmerInnen wird Engagement und eigenständiges Arbeiten bei der Erforschung teils entlegener Themen erwartet.

– SS 01 Was macht ein Bild? (Hauptseminar, Uni Weimar)

Das Seminar soll sich weder mit der ontologischen Frage beschäftigen, was ein Bild ist, noch mit der hermeneutischen Frage, was ein Bild bedeuten kann; weder mit der ikonologischen Frage nach den Existenzgründen von Bildern, noch mit der rezeptionsästhetischen nach ihrer Verwendung; weder mit der semiotischen Frage nach dem Zeichenstatus von Bildern, noch mit der physikalischen nach ihrer Materialität. Es sollen vielmehr – und zwar auf dezidiert medienhistorische Weise – jene mechanischen, elektrischen oder algorithmischen Verfahren thematisiert werden, die das Erscheinen von Bildern ermöglichen und zugleich deren Erscheinung formatieren. Zum Bildermachen benötigt man beispielsweise Perspektiv- und Anamorphosenmaschinen, Linier-, Guillochier- oder Reliefkopiermaschinen, Kymographen, Fotoapparate, Kopiergeräte oder auch Kathodenstrahlröhren, DSP’s und Algorithmen. Die Veranstaltung wird entlang solcher historischer Fallbeispiele gegliedert sein. Dies schließt die aktuellen Fragen nach der disziplinären Zuständigkeit oder methodischen Kompetenz einer Bild(medien)wissenschaft nicht aus, sondern soll sie – im Gegenteil – erst herausfordern. Das Seminar soll zugleich als Projektplenum dienen und durch Gastvorträge bereichert werden. Zur Einführung empfehle ich den Artikel „Bild“, in: Ästhetische Grundbegriffe, Hrsg. Karl-Heinz Barck, Bd. I, Stuttgart / Weimar 2000, S. 618-669.

– SS 01 Kulturfreie Bilder. Zur Ikonologie der Voraussetzungslosigkeit (Proseminar, Uni Weimar)

Panofsky zufolge könnten „Chinesen“ das Abendmahl leicht für eine „erregte Tischgesellschaft in Geldstreitigkeiten“ halten. Um Bilder „richtig“ zu verstehen bedarf es also einer gemeinsamen (kultur)geschichtlichen Basis, sprich: einer Stilgeschichte auf vorikonographischer und einer Typengeschichte auf ikonographischer Ebene. Das Seminar soll von Bildern handeln, die diese Kunstgeschichte (oder: Geschichtlichkeit der Kunst) zu unterlaufen suchen. Es soll exemplarisch gerade jene unscheinbaren Bilder in den historischen Blick nehmen, die prätendieren, keiner Kultur oder Geschichte zu bedüfen. Es wird also beispielsweise von Testbildern zu reden sein, von Icons, Intelligenz- und Eignungstests, von Kommunikation mit Außerirdischen, von atomaren Endlagerstätten und „naiven Betrachtern“, von Tarnkeidung oder Benutzeroberflächen.

– WS 00/01 Einführung in die Medienkultur (Proseminar, Uni Weimar)

– SS 00 Computer-Welten (Studienprojekt, Uni Weimar)

Der Titel dieses Studienprojektes läßt zwei Lektüren zu, die durch die einzelnen Seminare eingelöst werden sollen. Zum einen geht es — nicht zuletzt im Hinblick auf eine zu formulierende Theorie „künstlicher Welten" — um die spezifische Welt, die der Computer als universale symbolische Maschine und Medium generiert und modelliert. Zum zweiten geht es — eher historisch und einführend — um das Welten des Computers selbst in Hard- und Software. Eine Lektüre kybernetischer Texte soll die Frage nach dem ontologischen und anthropologischen Status einer Technik vertiefen, die als seinsgeschichtliche Lösung des »Mißverhältnisses zwischen Geist und Natur« (Max Bense) antrat. Ein weiterer Projektbestandteil könnte sich der Rekonstruktion einer (ost-) europäischen oder deutschen Computergeschichte annehmen (bitte Aushänge beachten).

– SS 00 Zeit der Kybernetik (Proseminar, Uni Weimar)

Das Seminar dient der begleitenden Lektüre einschlägiger Texte von Leibniz, Wiener, Turing, Shannon, Frey, Günther, Bense, Zuse, Klaus usw. Bei allgemeiner Arbeits- und Forschungsbereitschaft wäre jedoch auch eine Behandlung desopus magnum der Kybernetik (sprich: der Akten der Macy Conferences) möglich.

– WS 99/00 Fast Rewind: Computerspiele 1972-1710 (Proseminar, Uni Weimar)

In Spielemuseen mit dem dilettantischen Charme privater Erotikmuseen, in high- und low-brow-Computerzeitschriften und vor allem im Internet: überall wird derzeit »die Geschichte« der Computerspiele geschrieben. Als Urpflanze muß dabei die Veröffentlichung der Heimversion von PONG herhalten, und die anschließende Genealogie wird chronologisch aufbereitet und hermeneutisch befragt. Warum könnte nicht alles auch ganz anders sein? Das US-Militär definiert seit gut drei Jahrzehnten ein Computerspiel als Spiel, das von Computern (und eben nicht von menschlichen Spielern) gespielt wird. Warum sollte die Wiederkehr des Menschen in die Rückkopplungsschleife nicht vielmehr das Ende der Computerspiele, gewissermaßen ihre Décadence datieren? Das Seminar wird sich entlang der Typologie von verwalten, entscheiden und planen über den Kalten Krieg, die beiden Weltkriege, die Arbeitswissenschaft, die Experimentalpsychologie, die Logistik und die preußischen Sandkastenspiele zurück begeben bis zu Leibniz' Ökonomie der Virtualität.

– WS 99/00 »jungalt Wien« (Hauptseminar, Uni Weimar)

... so hat William Johnston die kulturhistorische Membran des kalendarischen Effekts namens »1900« genannt. Unzeitgemäß nach der Forschungsschwemme der 80er, aber aktuell angesichts des Jahrhundertrecycling vor dem nächsten Datum, geht es also um das Wien des letzten fin de siècle. Als Stichworte mögen genügen: U-Bahn und Traumdeutung, Lebensreform und Weltuntergang, Linie und Geschlecht, Antisemitismus und Gesamtkunstwerk, Mathematik und Sprachkritik, Empiriokritzismus und Feuilleton, Medizin und Kriminalistik. Für den Strand empfehlen sich Stefan Zweig und Robert Musil, für den Schreibtisch eher Janik/Toulmin: »Wittgenstein's Vienna«, H. Szeemann: »Austria im Rosennetz«, C. Schorske: »Wien. Geist und Gesellschaft im fin de siècle«.

– SS 99 Künstlers Traum (Praxisprojekt mit Jochen Gerz, Uni Weimar)

Organisation und Durchführung eines Kunstprojektes mit Jochen Gerz zum Kulturstadtjahr 1999. Teilnahme auf persönliche Einladung.

– WS 98/99 Mediengeschichte Mitteldeutschlands (Forschungsprojekt, Uni Weimar)

Der Gegenstand des Projekts besteht in einer Geschichte, die bislang noch nicht geschrieben ist, und soll während der Semesterarbeit in mehrfacher Hinsicht gefaßt und geklärt werden. Zunächst geht es darum, den Bestand und die Entwicklung von Kommunikationsmedien während der letzten 400 Jahre in Mitteldeutschland (heute: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) zu sichten: Buchdruck, Telegraphie, Telekommunikation, Rundfunk und Kybernetik werden dabei als erste Orientierungsmarken dienen. Die Geschichte dieser medialen Technologien soll dabei in einzelnen historischen Schwerpunkten und Szenarien aufgegriffen werden (etwa Buchdruck und Reformation , Telegraphie und Elektrizitätslehre, Kybernetik und die Entwicklung der V 2), Schwerpunkte, die im Verlauf des Projekts von einzelnen Arbeitsgruppen übernommen werden.
Schließlich soll aus dem dabei gewonnenen Datenmaterial eine – diachrone und synchrone – Medientopographie entworfen werden, die am Beispiel Mitteldeutschlands die Genese eines exemplarischen Mittel- und Vermittlungsraums darzustellen vermag. Das Projekt verlangt von den Teilnehmern selbständige Forschungsarbeit über die Grenzen Weimars hinaus, Archiv- und Bibliotheksrecherchen eingeschlossen. Zum Projekt gehören das Seminar »Allgemeine Mediengeschichte« (Engell) und das Seminar »Geschichte der Geschichte« (Vogl).

– WS 98/99 Schaun’ wir mal: Kleine Kunstgeschichte in 13 Lichtbildern (Hauptseminar, Uni Weimar)

Die gegenwärtige Bildproduktion und -verarbeitung ist ohne Kenntnis der Kunstgeschichte nicht zu verstehen. Diese Aussage ist gar nicht unbedingt als Aufforderung zur Akkumulation von sogenannten (kunst-)historischen »Fakten« zu verstehen oder als Behauptung Kontinuität anheimelnder »Aktualität«, sondern einfach als logische Möglichkeitsbedingung jeder Rede über Bilder: ohne Differenz keine Information. Um nicht in der Bilderflut zu ertrinken, durchqueren wir den (main)stream der Geschichte, indem wir von Stein zu Stein hüpfen. Jede Sitzung behandelt nur ein Bild, an dem grundlegende historische, methodologische, philosophische und medienwissenschaftliche Fragestellungen festgemacht werden können. Nebenbei ergibt sich eine chronologische Serie, eine Kunstgeschichte im Zeitraffer. Beginnen werden wir mit dem Turiner Schweißtuch, mit index und icon und der »Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst«. Weiter geht es wahrscheinlich mit den Glasfenstern von Chartres (Narration, Scholastische Gliederungen, Lichtmetaphysik), mit der Erfindung der Aura durch den Devotionalienhandel, mit der Neuorganisation des Raumes in Masaccios Trinitätsfresko in Santa Maria Novella und »...dann sehen wir schon«.

– SS 98ff. [me'dien]^i (Ringvorlesung, Uni Weimar)

Vortragsreihe zur Medienkultur. Als Gäste sind angefragt: Christoph Asendorf, Siegfried Zielinski, Wolfgang Coy, Friedrich A. Kittler, Norbert Bolz, Siegfried J. Schmidt, Peter Sloterdijk, Charles Grivel, Heinrich Klotz, Christian W. Thomsen, Oswald Wiener, Peter Weibel, Hans-Ulrich Reck, Stefan Bollmann, Niklas Luhmann, Bazon Brock, David Rodowick, Klaus Theweleit, Alexander Kluge, Walter Seitter, Gert Mattenklott, Beat Wyss und Knut Hickethier.

– SS 98 [me'dien]^i (Proseminar, Uni Weimar)

»Was heißt und zu welchem Zweck studiert man Medienkulturwissenschaft«, lautet die Frage, die die junge Fakultät Medien der Bauhaus-Universität nicht nur sich selbst zu beantworten sucht. Was könnten »Medien«, was »Kultur« und was könnte die Wissenschaft einer Medienkultur sein? Prominente Vertreter verschiedener Disziplinen werden in einer Vortragsreihe über ihre Arbeiten sprechen, die als Modelle möglicher Medienkulturwissenschaften gelten dürfen. Das Seminar begleitet die Vortragsreihe, bereitet vor, vertieft, informiert, ist Diskussionsforum usw. Die Teilnahme an den einzelnen Vorträgen ist selbstverständlich obligatorisch. Qualifizierte Scheine können durch Vorbereitung, Durchführung und sendefähige Aufbereitung eines Interviews mit dem Gast der Woche erworben werden.

– SS 98 Liebe (Proseminar, Uni Weimar)

Und wieder wird es Frühling sein. Im Schatten junger Medienblüte gilt es wieder zu lieben und zu leiden, das heißt zu schreiben, zu reden, zu telefonieren, zu sehen, zu riechen, beobachtet zu werden, an- und abwesend zu sein, ein neues Ich zu leben oder ein anderes zu verlieren, nie nicht zu kommunizieren oder kleine Tode zu sterben. Ohne Medien gibt es keine Liebe, auch wenn wir das gerne glauben, hoffen oder »fühlen« möchten. Liebe geht durch historische wie technische Kommunikationsstandards: Zeichenströme, Rhetoriken, Codierungen, Figurationen, Konstruktionen und Rauschen. Nie werden wir wissen können, was Liebe ist, aber vielleicht lernen, wie Liebe gemacht wurde und wird. Als kleine Hilfe dazu empfehle ich für die Semesterferien Kierkegaard: »Tagebuch des Verführers«; Barthes: »Fragmente einer Sprache der Liebe«; Laclos: »Gefährliche Liebschaften«; Müller: »Quartett«; Luhmann: »Liebe als Passion«; Schneider: »Liebe und Betrug«; Rougemont: »Die Liebe und das Abendland«; Goethe: »Werther«; Foucault: »Sexualität und Wahrheit«; Theweleit: »Objektwahl«; Aries: »Die Masken des Begehrens«; Watzlawick: »Menschliche Kommunikation« und Gay »Die zarte Leidenschaft«.

– WS 97/98 Apparate des Archivs (Hauptseminar, Uni Weimar)

Thema des Seminars sind Institutionen und Gerätschaften die bestimmte Dinge speicherbar machen, diese speichern, nach Algorithmen ordnen und verwalten und verschiedene Abfragemöglichkeiten bereitstellen. Wir werden dieses weite Gebiet – in Ergänzung zum bildorientierten Foucault-Teil des Projektes – historisch angehen und uns von der Wunderkammer über das Museum bis zu digitalen Bildarchiven und der Pattern Recognition bewegen. Sicherlich wird es dabei auch einige Seitenblicke zu Textarchiven geben.

– WS 97/98 Surfin’ Shakespeare (Proseminar, Uni Weimar)

Die »Deutsche Shakespeare-Gesellschaft« (Weimar, Bochum, München) möchte im Internet präsent sein, und ich möchte diesen Auftrag zu einem Seminar machen. Allerdings gehört »Shakespeare« zu den ältesten und beliebtesten Dateiinhalten (Alta Vista: 132.334 Treffer, Yahoo: 239 Sites). Es ist daher dringend notwendig, die bisherigen Angebote kritisch zu sichten, sich über Sinn und Sinnlichkeit sogenannter »Netzpräsenz« Gedanken zu machen, dann ein inhaltliches und gestalterisches Konzept zu erstellen und dieses auch gelungen umzusetzen. Am Ende des Semesters sollen die fertigen Seiten in die Web-Wirklichkeit entlassen werden.
Das Seminar versteht sich nicht zuletzt als Experiment der Zusammenarbeit von Medienkuitur und -gestaltung. Spätestens nach der Konzeptphase wird die Verantwortung für bestimmte Teilbereiche (Text, Images, Buttons, Links, CGI, Java usw.) auf einzelne Gruppen übergehen. Die Seminarsitzungen werden dann hauptsächlich der Präsentation, Diskussion und Koordination der laufenden Arbeiten, aber auch der theoretischen Begleitdiskussion dienen.

– SS 97 Drogen – Rausch – Medien (Proseminar, Uni Weimar)

– SS 97 Technotopia (Proseminar, Uni Weimar)

– WS 96/97 Walt Disney (Proseminar, Uni Weimar)

– WS 96/97 Was heißt und zu welchem Ende studiert man Medienkultur? (Proseminar, Uni Weimar)

– WS 94/95 Nietzsche: Die Künste – Die Medien (Studienprojekt, Uni Weimar)

– SS 94 Einführung in die Architekturgeschichte (Proseminar, Uni Weimar)

– SS 94 Ernst Neufert und die Normung des 20. Jahrhunderts (Proseminar, Uni Weimar)

– WS 93/94 High & Low (Proseminar, Uni Weimar)

– WS 93/94 Wiener Fin de Siècle (Proseminar, Uni Weimar)