Von A bis Z

Auf dieser Seite - die Stück für Stück wachsen wird - lassen sich Wegmarken und Standortbestimmungen finden, die ich in alphabetischer Reihenfolge an Stichworten (Namen wie Sachbegriffen) festmache.


Bochum - D66 - Neil Diamond - Globalisierung - Gutleben - Heinrich Heine - Kinderbibel - Liberale Demokraten - Loreena McKennitt - Loveparade - Moody Blues - NBO - Neoliberalismus - Oberhausen - Olpe - Ostpreußen - Ludwig Quidde - Karin Struck - Vollton & Licht - Web 2.0 - Wikipedia

Bochum

Bochum war während der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre so etwas wie meine Wahlheimat. Fünf Jahre lang hatte dort ich ein Zimmer im Studentenwohnheim „Grunewald” an der Markstraße. Meine Studienzeit an der Ruhr-Universität habe ich in weitgehend positiver Erinnerung. Neben den fachlichen Aspekten des Studiums kamen relativ bald die Erfahrungen im politischen Bereich hinzu, mehrere Jahre lang führte ich dort den liberalen hochschulverband und verbrachte am Ende dieser Zeit einige Monate im AStA als Berater für Lehramtsstudenten. Daneben war ich in dieser Zeit Anhänger des VfL Bochum und begleitete die Mannschaft auch zu Auswärts spielen in Dortmund, Schalke oder Duisburg. Mit meinem Staatsexamen und dem Auszug aus dem Wohnheim im Herbst 1979 endete meine Bochumer Zeit - obwohl die Trennung damit noch nicht endgültig war. Ich blieb noch mehrere Semester eingeschrieben, machte meinen Magister, besuchte später einige Veranstaltungen bei den Evangelischen Theologen, teilweise gemeinsam mit meiner Freundin und späteren Frau Sabine. Während meiner Arbeitslosigkeit im Frühjahr 1984 kehrte ich noch einmal für ein Semester in die Studentenpolitik zurück - Bochum als „Hochburg” des Linksliberalismus hatte für mich lange Zeit einen großen Stellenwert; sicher nicht zufällig wurden die Liberalen Demokraten im November 1982 dort gegründet. Das letzte nennenswerte Kapitel meiner Bochumer Zeit ist das große Praktikum im Rahmen meiner bibliothekarischen Ausbildung an der dortigen UB im Jahre 1985. Danach sind meine Besuche seltener geworden und sind meistens motiviert durch meinen ehemaligen Wohnheimnachbar Robert.

D66

Die Democraten 66 sind eine linksliberale Partei in den Niederlanden, die in den 45 Jahren ihres bisherigen Bestehens eine Reihe von Berg- und Talfahrten hinter sich gebracht hat. Nachdem es in den 90er Jahren so aussah, als könnten sich die D66 endgültig als vierte große Partei etablieren, erlebten sie im neuen Jahrtausend einen rasanten Rückgang in der Wählergunst. Das ist aber nicht das erste Mal, und bisher haben sich die Democraten noch von jeder Krise wieder erholt. Es sieht ganz so aus, als ob das auch dieses Mal gelingt. Immer wieder bedauere ich, dass es keine vergleichbare Partei in der Bundesrepublik gibt.

Neil Diamond

Neil Diamond war mein großes Idol zu Beginn der 70er Jahre. Sein persönliches Meisterstück I am ... I said befindet sich seit 1971 in der Spitzengruppe meiner ewigen Bestenliste. Im weiteren Verlauf des Jahrzehnts kühlte sich die Begeisterung jedoch zusehends ab. 1977 kaufte ich mir letztmalig sein neues Album, danach nahm ich seine weiteren Stücke nur noch über die Medien zur Kenntnis. Allmählich wurden diese Gelegenheiten seltener und es überwogen am Ende Weihnachtsalben und Retrospektiven, so dass ich ihn bald in Gedanken aufs Altenteil abschob und lieber den etwa 30jährigen in Erinnerung behielt. Home before darkAufhorchen ließen mich 2005/2006 positive Rezensionen seitens der professionellen Musikkritik für sein Album 12 Songs. Der Produzent Rick Rubin hatte ihn anscheinend „back to the roots” gebracht. 2008 erreichte er mit dem offenbar noch puristischer instrumentierten Home before dark sogar auf beiden Seiten des Atlantiks die Nummer 1, was ihm den kuriosen Rekord einbrachte, der Pop-Künstler zu sein, der am längsten vom Karrierebeginn bis zur Spitzenposition brauchte (nämlich etwa 42 Jahre). Ich selbst stehe dem Hype um „Neil Diamond unplugged” ein wenig reserviert gegenüber, höre weiterhin lieber seine Scheiben aus den UMI-Jahren 1968 bis 1972, gönne ihm aber um ihretwillen das späte Comeback.

Globalisierung

Meines Erachtens kam dieser Prozess nach dem Bankrott des „real existierenden Sozialismus” und der Auflösung des Ostblocks in Fahrt. Dieser war zwar ein Gefängnis für viele Menschen, hat aber wesentliche Teile der Welt dem ungehemmten Zugriff des internationalen Großkapitals noch entzogen. Inzwischen macht niemand mehr den Global Players das Feld streitig, allenfalls noch ein paar islamische Fundamentalisten und mit ihnen in Verbindung gebrachte „Terroristen”. Der Fortschritt der Informationstechnologie hat den Prozess weiter beschleunigt, das WWW überwindet alle Grenzen. Darin liegen gewiss auch Chancen, aber aufs Ganze gesehen gibt es bei der fortschreitenden Globalisierung unter marktradikalen Vorzeichen zu viele Verlierer, auch vor der eigenen Haustür. Schließungen von Großbetrieben bei steigenden Gewinnen ihrer Betreiber, in ihrer Höhe durch nichts zu rechtfertigende Managergehälter und hochriskante Spekulationen, die ganze Volkswirtschaften in den Keller reißen können, zeigen, dass inzwischen Spielregeln herrschen, die mit unserem bisherigen Wertesystem nicht zu vereinbaren sind. Gemeinwohl und soziale Gerechtigkeit gelten nicht mehr (höchstens als Störfaktoren), Shareholder Value und Gewinnmaximierung treten an ihre Stelle. Die Schere zwischen arm und reich öffnet sich immer weiter, während der Staat tatenlos zusieht oder den Wirtschaftsinteressen in die Hände spielt, auch wenn die offizielle Rhetorik das meist anders darstellt. Hier können und müssen die Globalisierungskritiker wenigstens noch verbal dagegenhalten, real sehe ich derzeit keine Gegenmacht - vielleicht erst dann, wenn die Verlierer merken, wie zahlreich sie sind...

Gutleben

Eigentlich ein schöner Name - auch wenn er zu manchen Verballhornungen Anlass bietet... Lebkuchen, Schlechtsterben, Gorleben, all das und anderes habe ich mehr als einmal gehört. Zum Glück sind wir aus diesem Alter schon etwas länger raus. Die wahre Bedeutung und Herkunft des Namens ist mir allerdings nicht bekannt. Es gibt einen historischen Aufsatz (Gerd Mentgen: Die mittelalterliche Ärzte-Familie „Gutleben”, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 139.1991, S. 79-93), der an eine jüdische Vergangenheit denken lässt; die dort genannten Ärzte waren um 1400 im Raum Straßburg, Colmar, Freiburg und Basel tätig. Soweit ich meine Ahnenreihe mit Hilfe meiner inzwischen verstorbenen Vorfahren väterlicherseits rekonstruieren konnte, befanden sich jedoch keine Juden unter ihnen. Die mir bekannten Gutlebens stammen aus Ostpreußen, haben namentlich in Palmnicken und Pillau gelebt. Eine Brücke zwischen dem Nordosten des Reiches um 1900 und dem Südwesten 500 Jahre früher kann ich nicht schlagen. Sofern jemand aus unseren Reihen in Sachen Ahnenforschung bewanderter ist, wäre ich für weiter führende Hinweise dankbar.

Heinrich Heine

Heinrich Heine ist der Schriftsteller, mit dem ich mich in den vergangenen 35 Jahren am häufigsten beschäftigt habe. Selten nur zur Unterhaltung, fast immer aus literaturwissenschaftlichem Blickwinkel. Ihm sind gleich mehrere Seiten meines Web-Auftritts gewidmet.

Kinderbibel

Obwohl häufig beklagt wird, dass die Weitergabe christlicher Traditionen von einer Generation zur nächsten dabei ist, abzureißen und junge Menschen zunehmend Zeit vor allen möglichen Bildschirmen verbringen, sind Bibelbearbeitungen für Kinder ein Print-Medium, das immer noch boomt. Um Eltern, Paten und allen im weitesten Sinne religionspädagogisch Tätigen eine Orientierung auf dem immer unübersichtlicher werdenden Markt zu geben, hat die ev. Kirchengemeinde Sterkrade im Jahr 1999 eine Kinderbibel-Ausstellung mit Rahmenprogramm veranstaltet. Als Presbyter und Bibliothekar fiel mir bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Veranstaltung eine wichtige Rolle zu, die ich auch gern übernommen habe. Aus der Mitwirkung bei der Organisation der Ausstellung resultierte mein bisher einziger Beitrag zu einer bibliothekarischen Fachzeitschrift (Kindern theologische Themen nahe bringen: Bibeln für die Kleinsten. In: BuB 52 / 2000, S. 52-61) sowie der Artikel Kinderbibel in der Wikipedia, der in der Folge mehrfach durch „Selbstdarsteller” und „Missionare” aufgemischt und sogar vorübergehend gesperrt wurde - nachzulesen auf der zugehörigen Diskussionsseite.

Liberale Demokraten

Eine kleine linksliberale Partei, die für mich persönlich eine große Bedeutung hat. Was es damit auf sich hat, wird ansatzweise auf der Politik-Seite geklärt. Etwas deutlicher wird es vielleicht hier.

Loreena McKennitt

LM ist für mich die bislang letzte nennenswerte musikalische Neuentdeckung. LM Mitte der 90er Jahre hörte ich ihre »Bonny Swans« im Autoradio und hatte nicht eher Ruhe, bis ich das zugehörige Album »The Mask and the Mirror« ausfindig gemacht hatte. In den Jahren danach legte ich mir so ziemlich alle ihre vorherigen und nachfolgenden Scheiben zu. Bei ihrem Album »Ancient Muse« war ich allerdings ein wenig verstimmt darüber, dass sie sich zunehmend selbst zitiert und nach langjähriger Pause anscheinend musikalisch nicht weiter gekommen ist. Aber wo soll sich eine hin entwickeln, die so knapp an der Vollkommenheit vorbeischrammt wie sie? Was kann man sich vorstellen, das ihre DVD »Nights from the Alhambra« noch toppen könnte? Vielleicht ein persönlich miterlebtes Konzert - ich hatte im Frühjahr 1998 immerhin das Glück, sie in Düsseldorf live zu sehen und zu hören...

Loveparade

Es gibt kaum ein Ereignis in meinem Leben, das mich so sehr verstört und empört (hat), wie die Katastrophe bei der Duisburger Loveparade.
Lange habe ich mich gefragt: warum? Lag es an der relativen Nähe (vielleicht 10 km Luftlinie)? Konnte ich mir vorstellen, als Schaulustiger selbst in den tödlichen Tunnel geraten zu sein? Hat mich die Vorstellung beunruhigt, meine eigenen Söhne könnten im Gedränge gesteckt haben? (Was sie allerdings nicht taten - wie ich niemanden kenne, der auf dem Veranstaltungsgelände war oder gar dort zu Schaden gekommen ist.) War es vielleicht die Kontrasterfahrung zu dem nur ein Wochenende zuvor mit noch mehr Menschen (von drei Millionen wage ich dabei inzwischen nicht mehr zu sprechen) ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangenen Still-Leben auf der A 40? 
Mag sein von all dem etwas, aber inzwischen meine ich: was meinen Zorn größer sein lässt als die Trauer ist das Gefühl, dass sich hier in eindringlichen Bildern noch einmal die Grunderfahrung wiederholt hat, wie es immer wieder zugeht mit uns hier unten und denen da oben... 
Die da unten (und dazu zähle ich mich auch) sind die Opfer, die in Schützengräben und Kohlengruben verheizt wurden, die man in Lagern eingezäunt hat und in Viehwaggons gepfercht, und die selbst dort, wo es nicht mit dem Ziel der Vernichtung geschah, um glorreicher Ziele willen zur Not auch geopfert wurden. Oft genug ließen wir uns wie Lämmer zur Schlachtbank führen, gingen jubelnd auf die Fahrt in den sicheren Tod. Die Jugend der Nation wie jetzt in Duisburg durch ein Nadelöhr auf dieses abgefuckte Gelände zu schicken - ist das nicht eine weitere Episode in dieser menschenverachtenden Historie? 
Und die da oben, die mit ihren geheimen Strategiepaieren, vertraulichen Akten und ehrgeizigen Plänen - sind das nicht die, die letzten Endes auch über Leichen gehen, wenn sie so ihren Zielen näherkommen? Die die Wahrheit zurückhalten und schamlos lügen (ich denke nur an die bis zuletzt getürkten Besucherzahlen)? Die hoch oben aus sicherer Warte auf das Geschehen herabblicken, sich an Massen berauschen aber keine Individuen mehr sehen. Die wenn's gut läuft, sich selber feiern und sich in Scheinwerfern und Kamerablitzen sonnen - die aber untertauchen, sich abseilen und in Sicherheit bringen, wenn es dann mal schiefgeht. Die man nicht zu fassen kriegt, die auf Zeit spielen, die Spuren verwischen und später oder an anderem Ort ihr altes Spiel wieder aufnehmen. Irgendwie hatte man gehofft, wir lebten inzwischen in anderen Zeiten. Nun noch einmal so eindringlich vor der eigenen Haustür (und nicht in China oder Afrika) vorgeführt zu bekommen, dass sich im Grunde gar nichts geändert hat, das ist für mich das Bitterste von allem. Das nährt das Verlangen, die Verantwortlichen doch einmal zu packen zu bekommen, wenigstens einen von ihnen zur Rechenschaft zu ziehen. 
Ich schätze, am Ende sind es zu viele Mitverantwortliche, um auch nur einen von ihnen wirklich dingfest zu machen. Und die böse Vorahnung, dass es am Ende tausende Seiten von Gerichtsakten aber keine persönlichen Konsequenzen geben wird, verhindert, dass ich jetzt oder in absehbarer Zeit meinen Frieden mit dieser Geschichte machen kann. Hoffentlich gibt es weiterhin genug andere wie
diese akribischen Zeitgenossen, denen es auch so oder ähnlich geht! Mehr dazu hier.

Moody Blues

Beim Rückblick über etwa vier Jahrzehnte würde ich die Moody Blues wohl doch als meine Lieblingsband bezeichnen. Als ich sie 1972/73 für mich entdeckte, hatten sie allerdings ihre beste Zeit gerade hinter sich und das letzte ihrer sieben klassischen Alben veröffentlicht. In der Zeit danach haben sie noch ein paar nette Stücke gemacht und Justin Hayward hat auch allein einiges zustande gebracht, aber vielleicht haben sie den Zeitpunkt für einen ehrenvollen Abgang inzwischen verpasst. Im neuen Jahrtausend hat es von ihnen außer einigen Livemitschnitten und einem Weihnachtsalbum nicht Neues mehr gegeben, daher befürchte ich, dass da auch nicht mehr viel zu erwarten ist...
Ich habe für Amazon die meisten ihrer Studio-Alben besprochen und eine
Lieblingsliste hinterlegt.

NBO

New Basket ist neben Rot-Weiß Oberhausen sicher der momentan bekannteste Verein in meiner Heimatstadt. Während die Bundesligazeit für RWO schon länger zurückliegt, spielt die Erste Damenmannschaft von NBO seit 2002 erfolgreich in der DBBL mit. Einen wichtigen Erfolg gab es mit der Deutschen Vize-Meisterschaft in der Saison 2004/05. Der Auswärtssieg im entscheidenden Halbfinal-Spiel beim bis dato übermächtigen Rivalen BG Dorsten steht für mich vom Erlebniswert nicht hinter den großen Spielen von RWO zurück.  2012 konnte das Team mit dem Pokalsieg seinen ersten nationalen Titel holen.

Neoliberalismus

Der Terminus „Neoliberalismus” ist für mich ein negativ besetzter Kampfbegriff, um die Kräfte zu benennen, die im Interesse des global agierenden Kapitals weitgehende Veränderungen in Staat und Gesellschaft in Gang setzen, zu denen u.a. Deregulierung, Entsolidarisierung, Abbau sozialer Sicherungssysteme und zunehmende Einführung des Wettbewerbs in allen Lebensbereichen gehört. Als Links- oder Sozialliberaler grenze ich mich natürlich von der FDP als „Partei der sozialen Kälte” ab und lege Wert darauf, dass nicht der ganze Liberalismus durch die marktradikalen Kräfte in Misskredit gebracht wird. Wobei zu betonen ist, dass sich die neoliberale Ideologie keineswegs auf die FDP beschränkt, sondern besonders in der Ära Schröder bis weit in die SPD eingedrungen ist. Diese Entwicklung hat wiederum die PDS stark gemacht und zur Gründung der WASG geführt, die sich nun gemeinsam als Linkspartei bundesweit etabliert haben. Auch ich habe diese Gruppierungen inzwischen mehr als einmal gewählt. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass sie die Auswüchse des Neoliberalismus verhindern können und teile nicht ihren Gesellschaftsentwurf in letzter Konsequenz, bin aber dankbar dafür, dass es wenigstens noch Kräfte gibt, die die fatalen Tendenzen beim Namen nennen und den politischen Diskurs nicht denjenigen überlassen, die dem Neoliberalismus entweder huldigen oder seine Motive verschleiern.

Oberhausen

Oberhausen ist meine Heimatstadt. Es ließe sich viel dazu schreiben; ich beschränke mich jedoch auf einen Verweis zum kleinen Fotoalbum und auf meine Sonderseite zu RWO.

Olpe

Olpe am Biggesee war mein Zweitwohnsitz von Mitte 1981 bis Mitte 1983. Diesen Ort hatte ich nicht selbst gewählt - er wurde mir im Vorfeld meines Referendariats zugeteilt. Das Lehrerseminar war in Siegen und das Städtische Gymnasium Olpe während dieser Zeit meine Ausbildungsschule. Nach 25 Jahren im Ruhrgebiet bescherte mir der Aufenthalt im landschaftlich durchaus reizvollen Sauerland einen „Kulturschock”. Anders als das Siegerland war der Kreis Olpe überwiegend katholisch und man wählte mehrheitlich die CDU. Linke Liberale und friedensbewegte Menschen waren eine rare Spezies. Dennoch hat sich im Raum zwischen Drolshagen und Lennestadt in dieser politisch ereignisreichen Zeit einiges abgespielt, an dem wir nicht ganz unbeteiligt waren. Nach meiner Referendarzeit, auf die keine Übernahme in den Schuldienst folgte, war ich nur noch selten dort. Dennoch bedauere ich von Zeit zu Zeit, dass meine Eltern das Apartment in Olpe, das sie noch ab und zu als Ferienwohnung nutzten, später wieder verkauft haben. Denn das Biggehaus war nicht nur wunderbar gelegen; es verfügte auch über ein eigenes Hallenschwimmbad mit Sauna und einen Tennisplatz...

Ostpreußen

Wie unter Gutleben bereits erwähnt, stammen meine Vorfahren väterlicherseits aus Ostpreußen, haben nachweislich in Palmnicken und Pillau gewohnt und gewirkt. Meine Großmutter, die ich als einzige aus dieser Generation noch persönlich kannte, ist in Königsberg aufgewachsen. Nach ihrer eigenen Schilderung hat sie die Übersiedlung nach Oberhausen als Abstieg erlebt. Das habe ich anfangs nicht verstanden und als Äußerung einer „Früher-war-alles-besser”-Mentalität abgetan. Heute kann ich mir allerdings vorstellen, dass Königsberg als Provinzhauptstadt, die unter anderem über einen Hafen und eine Universität verfügte, wesentlicher urbaner gewirkt haben muss als das nahezu geschichtslose Oberhausen, das erst 1929 durch die Zusammenlegung mit Sterkrade und Osterfeld zur Großstadt wurde. Etwa zu dieser Zeit kamen meine Großeltern hier an - sie waren also keine Flüchtlinge oder Heimatvertriebenen. Dass meine Großmutter später gleichwohl zu den Landsmannschaften hielt, das Ostpreußenblatt abonnierte und dem Kaiser nachtrauerte, hielt ich in meiner Jugend- und Studentenzeit für eine bedenkliche Mischung autoritären, nationalistischen, antikommunistischen und revanchistischen Gedankenguts, zu dem ich eine tief empfundene Distanz aufbaute. Erst nach ihrem Tod und den bald darauf einsetzenden politischen Veränderungen im einstigen Ostblock konnte ich ein unbefangeneres Verhältnis zur alten Heimat entwickeln. Im Jahr 2002 bot sich die Gelegenheit, im Rahmen einer einwöchigen Reise die bislang nur durch alte Postkarten und Bücher bekannten Orte selbst aufzusuchen. Während das heutige Kaliningrad offensichtlich nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem Königsberg von vor hundert Jahren hat, hinterließ die Kurische Nehrung einen tiefen Eindruck, vor allem mit ihren heute in Litauen gelegenen Orte Nida und Juodkrante. Seitdem habe ich vor, dort noch einmal einen Urlaub in aller Ruhe zu verbringen. Keine Ruhe lässt mir dagegen die Kunde vom Massaker in Palmnicken, deshalb hier ein Link.

Ludwig Quidde

Die Zeit der Idole, Helden oder großen Vorbilder ist für mich vorbei. Besser als viele andere eignete sich für diese Rollen Ludwig Quidde: Historiker, Demokrat und (manchmal zu oft) auf Ausgleich bedachter Pazifist. Einerseits wurde er 1927 mit dem Friedens-Nobelpreis ausgezeichnet, andererseits häufen sich bei ihm in der Zeit danach die Enttäuschungen und Niederlagen: seine Verdrängung von den Führungspoitionen der deutschen Friedensbewegung, das Abdriften der Deutschen Demokratischen Partei nach rechts, das vollständige Scheitern der von ihm mitgegründeten Radikaldemokratischen Partei, Hitlers Machtergreifung und sein eigenes Exil in der Schweiz, schließlich der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Heute ist er weitgehend vergessen, aber eine den Jungdemokraten nahestehende Bildungseinrichtung hat sich ihm zu Ehren Ludwig-Quidde-Forum genannt. Ich habe für die Website des LQF eine Kurzbiographie geschrieben.

Karin Struck

In der zweiten Hälfte der 70er Jahre war ich zweifellos ein Karin-Struck-Fan und es gibt keine Persönlichkeit aus der Literatur-Szene, der ich jemals so nahe gekommen bin. Ich habe Lesungen und Lehrveranstaltungen von ihr in Bochum und Essen besucht, war schließlich per Du mit ihr und 1978 zugast in ihrer Wohnung in der Kerßenbrockstraße in Münster. Auslöser für diese Verehrung war ihr Buch »Die Mutter« - für mich ein bemerkenswert offenes und sehr persönliches Stück Literatur. Inhaltlich las ich vor allem ein Plädoyer für mehr Anerkennung der Mütter in der heutigen Gesellschaft und gegen die Tendenz, Kinder als störend zu empfinden, sie wegzugeben oder gar abzutreiben. Zudem ist das Kapitel „In der Fabrik” eine kritische Reportage darüber, wie Gebärende und Geborene im technokratischen Krankenhausbetrieb zunehmend zu Objekten wurden. Während dieses Kapitel weitgehend anerkannt wurde, gab es sonst überwiegend kritische Stimmen zur »Mutter«, nachdem die junge Autorin zwei Jahre zuvor mit ihrem Erstling »Klassenliebe« Furore gemacht hatte. Die Linken warfen der inzwischen wieder aus der DKP ausgetretenen Karin Struck vor, sich „nach rechts geschlagen” zu haben und durch ein Kreisen um Begriffe wie „Heimat” und „Mutter” konservatives Gedankengut zu kultivieren (sofern nicht gar von „Blut und Boden” die Rede war…) Die literarische Kritik rieb sich an der Formlosigkeit ihrer subjektiven Bekenntnisliteratur und fand bei der Ich-Erzählerin (oder der Autorin) neurotische Züge bzw. Hypersensibilität und Selbstmitleid. Mit mehreren Jahrzehnten Abstand würde ich heute behaupten, dass »Die Mutter« ein frühes und eventuell herausragendes Beispiel für eine politisch-literarische Trendwende war. Auf die Vorherrschaft gesellschaftskritisch-engagierter Literatur folgte etwa Mitte der 70er Jahre die so genannte Neue Innerlichkeit: der subjektive Faktor kam wieder zu seinem Recht, die orthodoxen Marxisten und Klassenkämpfer wurden zunehmend von den Themen der neuen sozialen Bewegungen (Umwelt, Frauen, Frieden…) in den Hintergrund gedrängt. Karin Struck vielleicht als Vorbotin der Neuen Mütterlichkeit? Oder deutete sich schon im zweiten Buch ihr späterer Weg an?
Sie entwickelte sich nämlich zunehmend zu einer äußerst entschiedenen Abtreibungsgegnerin und wurde darüber sogar sehr katholisch - gleichzeitig aber verschwand sie als Autorin allmählich von der Bühne und brachte sich nur noch durch einige provokante Auftritte bei Talkshows in Erinnerung…

Vollton & Licht

Das ist einer meiner Werbelinks, aber was verbirgt sich dahinter? V & L verleiht Beschallungs- und Beleuchtungsanlagen, stellt Bühnen und sonstiges Equipment zur Verfügung, bei Bedarf auch Knowhow und Personal.
Vollton ist nicht der heimliche Sponsor meiner Website...

Web 2.0

Einige Features des sog. Web 2.0 nutze ich gerne, der Nutzen einiger anderer erschließt sich mir nicht, einen wesentlichen weiteren Teil halte ich schlicht für Müll. Im Frühjahr 2008 habe ich einige Gedanken dazu formuliert.

Wikipedia

Von außen betrachtet handelt es sich um ein frei zugängliches, ständig wachsendes Nachschlagewerk, das mittlerweile zu über einer Million Stichworte weitgehend zuverlässige Informationen bietet. Hinter den Kulissen ist die Wikipedia gleichzeitig aber auch eine mehrere Tausend Mitglieder umfassende Community, die nicht nur an den Artikelinhalten und der Struktur des immer komplexer werdenden Projektes arbeitet sondern auch ein reges Eigenleben führt. Da gibt es Diskussionen und Meinungsbilder, Abstimmungen und Stammtische und die konstruktiven Kräfte befinden sich in einer ständigen Auseinandersetzung mit Missionaren, Selbstdarstellern und Vandalen, ganz zu schweigen von Sockenpuppen, Trollen und weiteren Wesen, von deren Existenz ich vielleicht noch gar nichts weiß. Denn soweit es nicht unumgänglich ist, ignoriere ich das komplexe Beziehungsgeflecht im Hintergrund und konzentriere mich auf Sachaspekte. Nach der Anfangseuphorie hat sich meine Mitwirkung eher auf einem bescheidenen Niveau eingepegelt, aus dem seither nur zwei Monate herausragen: im November 2006 beschäftigte mich die niederländische Parlamentswahl mit den darauf folgenden Koalitionsverhandlungen. Im Juni 2007 hatte ich maßgeblichen Anteil an der Überarbeitung des Artikels zu Heinrich Heine, als dieser sich um das Qualitätssigel exzellent bewarb. Insgesamt habe ich bisher 89 neue Artikel eingebracht und an über 350 weiteren kleinere oder größere Veränderungen vorgenommen. Wer's genau wissen will, findet hier meinen Beitragszähler. Einmal verfasste Artikel behalte ich in der Regel im Auge, auch wenn man in einem solchen Gemeinschaftsprojekt natürlich keine Urheberrechte behält. In den meisten Fällen erkenne ich meine Handschrift weiterhin wieder, weil die anderen nur Ergänzungen, Aktualisierungen und formale Korrekturen vorgenommen haben. Wenn's inhaltliche Differenzen gibt, muss das ausdiskutiert werden, wobei es es meist zu einvernehmlichen Lösungen kommt. Eine ganz spezielle Beziehung habe ich zu meinen Beiträgen entwickelt, die für mich selbst einen etwas exotischen Charakter haben, weil sie nicht aus dem Zentrum meiner Lebenswelt stammen. Kleiner Test: wer verbindet ohne Blick in die Wikipedia etwas mit Femke Halsema, Jorane, Kim Kashkashian oder Tathiana Garbin?

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