Aktives Mitglied...

Interesse an politischen Vorgängen und Kontroversen hatte ich schon in jungen Jahren. Eine klare Position im Spektrum der Weltanschauungen und Zielsetzungen habe ich allerdings erst während meines Studiums an der Ruhr-Universität Bochum in der Mitte der 70er Jahre gefunden, als ich mich dem liberalen Hochschulverband anschloss. Dies war mein erster Schritt ins Lager des Linksliberalismus, dem ich mich auch heute noch zurechne. Damals, zur Zeit der sozialliberalen Koalition, gab es die so genannte Zwei-Wege-Strategie: mit dem einen Fuß befand man sich gewissermaßen auf der Straße, bei den Demonstrationen und Basis-Aktivitäten der zahlreichen Bewegungen, mit dem anderen Fuß stand man jedoch in der Tür des Parlaments, die aufgrund der gleichzeitigen Mitgliedschaft in der FDP nicht verschlossen war.
Als 1982 aber die Koalition zwischen SPD und FDP zerbrach, die die Jahre meiner politischen Grunderfahrungen geprägt hatte, war dieser Spagat nicht mehr möglich und eine deutliche Entscheidung vonnöten. Die linken Liberalen kamen dabei allerdings zu verschiedenen Ergebnissen: zwar verließen die meisten von ihnen damals die FDP, aber nur wenige gründeten bald darauf die Liberalen Demokraten (LD), viele andere fanden sich in den Reihen der SPD oder der Grünen wieder oder kehrten der Politik frustriert den Rücken.
Ich entschied mich nach einigem Zögern für die Liberalen Demokraten, die jedoch sehr bald erkennen mussten, dass sie keine ernsthafte Alternative zur gewendeten FDP werden konnten. Rational betrachtet war daher mein Entschluss, diese offenkundig aussichtslose Partei 1987 wieder zu verlassen, durchaus konsequent.
Konsequent wirkte zunächst auch der spätere Eintritt bei den Grünen, die letzten Endes die linksbürgerliche Partei geworden zu sein schienen, als die sich die LD nicht etablieren konnten. Aber Politik ist nicht nur eine Kopfsache – offenbar einer der Gründe dafür, dass ich bei den Grünen nie heimisch wurde und mich mit ihren Positionen als Regierungspartner von Kanzler Schröder nicht anfreunden konnte. Von den LD zu den Grünen gewechselt sind manche, von den Grünen zurück in die LD wahrscheinlich nur ein paar Exoten, zu denen ich mich in diesem Fall zählen möchte. Meine ganz persönliche Geschichte mit den LD aus dem Jahr 2000 trägt den Untertitel meine unglücklichste Liebe. Mein Redebeitrag beim 25jährigen Gründungsjubiläum der LD im November 2007 liest sich ein wenig anders...

... und distanzierter Forscher

Menschen, die sich in aussichtslosen Kleinparteien engagieren, können schnell in den Ruf geraten, ein wenig sonderlich zu sein. Vielleicht nicht zuletzt, um dieser Gefahr entgegenzuwirken und mich selbst vor einem Abdriften in Realitätsverlust und Sektierertum zu schützen, habe ich immer wieder versucht, mich als Parteienforscher mit der Entwicklung linksliberaler Parteien kritisch auseinanderzusetzen. Neben einigen Beiträgen im FDP-nahen Magazin liberal habe ich ein paar Aufsätze in Fachzeitschriften veröffentlicht; diese sind inzwischen in der Duisburg-Essener Universitäts-Bibliographie verzeichnet.
In der Wikipedia bin ich Hauptautor des Artikels Linksliberalismus und habe eine Reihe von Artikeln zu linksliberalen Kleinparteien in Deutschland und den Niederlanden erstellt und bearbeitet. Zwar gibt es in diesem Projekt keine fixierten Texte mit eindeutiger Autorschaft; ich darf aber behaupten, dass der Beitrag zu den Democraten 66 zu 90% aus meiner Feder stammt.
Meine lange Zeit unter dem Titel Linksliberale Splitterparteien im 20. Jahrhundert veröffentlichte Studie steht inzwischen unter ihrem neuen Titel als pdf-Dokument zur Verfügung: 100 Jahre linksliberale Kleinparteien in Deutschland
Eine Fleißarbeit des Bibliothekars ist die Bibliographie zum deutschen Liberalismus im 20. Jahrhundert; sie ist bisher unveröffentlicht.
Die LD sind eine von zahlreichen Kleinparteien in Deutschland. Diese haben in der politikwissenschaftlichen Forschung in den letzten Jahren ein zunehmendes Interesse gefunden. Einige der wichtigsten Veröffentlichungen zum Thema stelle ich in einer Sammelbesprechung vor.