Oer_Erkenschwick.gif (2517 Byte)Kleingärtnerverein "Arbeit und Freude"
45739 Oer-Erkenschwick    Ahsener Straße

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Totholz im Kleingarten

Erfahrungen aus dem Kleingärtnerverein „Arbeit und Freude" in Oer-Erkenschwick

Ein auf der Gemeinschaftsfläche aufgeschichteter Misthaufen wurde in unserer Kleingartenanlage nach seiner Anlieferung über Nacht auf die Hälfte seines Volumens dezimiert.
Denn Kleingärtner können zur Bodenverbesserung Mist immer gebrauchen.

Ein vor dem Vereinsheim bei Umbaumaßnahmen aufgekippter Schutthaufen vergrößerte über nacht sein Volumen auf das doppelte.
Denn Kleingärtner müssen häufig Schutt entsorgen.

Diese Erfahrungen machen viele Vereinsvorstände und dieses Wissen erschreckte die Mitglieder bei der Mitteilung des Vorstandes, als nächstes Ökoprojekt werde eine Reisighecke gestaltet.

„Nun spinnt der Vorsitzende wirklich." „Soweit kann man doch bei aller Liebe zur Natur nicht gehen" dieses waren nur einige milde Äußerungen, die ich mir bei der Bekanntgabe der neuen Gemeinschaftsaufgabe anhören mußte.

Und so wird auch mancher beim Lesen des vorhergehenden Artikels gedacht haben.

Doch es geht: Auf der Gemeinschaftsfläche einer Kleingartenanlage besonders gut.

Dazu bedarf es allerdings einer guten Aufklärung der Mitgliedschaft.

Mitglieder und weitere Beteiligte müssen den Naturschutzgedanken akzeptieren.

Die Öffentlichkeit muß über die Presse informiert werden.

So geschah es in unserer Kleingartenanlage.

Ein Dia-Vortrag wurde durchgeführt und schöne Bilder löschten schnell die Vorbehalte aus. Zusätzlich wurde der Ehrgeiz von Mitgliedern geweckt, als sie auf den Bildern Kindergruppen erkannten, die Totholzhaufen aufbauten. „Was die Kinder können, schaffen wir doch bestimmt."

Gesagt, getan.

An mehreren Wochenenden wurde entlang eines Gehölzstreifens entlang der angrenzenden Straße in regelmäßigen Abständen vom städtische Bauhof nicht mehr einsetzbare Baumpfähle in den Boden eingeschlagen und dazwischen der Baumabschnitt vieler Parzellenpächter aufgeschichtet.

Es entstand eine ungefähr 40m lange Reisighecke (Bild 1) mit mehrfacher Funktion:Flechtzaun2.JPG (46047 Byte)

Naturschutz wie im vorangegangenen Beitrag beschrieben
optische Abgrenzung zur Straße
undurchdringliche Grenze zur Straße (immer wieder wurde hier an verschiedenen stellen der Zaun zerstört und eine begehbare Abkürzung geschaffen.

Die Reisighecke war von nun an ein nicht zu durchdringendes Hindernis. Ein vereinsinternes Ärgernis war mit diesem Projekt beseitigt. Die Reisighecke wurde akzeptiert und ist derzeit 12 Jahre alt und mußte schon mehrfach erneuert werden.

totholzhaufen.jpg (28377 Byte)Nachdem durch dieses Beispiel der Bann gebrochen war, konnte ohne große Probleme ein als nächstes ein Totholzhaufen aufgeschichtet werden. (Bild 2)




Danach wurde auf unserer schönen Natursteinmauer ein schon weit vermoderter Baumstamm aufgelegt.

BaumstammBeschriftet.jpg (38357 Byte)(Bild 3)

Die vielen Öffnungen wurden sichtbar von Wildbienen belegt. Mitglieder und Besucher konnten den Spruch „Ein toter Baum ist voller Leben" in eindrucksvoller Weise nachvollziehen.




Als weiteres Projekt wurde ein Holzstapel von aufgeschichteten Baumstämmen geschaffen

holzstapelBeschriftet.jpg (38130 Byte)

(Bild 4). Hier galt es die Mitglieder zu überzeugen, daß dieses Holz nicht als Brennholz für den Kamin gedacht war.

Dieses Beispiel ist besonders gelungen, der Stapel hat sich fast zersetzt und ist seiner natürlichen Aufgabe gerecht geworden, Unterschlupf und Lebensraum für viele Kleinlebewesen zu werden gerecht geworden.


Als nächstes Projekt wurde aus Haselnußzweigen und Weidenabschnitt ein Flechtzaun gestaltet.

Flechtrechteck.jpg (20967 Byte)


(Bild 5) Ein optisch ansprechendes Gebilde, das ohne große Erklärungen gestaltet werden konnte.





Schwieriger war die nächste Art der Verwendung von Totholz in der Kleingartenanlage.

weinachtsstamm.jpg (35703 Byte)Baumstubben wurden nicht entsorgt sondern dekorativ auf der Gemeinschaftsfläche abgelagert, mit schönen einjährigen Blumen umpflanzt, eine Bieneweide bot sich hier an, und dann mit Efeu überpflanzt. (Bild 6)

Mehrere tonnenschwere Stubben sind mittlerweile vermodert und haben im Naturkreislauf ihre Aufgaben erledigt.

 

 

Natürlich ist bei dieser Verwendung eine große Gefahr zu sehen:

Viele Kleingärtner werden zunächst nicht den damit verbundenen Naturschutz erkennen, sondern diese Projekte als Entsorgungsmöglichkeiten für nicht weiter verwendbaren Abfall ansehen.

Und so gibt es leider entsprechende Erfahrungen aus Kleingartenanlagen, wo diese Beispiele völlig falsch aufgefaßt wurden und die Parzellenpächter tatsächlich eine Totholzhecke nicht als Öko-Nische sondern als Entsorgungsmöglichkeit für allen möglichen Unrat genutzt haben.

Möglicherweise hätte rechtzeitige Aufklärung dieses verhindern können.

Die Erfahrungen in der Kleingartenanlage "Arbeit und Freude" jedenfalls haben gezeigt, daß bei entsprechender Information und Motivation die Verwendung von Totholz auf den Gemeinschaftsflächen unproblematisch ist.

Schwieriger wird es bei der Anlage solcher Projekte auf den Einzelparzellen.

Hier fehlt es häufig am entsprechenden Platz und hier ist die Gefahr durchaus gegeben, daß bequeme Parzellenpächter ihre Unratecke als Ökoprojekt bezeichnen. Auch hier kann durch entsprechende Schulung aller Mitglieder sehr schnell deutlich gemacht werden, wo die Unterschiede zwischen einer Öko-Nische und einer Entsorgungsnische liegen.

Ein wichtiger Hinweis zum Schluß:

Nicht überall sind diese beispielhaften Naturschutzprojekte möglich, denn bei allen Aktivitäten zur Verwendung von Totholz sind die jeweils geltenden Bestimmungen des Pachtvertrages zu beachten.

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