Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

[ Home | Aktuelles | Sekretariat | Studiengänge | Bereiche | Lehrveranstaltungen | Lehrpersonen   | Prüfungen ]

Schart, Aaron, Stand: 2007-05-07

Der Weg, Nr. 12, 17.03.2002 - (Image des Artikels)

ERINNERUNG

Unter dem Titel „Wen geht das an? - Opfer and Angehörige vergessen nie; andere brauchen Erinnerung" stand der diesjährige Anne-Frank-Tag der Evangelischen Studierendengemeinde

Gott und die zweite Chance

VON SUSANNE STRECKMANN

Unter dem Titel „Wen geht das an? - Opfer and Angehörige vergessen nie, andere brauchen Erinnerung" stand diesmal der Anne-Frank-Tag der Evangelischen Studierendengemeinde, den diese gemeinsam mit der Projektgruppe „Shoa im Unterricht" der Fachgruppe Evangelische Theologie vorbereitet hatte. Unter der Leitung von Dr. Herbert Schultze von der Universität Essen diskutierten auf dem Podium Rabbi Ernst M. Stein aus Brighton/Hove (England) and Dr. Wim Westerman (Amsterdam).

Während der Gesprächspausen spielte die Gruppe „The Exploits", die ein eigenes Lied zum Thema mit dem Titel „Anne, wo bist du?" geschrieben hatte. Die Eingangsfrage der Projektgruppe richtete sich darauf, ob and wie es möglich sei, in einer Stadt wie Theresienstadt wieder ein normales Leben, unter anderem mit Musik, zu führen. Diese Frage wurde von Rabbi Stein ausgeweitet auf die Frage, wie dies in einem Land, das verantwortlich fur die Shoa ist, überhaupt möglich sei. Für ihn haben die Opfer längst verloren, wie man zum Beispiel an der gegenwärtigen Entschädigungsdebatte sehen könne. Dagegen nahmen Westerman and Schultze eine andere Haltung ein. Die Erinnerung an die Shoa sei zwar oft nur eine Nebensache, aber keinesfalls aus der Erziehung verbannt. Auf noch deutlichere Weise wurde die radikalere Perspektive Rabbi Steins in seiner theologischen Position klar: Wenn Gott in der Shoa anwesend war, war er  kein Gott. Also kann er nicht da gewesen sein. Und nur wenn er nicht da gewesen ist, bekommt er eine zweite Chance. Ein Zusammenbringen von Auschwitz and Theologie solle man lieber vermeiden.

Dagegen stand die Aussage eines der Lieder der Musikgruppe: God is so good to me (Gott ist so gut zu mir). Wie kann man diese beiden so grundsätzlich verschiedenen Ansichten zusammenfügen? Diese Frage blieb offen and soll im nächsten Jahr wieder aufgegriffen werden. Bezüglich der Form der Erinnerung war man sich allerdings einig. Die Verantwortung an das Geschehen müsse in ganzer Schärfe deutlich benannt werden. Darüber hinaus sollte, solange die Möglichkeit besteht, der Kontakt mit den noch lebenden Betroffenen gesucht werden.