Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Schart: Sprachen und Denken der Bibel, WS 1998 - Grammatik 03

3. Hebräische Artikulationszeichen

3.1. Schwa

Man unterscheidet zwischen einem Schwa simplex (=einfachem Schwa) und Schwa compositum (=zusammengesetztes Schwa). Das Schwa simplex ist ein Doppelpunkt unter einem Konsonanten = m;. Es bezeichnet als

Das Schwa compositum kann als Murmellaut bei "a"-haltigen Vokalen stehen, die Laryngalen () h x ()  folgen. Es bildet dann mit dem entsprechenden Vokal einen Chatef-Laut:

Regeln zur Unterscheidung des Schwa simplex:

  1. Schwa im Wortanlaut ist stets Schwa mobile.
  2. Schwa im Wortauslaut ist stets Schwa quiescens.
  3. Folgen zwei Schwa im Wortinnern aufeinander, so ist das erste stets ein Schwa quiescens, das zweite stets ein Schwa mobile.
  4. Schwa nach kurzem Vokal ist stets Schwa quiescens.
  5. Schwa nach langem Vokal ist sets Schwa mobile.
  6. Bei Laryngalen ersetzt meist Schwa compositum das Schwa simplex.

3.2. Dagesch

Das Dagesch ist ein Punkt in einem Konsonanten = d@. Man unterscheidet:

Regeln zur Unterscheidung des Dagesch:

  1. Dagesch nach Vokal ist stets Dagesch forte.
  2. Dagesch nach Konsonant ist stets Dagesch lene.
  3. Dagesch im Satz- bzw. Wortanfang ist bei Begadkefat stets Dagesch lene (in anderen, seltenen Fällen im Wortanfang Dagesch forte, sogenanntes: Dagesch forte euphonicum oder conjunctivum).
  4. Laryngale und Resch erhalten nie ein Dagesch.
  5. Träfen ein Schwa mobile und ein Dagesch forte zusammen, wird das Dagesch in der Regel nicht geschrieben (Ausnahme: Bei Begadkefat-Lauten darf ein solches Dagesch nicht ausfallen!).

3.3. Patach furtivum, Mappiq und Meteg

Das Patach furtivum dient zur Erleichterung der Aussprache bei Laryngalen () h x (). Es steht am äußersten rechten Rand des betreffenden Laryngals und wird vor dem Konsonanten gesprochen, unter dem es steht: xAw%r = ruach.

Das Mappiq dient zur Kennzeichnung der konsonantischen Aussprache bei auslautendem He. h@cfr;)a

Das Meteq bezeichnet einen Nebenton im Wort, vor allem bei langen Vokalen: MyqiyFwOh\y;

3.4. Akzente in Auswahl

Eine umfassende und zugleich exakte Funktionsbeschreibung der 48 sog. Akzente zu geben, ist der Wissenschaft bisher nicht gelungem. Zu vielfältig sind die Aspekte, die in dieses - die Vokalisation ergänzende und in Prosa und Poesie unterschiedliche - System eingegangen sind. So fungieren die Akzente u.a. als eine Art von musikalischen Vortragszeichen für die Lesung der Texte im Synagogen-Gottesdienst, als Zeichen für die Betonungsverhältnisse in Wörtern und als Interpunktionszeichen. Eine Einführung in die heute übliche musikalische Darbietung der Textlesung im Synagogengottesdienst findet man auf den Webseiten "Navigating the Bible" (mit Klangbeispielen!).  Für den philologischen Umgang mit den alttestamentlichen Texten ist vor allem die Funktion als Interpunktionszeichen wichtig, läßt sich doch von daher das masoretische Verständnis der syntaktischen Gliederung der Texte erschließen. In diesem Zusammenhang sind allerdings nicht alle Akzente von Bedeutung; wichtig sind in erster Linie die im folgenden aufgelisteten 3 Akzente, die sich in beiden Akzentsystemen finden. Name und Funktion der übrigen Akzente können den Tabellen entnommen werden, die den wissenschaftlichen Bibelausgaben beigegeben sind.

Da einige von den Akzenten die sogenannte "Pausalbetonung" bewirken, die -am Ende von (Halb-) Sätzen bzw. Äußerungseinheiten - zu Änderungen im Vokalismus führen kann, sind diese Akzente auch für die Formenlehre von Belang.

3.5. Ketib und Qere

In Fällen, in denen der heilige Konsonantentext den Masoreten als fehlerhaft erschien, wagte man dennoch nicht, den überlieferten Konsonantenbestand zu ändern. Statt dessen setzte man einfach die Vokalzeichen der vermuteten Lesart (= Qere, das zu Lesende) unter die Konsonanten der vorgegebenen Lesart (= Ketib, das Geschriebene), setzte als Zeichen einen kleinen Kreis über das Ketib und schrieb an den Rand des Textes die Konsonanten des Qere. Bei einigen häufig vorkommenden Worten, wie dem Gottesnamen YHWH oder dem Städtenamen Jerusalem verzichtete man auf die Notierung des Qere am Textrand (= Qere perpetuum, dauerndes Qere).

3.6. Betonung

Die Betonung der hebräischen Wörter liegt, sofern sie unflektiert in ihrer grammatikalischen Grundform erscheinen, in der Regel auf der letzten Silbe. Da die Akzente in aller Regel auf der Tonsilbe notiert werden, lassen diese erkennen, wo der Hauptton liegt.