Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Schart, Aaron, Stand: 2007-04-05

Nummer 14 Donnerstag, 17. Januar 2002   - WAZ

Hauptschüler treffen NS-Opfer in London: "Spurensuche" endet mit Filmprojekt

Von Dirk Aschendorf

„Den Geschmack von Orangensaft and weißem Butterbrot werde ich nie vergessen". Bea Green, geborene Maria Beate Sigel, erinnert sich an holländische Damen, die sie 1938 vor der Überfahrt nach England bewirteten. Als für deutsche jüdische Kinder die Flucht vor den Nazis noch möglich war.

Erinnerungsszenen wie diese durchziehen den Film, den Schülerinnen and Schüler der 10. Klasse der Gemeinschaftshauptschule an der Bruchstraße in London produzierten. Der Film und die begleitende Ausstellung, die gestern der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, zeigen das ehrgeizige Projekt „Spurensuche", das sich mit der Geschichte der Kindertransporte nach England bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges auseinandersetzt. Damals konnten so rund 10 000 jüdische Kinder vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gerettet werden.

Seit zwei Jahren gibt es die "Spurensuche" an der Bruchstraße. Und die führte die Jugendlichen nicht nur in Museen, Bibliotheken and Archive, sondern auch in Gedenkstätten wie die Essener Synagoge. Faktensuche im Internet aber auch vor Ort zeigte sich bald als sinnvolle Ergänzung zum Unterricht. Geschichte, Politik, Deutsch und Religion: Eine Vernetzung der Themenbereiche bot sich hier geradezu an. Hilfestellung bei Konzeption und Recherche gaben die Lehrer Oliver Decka und  Jürgen Parussel sowie Dr. Herbert Schultze von der Essener Uni. Die visuelle Umsetzung begleitete Medienpädagoge Jörg Briese. Vor allem natürlich die Recherchefahrt nach London.

Dort trafen die Schüler auf Zeitzeugen wie die gebürtige Essenerin Rita Rosenbaum oder Bea Green, die mit 14 Jahren von München nach England floh. Ihre Berichte bilden den Kern des Films, der so zu einem Dokument der „Oral History" wird. Geschichte, die sich in mündlicher Uberlieferung konkretisiert.

Schuldezernent Hans-Theo Horn lobte das Projekt als „Brückenschlag zwischen theoretischem Wissen and dem greifbaren Schrecken der Geschichte". Denn nur, wer sich bewusst mit der Geschichte auseinandersetze, sei auch in der Lage, daraus Konsequenzen für die eigene Zukunft abzuleiten.            .

"Spurensuche" geht weiter mit dem Schwerpunkt "Gedenkstättenpädagogik" am Beispiel des KZ Theresienstadt.

Die Ausstellung ist ab 15. April im Rathaus zu sehen. Die Filmdokumentation wird in der Alten Post gezeigt.


Faksimile des Artikels,

Arbeitshilfe "Kinder, die dem Holocaust entkamen", Inhaltsverzeichnis.