Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Aaron Schart, Proseminar AT, last edited: 2008-09-16

Kanonkritik

Der Arbeitsschritt der Kanonkritik untersucht, wie eine autoritative Schriftensammlung (z.B. jüdische Bibel, christliche Bibel, Koran) zustande gekommen ist und welche Funktion sie für die betreffende Gemeinschaft hat.

Lit: Bussmann, Claus / Sluis, Douwe van der: Die Bibel studieren. Einführung in die Methoden der Exegese. München: Kösel, 1982, 11-16.
      Kaiser, Otto: Grundriß der Einleitung, Band 3. Gütersloh, 1994, 123-131.

1. Bedeutung der Kanonfrage

Dass und wie man im Studium der Theologie die Bibelwissenschaft betreibt, hängt an der Autorität, die der Bibel von außen zuerkannt wird (Kanonizität). Die Einheit der Bibel als Literatursammlung verdankt sich schon in den Frühphasen ihrer Entstehung dem Interesse, eine für die jeweilige Glaubensgemeinschaft autoritative Sammlung zusammenzustellen.

2. Der biblische Kanon - oder wie Bücher zum Wort Gottes werden

Bei der Bibel handelt es sich nicht um ein Buch, geschrieben in einem Stil, mit einer deutlichen Lehre. Es sind Bücher, Briefe, Gedichte, Liebeslieder, Chroniken, Gesetzbücher, Weisheitserzählungen und anderes, geschrieben in sehr verschiedenen Situationen, mit sehr unterschiedlichen Inhalten und Intentionen. Alle diese Schriften und Bücher sind von einer Glaubensgemeinschaft (Judentum, Christentum) zusammengefügt und als verbindliche »Urkunde« des Glaubens anerkannt worden (Judentum: um 100 n.Chr.; Christentum: Konzil von Laodicea 360).

3. Warum wird eine Schrift kanonisch?

Grundsätzlich hat man im Laufe der Geschichte solche Schriften aufgenommen, die von großen Teilen der Glaubensgemeinschaft als gültige Formulierungen der grundlegenden Gotteserfahrungen akzeptiert wurden. Darüber hinaus haben auch das vermeintliche Alter einer Schrift, ihre Verwendung im Gottesdienst und ihre Abfassung durch einen anerkannten Autor, etwa einen Apostel, eine Rolle gespielt.

4. Die verschiedenen Kanones

Die verschiedenen christlichen Kirchen, das Judentum und einige Sekten sind hinsichtlich des Kanons verschiedener Meinung (gewesen). Ein Kernbestand an alttestamentlichen Schriften wird fast immer anerkannt.

5. Geltung des Kanons für die Glaubensgemeinschaft

Die Kanonkritik untersucht auch, in welcher Weise der Kanon in der betreffenden Glaubensgemeinschaft in Geltung steht. Im Judentum gelten vor allem die 613 Gesetzesvorschriften der Tora als verbindlich. Im Protestantismus erkennt man die Bibel von ihrer Mitte Jesus Christus her als höchste Norm an. Im Katholizismus steht das Lehramt (Papst) gleichgewichtig neben der Bibel.


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Last modified: September 16, 2008