Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Schart, Aaron, last edited: 2007-04-05

Die Textkritik am Alten Testament

Die Textkritik versucht, auf der Basis der antiken Handschriften den Abschreibprozeß zu analysieren. Ziel ist es, den "ursprünglichen" Text zu rekonstruieren. Der Begriff "ursprünglicher Text" gehört fest in die Geschichte dieses Methodenschritts. Er beinhaltet jedoch mehrere Schwierigkeiten:

Vorgehen der Textkritik

  1. Die antiken Handschriften werden ausgegraben, Fragmente zusammengefügt, die Schrift wird sichtbar gemacht, entziffert und transkribiert.
  2. Die Manuskripte werden miteinander verglichen und Abweichungen festgestellt.
  3. Die verschiedenen Varianten werden beschrieben und analysiert. Um welche Art von Abweichung handelt es sich. Wie verändert sich der Sinn des Textes?
  4. Die ursprüngliche Variante wird nach der Regel ermittelt:

Geschichte des alttestamentlichen Textes

Die Urexemplare aller atlichen Schriften sind verloren gegangen! Ihr Text ist nur durch Abschriften überliefert. 

Die ältesten Textfunde (Qumran, Ketef Hinnom) zeigen, dass man ursprünglich nur die Konsonanten schrieb. Die richtige Vokalisation wurde mündlich dazu überliefert. Die Qumranfunde zeigen auch, dass religiös bedeutsame Texte auf Lederrollen geschrieben wurden (z.B. 1QJes(a)). Noch heute wird die Tora im Judentum auf Lederrollen geschrieben. 

Die ältesten Bibelhandschriften stammen aus den Höhlen bei Qumran (seit 1947) stammen aus dem 2. und 1.Jh. vor. Chr. Sie sind aber bis auf wenige Ausnahmen nur fragmentarisch erhalten.  Die älteste komplett erhaltene Handschrift, die das gesamte AT umfasst ist der Codex Leningradensis aus dem Jahr 1008 (fol. 40b).

Im Mittelalter (ca. 500 bis 1000 n.Chr.) entwickelten die Masoreten Zeichensysteme, um die Vokalisation, die musikalische Darbringungsform, die Satzgliederung und andere Bestandteile der Textüberlieferung, wie z.B. gelehrte Randnotizen, festzuhalten. Im westlichen Europa setzte sich das System der Masoretenfamilie Ben Ascher durch und wurde in die frühen Druckausgaben des 16. Jahrhunderts übernommen. 

Die älteste Übersetzung des hebräischen Textes wurde in hellenistischer Zeit (3./2.Jh. v.Chr.) in Ägypten, und zwar  ins Griechische vorgenommen. Zunächst wurde nur die Tora, dann auch die weiteren Schriften übersetzt. Diese sogenannte Septuaginta, benannt nach den angeblich 72 Übersetzern (so die Legende des Aristeasbriefs), enthielt auch Schriften, die im hebräischen Kanon nicht zu finden waren. 

Die Christen rezipierten ihr Altes Testament weitgehend auf der Basis der griechischen Übersetzung und lasen es im Zusammenhang mit dem Neuen Testament. Die ältesten komplett erhaltenen griechischen AT-Handschriften sind christliche Handschriften, die den ersten Teil einer kompletten christlichen Bibel bilden.

Ab dem 2. Jh. n. Chr. gab es auch lateinische Übersetzungen. Der Gelehrte Hieronymus schuf in der zweiten Hälfte des 4. Jh. nach umfangreicher Sichtung des Handschriftenbestandes die Vulgata, die die herrschende Bibel der römisch-katholischen Kirche wurde.

Literatur:


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Last modified: April 05, 2007