Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

[ Home | Aktuelles | Sekretariat | Studiengänge | Bereiche | Lehrveranstaltungen | Lehrpersonen   | Prüfungen ]

Aaron Schart, last edited: 2007-04-05

Übersetzungskritik

Ein Text kann nie so in eine andere Sprache übersetzt werden, dass alle Aspekte eines Textes in gleicher Weise erhalten bleiben wie im Ursprungstext. Jede Übersetzung muss entscheiden, welche Aspekte eines Textes sie zu Gunsten anderer Aspekte vernachlässigt. Während der Inhalt eines Textes, je nach Art des Textes, bis zu 90% ins Deutsche übersetzt werden kann, kann im Bereich der Form nur bis zu 20% im Deutschen repräsentiert werden. 

Angesichts dessen kann es die eine richtige Übersetzung nicht geben. Jede Übersetzung aktualisiert für bestimmte Zielgruppen bestimmte Bedeutungspotentiale des Textes.

Reichen die Sprachkenntnisse der biblischen Sprachen nicht aus, muss man verschiedene Übersetzungen miteinander vergleichen, um so der ursprünglichen Bedeutungsvielfalt näher zu kommen. 

Verschiedene Übersetzungen gibt es im Internet oder auf CD (z.B. BibleWorks, Bible Windows; zugreifbar in der UB oder im PC-Pool der Theologie). Besonders aufschlussreich sind solche Ausgaben, die eine eindeutige Zuordnung von Original- und Übersetzungs-Wort erlauben, sogenannte Interlinear-Übersetzungen.

Lit: 

Typen von Übersetzungen (nach Kassühlke)

1. Wort-für-Wort-Übersetzung 

Diese Übersetzung hält sich strikt an die Wortfolge des ausgangssprachlichen Textes, indem sie für jedes Wort ein entsprechendes in der Zielsprache einsetzt. Sie dient vor allem dazu, eine Vorstellung von den Strukturen der Ausgangssprache zu vermitteln. Sie nimmt dabei in Kauf, daß die Übersetzung grammatisch fehlerhaft, holperig und stilistisch unschön ist. 

"Don't get so excited! " wird dann "Tut nicht bekommen so aufgeregt!" Oder "They have been wondering" wird "Sie haben gewesen (sich) wundernd". Solche Übersetzungen werden in der Regel als Interlinearversion gedruckt, was heißt, daß sie Wort für Wort "zwischen die Zeilen" des fremdsprachlichen Textes gesetzt werden.

2. Wörtliche Übersetzung 

Dieser Typ weicht von der Struktur der Ausgangssprache nur ab, wenn deutsche Grammatik und Stilempfinden das erfordern. Wörter werden nach Möglichkeit immer mit demselben Begriff übersetzt; man spricht dann von einer begriffskonkordanten Wiedergabe. Weil die Wörter der Ausgangssprache in unterschiedlichen Zusammenhängen ganz verschiedene Bedeutungen haben können, müssen die Leser jedesmal selbst herausbekommen, wie der Begriff verstanden werden soll. Das hebräische und das griechische Wort, das mit "Gerechtigkeit" wiedergegeben wird, stellt den Übersetzer vor besondere Schwierigkeiten. Im heute gebräuchlichen Deutsch bezeichnet gerecht oder Gerechtigkeit ein Verhalten, das dem allgemeinen Rechtsempfinden entspricht, also einer gesellschaftlichen Norm. In den biblischen Texten geht es immer um ein Verhalten, das vom Bund Gottes mit seinem Volk bestimmt wird. Je nach Zusammenhang bedeutet es auch "Treue, Sieg, Heil, rettendes Eingreifen". Bei manchen Übersetzungen dieses Typs werden Wörter, die wegen der unterschiedlichen Grammatik und Syntax der Zielsprache eingesetzt werden müssen, durch eine andere Schriftart gekennzeichnet oder in Klammern gesetzt.

3. Philologische Übersetzung 

Diese Übersetzung verfährt gegenüber der ausgangssprachlichen Wortfolge etwas freier als die wörtliche Übersetzung. Es kommt darauf an, den jeweils gemeinten historischen Sinn möglichst genau zu treffen. Um kulturbedingte Mißverständnisse zu vermeiden, benutzt sie erklärende Anmerkungen und eventuell zusätzliche Informationen, mit denen fehlendes Hintergrundwissen der Leser ausgeglichen werden soll. 

4. Kommunikative Übersetzung 

Die bisher behandelten Übersetzungstypen gehören - nach einer bekannten Einteilung von Schleiermacher - zu denen, die "den Leser zum Text hinbewegen". Demgegenüber ist die kommunikative Übersetzung eindeutig eine, die "den Text zum Leser" hinbewegt. Dabei tut sie nicht nur, was an grammatischer und syntaktischer Anpassung "nötig" ist, sondern sie tut bewußt alles, was im Rahmen ihrer Prinzipien "möglich" ist, um den Lesern den Textinhalt zu vermitteln. Übersetzungen dieses Typs verzichten darauf, die sprachliche Form des Ausgangstextes zu imitieren. Es geht ihnen nicht um formale Gleichheit von Vorlage und Übersetzung, sondern um kommunikative Gleichwertigkeit. Nicht der Text, sondern die mit dem Text verbundene kommunikative Absicht soll übersetzt werden. 

5. Bearbeitende Übersetzung 

Insbesondere im Falle von Bibelausgaben für bestimmte Zielgruppen mit einer restringierten Sprach- und Kulturkompetenz, wie etwa Kinder oder sprachlich Behinderte sind Kürzungen, Erweiterungen und Vereinfachungen des Textes unumgänglich. 

Beim Übersetzungsvergleich zu bedenkende Fragen

Vergleicht man verschiedene Übersetzungen, so sind im Falle von Differenzen jeweils folgende Fragen zu bedenken:


Send mail to schart@uni-essen.de with questions or comments about this web site.
Last modified: April 05, 2007