Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Schart, Aaron, Stand: 2007-05-07

Die religiösen Hintergründe des Kaschmir-Konflikts.

Professor Ravindra Dave war am 22.06.2002 Gast der Ev. Theologie

Droht ein Atomkrieg um Kashmir zwischen den feindlichen Nachbarn Indien und Pakistan? Professor Ravindra Dave, früher Direktor des UNESCO-Instituts in Hamburg, heute Curriculum-Berater der indischen Bundesregierung, bekennender Hinduist, stellte auf Einladung von Dr. Herbert Schultze die indische und hinduistische Sicht der Probleme dar. Dass es sich bei ihm zudem um einen Anhänger der Bewegung Mahatma Gandhis für Gewaltlosigkeit handelt, verlieh dem Vortrag des Gastes und der Diskussion mit ihm zusätzlich Spannung.

Schon der Einstieg in die Darlegung der politisch-religiösen Lage Indiens enthielt Überraschungen: Der indische Ministerpräsident gehört der Hindu-Religion der Mehrheit seines Landes an (900 der 1100 Millionen Inder sind Hindus). Sein Verteidigungsminister jedoch kommt aus der christlichen Minderheit des Landes; und der Stellvertreter des Ministerpräsidenten stammt als Muslim aus einer andern Minderheit. Hier spiegeln sich Jahrtausende der Erfahrung des Miteinanders verschiedener Religionen. Auch für nichtreligiöse Gruppierungen ist Raum in dieser Pluralität.

Von den Jahrtausende alten Quellen der Hindu-Religion bis hin zu Gandhi ist immer wieder nachdrücklich zum Frieden aufgerufen worden. Trotzdem verfügt Indien inzwischen über die Atombombe und droht damit dem Nachbarn Pakistan. Widerspricht das nicht dem Hinduismus? Nein, sagt Dave, wir (Hindus) haben über Generationen Erfolg mit Friedensbemühungen gehabt, aber natürlich bleibt noch viel zu tun. Solange andere Staaten zum Frieden nur durch starke militärische Abschreckung gezwungen werden können, muss Indien eben den Weg militärischer Stärke gehen. Auch Gandhis Weg der Gewaltlosigkeit darf man nicht mit Schwäche und Unterlegenheit verwechseln. Die Lage im Kaschmir-Konflikt wird von den westlichen Medien zudem viel zu dramatisch eingeschätzt. Sowohl Indien als auch Pakistan werden es nicht wagen, den Konflikt zum Krieg eskalieren zu lassen. Die lange und tiefe Dialogtradition im Hinduismus werde dafür sorgen, dass Indien zum Frieden in der Welt beitragen wird.

von Herbert Schultze und Aaron Schart