Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Susanne Streckmann

Exkursion nach Amsterdam 18.-20.01.2001

Am 18.01.2001 machten wir uns, vier Studierende (Jörg Czichon, Dorothee Einhaus, Silke Hermann und Susanne Streckmann) und Herr Dr.Schultze auf den Weg nach Amsterdam.

Donnerstag

Nach unserer Ankunft im Oikumene Hotel San Luchesio machten wir uns zu einer Tour durch die Amsterdamer Innenstadt auf. Unser Ziel waren die in einem gewöhnlichen Wohnhaus verborgene Kirche "Unser lieber Herr auf dem Speicher", der Beginenhof und das frühere Waisenhaus, in dem heute das historische Museum Amsterdams zu finden ist. Dort interessierte uns vor allem die Gedenkstätte für Gertruida Wijsmülller, eine Frau, die maßgeblich an den Kindertransporten von Holland nach England in den Jahren 1939-1941 beteiligt war. Danach führte uns unser Weg an Oudzijds 100 vorbei. Leider war uns die Stadt auf unserem ersten Rundweg nicht besonders wohlgesonnen, denn nahezu alle unsere Ziele fanden wir an diesem Tag verschlossen vor. Da wir sowieso schon durchgefroren waren - auch in Amsterdam schneit es halt ab und an -, beschlossen wir einkaufen zu gehen und in unserer Unterkunft die nächsten beiden Tage zu planen. Grundlage für unsere Unternehmungen am Freitag sollten die Berichte aus dem Buch "Anne Frank - Geschichte und Gegenwart (M.Künne/H.Schultze)" sein.

Freitag

Vormittags machten wir uns zunächst zum Anne-Frank-Haus auf. Da die meisten von uns vorher noch nicht dort waren, war es eine ziemliche Überraschung, denn wir hatten eine ganz andere Vorstellung vom "Hinterhaus". Allein um zu begreifen wie die Familie Frank versteckt wurde, ist ein Besuch dort ziemlich lohnenswert. Besonders beeindruckend fand ich den Blick aus Anne Franks Zimmer auf die Westerkerk. Man kann immer noch, genauso wie im "Tagebuch der Anne Frank" beschrieben, das Glockenspiel hören und kann auf diese Weise zumindest noch ein bisschen mehr nachfühlen. Vom Anne-Frank-Haus aus fuhren wir zum Jüdisch Historischen Museum. Dort, inmitten des ehemaligen Jüdischen Viertels von Amsterdam, wo auch die vier großen Synagogen der Stadt an einem Platz zusammen standen, finden sich heute viele Gegenstände und Informationen darüber, wie das jüdische Leben in Amsterdam in den letzten Jahrhunderten aussah. Ganz besonders empfehlenswert ist die Abteilung für Kinder, denn das ist wirklich "Museum zum Anfassen". Am Mittag trafen wir uns mit Wim Westerman, der für Educa Transfer International arbeitet und selbst im jüdischen Viertel Amsterdams aufgewachsen ist. Er führte uns durch dieses Viertel, angefangen mit dem Hortus Botanicus (wer selbst aus nächster Nähe erlebt hat, was sich dort während der NS-Zeit abspielte, kann es einfach am besten erzählen!) bis hin zur Hollandse Schouwburg. Hierbei handelt es sich um ein ehemaliges Theater, das sich aufgrund seiner Lage zum jüdischen Theater entwickelte. Die Nazis versammelten dort die Juden zur Deportation. Deshalb ist hier heute eine Gedenkstätte für die Deportierten. Gegenüber liegt die Pädagogische Hochschule. Hierhin wurden einige der zur Deportation gefangengenommenen Kinder von Christina van der Molden (?) gerettet. Auf dem Rückweg gingen wir durch den Wertheim-Park. Dieser Park war privat von der jüdischen Familie Wertheim errichtet worden. Mittendrin steht heute ein Auschwitz-Denkmal, das durch seine Einfachheit beeindruckt. Auf dem Boden ist eine ca. 12 qm große Fläche aus Spiegeln, die aber an vielen Stellen zersprungen sind. Daneben steht nur eine kleine Tafel, auf der steht, woran hier erinnert werden soll. Der weitere Weg führte uns vorbei an der Moses-und-Aaron-Kirche, einer eigentlich katholischen Kirche mitten im jüdischen Viertel, die nur wegen ihres Standortes diesen wohl eher jüdischen Namen bekam, und in der heute viele interreligiöse Veranstaltungen sehr zum Missfallen der römisch-katholischen Kirche stattfinden, vorbei an der Zuiderkerk und einem vor kurzem errichteten chinesischen-buddhistischen Tempel. Nach einem kurzen Aufwärmen in einem Café und einem kurzen Shoppingbummel in den vielen chinesischen Läden trafen wir uns zur gemütlichen Diskussion im Hotel.

Samstag

Am Samstag machten wir uns auf zur Chinesischen Schule. Dort wurden wir von der Leiterin und Gründerin der Schule, Frau von Maden (?), durch die verschiedenen Klassen geführt. Die Schule wurde 1979 gegründet. Der Unterricht findet nur samstags statt und so werden die Räume anderer Schulen genutzt. Die jüngsten Schüler sind sechs Jahre, die ältesten 18, d.h. die Schule führt durch 12 Schuljahre, wobei aber nur der Stoff für sechs Jahre durchgenommen wird, denn mehr ist in den zwei (bzw. bei den älteren Schülern drei) Stunden am Samstag nicht möglich. Jede Klasse umfasst zwölf Schüler. Mit Ausnahme einer Klasse sind alle Schüler zweisprachig aufgewachsen, d.h. sie beherrschen die chinesische Sprache. Das Ziel der Schule ist, sie auch mit dem chinesischen Schriftsystem so vertraut zu machen, dass sie in ihrer Zweitsprache schreiben und lesen können. Da das chinesische Schriftsystem so kompliziert ist, sind dafür viele Jahre erforderlich. Die Schulleiterin und die Lehrer versuchen vor allem die Schüler so zu motivieren, dass sie die ganzen zwölf Jahre zur Schule kommen. Denn wer früher abbricht, wird auch das meiste schnell wieder vergessen. So ist die Motivation im Grunde auch die größte Aufgabe. Die Schule ist natürlich freiwillig, denn sie findet zusätzlich zum normalen Schulunterricht statt. Deshalb wird dort auch nur die Sprache gelernt, denn alle anderen Fächer lernen die Schüler ja die Woche über. Es wird auch offen darüber geredet, dass die chinesische Sprache so schwer ist und auch den zweisprachig erzogenen unglaublich schwer fällt. Die Schulleiterin steht auch auf dem Standpunkt, dass die Schüler auf keinen Fall zum Unterricht gezwungen werden dürfen. Gerade wenn sie im Teenie-Alter anfangen abends auszugehen, hält sie es für besser, wenn sie mal nicht zum Unterricht erscheinen. Für sie ist die Hauptsache, dass sie überhaupt wiederkommen. So hat man in der Schule das Gefühl, dass die Sache Spaß macht und wirklich kein Zwang herrscht und das macht sie sehr sympathisch. Ein Zusatzangebot ist die Klasse für Erwachsene. Hier bilden sich die Eltern in der chinesischen Sprache fort, während ihre Kinder parallel am Unterricht der chinesischen Schule teilnehmen. Darüberhinaus gibt es für Eltern, die sich weiter mit chinesischer Kultur auseinandersetzen wollen, eine Chorklasse, die chinesischen Opern einstudiert.

Nachdem wir einen Einblick in diesen ganz anderen Teil der niederländischen Kultur bekommen hatten, machten wir uns auf den Weg zurück nach Essen.