Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Schart, Aaron, Stand: 2007-05-07

IDENTITÄT IN PLURALITÄT - HERAUSFORDERUNG FÜR BILDUNG UND RELIGION

BERICHT ÜBER DIE EXCURSION DER PROJEKTGRUPPE „SHOA im UNTERRICHT“,
Evang. Theologie/FB1, Universität Essen in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Fachhochschule Berlin
Leitung: LB Dr. Herbert Schultze und Professor Dr. Friedhelm Kraft
Programmassistenz und Übersetzungen: Ulf Gutowski

1. ALLGEMEINES

Die Excursion wurde entsprechend der Programmausschreibung durchgeführt. Die einzige Abweichung von der Planung, der Verzicht auf den Besuch einer muslimischen Schule, bedeutete einen eigenen Kommentar zum Excursionsthema. Im Voraus und während der Excursionstage täglich suchte Dr. Westerman von der Freien Universität Amsterdam Kontakt mit Repräsentanten der islamischen Religionspädagogik. Immer wieder wurde freundlich die Realisierung des lange verabredeten Besuchs in Aussicht gestellt. Es gibt nur eine Erklärung für den Ausfall dieses Programmpunktes: Diskussionen nach der Ermordung des populistischen Politikers Pim Fortuyn und über einen Bericht des inländischen Geheimdienstes über muslimische Schulen führten zu Verunsicherungen der muslimischen Minderheit.

Die Zusammenarbeit der Fachgruppe Evangelische Theologie, Universität Essen, mit der Evangelischen Fachhochschule Berlin im Rahmen einer Exkursion, diesmal zum zweiten Mal durchgeführt, hat sich bewährt. Die Studierenden unterschieden sich zwar nach Studienprofil, Vorbildung und Erkenntnisinteresse, aber das förderte den lebendigen Austausch.


2. SCHWERPUNKTE DES PROGRAMMS

Besuche in der Speicherkirche „Ons lieve heer op zolder“ („Unser lieber Herr unter dem Dach“), im Bibelmuseum und im Jüdisch Historischen Museum vermittelten unterschiedliche museumspädagogische Akzente. Auch Kinder und Jugendliche, die Themen aus Judentum, Christentum und Islam kritisch gegenüberstehen, finden hier Berücksichtigung. In vorbildlicher Weise werden Kinder zur Identifikation mit Menschen an anderem Ort und zu anderer Zeit geführt, um von deren Erfahrungen für die eigenen Ansichten zu lernen.

Beobachtungen im Alltag der Metropole Amsterdam, die ständige Begegnung mit kompetenten Gesprächspartnern und besonders der Besuch in der chinesischen Schule fügten immer neue Einsichten zu einem Mosaik zum Thema Mehrheit/Minderheiten zusammen. Der Besuch der Freien Universität Amsterdam mit dem Referat von Dr. Wim Westermann und die sich anschließende Diskussion half diese vielfältigen Eindrücke zu sortieren.

Der Besuch im Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation gab Kleingruppen Gelegenheit zu eigenen Recherchen. Man stieß auf viele Dokumente über die Rettung jüdischer Kinder vor ihrer Vernichtung aus der Zeit der deutschen Besetzung. Eine sachkundige Führung zum ehemaligen „Holländischen Theater“, heute einer Gedenkstätte, und anderen zeitgeschichtlichen Orte in der Stadt, z.B. dem jüdischen Viertel, vermittelten weitere Anschauung zu dieser Thematik. Hier gewannen wir Einblick in den Versuch der Besatzungsbehörden, jungen Menschen ihre Identität zu rauben, Pluralität durch „Gleichschaltung“ zu unterbinden, aber auch die Entschlossenheit von Einzelnen und Gruppen die Würde Einzelner und das Erbe von Minderheiten zu retten.

Besuche in einem buddhistischen Tempel und dem Zentrum einer christlichen Kommunität, beide mitten im Rot-Licht-Viertel, zeigten aktuelle Versuche, Menschen in sozialen Brennpunkten zur Stabilisierung ihrer Identität zu helfen und damit zugleich die positiven Seiten der Pluralität in der Stadt zu bewahren.

Auswertungsseminare während der Excursion unterstrichen die Einsicht, dass auch in einem zusammenwachsenden Europa die Besonderheiten von Ländern und Städten ihre Bedeutung behalten sollten. Die konsequente Respektierung der Freiheit von Religion und Nicht-Religion in den Niederlanden schien ein hilfreicher Aspekt bei der Weiterentwicklung des Umgangs mit Minderheiten in Deutschland, nicht zuletzt im Schulsystem, zu sein.


3. ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN

Die Projektgruppe „Shoa im Unterricht“ ist motiviert, auf Grund des Gesehenen und Gehörten eine Arbeitshilfe für den Unterricht zu entwickeln.

Ulf Gutowski, 2002-07-03