Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Schart, Aaron, Stand: 2007-05-07

Exkursion zum Hindutempel in Hamm, Do 09.01.2003
gemeinsam mit der ESG

Bericht von Aaron Schart

Der Tempel ist gar nicht so leicht zu finden. Erst bei der letzten Abzweigung steht ein Straßenschild "Hindu-Tempel". Nach den Fotos hätte man sich den Tempel größer vorgestellt. Trotzdem ist er der größte Hindu-Tempel Europas. Die Türme, die im Abendlicht erstrahlen, erinnern nachdrücklich daran, dass dieses Gebäude aus einem anderen Kulturraum stammt. In der Tat wurden für die Steinmetzarbeiten eigens Handwerker aus Indien geholt. Bevor man den Tempel betritt, muss man die Schuhe ausziehen. Die Fußbodenheizung verströmt aber eine wohlige Wärme. Innerhalb des Tempels, der außen die typischen Farben rot und weiß trägt, gibt es mehrere Schreine für die verschiedenen Götter. Der zentrale und größte Schrein enthält das Bild der Göttin Kamadchi-Ampal, der auch der Tempel insgesamt geweiht ist. Dieser Schrein hat auch eine doppelflügelige Tür, die dem Eingang direkt gegenüber liegt. Für die Begehung des Tempels gibt es einen festgelegten Weg, der im Eingangsbereich auch auf einem großen Hinweisschild abgelesen werden kann. Man kann sich nicht je nach Situation und Anliegen unmittelbar der Gottheit zuwenden, von der man sich am ehesten Hilfe erhofft, sondern muss sich an den vorgeschriebenen Weg halten. Zuerst wendet man sich dem elefantenköpfigen Gott Ganesha zu. Sri (ein Ehrentitel, den alle Götter tragen) Ganesha ist in besonderer Weise zuständig für moralische Verfehlungen, deren Ahndung, aber auch für deren Vergebung. Ihn zuerst aufzusuchen ist deshalb auch eine gute Vorbereitung zur Begegnung mit der Hauptgöttin dieses Tempels, der liebevollen und gütigen Sri Kamadchi-Ampal.

Jeder Schrein weist ein kunstvoll gestaltetes Dach auf, das die Gottheit des jeweiligen Schreins näher charakterisiert. So sind z.B. neben der Gottheit auch Tiere und Utensilien dargestellt, die mit der Gottheit in Verbindung stehen und ihre Wesensart zum Ausdruck bringen. An den vier Ecken des Dachs sitzen Wächterfiguren, die die Götter schützen. Als wir ankommen, ist Ganeshas Kultbild, wie auch das der anderen Gottheiten, nicht sichtbar. Der Eingang zum Schrein ist mit einem Vorhang verschlossen. Er wird erst im Rahmen einer Zeremonie zur Seite genommen.

Die Göttin Sri Kamadchi-Ampal ist Ausgangs-, Höhe und Schlusspunkt der Zeremonie, die wir miterleben. Mancher ist berührt, als die Tür ihres Schreins geöffnet wird, und man unmittelbar der festlich und bunt bekleideten und hell erleuchteten Skulptur der Göttin gegenüber steht. Der Göttin werden, wie den anderen Gottheiten auch, Blütenblätter und Trankspenden dargebracht. Mit zwei offen brennenden Lampen wird zudem mehrfach eine kreisende Bewegung um das Antlitz der Statue ausgeführt. Die Zeremonie vollzieht ausschließlich der Kultbedienstete. Die Laien dürfen den Schrein nicht betreten. Sie können von Ferne mitbeten. Gemeindegesang, -gebet oder irgendeine Ansprache gibt es nicht. Der Singsang des Kultbediensteten und die fernöstliche Instrumentalmusik aus den Lautsprechern, die für europäische Ohren äußerst gewöhnungsbedürftig klingt, machen die ganze Musik aus. Wie merkwürdig mögen den Gläubigen dieses Tempels die schönen Choräle vorkommen, die wir in christlichen Gottesdiensten singen? Gleichsam als Dank für die ihr dargebrachte Ehrerbietung beschenkt die Göttin alle, die an der Zeremonie teilnehmen. Auch die Gruppenmitglieder, bekommen Gelegenheit, sich den Segen der Göttin durch eine Feuerzeremonie und einen rot-gelben Farbfleck auf der Stirn zueignen zu lassen.

 

Nach dem Besuch sind alle Gruppenmitglieder beeindruckt und berührt. Aus der Sicht der Bibel erscheint Polytheismus als finsterer Aberglaube. Doch vorschnelle Urteile verbieten sich nach diesem Besuch. Es gilt auch diese Religion zunächst einmal von ihren eigenen Voraussetzungen her zu verstehen. Sind die vielen Gottheiten nicht vielmehr Facetten des einen göttlichen Wesens, das in seiner Einheit vom endlichen Menschen nicht erfaßt, sondern nur jeweils partiell erfahren werden kann? Werden wirklich die Kultbilder verehrt oder stellen diese nicht vielmehr Fenster auf das unsichtbare Wesen der Gottheiten dar, die dem Gläubigen helfen, sich im Gebet auf die jeweilige Gottheit einzustellen?

links:

Die homepage des Tempels: http://www.kamadchi-ampal.de/

Die Webseite von Martin Baumann: http://www.baumann-martin.de/Kamad-Tem.html