Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Schart, Aaron, SS 2001, Stand: 2007-05-07

GESCHICHTE – GEGENWART – ZUKUNFT

Dimensionen von Religion und Schule angesichts des Zusammenwachsens von Europa

Excursion nach Großbritannien 6.-11.Juli 2001

Uni Essen FB1/Evang.Theologie - Evang. Fachhochschule Berlin

Leitung: Professor Dr. Friedhelm Kraft u. LB Dr. Herbert Schultze

Kurzbericht (mit Fotos von Dirk Mävers)

ALLGEMEINES

Die Excursion diente der Vertiefung der Veranstaltungen

Außerdem erhielten jede und jeder ausgewählte Hintergrundmaterialien zu den Aspekten:

  1. Schule und Bildung,
  2. 'Offene Gesellschaft' - Monarchie - Religiöse Gemeinschaften und
  3. Der Holocaust-Gedenktag in Großbritannien.

Die Excursionsgruppe:  Für die verschiedenen Programmpunkte konnte exzeptionell hervorragende Referentinnen und Referenten (siehe unten) gewonnen werden. Wegen des relativ hohen Anspruchsniveaus der Excursion wurde die Zahl der teilnehmenden Studentinnen und Studenten auf insgesamt 15 begrenzt. Die Atmosphäre war gut. Auch abends im Pub wurde weiter diskutiert.

Kooperation zwischen Hochschulen: Mit der Zusammenarbeit zwischen zwei Hochschulen, zumal unterschiedlicher Struktur, wurde Neuland beschritten. Hinzu kam die Tatsache, dass sowohl zwischen dem Schulwesen in Nordrhein-Westfalen und Berlin, als auch die jeweiligen Positionen des Religionsunterrichts politisch und didaktisch sehr unterschiedlich bestimmt wurden. Diese Unterschiede auf drei grundlegenden Ebenen haben sich eher anregend als problematisierend ausgewirkt.

VERLAUF

Die Excursion wurde entsprechend dem zuvor erarbeiteten Verlaufsplan durchgeführt. Die einzelnen Arbeitsschritte unter dem in der Ausschreibung genannten Generalthema (siehe oben) wurden von den teilnehmenden Studierenden in täglichen ad-hoc-Gesprächen diskutiert und bestätigt.

Freitag, 6.Juli 2001

(Der geplante Besuch im RE Centre, Causton Street, konnte wegen verspätetetem Eintreffen der Berliner Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht stattfinden. Hinsichtlich einer dabei geplanten Literaturdurchsicht konnte am Samstag nachmittag in der Buchhandlung Waterstones nahe der University of London ein Aequivalent geschaffen werden.) Besuch des Freitagabendgottesdienstes in der West London Synagogue. Liturgen: Senior Rabbi Mark Winer und Rabbi Helen Freeman, Predigt: Mark Winer. Anschließend auf Einladung Teilnahme an einer Kiddush-Feier. Seminar im More House mit Erläuterung der Hintergrundmaterialien, generelle Planungsfragen, konkrete Planung des Programms für Samstag, 7.Juli 2001

Samstag, 7.Juli 2001

Besuch in der Holocaust Exhibition im Imperial War Museum. Vorab: Einführung in die Ausstellungsdidaktik für die gesamte Gruppe, a) audio-, visuelle- u. audiovisuelle Dokumente (Beispiel 1 "Juhu, der Krieg ist zu Ende!"; Beispiel 2 "weinende Frau", Beispiel 3 "Kind nach Bombenangriff"), z.T. in kombinierter Präsentation, sowie Artefakte, z.B. Viehwaggon für Häftlingstransporte, Häftlingskleider, SS-Uniform etc. b) begleitende Bildschirmpräsentationen in vielen der Ausstellungsräume, u.a. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und deren Erinnerungen, Filme aus deutschen u. britischen Beständen, alliierter Dokumentation der Befreiungen, speziell Bergen-Belsen, u. des Nürnberger Prozesses. c) Rekonstruktionen u. Modelle, z.B. Rampe von Auschwitz-Birkenau, ein Haus der 1940er Jahre (im Museum, als besondere Ausstellung) etc. Individueller Gang der Studierenden durch die Ausstellung und nach Wahl anderer Abteilungen des Museums. Von letzterer Möglichkeit wurde häufig Gebrauch gemacht. In Auswertungsgesprächen wurde die Didaktik der Ausstellung - zum Teil kontrovers - diskutiert, z.B. hinsichtlich des großen Modells von Birkenau (‚Verniedlichung' wie z.B. bei Modelleisenbahnen oder Konkretionshilfe zu Berichten Überlebender. Insgesamt positive Würdigung: geschichtliche Aufarbeitung, ethische Beurteilung, aktuelle und Zukunftsbedeutung, pädagogische Perspektive.

Sonntag, 8.Juli 2001 Vormittags:

Besuch des Swaminarayan Mandir in Neasden, Nordlondon, des größten und schönsten Hindu-Tempels außerhalb Indiens, durchweg aus Spenden Gläubiger finanziert und in freiwilliger Arbeit zahlreicher Anhänger der Religion errichtet. Vorab: Einführung in Hinduismus allgemein und die Hindu-Gemeinschaft in Britannien speziell, sowie Behandlung des Hinduismus im Unterricht, a) Besuch des Hindu-Tempels, Beachtung der Göttergestalten = avatars = Herabkünfte der einen die Welt schaffenden und erhaltenden Gottheit. b) Ausstellung ‚Understanding Hinduism' über die Religion, ihre Botschaft und Geschichte, mit zahlreichen, für die Didaktik hilfreichen kurzen Erzählungen c) Film über die Entstehung des Tempels mit seinen weiteren Gebäuden d) Besichtigung der großen Halle, Umschau nach Literatur, Artefakten etc. im Shop Auswertungsgespräche: Klärungen zu hinduistischer Religion und Kultur, zu Kultformen und Traditionswegen sowie fachdidaktischen Ansätzen.

Sonntag, 8.Juli 2001 Nachmittags:

Fahrt nach St.Albans, Kleinstadt nördlich von London, Römergründung, früheres Kloster mit riesiger Klosterkirche, heute Kathedrale, a) Gemeinsamer Gang durch die Altstadt b) Individuelle Erkundungen und Besichtigungen der romanischen Kathedrale mit Fresken, Reliquienschrein etc. c) Gemeinsame Teilnahme am Evensong, mit Psalmgesang des Männerchores und außerordentlich substantieller und humorvoller Predigt eines Mitglieds des Kapitels über Genesis 29, 9-30. Die spannungsvolle, widersprüchliche, kaum durchweg ethische Ideale präsentierende Geschichte sei wohl im Kontext der Erzväterüberlieferung theologisch auszulegen. Doch sei die Realität menschlicher Natur mit ihren Irrungen und Wirrungen nicht aus dem Blick zu verlieren. U.a. die Warnung, vorschnell Augustinus in seiner geistlichen Interpretation der Gestalten von Lea und Rachel zu folgen, mit Verweis auf Dante, den seine Freundin Beatrice zum göttlichen Heil führt, wenngleich er mit einer anderen Frau verheiratet ist. Auswertungsgespräch: Rolle der Kathedralen, Tradition der Kathedralchöre, der Evensongs, der ‚Schools of Music', Ausbildung und Hierarchie der anglikanischen Geistlichkeit.

Montag, 9.Juli 2001

a) Besuch in Ealing mit Southhall Einführendes Gespräch mit Councillor (Von der (Labour-)Partei bestimmter Bezirksrat in der Regierung des London Borough of Ealing) The Reverend Neil Richardson in der Rectory, dem Pfarrhaus der kleinen, mittelalterlichen Kirche ‚Zum heiligen Kreuz' und der 1939-1941 gleich daneben gebauten, größeren Kirche St.Elisabeth. Mr Richardson ist als Politiker für das Schulwesen und den Religionsunterricht verantwortlich. a) Agreed Syllabus of Religious Education, February 2001, erarbeitet von November 1998 bis September 2000 von der nach dem Schulgesetz (Education Act) von 1944 vorgeschriebenen Gruppe aus 1)Vertreter/innen der örtlichen Schulbehörde, 2)Vertreter/ innen der Kirche von England, der ‚Established Church', 3)Vertreter/innen anderer Religionsgemeinschaften, u.a. Juden, Freikirchen, Sikhs, Römisch-Katholischen, Hindus, Muslims, Baha'is, der Humanistischen Vereinigung, 4)Vertreter/innen der Lehrerinnen- und Lehrerverbände. Verpflichtend für alle staatlichen/städtischen Schulen, faktisch von den meisten (Privat-)Schulen der Kirche von England beachtet. Ein Lehrplan für alle Schulformen und Schulstufen - vom Vorschulalter bis zu dem dem Abitur vergleichbaren Oberstufenabschluss - , von einer Lehrplankonferenz/ kommission (siehe oben) erarbeitet: Didaktische Grundlagen des Faches, Themenliste nach Schulstufen gegliedert, inhaltlich erläuternde Anhänge zu Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Islam, Judentum, Sikhismus; Erklärungen von Wörtern und Redewendungen.

b) Besuch im Gurdwara, Tempel der Sikh-Religionsgemeinschaft in Southhall. Dieser Stadtteil im Stadtkreis Ealing wurde vor Jahrzehnten die Heimat von Sikhs, Hindus und anderen vom indischen Subkontinent stammenden Kultur- und Religionsgemeinschaften. Sikhs sind, ähnlich wie die Buddhisten, eine Reformbewegung im Hinduismus, gegründet von Guru Nanak, dessen bekannter Hymnenvers "Ich bin nicht Hindu, ich bin nicht Muslim" bereits die Lehre von der Gleichheit aller Menschen anklingen läßt. Guru Nanak folgen neun weitere Gurus. Heute steht der Guru Grand Sahib, die Heilige Schrift der Sikhs, mit den Verkündigungen und Hymnen der zehn Gurus im Mittelpunkt der Religion. Das dicke, kostbar gestaltete Buch wird auf einem Diwan an der Stirnseite des Tempels unter einem Baldachin und durch Glas gegen Insekten geschützt aufbewahrt. Tag und Nacht wird daraus gelesen. Während unseres Besuches hören wir der Lesung durch eine Frau zu, vernehmen auch den Vortrag von Hymnen durch eine Damenkapelle mit Guitarren und Trommeln. Hier herrscht absolute Gleichberechtigung der Frauen! Der Repräsentant des Gurdwara, der uns begrüßt und führt, ist allerdings - wie in vielen ähnlichen Fällen - männlich. Wir werden zum Mittagessen in den Langar, den Speisesaal eingeladen. Es ist Sikh-Tradition täglich jeder Besucherin und jedem Besucher, gleich welcher Religion, Rasse oder Nationalität eine Mahlzeit zu reichen. Nach dem reichhaltigen Mahl bietet unser Gastgeber uns wie allen anderen im Langar Anwesenden Konfekt an.

c) Besuch der Greenford High School Die weiterführende Schule arbeitet nach einem vielfältig gegliederten Kurssystem mit verschiedenen Abschlüssen, GCSE nach dem 10.Schuljahr, entsprechend unserem Einjährigen, sowie nach dem 11.Schuljahr dem O-Level und nach dem 12.Schuljahr dem A-Level. Die Schülerinnen und Schüler gehen im Lauf des Tages in die verschiedenen Fachräume der nach dem Stundenplan vorgesehenen Schulfächer. In Kleingruppen werden wir von Oberstufenschülerinnen und -schülern durch diese Räume geführt und treffen Lehrkräfte und Lernende zu kurzen Begegnungen. (Im Nachgespräch werden weniger, dafür ausführlichere Klassenbesuche vorgeschlagen.) Abschließend nehmen wir an in ihrer Methodik beeindruckenden Deutsch-Stunden teil. Im Abschlussgespräch erfahren wir von dem stellvertretenden Schulleiter, dass die Greenford High School einen guten Ruf hat. Es gibt immer mehr Bewerberinnen und Bewerber als aufgenommen werden können. Die Hohe Qualität der Sixth Form (Oberstufe) und des A-Level Examens bestimmt den guten Ruf.

d) Auswertungsgespräch in der rectory mit Councillor Neil Richardson. Lehrplanarbeit im Kontext der religionspädagogischen Situation. Verhältnis staatliche Schulen - Schulen der Kirche von England, die zum öffentlichen Schulwesen zählen (maintained schools). Bestimmungen des Schulreformgesetzes (Education Reform Act - ERA) von 1988: einerseits Berücksichtigung des Christentums als der in Britannien vorherrschenden Religion, andererseits durchgängiges in-Betracht-Ziehen der wichtigen in Britannien vertretenen Religionen. Entscheidend ist deren Vertretung im Land, nicht ob sie vor Ort eine Rolle spielen. Assemblies, Morgenversammlungen in den Schulen (auch: collective act of worship): in Church of England schools christlich geprägt, in county schools der Pluralität der Schülerinnen und Schüler Rechnung tragend, für unterschiedliche religiöse Auffassungen offen.

Dienstag, 10.Juli 2001:

Besuch in der Local Education Authority (LEA) des County East Sussex, im County House in Lewes. Unsere Gastgeber: Inspector Roger B Howarth und Curriculum Officer Charlotte Gravestock.

a) Begrüßung durch Herrn Howarth. Einführung in die Lage und Aufgabe des Education Department. In den vergangenen Jahren, nach Einführung des National Curriculum aufgrund ERA 1988 (siehe oben) und Adaption der neuen Bestimmungen über Religionsunterricht als plurales Fach für alle Schüler und Assembly, offen für die religiöse Pluralität im Lande. Spezielle Aufgabe in East Sussex: Kindern und Jugendlichen verschiedene Religionen nahebringen, denen keine und keiner aus ihrer Klasse angehört. Werterziehung (values education) kommt in diesem Zusammenhang die Vermittlung von Grundlagen zu.

b) Frau Gravestock führt in Begründung, Didaktik und Methodik der Werterziehung in allen Schulen ein. Es geht darum, Schülerinnen und Schülern "die Möglichkeiten zur geistigen Entwicklung, zum moralischen und sozialen Bewusstsein und zu Kulturkenntnissen anzubieten." Die einzelne Schule sollte ein "statement of values erarbeiten, dabei prüfen, ob die Vorgabe der Kategorien Selbst, Beziehungen, Gesellschaft und Umwelt im National Curriculum übernommen werden kann oder modifiziert werden soll. Die Einführung eines neuen Faches - für 11-16jährige - , doch zugleich auch Unterrichtsprinzip in anderen Fächern, "Staatsbürgersein" (Citizenship). Im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Herausforderungen, wie den Kampagnen gegen die anonym freigelassenen, jugendlichen Mörder des zweijährigen James Bulgar oder des durch polizeiliche Nachlässigkeit schwarzen Jungen Stephen Lawrence, soll auf ein Ethos der jeweiligen Schule hingearbeitet werden, welches Anhaltspunkte für das Verhalten von Schülerinnen und Schülern bietet. In der Aussprache wird u.a. das Verhältnis zwischen Citizenship und religious euducation problematisiert. Zum Gegenüber der Vorgaben/Angebote der LEA und der Autonomie der einzelnen Schule heben die Gastgeber die Stärkung der Autonomie der Schulen hervor.

c) Nach Einladung zum Lunch durch unsere Gastgeber besteht in der Mittagspause die Möglichkeit, die Altstadt von Lewes und Lewes Castle mit Rundblick kennenzulernen, in Buchhandlungen zu gehen etc.

d) Besuch bei Rabbiner Stein und seiner Frau in Hove. Die Tatsache, dass Rabbi Stein in Berlin und in Britannien lebt, gibt Anlass über einen Vergleich der Gesellschaften beider Länder, aber auch der Schulsysteme und der unterschiedlichen Positionen des Religionsunterrichts zu sprechen. Nachdem uns noch in der LEA von East Sussex die Offenheit der Schulen für die Pluralität der Religionen beschäftigt hatte, beschreibt uns Herr Stein am Beispiel der St James' (Church of England) Primary School, mitten in Rotlichtviertel von Soho gelegen, dass diese so offene Schule faktisch christlich ist. Die meisten Schülerinnen und Schüler sind weder weiß noch christlich, aber viele Wochen vor Weihnachten bestimmt dieses christliche Fest das Schulleben. Mit Ostern verhält es sich ähnlich. Die Einführung in das Innere einer Religion, argumentiert Rabbiner Stein, gehört in die Religionsgemeinschaft, Kirche, Synagoge, Moschee usw., nicht in die Schule. Die Beschäftigung mit der kulturellen Tradition des Landes, zu der auch Religionsgeschichte, -phänomenologie etc. gehören, ist dagegen zu bejahen. Unser Gastgeber ist Anhänger des Jefferson-Amendments, der ersten Zusatzes zur amerikanischen Verfassung, der die strikte Trennung von Kirche und Staat gebietet. Die britische Tradition mit der anglikanischen Kirche von England als established church, gegenüber dem Königshaus, aber auch dem Parlament, der wichtigsten politischen Institution, priveligiert, ist geradezu das Gegenteil der amerikanischen Regelung. Das aus der Aufklärung stammende Konzept der "Offenen Gesellschaft" scheint durch die kürzlich in Oldham, Burnley und Bradford ausgebrochenen, rassistischen und fremdenfeindlichen Unruhen in Frage gestellt zu sein. Wenn es rechtsextremen Gruppen wie der National Front, der British National Party und ‚combat 18' gelingt, durch Hetze Unruhen zu schaffen, bei denen in einer einzigen Nacht 80 Polizeibeamte zu Schaden kommen, scheint für das Schulfach ‚Citizenship' und ‚Values Education' noch viel zu tun. Hat dann aber, so wird gefragt, Paul Spiegel mit seiner Frage nach dem Brandanschlag von Düsseldorf recht: Können Juden nicht mehr in Deutschland leben? Des Rabbi Antwort: Spiegel hat recht und gleichzeitig nicht recht. Anschläge, wie auch immer sie aufgeklärt werden, geben Anlass, so zu fragen. Andererseits belegt die Tatsache, dass eine wachsende jüdische Gemeinschaft in Deutschland wohnt, dass jüdische Menschen in diesem Lande leben können. Der Antsemitismus ist im Jahre 2001 in der Bundesrepublik nicht verbreiteter als in anderen europäischen Ländern. Er wiegt allerdings schwerer. Diese Wirkung der jüngeren Vergangenheit kann nicht aufgehoben werden. Es ist berechtigt, die jüngste Geschichte zum Thema schulischen Unterrichts zu machen. Auch ist es angemessen, Kinder und Jugendliche über jüdische Religion und Kultur zu unterrichten. Allerdings darf die historische Herkunft des Christentums aus dem Judentum nicht dazu verführen, die Unterschiede zwischen den beiden Religionen zu verwischen. Sie müssen klar beim Namen genannt werden. Unsere Gastgeber begleiten uns noch ein Stück am Meer entlang. Dass wir dort von einem kräftigen Wasserguss überrascht werden, tut unserer Dankbarkeit für die Einladung zum Tee und für die anregenden Gespräche über ‚wunde Punkte' unserer Zeit keinen Abbruch.

ZUSAMMENFASSUNG

Die Wahl einer so komplexen Thematik wie ‚Kultur - Religion - Geschichte - Zukunft' für die Excursion nach Großbritannien hat inhaltliche Zusammenhänge eröffnet, die bei einem bescheideneren Thema hätten zu kurz kommen müssen. Allerdings ist nicht auszudenken, wie die Excursion verlaufen wäre, wären wir nicht so klar artikulierenden und so solide begründenden Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern begegnet. Dass unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, den einzelnen Programmpunkten mit unterschiedlicher Intensität gefolgt sind, macht nichts; so etwas balanciert sich aus. Allerdings funktioniert dies nur, wenn immer jeweils einige sich von dem, was auf der Tagesordnung steht, getroffen wissen. Immerhin galt es, sich auf drei Religionen in ihrer jeweiligen Mitte einzulassen. Nachdem wir dem Judentum, dem Hinduismus und dem Christentum in ihren Gottesdiensten so unmittelbar begegnet sind, können wir nicht mehr den methodischen ‚Tipps' folgen, die jene Mitte der Religion im ‚Nachspielen erschließen will - um ein von Rabbiner Stein kritisch kommentiertes Beispiel aufzugreifen. Auch galt es eine von Autonomie geprägte Schullandschaft vor Ort zu erkunden, die in zwei counties jeweils andere, immer aber kreative und bis in die Notwendigkeiten der Schülerinnen und Schüler entfaltete Konkretionen hervorbringt. Von Essen und Berlin gesehen: Nachmachen geht nicht. Wieder vergessen auch nicht. Davon lernen immer und für lange Zeit. Im gemeinsamen Leben einer Excursionsgruppe kamen durchaus verschiedene Erfahrungshintergründe zum Vorschein. Am Ende war dies wohl für alle Beteiligten anregend.