Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

[ Home | Aktuelles | Sekretariat | Studiengänge | Bereiche | Lehrveranstaltungen | Lehrpersonen   | Prüfungen ]

Streckmann, Susanne, last edited 2007-05-07

Bericht über die Exkursion "Spurensuche"
London 13.-19.03.2001

Dienstag

Am Abend des 13.03. machten wir uns auf den Weg nach London. Wir, das war eine Gruppe aus 11 Schülern der Mülheimer Gemeinschaftshauptschule Bruchstraße, Klasse 10, zwei Studenten (Gunilla Dorn, Susanne Streckmann), ein Referendar (Oliver Decka), ein Lehrer (Jürgen Parussel) und Dr. Schultze. Diese Gruppe war dadurch zustande gekommen, dass Oliver Decka, der an der Lehrer-Arbeitshilfe "Kinder, die dem Holocaust entkamen" mitgearbeitet hatte, eben diese Arbeitshilfe mit seiner Klasse durchgenommen hatte. Hinzu kamen einige Programmpunkte zum Thema "Weltreligionen", die sich aus den Unterrichtsinhalten des RU ergeben hatten. Wer über die Einzelheiten unserer Programmpunkte mehr erfahren möchte, schaut am besten auf die Homepage der Schule, wo die Dokumentation zu finden sein wird. Die Klasse hatte sich also auf "Spurensuche" begeben und versucht, den Weg nachzuvollziehen, den Mülheimer Kinder in den Jahren 1939-1941 gegangen waren. So gehörte auch schon die Reise selbst zu den ersten wichtigen Erfahrungen. Allerdings fuhren wir mit dem Bus durch den Euro-Tunnel und nicht mit Zug und Fähre.

Mittwoch

Die Ankunft in London am Morgen des 14.03. war dafür eine um so authentischere Erfahrung. Wer schon einmal zur Zeit der rush-hour versucht hat an einem der größten Bahnhöfe Londons (Victoria station) eine der wichtigsten Tube-Linien zu nehmen, kann sich vorstellen, was ich meine. Wir kamen also mit ziemlich schwerem Reisegepäck an und mussten uns durch das Gewühl des Bahnhofs schlagen. Dazu kam, dass wir ziemlich müde waren und die Victoria Coach Station ein Stück von der eigentlichen Station entfernt liegt. Für die Schüler war nicht nur das Gewühl und die Hektik neu, es kam noch hinzu, dass sie fast kein Wort verstanden. Schließlich kamen wir aber doch in unserer Unterkunft, einem deutschsprachigen katholischen Haus (Wynfrid House), in East London (Aldgate East) an. Nach gerade einmal zweistündiger Pause machten wir uns auf den Weg zur Wiener Library (Great Portland Street / ohne Gepäck war das U-Bahn-Fahren für die Schüler schon angenehmer!). Hier wurden wir von Rosemary Niefs und Katherine Klinger empfangen. Nachdem sie uns eine allgemeine Einführung über die Bibliothek und die dort vorhandenen Sammlungen gegeben hatten, teilten wir uns in zwei Gruppen, um das Haus nun selbst zu erkunden. Unsere Gruppe ging zunächst ins Fotoarchiv, wo wir Bilder von den Kindertransporten, Bilder aus der Essener Jüdischen Gemeinde aus der Zeit 1933-1938 und von der Pogromnacht und ihren Auswirkungen in Essen anschauten. Leider fanden wir keine Bilder aus Mülheim. Dennoch war es ertragreich für die geplante Dokumentation, denn alles, was wir dort sahen, durften wir auch abfotographieren. Nach einer kurzen Stärkung bei Tee und Keksen erkundeten wir den Rest des Hauses: das Zeitungsarchiv, die Kellerräume und den Lesesaal. Zum Abschluss unseres Besuches in der Wiener Library konnten wir noch ein Gespräch mit einem Überlebenden der Kindertransporte führen. Alles, was wir bis dahin in der Bibliothek gehört hatten und sicher vieles, was wir im Vorfeld der Exkursion gelesen hatten, wurde in diesem Gespräch lebendig und ich denke, dass wir alle in dieser halben Stunde, die uns zur Verfügung stand, mit in die Zeit um 1939 gerissen wurden. Er entschuldigte sich bei uns, dass er so emotional geworden war, wir waren uns aber alle einig, dass das Blödsinn sei und wir nur so etwas von den Ereignissen begreifen könnten. Nach diesem Besuch fuhren wir weiter zum Leo Baeck College im Sternberg-Centre for Judaism (Finchley Road und dann das erste Mal mit einem Doppeldecker (!) weiter bis East Finchley). Dort, wo man heute in London wirklich jüdisches Leben erleben kann, wurden wir von einem deutschen Rabbinerstudent, Andreas Hinz, begrüßt. Er führte uns zunächst in die Räume des Colleges (dort studieren zurzeit etwa 50 Leute aus aller Welt), wo er uns über die Ausbildung der Rabbiner und andere Studierende erzählte, aber auch über die jüdischen Schulen und das Zentrum für jüdischen Lehrer, die sich ebenfalls auf dem Gelände befinden. Danach führte er uns durch das Haus und die Bibliothek des Colleges, die einige seltene Bücher besitzt. Voll mit Eindrücken und ziemlich müde kehrten wir an diesem Abend in unser Quartier zurück.

Donnerstag

An diesem Morgen empfingen wir zwei Gäste in Wynfrid House: Bea Green und Rita Rosenbaum. Bea Green ist eine Überlebende des Kindertransports, die 1999 das Treffen aller noch lebenden Kinder in London organisierte. Sie erzählte uns davon, wie es war, Deutschland zu verlassen, wie die Reise verlief und wie es war in London anzukommen. Rita Rosenbaum kommt aus Essen und erzählte uns, wie die Zeit von 1933 an in Essen ausgesehen hatte, wie sie sich dort als Jüdin gefühlt hatte und wie sie dann doch mit ihren Eltern nach England gekommen war. Es war ein toller Vormittag. Beide erzählten unglaublich viel und beantworteten uns offen alle Fragen, die wir stellten. Wir durften die Gespräche filmen und so hat gerade die Dokumentation, die die Schüler zusammenstellen, unendlich viel gewonnen. Nach diesen beeindruckenden Stunden (es ist leider - jedenfalls für mich - nicht in Worte zu fassen! ) machten wir uns zum RE Centre (Religious education centre/Pimlico) auf. Hier führte uns Alan Brown, der stellvertretende Direktor, Artefakte aller erdenklichen Religionen vor, so z.B. Buddhismus, Sikhismus, Hinduismus aber auch aus dem orthodoxen Christentum, Judentum und Islam. Darüber hinaus zeigte er uns auch ein paar spielerische Materialien für RE, wie z.B. ein Stoffbuch über Chanukka für ganz kleine Kinder oder auch Stoffhäuser als Kirche und Synagoge. Danach wurde uns noch das Lehrern zur Verfügung stehende Material gezeigt, was für Lehrer und uns Studierende allerdings interessanter war als für die Schüler. Auch an diesem Tag hatten wir genug erlebt, um den immer wieder angekündigten Sightseeing-Trip "London by night" ein weiteres Mal zu verschieben. Immerhin schafften wir es noch in ein sehr gemütliches Pub, ganz in der Nähe unserer Unterkunft.

Freitag

Dem Bericht über diesen Tag sei vorangestellt, dass es der genialste Tag war, den man sich auf so einer Exkursion vorstellen kann, was nicht zuletzt der Gastfreundschaft von Neil Richardson zu verdanken ist. Wir kamen also um 10.15h an der Station Greenford an, wo wir von Neil Richardson selbst abgeholt wurden. Er ist Reverend in der Gemeinde von Greenford, gleichzeitig mitverantwortlich für die Stundenpläne des RE in Ealing und Mitglied des "Stadtrates" (oder jedenfalls so ähnlich) von Ealing. Um 10.30h wurden wir dann von Mrs Lorna Churn mit Tee und Kaffee in The Rectory bzw. in dem Raum von Neil's Haus, der auch für Gemeindeaktivitäten offen steht, empfangen. Nach einem kurzen Aufwärmen (zu einer Exkursion nach London gehört wohl auch das typisch englische Wetter) gingen wir los zur Edward Betham School. Hierbei handelt es sich um eine Art kirchliche Grundschule, die schon 1780 gegründet wurde. Wir wurden von der Schulleiterin, Mrs Maralyn Kehely, und einer weiteren Lehrerin durch alle Klassen geführt, d.h. durch das Nursery, Infant and Junior department. Besonders beeindruckt haben uns die gute Ausstattung der Schule und die unzähligen Projektarbeiten an den Wänden. Um rechtzeitig zum Lunch im Gurdwara Sri Guru Singh Sabha (Sikh-Tempel) zu sein, kehrten wir gegen 12h zurück zum Rectory und wurden von dort mit einem vom YMCA Ealing samt Fahrerin, Mrs Daphne Whitley, ausgeliehenen Mini-Bus zum Gurdwara gefahren. Dort wurden wir wiederum von einem Mitglied der Sikh Gemeinde empfangen, Councillor Gurcharan Singh, der uns in die allgemeinen Dinge, die man über einen Besuch im Sikh-Tempel wissen sollte, einführte. Das erste für uns mehr oder weniger Neue war, dass hier jeder ein Kopftuch tragen musste, was natürlich zum Lachen über unsere Unbeholfenheit in diesen Dingen führte. Zweitens musste man seine Schuhe ausziehen, denn man darf sämtliche Bereiche des Gebäudes nur auf Socken betreten. Nach einem kurzen Blick in den Tempelraum wurden wir erst einmal in den Speiseraum gebracht. Hier wird jeden Mittag für alle die möchten Essen ausgeteilt, das aus Spenden von Freiwilligen zusammengestellt wird. Da hier sehr viele Menschen zusammenkommen, gleicht der Raum eher einer Kantine. Es gibt Stehtische, für die, die nicht daran gewöhnt sind, auf dem Boden zu essen, aber auch die für Sikhs üblichen Teppiche, auf denen man sich niederlässt. An der Essensausgabe wird jedem ein Tablett mit mehreren Vertiefungen in die Hand gedrückt, auf das dann die verschiedenen Speisen gefüllt werden. Dazu gibt es schwarzen Tee mit Milch und Zucker. Da es in einem Sikh-Tempel logischerweise kein typisch englisch-europäisches Essen gibt, sondern vielmehr indisch-asiatisches war dieser Lunch, wenn auch für die empfindlicheren Mägen unter uns nicht sättigend, doch eine Erfahrung wert. Zumindest waren fast alle so mutig, alles einmal zu probieren. Jetzt fragt man sich, warum ich das so ausführlich beschreibe. Zum einen war es eins der faszinierendsten Erlebnisse der Exkursion, für Studierende und Schüler gleichermaßen neu, d.h. alles war neu und so fühlte man sich in eine ganz andere Welt versetzt, in der man sich gemeinsam irgendwie zurechtfinden musste, zum anderen, weil die Gastfreundschaft hier ihren Höhepunkt fand. Nicht nur, dass jeder zum Essen eingeladen war, sondern auch im Tempel selbst informierten uns Leute, erklärten uns den Raum und wir wurden in keiner Form komisch angestarrt. Nach dem Essen begaben wir uns in den Tempelraum. Im vorderen Bereich steht eine Art reich geschmückter Altar, auf dem das heilige Buch der Sikh liegt. Davor stehen (Geld-)Opferkisten und einige Symbole aus der Religion. Rechts und links sind zwei kleine Räume hinter Glas, in denen ständig Menschen sitzen, die im heiligen Buch lesen. Eine Person liest fortwährend laut vor (man kann dies in allen Räumen des Gebäudes hören, also auch beim Essen). Die Bedingung für das Lesen in diesem Buch ist, dass der Raum und man selber sauber ist. Daher rührt auch ein kleines Ritual, bei dem irgendein Gemeindemitglied die Luft über dem Altar mit einer Art überdimensioniertem "Staubwedel" wegfächert, damit sie sauber wird und das Buch in sauberer Luft liegt. Der Raum selbst ist mit Teppich ausgelegt. Auf der linken Seite sitzen die Frauen, auf der rechten die Männer, in der Mitte führt eine roter Teppich von der Eingangstür zum Altar. Was man noch beachten muss, ist, dass es eine Beleidigung wäre mit dem Rücken zum Altar zu stehen, und man sollte es auch vermeiden ihm die Seite zu zuwenden, abgesehen von dem Moment, wo man sich dem Ausgang zuwendet. Etwa in der Mitte des Raumes sitzen diejenigen, die jedem Tempelbesucher zum Abschied ein Stück von der heiligen Speise (karah parshad) der Sikh anbieten. Sie besteht zu gleichen Teilen aus Mehl, Wasser, Zucker und Butter. Wer sich ein Stück davon geben lässt, muss es allerdings auch aufessen, denn das Wegwerfen würde als Beleidigung empfunden werden, was ja durchaus verständlich ist. Ein paar von uns waren so mutig, es mal zu probieren, denn es gehört ja schließlich dazu. Das, was man dann in der Hand hält, ist eine Mischung aus Teig und Pudding mit einem doch recht ungewöhnlichen Geschmack, in dem man nicht unbedingt die Zutaten wiedererkennt. Alle, die es probiert haben, werden aber sicher nicht wieder vergessen, dass es bei den Sikh als Dankeschön eine heilige Speise gibt. Vom Tempel aus wurden wir wieder mit dem Mini-Bus zur Greenford High School gefahren. Dort empfingen uns ein Lehrer und mehrere Schüler. Wir wurden in Gruppen aufgeteilt und von den Schülern, die sich auf die A-Levels vorbereiten, durch die Schulräume geführt: durch "normale" Klassenzimmer, Musikräume, die Aufenthaltsräume für A-Level-Schüler, die Sporträume (incl. Fitnessräume), die Assembly-Hall, die super eingerichteten Kunst- und Handwerksräume und den naturwissenschaftlichen Trakt. Von nahezu allen Räumen gibt es mehrere, denn die Schule ist mit 1450 Schülern ziemlich groß. Um ca.14.30h trafen wir uns dann alle in dem Bereich der Schule, wo die Räume für den Fremdsprachenunterricht liegen. Als weiteres Highlight des Tages konnten wir nun an einer Deutschstunde teilnehmen. Die Schüler in diesen Klassen bereiteten sich gerade auf ihre Abschlussprüfung in Deutsch vor. In unserer Klasse war das Thema Freizeitaktivitäten. Nachdem der Lehrer noch einmal mögliche Fragen und Antworten wiederholt hatte, sollten wir uns nun also miteinander unterhalten, jeweils ein deutscher Schüler und zwei englische. Es hat nicht nur beeindruckend gut funktioniert, sondern allen auch unheimlich viel Spaß gemacht. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so toll wird, denn "unsere" Schüler konnten ja kaum Englisch und das Deutsch der englischen Schüler hielt sich auch noch in Grenzen, wobei es die ganze Bandbreite von fast gar nicht bis ziemlich gut gab. In einer anderen Klasse durften sogar zwei "unserer" Mädchen selbst den Unterricht halten. Spätestens als wir uns nach dieser Stunde wiedertrafen war klar, dass dieser Tag ein voller Erfolg war. Auf dem (Fuß-)weg zurück zum Rectory konnten wir unsere Eindrücke zumindest ein bisschen verarbeiten und uns dann im Haus bei Tee, Kaffee und Kuchen darüber austauschen. Wir wären sicher gerne länger dort geblieben, hatten aber - man sollte eigentlich meinen, das Programm hätte für den Tag gereicht! - noch einen Schabbat-Abend-Gottesdienst in der West London Synagogue (Marble Arch) vor uns. Zum zweiten Mal an diesem Tag hieß es für die Jungen "Kopfbedeckung auf". Jetzt konnten wir einen weiteren Teil vom Londoner jüdischen Leben erleben und das, was aus Büchern bzw. Religionsunterricht bekannt war, auch einmal "life" sehen und hören: das Entzünden der Schabbat-Kerzen, das Schema-Israel und das Kiddusch, gefeiert mit den Kindern der Gemeinde. Auch nach diesem Tag zogen wir unser Quartier einem London by night-Trip vor.

Samstag

Für den Vormittag hatten wir noch einen Besuch in der Great Mosque am Regent's Park geplant. Von der Haltestelle Baker Street ging es also vorbei am Sherlock Holmes Haus zur Moschee. Wieder einmal hieß es "Kopf bedecken", diesmal für alle Mädchen. Leider sahen wir, d.h. alle Frauen, nicht so viel von der Moschee, da der obere Bereich für die Frauen verschlossen war. Stattdessen konnten wir in den übrigen Räumen die Vorbereitungen für ein Kinderfest sehen. Nach diesem kurzen, für uns eher enttäuschenden Besuch stand der Rest des Tages dem Sightseeing zur Verfügung. Mit der U-Bahn ging es zuerst nach Camden Town, wo wir in strömendem Regen über einen der Märkte schlenderten. Nach einem gemeinsamen Mittagessen (hatten wir bis dahin noch nie geschafft!) fuhren wir weiter nach Covent Garden, liefen von dort aus zum Trafalgar Square und über die Mall weiter bis zum Buckingham Palace. Am St. James's Park entlang liefen wir dann weiter zu Westminster Abbey und Houses of Parliament. Mit der U-Bahn fuhren wir dann weiter zum Piccadilly Circus und kehrten, nachdem wir dort einen ersten Eindruck gewonnen hatten, zurück nach Aldgate East.

Sonntag

Eigentlich hatte für diesen Tag noch ein Besuch in der Holocaust-Ausstellung des Imperial War Museum auf dem Programm gestanden, leider ließ sich das aber aus organisatorischen Gründen nicht machen. Stattdessen fuhren wir nach Neasden zum Hindu-Tempel Shree Swaminarayan Mandir. Noch einmal hieß es mitten in London in eine völlig andere Welt eintauchen. Der Tempel liegt in einem völlig unspektakulär wirkenden Londoner Stadtteil, mitten in einem Wohngebiet. Daneben liegen noch eine hinduistische Schule und ein großer asiatischer Supermarkt. Vor wenigen Jahren wurde der Tempel allein durch die Arbeit von Freiwilligen errichtet. Alle bildhauerischen Arbeiten am Marmor, aus dem der gesamte Tempel besteht, wurden in Indien durchgeführt. Auch hier gilt: Das muss man halt gesehen haben! Bevor wir aber in den Tempel selbst gingen, schauten wir uns im angrenzenden Gebäude, das ein großes Foyer mit Waschräumen, Schuhregalen (Schuhe mussten mal wieder draußen bleiben) etc. und eine "Gebetshalle" beherbergt, eine Ausstellung über den Hinduismus an. Auch für die, die nichts von der Sprache verstanden, lohnte sich diese Ausstellung. Denn sie ist nicht nur informativ und dabei auf das wesentliche beschränkt, sondern führt auch durch ihre Aufmachung schon in eine andere Welt und vermittelt die Ideen des Hinduismus. Danach schauten wir uns einen kurzen Film über die Entstehung des Tempels an. Dieser lohnte allein deshalb, weil man dadurch noch einen weiteren Raum des Gebäudes sah und jeder Raum wunderschön geschmückte Säulen, Decken und Böden hat. Erst danach gingen wir über eine Treppe hinauf in den eigentlichen Tempelraum und konnten dort während eines kurzen "Mittagsgebetes" einen Teil des lebendigen Glaubens miterleben (Frauen hinten, Männer vorne!). Wir konnten nicht nur einen Teil der Zeremonie beobachten, sondern bekamen auch einen Eindruck von Musik, die man hier im Gottesdienst spielt. Währenddessen konnten wir den Tempel bewundern. Dieser beeindruckt dadurch, dass er einzig und allein aus weißem Marmor besteht und jede Säule und jedes einzelne Stück Stein in feinster Arbeit behauen ist. Obwohl er auch nur am Rand der Kuppel einige Fenster hat (und es draußen an diesem Tag bestimmt nicht besonders hell war), wirkt er hell, warm und durch den Teppich am Boden zusätzlich einladend. Im vorderen Bereich stehen verschiedenste Darstellungen der Geschichten über Inkarnationen des höchsten Gottes. Vor den Darstellungen und an den Seiten des Raumes stehen Kisten für Geldopfer. Während des gerade mal 15minütigen Gebetes wird zum Schluss auch ein Opfer eingesammelt, dass später in diese Kisten gebracht wird. Dabei gehen Frauen der Gemeinde mit Platten durch die Reihen, auf denen eine Kerze brennt. Wer eine Münze gibt (oder auch nicht), breitet die Hände über der Kerze aus und berührt damit die Stirn (ich würde es mal als eine Art Segen mit Gebet interpretieren). Leider kann ich das jetzt nur aus der Beobachtung beschreiben, kann aber nicht sagen, was dahinter steckt. Schön finde ich aber die Geste, dass man auch ohne etwas zu geben etwas bekommt. Nach dieser Andacht verließen wir den Tempel und fuhren zurück mitten ins Zentrum von London. Der Rest des Tages sollte noch mal dem Sightseeing zur Verfügung stehen. Am Abend holten wir dann unser Gepäck aus dem Quartier und machten uns wieder auf zur Victoria Coach Station. Um 20.30h ging es dann los zurück nach Essen.

Montag

Für uns war es eine große Überraschung, dass wir auf der Rückfahrt nicht durch den Tunnel fuhren, sondern mit der Fähre von Dover nach Calais übersetzten. So erlebten wir - wenn auch mitten in der Nacht - doch noch den Blick auf die Felsen von Dover und die Fahrt auf einer Fähre, die auch die Kinder in den Transporten von 1939-1941 erleben mussten. Mit knapp zweistündiger Verspätung kamen wir dann gegen 9.15h wieder am Essener Hbf an.

Fazit

Ich denke, dass diese Fahrt nahezu einmalig war. Das Programm wird in dieser Form wohl kaum einer Gruppe geboten, hinzu kommt die ganz besondere Zusammensetzung der Gruppe. Die Schüler waren absolut klasse (entgegen aller meiner Befürchtungen wie eine zehnte Klasse sich wohl auf so einer Fahrt gibt). Die meisten sind meiner Meinung über sich selbst hinausgewachsen trotz aller Anstrengung, denn das Programm ließ nicht viel Erholung zu. Da sich über diesen Stress aber auch keiner beschwerte, war die Stimmung einfach gut.

Wenn es irgendwie möglich ist, so etwas zu wiederholen, dann kann ich nur jeden ermutigen, sich dafür einzusetzen und dies als Riesenchance zu nutzen!