Schart, Aaron (1998) Die Entstehung des Zwölfprophetenbuchs

Bearbeitungsstand:  2000-12-07


Inhaltsverzeichnis


Vorwort V

1. Einführung 1
1.1. Das Zwölfprophetenbuch 1
1.2. Forschungsüberblick 6
1.3. Die redaktionsgeschichtliche Fragestellung 21
1.4. Zum weiteren Vorgehen 29

2. Die Anfänge der Zwölfprophetenbuch-Schriften 31
2.1. Die Überschriften 31
2.2. Die geschichtliche Folge der Zwölfprophetenbuch-Schriften 37
2.3. Zur Literarkritik des Zwölfprophetenbuchs 39
2.3.1. Die Überschriften mit Zeitangabe 39
2.3.2. Die Überschriften ohne Zeitangaben 46
2.3.3. Die Schriftanfänge ohne Überschriften 48
2.3.4. Ein redaktionsgeschichtliches Modell 48

3. Literarkritik der Amosschrift 50
3.1. Am 1,1 50
3.2. Am 1,2 54
3.3. Am 1,3 - 2,16 56
3.3.1. Die sekundären Strophen 56
3.3.2. Die Israelstrophe 57
3.4. Am 3-6 62
3.4.1. Am 3 63
3.4.2. Am 4 69
3.4.3. Am 5,1-17 74
3.4.4. Am 5,18-27 81
3.4.5. Am 6,1-14 82
3.5. Am 7-9 84
3.5.1. Am 7,9-17 86
3.5.2. Am 8,3-14 88
3.5.3. Am 9,5-15 93
3.6. Zusammenfassung: Die literarische Schichtung der Amosschrift 98

4. Die Tradentenfassung von Amos und die Hoseaschrift 101
4.1. Am 7,9-17: Jahwe straft Königtum und Tempel des Nordreichs 101
4.1.1. Die Interpretation der dritten Vision durch die Tradenten 101
4.1.2. Königskritik in Am 7 und Hos 106
4.1.3. Am 7 und Hos 9,1-9: Der Prophet als Gottes Waffe 115
4.1.4. Am 7 und Hos 1,2-9: dw( Pysw) )l - Das Ende der Geduld Jahwes 116
4.2. Am 8,14 und das Neuverständnis der fünften Vision in der Tradentenfassung 120
4.2.1. Die Deutung der fünften Vision 120
4.2.2. Die Vorschaltung von Am 8,14 vor die fünfte Vision 124
4.2.3. Querbezüge von Am 8,14-9,4 auf Hos 126
4.2.4. Zusammenfassung 128
4.3. Weitere Bezüge zwischen Trad-Am und Hos 129
4.3.1. Am 3,2.14 und Hos 129
4.3.2. Am 2,8 131
4.3.3. Am 6,8: der Hochmut Israels 132
4.4. Hos* und Trad-Am: ein Kompendium der Nordreichsprophetie auf einer Rolle? 133
4.4.1. Mögliche Erklärungsmodelle 133
4.4.2. Struktursignale für eine Zweiprophetenbuch-Rolle? 140
4.4.3. Leseprobe: Wie liest sich Trad-Am auf dem Hintergrund von Trad-Hos? 144
4.4.4. Zusammenfassung 151

5. Die D-Schicht in Am und das D-Korpus 156
5.1. Literarische Querbeziehungen von D-Am auf Hos, Mi und Zef 157
5.1.1. Am 2,10-12: die Geschichte 157
5.1.2. Am 3,1-8: die Rolle der Propheten in der Geschichte 160
5.1.3. Am 4,6-11*: verweigerte Umkehr 160
5.1.4. Am 5,11: der Fluch 162
5.1.5. Am 2,4-5: die Tora Jahwes 163
5.1.6. Am 5,25-26: Kultkritik 165
5.1.7. Am 8,4-7: Sozialkritik 166
5.1.8. Am 1,2: Jerusalem 166
5.1.9. Am 9,7-10: das Haus Jakob 167
5.1.10. Zusammenfassung 169
5.2. Die D-Zusätze in Hos 169
5.2.1. Hos 1,1-3,5 170
5.2.2. Hos 4,1-2 171
5.2.3. Hos 8,1b 173
5.2.4. Hos 14,2-4 173
5.2.5. Die Juda-Glossen von D-Hos 176
5.3. Die D-Schicht in Mi 177
5.3.1. Mi 1,2-7 177
5.3.2. Mi 1,8-16 181
5.3.3. Mi 2,1-11 183
5.3.4. Mi 3,1-12 184
5.3.5. Mi 6,1-16 190
5.3.6. Zusammenfassung 201
5.4. D-Passagen in Zef 204
5.4.1. Zef 1,2-18 205
5.4.2. Zef 2,1-3,8 211
5.4.3. Zef 3,9-20 213
5.4.4. Ergebnis 214
5.4.5. Die Konzeption vom "Tag Jahwes" in D-Zef 214
5.5. Gesamtstruktur und Intentionen des DK 218
5.5.1. Zur Vorgeschichte des DK 218
5.5.2. Zur Komposition des DK 220
5.5.3. Zu den Intentionen des DK 223

6. Die Hymnenschicht in Am und die Eingliederung von Nah und Hab 234
6.1. Die Hymnenschicht in Am 234
6.2. Mi 1,3-4 238
6.3. Mi 6,8 239
6.4. Hos 4,3 und Zef 1,2-3 241
6.5. Der Theophaniehymnus in Nah 1,2-8 242
6.6. Habakuk 244
6.7. Komposition und Intentionen des Nahum-Habakuk-Korpus 246

7. Am 9,11-15* und das Haggai-Sacharja-Korpus 252
7.1. Am 9,11-15 252
7.1.1. Formelhafte Hinweise auf die neue Heilszeit 253
7.1.2. Die Rücknahme des Fluches 254
7.1.3. Die Verwurzelung Israels im Land 256
7.2. Die Zufügung von Hag* und Sach* 256
7.3. Mi 4-5 257
7.4. Nachträge in anderen Schriften 258
7.5. Zu den Intentionen des Haggai-Sacharja-Korpus 258

8. Die Amosschrift im Joel-Obadja-Korpus 261
8.1. Die Amosschrift und Joel 261
8.1.1. Am 9,13abb // Joel 4,18 261
8.1.2. Am 4,9 261
8.1.3. Bezüge von Joel auf Am 262
8.1.4. Wie liest sich die Amosschrift nach Joel? 263
8.2. Joel und Hos 266
8.3. Joel und Mi 268
8.4. Joel und Zef 269
8.5. Joel und Obd 270
8.5.1. Am 9,12a // Obd 1,17-20 // Joel 4,19 271
8.5.2. Joel und Obd 272
8.6. Nah 3,15ag.16b und Hab 3,16b-17 274
8.7. Sach 14 275
8.8. Zef 3,8-10 277
8.9. Zu Struktur und Intentionen des JOK 278

9. Die Zufügung von Jona und Maleachi 283
9.1. Die Jonaschrift 283
9.1.1. Jona als Satire 283
9.1.2. Jona und Joel 287
9.1.3. Jona im Kontext des Zwölfprophetenbuchs 289
9.2. Die Maleachischrift 291
9.2.1. Formkritik der Maleachischrift 291
9.2.2. Literarkritik der Maleachischrift 293
9.2.3. Die Funktion der Eschatologie in Mal 295
9.2.4. Mal als Schluß des Zwölfprophetenbuchs 297
9.2.5. Literarkritik von Mal 3,22-24 299
9.2.6. Mal 3,22-24 und Joel 301
9.2.7. Mal 3,22-24 als Abschluß des Kanonteils Nebiim 302

10. Rückblick und Ausblick 304
10.1. Die Entstehung des Zwölfprophetenbuchs 304
10.2. Kennzeichen einer redaktionellen Phase: Schriftbezug und Gegenwartsbewältigung 306
10.3. Redaktionsgeschichte als Geschichte von Kompromissen 309
10.4. Die spannungsvolle Ganzheit des Endtextes 312

Anhang 1: Übersicht über die Abfolge der Korpora 315
Anhang 2: Übersicht über redaktionelle  Eigenformulierungen 316
Literaturverzeichnis 318
Register 337


page 290:

Auch für die Jonaschrift ergibt sich aus der Einfügung in das Mehrprophetenbuch ein Neuverständnis. Zunächst ist zu klären, warum Jona gerade an dieser Stelle innerhalb des Zwölfprophetenbuchs zu stehen kommt. Entscheidend erscheint die Identifizierung von Jona ben Amittai mit dem in 2 Kön 14,23-25 genannten Propheten gleichen Namens. Unter der Voraussetzung, daß die Propheten in ihrer geschichtlichen Folge angeordnet werden sollten, ist ohne weiteres einleuchtend, daß die Jonaschrift zwischen Amos und Micha plaziert wurde. Daß Jona auch noch nach Obd eingefügt wurde, dürfte einerseits damit zusammenhängen, daß die enge Beziehung von Am 9 zu Obd nicht zerbrochen werden sollte, andererseits wohl damit, daß man Jona in Analogie zu dem in Obd 1,1 genannten Boten an die Völker verstand. Darüber hinaus scheint es keine redaktionellen Verknüpfungen zu geben, die Jona an seine jetzige Position im Endtext binden. Die Schrift ist erheblich lockerer verankert als etwa Joel oder Obd.

  • An dieser Stelle kann die literarkritische Argumentation eine gewisse Hilfe von der Sichtung der Handschriftenbefunde erhalten. Eines der beiden ältesten Manuskripte, 4QXII(a), hat höchstwahrscheinlich die Jonaschrift nach Mal angeordnet. Dies könnte darauf hindeuten, daß Jona später als Mal zugefügt wurde und seine Position innerhalb des Zwölfprophetenbuchs erst in einem zweiten Schritt an den jetzigen Ort verlegt wurde.

  • ______________________

    /1/ J. Nogalski, (1993b) processes, 270. Vgl. dazu auch oben Kap. 2.2.

    /2/ Vgl. H. W. Wolff, (1991) Obadja, 53; J. Nogalski, (1993b) processes, 270.

    /3/ Auch die von J. Nogalski, (1993) precursers, 33-37 gefundenen Stichwortgemeinsamkeiten zwischen Obd, Jona und Mi sind äußerst dürftig. Auch E. Dyck, (1990) Jonah, 70-73 findet nicht mehr.

    /4/ Dieses methodische Vorgehen hat für das Zwölfprophetenbuch B. A. Jones, (1995) Formation vorangetrieben.

    /5/ Siehe R. E. Fuller, (1996) Form and Formation, 92; B. A. Jones, (1995) Formation, 6; O. H. Steck, (1996) Abfolge, 249 und Kap 1.1.

    /6/ So die These von B. A. Jones, (1995) Formation, 167-169. O. H. Steck, (1996) Abfolge, 249-250 weist dagegen darauf hin, daß Mal 3,22-24 bewußt als Schluß des Kanonteils Nebiim konzipiert wurde. In der Tat ist es schwer vorstellbar, daß dieselbe Redaktion, die Mal 3,22-24 formuliert hat, auch noch Jona folgen ließ. Warum sollte Jona aber nicht noch später zugefügt worden sein? Die Redaktionsgeschichte der Mehrprophetenbücher zeigt ja, daß neue Schriften bevorzugt am Ende angehängt wurden.


    Anhang 1: Übersicht über die Abfolge der Korpora

     

     

    Hos

    Joel

    Am

    Ob

    Jon

    Mi

    Nah

    Hab

    Zef

    Hag

    Sach

    Mal

    Worte

    3-6*

    Trad

    JA

    1-9*

    DK

    ja

    ja

    JA

    JA

    NHK

    ja

    ja

    ja

    JA

    JA

    ja

    HSK

    ja

    ja

    ja

    ja

    ja

    ja

    JA

    JA

    JOK

    ja

    JA

    ja

    JA

    ja

    ja

    ja

    ja

    ja

    ja

    Zwölf

    ja

    ja

    ja

    ja

    JA

    ja

    ja

    ja

    ja

    ja

    ja

    JA

    Die Schriften mit datierten Überschriften (= DK) sind schattiert.

    Die redaktionellen Phasen sind nach den Schriften benannt, die auf dieser Ebene jeweils neu hinzukommen (Großbuchstaben, fett und kursiv).

    Kürzel

    Jeweilige Am-Fassung

    Korpus

    Worte

     

    Wortesammlung des Amos, umfaßt Sprüche aus Am 3-6.

    Trad

    Trad-Am

    Tradentenfassung; Trad-Hos und Trad-Am haben vermutlich ein Zweiprophetenbuch gebildet.

    DK

    D-Am

    D-Korpus: die der dtn-dtr Tradition nahestehenden D-Fassungen von Hos, Am, Mi und Zef.

    NHK

    NHK-Am

    Nahum-Habakuk-Korpus.

    HSK

    HSK-Am

    Haggai-Sacharja (1-8*?)-Korpus.

    JOK

    JOK-Am

    Joel-Obadja-Korpus.

    Zwölf

    Am

    Zwölfprophetenbuch: die durch Zufügung von Jona und Maleachi entstandene Endfassung.