Steck, Odil Hannes, (1935-)
Zur Abfolge Maleachi - Jona in 4Q76 (4QXIIa). ZAW 108.2 (1996) 249-253.


I give here only the starting passage, without footnotes. The footnote reference numbers are there (/1/)


page 249:

In seiner Dissertation /1/ hat R. E. Fuller 21 Textfragmente /2/ aus 4Q dem selben Manuskript 4Q76 (4QXIIa) zugewiesen und dieses paläographisch in die Zeit 150-125 v. Chr. datiert /3/. Der erhaltene Text umfaßt nur Bibeltext, und zwar in Resten den Textbestand Jon 1,1 - 8; 1,9 - 2,1; 2,7; 3,2; Sach 14,18; Mal 2,10 - 14; 2,15 - 3,4; 3,5 - 14; 3,15 – 24 /4/. Mehr als auffällig ist, daß die Kolumne mit dem letzten Text des Zwölfprophetenbuches Mal 3,15 24 nicht das Ende dieser Rolle ist. Auf dem Fragment, das Mal 3,18 - 23 bietet, sind nach links nach dem erhaltenen Kolumnenzwischenraum noch zwei Buchstaben Lamed und He von zwei Zeilenanfängen aus einer anschließenden Kolumne erkennbar, die gemäß der Rekonstruktion von Fuller mit den separat erhaltenen Fragmenten von Jon 1,1 - 8 zusammengehören /5/. Fuller rekonstruiert die Kolumnenabfolge des erhaltenen Restes der Rolle 4Q76 demnach wie folgt: ... Sach 14,18; Kol. l: Mal 2,10 - 14; Kol. ll: Mal 2,15 - 3,4; Kol.III: Mal 3,5 - 14; Kol. IV: Mal 3,15 - 24; Kol. V: Jon 1,1 - 8; Kol. Vl: Jon 1,9 - 2,1; Kol. Vll: ... Jon 2,7 ...; Kol. Vlll (?): ... Jon 3,2 .... Eine Überprüfung des Fragmentenbefundes (anhand der Photographien), die ich einem Gespräch im März 1995 mit den Experten der Göttinger Qumranforschungsstelle, Prof. Dr. Dr. H. Stegemann, Dr. Annette Steudel und insbesondere A. Maurer verdanke, hat ergeben, daß mit kleinen Bereinigungen in der Frage der Kolumnenzuweisung der Textreste (I: Mal ? - 2,14; II: Mal 2,14 - 3,4; III: Mal 3,5 - 14; IV: Mal 3,14 - 24; V: Jon 1,1-8; Vl: Jon 1,8 - 2,1; Vll: Jon 2,3 - 3,2; so A. Maurer auch brieflich) die Rekonstruktion von Fuller in der Tat am nächsten liegt; es war auf Grund materialer Indizien der Rollenwicklung sogar zu erwägen, ob diese Rolle nach Mal und Jon bis zu ihrem Ende noch weiteres Textgut im Umfang einiger Kolumnen enthielt.

Der insoweit eindeutige Befund, daß 4Q76 eine Bibeltext- (Zwölfpropheten-?) Rolle darstellt, deren Ende aber nicht Mal 3,24 ist, ist für das spätalttestamentliche Problem der Entstehung und Formation von Nebiim überaus bedeutsam. Die verbreitete, MT entsprechende Ansicht, daß Mal 3,22-24 der ursprüngliche Schluß nicht nur der Zwölfpropheten-

page 250:

rolle (Xll), sondern der Größe Nebiim überhaupt war und auf diese formative Schlußstufe gehört /6/, stellt der Befund von 4Q76 aus folgenden Gründen jedoch nicht in Frage.

Gegenüber dieser ursprünglichen Schlußformierung von Xll/Nebiim durch Sach-Mal ist 4Q76 mit Sach-Mal-Jon-? also eine sekundäre Anordnung, die in der ersten Hälfte des 2. Jhdt.s v. Chr. vorgenommen wurde. Sie zeigt, daß es schon gar in dieser Frühphase von Nebiim auch noch möglich war, von der ursprünglich formierten Bücheranordnung (am Ende) von Xll abzuweiche /11/;

 


Revised: Dezember 07, 2000.