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Zeche Zollverein -
Schacht XII

 

Die Geschichte

Geschichtliche Entwicklung der Zeche ZollvereinZeche Zollverein

Der Industrielle Franz Haniel (1779-1868), Gründer der Zeche Zollverein, war zunächst Teilhaber der Eisenhütten in Oberhausen, Betreiber einer Werft für Schiffe aus eisernen Rümpfen, Kohlehändler und Mitglied einer Bohrgesellschaft, deren Mitglieder ihre 14 Felder zu einem großen zusammenhängenden Grubenfeld koordinierten. Der Name Zollverein lehnt sich an die von den deutschen Kleinstaaten auf zwischenstaatlicher Ebene gebildeten Zollvereinigungen an, deren Ziel es war, durch allgemeingültige Maße und Gewichte den Handel zwischen den Staaten zu erleichtern. Im Jahre 1847 kaufte Haniel alle Anteile von den übrigen Mitgliedern der Bohrgesellschaft auf. Der direkte Anschluss an die Köln-Mindener Bahnlinie gab den Ausschlag für Haniel, hier mit dem Bau eines Bergwerkes Zeche Zollverein zu beginnen; Zollverein war damals die nördlichste aller Zechen im Ruhrgebiet.

Die Abteufung der Schächte 1/2 erfolgte 1848, der Verkauf der Kohle begann 1851. Da man sich mit dem Abbau der Kohle immer weiter von der Schachtanlage 1/2 entfernte, entschied man sich für die Abteufung weiterer Schächte. 1882 begann man mit der Kohleförderung auf der Schachtanlage 3/7/10 - die Nummerierung der Schächte erfolgte in der zeitlichen Abfolge ihrer Errichtung auf dem Grubenfeld - , im südöstlichen Gebiet des Grubenfeldes. Im Jahre 1891 begannen die Bauarbeiten zur Schachtanlage 4/11 am nordöstlichen Rand des Grubenfeldes. Im südwestlichen Teil wurde 1897 die Schachtanlage 6/9 in Betrieb genommen.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges arbeitete jede der vier Schachtanlagen selbstständig. Bei Kriegsende waren diese Anlagen jedoch völlig veraltet und es standen umfangreiche Investitionen an. Daher gingen die Erben Haniel 1920 eine Interessengemeinschaft mit dem Stahlkonzern "Phönix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb" ein, ab 1926 wurde die Zeche Zollverein in die "Vereinigten Stahlwerke AG" eingegliedert. Im Rahmen der Dezentralisierung erhielt die Bergbauabteilung der "Vereinigten Stahlwerke AG" 1933 den Namen "Gelsenkirchener Bergwerks AG" (GBAG). Neben Zollverein gehörten die Zechen Graf Moltke, Nordstern Pluto, Pluto, Bonifaccius, Holland und Vereinigte Rheinelbe einer der vier regionalen Gruppen an. Die Neuordnung nach dem Krieg fasste diese dann 1953 zur "Rheinelbe Bergbau AG" zusammen. 1968 wurde Zollverein von der neugegründeten Ruhrkohle AG (heute RAG AG) übernommen.

1929 wurde die Förderung auf Schacht 6/9 eingestellt, die Kohle wurde über Schacht 1/2 zutage gefördert. Ab 1932 wurde dann die Kohle aller Schachtanlagen auf Zollverein über die neue Schachtanlage 12 zutage gefördert. nach oben

Chronik des Schachts XII

Bereits Anfang der 1920er Jahre entstand die Idee für eine zentrale Förderanlage, die auch die Aufbereitung, Kraftwirtschaft und Werkstätten vereinigen sollte. Die erforderlichen Baukosten überstiegen jedoch die Möglichkeiten der Phoenix AG. Man beschränkte sich auf die Modernisierung von Schacht 11. Erst die Übernahme der Gesamtanlage Zollverein durch die Vereinigte Stahlwerke AG ermöglichte die Realisierung eines Zentralförderschachts mit Doppelförderung. Mit der Planung wurden die Architektengemeinschaft Schupp/Kremmer beauftragt.

Die angestrebte Fördermenge von 12000 Tonnen pro Tag stellte damals eine aufsehenerregende Leistung dar. Die durchschnittliche Tagesleistung der Ruhrgebietszechen lag zu dieser Zeit bei nur 2500 Tonnen . Mit Schacht 12 nahm 1932 die erste Verbundanlage im Revier ihren Betrieb auf und war damit zur damals größten Zeche des Ruhrgebiets gewachsen. Die Kohle aller Schachtanlagen wurde seitdem auf Zollverein ausschließlich über die neue Schachtanlage 12 zutage gefördert. Die Zusammenfassung der Förderung auf der 12. Sohle (610 m) bedeutete eine enorme Rationalisierung des Untertagebetriebes. Von einer autonomen Stromerzeugung wurde bei Zollverein abgesehen.

Bis Mitte der 50er Jahre blieb der Zustand der Zentralanlage nahezu unverändert. 1955 wurden umfangreiche Anpassungen bei der Kohlenwäsche erforderlich, da der Bergeanteil sich durch den maschinellen Abbau erhöht hatte. Ende der 50er Jahre wurde zeitgleich mit der Umstellung der Förderung auf die 13. Sohle (750 m) zunächst die südliche Gestellförderung auf Skipförderung umgestellt. Das Fördergerüst musste mit 200 Tonnen Stahl verstärkt werden, um die erhöhte Betriebslast aufzunehmen. Auch diese Maßnahme wurde durch den Architekten Schupp begleitet, so dass die zusätzliche Verstärkung die ästhetische Wirkung des Gerüsts nicht stört.

1966 wurde die nördliche Förderung im Schacht 12 zum Umbau auf Skips vorübergehend eingestellt. 1967 wurde der Schacht auf die 14. Sohle (1040 m) tiefergeteuft und die nördliche Förderung wieder in Betrieb genommen. 1974 erfolgte der Verbund mit der Zeche Holland in Bochum-Wattenscheid. Der Verbund mit der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen folgte 1983. Der Abbau in den Feldern Zollverein 1/2, 4/11 und 6/9 war zuvor eingestellt worden.

Am 23.12.1986 wurde die Förderung auf Zeche Zollverein eingestellt. Damit ging die Ära des Bergbaus für die Stadt Essen, die einstmals größte Kohlenstadt Europas war, zu Ende. Die Felder der ehemaligen Zeche Nordstern wurden später an die Zeche Consolidation angeschlossen. Der Schacht 12 dient weiterhin der Wasserhaltung. nach oben

Die Entwicklung des Umfeldes

Der Bau der Köln-Mindener Eisenbahnstrecke und der Beginn der Kohleförderung hatte weitreichende Auswirkungen auf das Leben am südlichen Rand der Emscher. Auf dem ungefähr 13 km2 großen Grubenfeld wohnten damals um die 500 Menschen, rechnet man die Dörfer Katernberg, Stoppenberg und Schonnebeck hinzu, waren es knapp 1200. Sie lebten als Bauern, hielten Kühe und Schweine und bestellten die Felder. 1929 wurden die drei Dörfer in die Großstadt Essen eingemeindet.

Mit Gründung der Zeche Zollverein begann die Wandlung dieses Raumes. Die wirtschaftliche Nutzung der Zeche machte den Bau mehrerer Schächte, Schachtanlagen und Schachtgebäude notwendig. Hinzu kam die Werkseisenbahn, die Kokereien und Halden. Für die dort angesiedelten Arbeiter und ihre Familien wurden Siedlungen, Kindergärten, Schulen, ein Krankenhaus, Kirchen, Friedhöfe und eine Reihe von Konsumanstalten vom Bergwerk gebaut oder finanziert.

Ab 1859 begann der Bau von Bergarbeiterwohnungen um den vorwiegend aus Ostpreußen, Pommern, Mecklenburg und Schlesien stammenden Arbeitern und ihren Familien den Wechsel in diese Region zu vereinfachen. Die Häuser prägen bis heute noch etliche Straßenbilder. Sie waren eingeschossig mit ausgebauten Dachstuhl und unterkellert, hatten vier Wohnungen von 50 bis 60 m¾ mit jeweils separatem Eingang von außen. Hinter den Häusern befanden sich Schuppen, in denen die Toiletten und Tiere untergebracht waren. Zusätzlich gehörte zu jeder Wohnung ein 500 bis 600 m2 großer Garten, dies ermöglichte den Mietern eine fast vollständige Selbstversorgung.

Das Mietrecht war gekoppelt an den Arbeitsvertrag, so dass ein Wechsel der Zeche automatisch den Verlust der Wohnung nach sich zog. Dadurch versuchte die Zeche der damals hohen Fluktuation entgegenzuwirken und eine bodenständige und qualifizierte Belegschaft zu bekommen. Mit der Neuordnung der Vereinigten Stahlwerke 1933 gingen die meisten Wohnungen in Besitz von Wohnungsgesellschaften über; von nun an übernahmen diese den Wohnungsbau für die Zechen, das Belegungsrecht blieb aber weiterhin der Zeche vorbehalten. So obliegt die Vermietung der Bergarbeiterwohnungen auch heute noch den Wohnungsbaugesellschaften, in diesem Gebiet vor allem der Veba Immobilien Wohnpartner GmbH.

Als einziger Arbeitgeber prägte die Zeche Zollverein das Leben der Menschen in dieser Gegend. So wurde aus dem ehemals ländlichen Raum ein dicht besiedeltes städtisches Gebiet mit heute nahezu 50 000 Einwohnern. nach oben

Der Wandel

Die Zeche Zollverein ist 1986 in den Kreis der denkmalgeschützten Industrieanlagen aufgenommen worden. Schon lange zuvor hatte dieses Ensemble die Aufmerksamkeit der Landeskonservatoren auf sich gezogen. Ihr Eintrag in die Liste der Weltkulturerben steht unmittelbar bevor. Der Eintrag beschränkt sich zu recht nicht auf Schacht 12, sondern auf die "Kulturlandschaft Zollverein".

Die Bedeutung für die Architekturgeschichte

Verschiedene Faktoren begünstigten die konsequente Umsetzung der von Schupp/Kremmer entwickelten funktionalen Formensprache, die später in dieser Reinheit und Perfektion nicht wieder erreicht wurde. Zollverein blieb die Referenz für alle folgenden Variationen des hier gefundenen architektonischen Themas. Nach den Gesamtplanungen der Kokereien Alma und Nordstern war Schacht 12 die erste Gesamtplanung einer Zechenanlage der Architektengemeinschaft. Durch die Neuplanung der Zentralschachtanlage und Mitarbeit an der Planung von Beginn an fanden sie günstige Vorraussetzungen vor.Design Zentrum Zollverein

Von der bei Erweiterungsbauten erforderlichen Rücksichtnahme auf den Bestand waren sie bei Zollverein entbunden. Das für Bauprogramm umfasste ausschließlich technische Anlagen und ermöglichte dadurch das einheitliche Erscheinungsbild. Da Sozial- und Verwaltungsgebäude nicht benötigt wurden, trat der teilweise Widerspruch in der Architektur nicht zu Tage. Anhand von Skizzen zu freien Projekten lässt sich nachvollziehen, dass Schupp/Kremmer auch für diese Gebäudegattung eine moderne kubistische Lösung vorsahen. Die konservativ-patriarchalische Einstellung der Auftraggeber ließ die Umsetzung dieser Vorstellungen jedoch nicht zu. Bei der später gebauten Zeche Germania war dieser Zwiespalt deutlich ablesbar. Auf Schacht 12 erübrigte sich durch die glücklichen Umstände diese zweigleisige Architektur.

Das ästhetisch durchgestaltete Doppelbockgerüst war das erste dieser Art und Prototyp einer ganzen Generation. Die vorgehängten Fassaden mit gerastertem Stahlfachwerk prägten mehrere Jahrzehnte lang das markante Bild der Bergbauarchitektur. Mittlerweile ist das Stahlfachwerk durch andere Baustoffe abgelöst worden. Das damals innovative Bauprinzip der vorgehängten Fassaden behält nach wie vor seine absolute Gültigkeit. Durch nur geringfügigen Änderungen im Erscheinungsbild dieser Zechenanlage und insbesondere durch die Vollständigkeit des historischen Gebäudebestandes ist Zollverein hervorragend geeignet ihren Status als Meilenstein der Architekturgeschichte auch heute noch zu demonstrieren.nach oben

Bedeutung für die Technikgeschichte

Der Aspekt Technik umfasst zahlreiche bautechnische und montantechnologische Innovationen die bei Schacht 12 zur Geltung kamen. Beim Bau wurden Verfahren entwickelt, die später allgemein üblich geworden sind. Die strikte Trennung von Primär- und Sekundärkonstruktion die Schupp/Kremmer war richtungsweisend. Bei ihrer Entstehung galt die Gesamtanlage Zollverein als größte Schweißkonstruktion in Europa. Diese Superlative bezog sich auf die 2200 Tonnen von insgesamt 7700 Tonnen Stahl, die hauptsächlich beim Bau der Hallen miteinander verschweißt worden waren . Die damals bestehenden Bedenken gegenüber der noch jungen Entwicklung der Schweißtechnik verhinderten die Anwendung bei der Konstruktion des Fördergerüsts. So wurde das Gerüst wegen der großen dynamischen Belastung als Nietkonstruktion ausgeführt.

Für den Bereich der Montantechnologie war die tägliche Förderleistung von 12000 Tonnen Kohle, die mehr als die Verdoppelung der damaligen Bestleistung darstellte. Erst Mitte des letzten Jahrhunderts wurde Fördermengen in dieser Größenordnung allgemein üblich. Die Doppelförderung mit jeweils viergeschossigen Fördergestellen und die Einrichtung zweier übereinanderliegender Beschickungsbühnen über und unter Tage machte diese enorme Leistung möglich. Auch der kontinuierliche Wagenumlauf mit den Kopfwippern war ein perfekt ausgeklügeltes System.

Erstmalig wurden Elektrofilter eingesetzt um Kohlenstaub aus der Luft zu filtern. Das sorgte in einigen Bereichen für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und bewirkte eine Steigerung der Produktivität durch die Rückgewinnung.
Von dem Anschluss an das Stromnetz erhoffte man sich eine höhere Wirtschaftlichkeit, so dass auf eine eigene Stromerzeugung verzichtet wurde. Allgemein üblich war zur Bauzeit noch die Erzeugung des Stroms mit Dampfturbinen, die aus dem Kesselhaus gespeist wurden. Das Kesselhaus von Zollverein speiste ausschließlich die Kompressoren zur Drucklufterzeugung. Die Turbokompressoren waren damals Spitzenleitungen des Maschinenbaus.nach oben

Bedeutung für die Wirtschaftsgeschichte

Bei einer auf Schacht 12 begrenzten Betrachtung bildet sich die Rationalisierung als ökonomisches Programm durch die gesamte Konzeption der Anlage heraus. Die Übernahme durch die kapitalkräftige Vereinigte Stahlwerke AG schuf den nötigen finanziellen Rahmen für die Realisierung. Derweil stellte schon die Organisation der Vereinigte Stahlwerke AG den Inbegriff der Rationalisierung an sich dar. Als größter Montankonzern des Kontinents kontrollierten die Vereinigte Stahlwerke AG 41 Schachtanlagen im Ruhrgebiet. Die Rationalisierungsbestrebungen ließen die Zahl innerhalb von vier Jahren auf 32 schrumpfen.

Die Verbundförderung unter Tage und die Konzentration der Förderung auf nur einen Schacht war ein Schritt in eine Richtung, der die weitere Organisation des Bergbaus bis heute bestimmt hat. Das Bestreben eine maximale Wirtschaftlichkeit zu erzielen war an sämtlichen Tagesanlagen auf Schacht 12 und deren technischer Ausstattung, sowie der Organisation der Funktionsabläufe deutlich geworden. Auch die Namensgebung "Zollverein" durch Franz Haniel bei Gründung der Zeche 1848 ist eine - wenn auch nur gedankliche - Anlehnung an einen bedeutenden Schritt in der wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklung.

Die Gründung einer Freihandelszone unter dieser Bezeichnung im Jahre 1836 war der Grundstein einer blühenden Entwicklung, die industrielle Größenordnungen erst tragfähig machte. Für eine weitere Diskussion ist eine Erweiterung auf die gesamte Entwicklung von Zollverein erforderlich, die hier nicht ausführlich behandelt werden soll. Angemerkt sei aber, dass hier die ausgedehnte Zeitspanne der geschichtlichen Entwicklung und auch die Nebengewinnung durch den Neubau der Kokerei Zollverein wesentliche Argumente liefern, die zum Teil den Erhalt der weiteren Zollvereinsanlagen begründen.nach oben

Die sozial- und ortsgeschichtliche Bedeutung

Bei der Untersuchung sozial- oder ortsgeschichtlicher Aspekte bleibt bei der isolierten Betrachtung der Zeche eine deutliche Lücke. Das Merkmal der Orientierung ist sicherlich erfüllt. Weitere Merkmale liegen zwar vor, können aber nicht in größeren Zusammenhang gebracht werden. Da es sich bei Schacht 12 ausschließlich um technische Anlagen handelt, fehlen dort wesentliche bergbautypische Einrichtungen. Erst bei einer Erweiterung auf die "Kulturlandschaft Zollverein" können alle Belange der Denkmalpflege genügend dokumentiert werden.

Die "Kulturlandschaft Zollverein" die alle (noch vorhandenen) Schachtanlagen, die Kokerei, die Bergehalden, die Zechensiedlungen und alle durch den Bergbau errichteten Profanbauten. Der bedeutende Einfluss auf die siedlungsstrukturelle und soziokulturelle Entwicklung von Katernberg bleibt damit nachvollziehbar. Erst durch diese eigentlich zwingende Erweiterung erhebt Zollverein über den Rang eines nationalen Denkmals hinaus. Der Erhaltungszustand und die relative Vollständigkeit der Bauten ist wahrscheinlich einmalig. Der Erhalt dieser Kulturlandschaft, mit dem Wissen das sie trägt, liegt im objektiven öffentlichen Interesse.nach oben

Bauhütte Zeche Zollverein Schacht XII GmbH

Mit der Stilllegung der Zeche Zollverein Schacht XII am 23. Dezember 1986 kaufte die LandesEntwicklungsGesellschaft (LEG) im Treuhandauftrag des Landes Nordrhein-Westfalen das Grundstück und Grundstücksteilflächen mit einer ungefähren Gesamtgröße von 258 730 m¾ von der Ruhrkohle für 1 Millionen DM. Da die Zeche jedoch am 17. Dezember 1986 unter Denkmalschutz gestellt worden war, konnte die LEG mit dem Gelände nicht so verfahren, wie es bis dahin der Fall gewesen war.

Bis zu diesem Zeitpunkt war der Abriss der Gebäude, die Sanierung / Abtragung der verseuchten Bodenfläche, Aufbereitung des Geländes für spätere Bebauung und der Verkauf üblich. Im Fall der Zeche Zollverein Schacht XII musste man nun von Seiten der LEG ein neues Konzept für die Nutzung des Areals vorlegen. Dies geschah in Zusammenarbeit mit der Stadt Essen.

Bei den Überlegungen zur Nutzungsplanung spielte die räumlichen Nähe zur bereits stillgelegten und als Jugend- und Kulturzentrum umgenutzten Zeche Carl in Altenessen insofern eine Rolle, als dass eine Nutzung in diesem Bereich ausschied. Man entschied sich, auch auf dem Hintergrund der Ausstellung von Ulrich Rückriem zur documenta IX , die große Beachtung fand, für ein Zentrum für Kultur, Design & Industriegeschichte.

Am 22. September 1989 gründeten die LEG und die Stadt Essen die Bauhütte Zeche Zollverein Schacht XII GmbH. Diese wurde mit der Erhaltung der Anlagen sowie der Planung und Organisation der Neunutzung beauftragt. Bei der Restaurierung ging es neben dem Erhalt der Gebäude auch um Teile des Maschinenparks, die in die umgenutzten Hallen integriert werden mussten. Von Beginn an stand fest, dass mit dem Ende der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park auch die Bauhütte zum 31.12.1999 aufgelöst würde.nach oben

Stiftung Zeche Zollverein Schacht XII

Um weiterhin eine kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten, wurde schon frühzeitig über die Zeit nach der Auflösung der Bauhütte nachgedacht. Nach einer ungefähr 5jährigen Vorbereitungszeit erfolgte am 12. November 1998 die Gründung der Stiftung Zollverein Schacht XII (im folgenden verkürzt Stiftung Zollverein genannt) durch die Stadt Essen und das Land Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport). Die Stiftung Zollverein wurde mit einem Stiftungskapital in Höhe von 2 Millionen DM ausgestattet, zu dem Land und Stadt je 1 Million DM beisteuerten.

Die Stiftung Zollverein besteht aus zwei Organen, dem Kuratorium und dem Vorstand. Das Kuratorium setzt sich aus 15 Persönlichkeiten der Bereiche Politik, Kultur und Wirtschaft zusammen, die von der Stadt Essen und dem Land NRW ausgewählt wurden. Im vierköpfigen Vorstand, dem sogenannten Arbeitsgremium, treffen jeweils zwei Vertreter der Stifter zu fünf bis sechs Sitzungen im Jahr zusammen. Die Mitglieder der Stiftungsorgane arbeiten Zeche Zollvereinehrenamtlich, für die Umsetzung ihrer Beschlüsse ist die hauptamtliche Geschäftsführung zuständig. Zur Zeit sind bei der Stiftung 5 Personen mit befristeten Verträgen beschäftigt. Wenn das Stiftungskapital durch Zustiftungen auf 20 Millionen DM angewachsen ist, wird die Zeche Zollverein Schacht XII von der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) an die Stiftung Zollverein übereignet.

Gemäß dem Stiftungsgesetz des Landes NRW muss die Stiftung Zollverein einen Stiftungszweck aufweisen. Dieser ist in der Stiftungssatzung zusammen mit den Maßnahmen festgehalten, durch welche der Stiftungszweck verwirklicht werden soll und durch die sich die Aufgaben der Stiftung für die Zeche Zollverein ergeben:

  • Errichtung und Unterhaltung eines Denkmalpfades und Veranstaltung industriegeschichtlicher Führungen, um die industrielle und architektonische Bedeutung des ehemals größten Bergwerks des Ruhrgebiets zu veranschaulichen
  • Förderung und Durchführung z.B. von kulturellen und anderen Veranstaltungen, welche die neue Nutzung der ehemaligen Zeche öffentlich bekannt machen
  • Förderung der Lehre und Forschung einschließlich der Vergabe von Stipendien

 

Um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, auf Dauer für den Erhalt des Denkmals zu sorgen, muss die Stiftung Zollverein aktiv um Zustiftungen werben. Bis zur Übereignung hat die LEG einen Dienstleistungsvertrag mit der Stiftung Zollverein abgeschlossen. In diesem Rahmen ist die Stiftung Zollverein für die temporäre Vermietung der Veranstaltungshallen 5 und 2 zuständig, für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (z.B. die Erstellung des Programmheftes) sowie die Moderation der Nutzer, d.h. die Einberufung und Leitung der Nutzerkonferenz, welche im Rhythmus von 4-6 Wochen stattfindet.
Mit der Auflösung der Bauhütte Zollverein hat die Stiftung die weitere Sanierung und Restaurierung der Fassade des Förderturms sowie der Halle 4 und Halle 8 übernommen. Des weiteren richtet die Stiftung Zollverein selber Konzerte und Ausstelllungen aus und akquiriert Kulturveranstaltungen. Darüber hinaus ist sie in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband und dem Rheinischen Industriemuseum Betreiberin des Museums Zollverein. Um den Tourismus weiter zu entwickeln unterhält sie das Besucherzentrum als Ankerpunkt der Route der Industriekultur in Kooperation mit dem Kommunalverband Ruhr (KVR).

Einmal im Jahr veranstaltet die Stiftung Zollverein vor allem für die Nachbarn und ehemaligen Bergleute das Zechenfest mit kostenlosen Museumsführungen. Letztes Jahr kamen dazu ca. 40000 Besucher, nicht nur aus Essen, sondern aus dem ganzen Revier. In Zukunft, bei entsprechendem Kapital, ist zur Förderung der Lehre und Forschung die Vergabe von Stipendien im Bereich Industriegeschichte, Marketing und Kommunikation geplant.
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Die Nutzung heute

Das neue Nutzungskonzept der Zeche Zollverein Schacht XII

1991 wurde eine Projektgruppe, bestehend aus Mitgliedern der Stadtverwaltung der Stadt Essen, der Bauhütte Zeche Zollverein, der Essener Wirtschaftsförderung und der LEG damit beauftragt, ein Entwicklungskonzept zu erstellen. Diese Gruppe entwickelte innerhalb eines Jahres ein vielschichtiges Nutzungskonzept für die Zeche Zollverein. Unter den Umnutzungsprojekten nahm es aufgrund seiner Größe eine Vorreiterrolle unter den Projekten der Region ein.

Das Projekt Zollverein wurde als Vorzeigeprojekt in das IBA-Programm aufgenommen. Zum einen könnte, laut IBA, diese Umwandlung eines Industriekolosses und der Brachen zur Entwicklung eines Modells für derartige Umnutzungen beitragen. Zum anderen könnten anhand dieses Projekts neuartige Planungs- und Organisationsverfahren erprobt werden. Die Arbeit an der Umnutzung sollte auch sozialpolitisch wirksam sein.

Die Idee war es, Langzeitarbeitslose umzuschulen und sie anschließend in den Arbeitsprozess der Sanierungsarbeiten zu integrieren Die Projektgruppe erstellt ein Entwicklungsleitbild für Zollverein, bei dem man sich an den Leitzielen der IBA Emscher-Park orientierte. Den Kern des Entwicklungsleitbildes bildete das Design Zentrum, das als Mittler zwischen Industrie, Designern und der Öffentlichkeit fungieren sollte. Die internationalen Wettweberbe und Kongresse von internationaler Bedeutung sollen eine Fachwelt auf Zollverein zusammenbringen. Dieses Umfeld sollte dann zukunftsträchtige gewerbliche Betriebe aus dem Bereich Design veranlassen sich ebenfalls hier anzusiedeln und damit neue Arbeitsplätze entstehen zu lassen.

Die geschichtliche Dimension des Industriebauwerks sollte mit der Einrichtung eines Denkmalpfades berücksichtigt werden. Zur Integration von der Zeche Zollverein in die Stadtteile sollte ein sozio-kulturelles Bürgerzentrum beitragen. Das von der Projektgruppe vorgelegte "Entwicklungskonzept Zeche Zollverein Schacht XII" wurde am 30.06.1993 vom Rat der Stadt Essen verabschiedet. Das neue Nutzungskonzept sah für die Zeche Zollverein dabei drei Stufen der Erhaltung vor:

  • das Grundprinzip, nichts ohne Notwendigkeit abzureißen
  • das Grundprinzip des sinnvollen Umbaus
  • die Stufe des Indianerreservatsnach oben

 

Umbau und Sanierung der Zeche Zollverein Schacht XII

Seit 1989 sind die Essener Architekten Heinrich Böll und Hans Krabel mit der Sanierung und Umnutzung der Schachtanlage Zollverein Schacht XII beauftragt. In dem noch andauernden Prozess wurden bisher die Elektrowerkstatt, die mechanische Werkstatt, das Kesselhaus, die Kompressoren, das Lager, die Wipper- und Lesebandhalle und das Schalthaus einer neuen Nutzung zugeführt. Für die entsprechenden Umgestaltung erhielten sie den Constructec-Preis 1998. Dieser Preis wurde damit erstmalig für die Umnutzung einer Industriebrache vergeben. Eine ausführliche Begutachtung diente der Feststellung der Bauschäden und der Abwägung neuer Nutzungsmöglichkeiten. Die von Schupp/Kremmer weitsichtig geplante Gebäudestruktur, mit einer großen Neutralität der tragenden Konstruktion, bewies eine "hohe Anpassungsfähigkeit an nahezu jede Nutzung".

Architektur

Die neu hinzugefügten Elemente sind der Erweiterungsbau auf der Ostseite des Kesselhauses, die Heizzentrale an das Medienzentrum an der Position der ehemaligen Kühltürme, sowie außenliegende Treppen und Aufzüge. Die Erweiterungsbauten östlich des Kesselhauses sind durchweg modern und ästhetisch gestaltet. Für die Fassaden kamen die Materialien Glas und Aluminium zur Verwendung. Durch die Alupaneele und die längsrechteckig unterteilten Fensterbänder wird die Horizontale betont. Die drei dort errichteten Baukörper wirken untereinander nicht so zusammengebunden wie die Gebäude des historischen Bestands.


Das von Böll/Krabel angewandte Konzept verfolgte die Absicht, "mit der vorgefunden Architektur behutsam umzugehen, nicht mit ihr zu konkurrieren, sondern einfache Lösungen zu suchen". Die Erhaltung der wichtigsten maschinellen Einrichtung sollte bei der Umgestaltung für Nutzungen Berücksichtigung finden. Des weiteren sollten alte Standorte mit neuen Funktionen besetzt werden. Ebenfalls galt das allgemein Anerkannte Prinzip, dass jede bauliche Erweiterung sollte stets als Element ihrer ablesbar sein.Zeche Zollverein

Der Grundsatz "Nichts ohne Notwendigkeit abzureißen" wurde während der gesamten Bauphase vorbildlich befolgt. Bei der maschinellen Ausstattung einigte man sich auf den Kompromiss, bei mehrfach vorhandenen ähnlichen Maschinen jeweils ein Stück als Zeuge der Technikgeschichte zu erhalten. Die Ablesbarkeit der Erweiterungen ist schon durch die Materialwahl gewährleistet, so dass auch der zweite Grundsatz genügende Berücksichtigung fand. Eine Ausnahme bildet hier aber das neugebaute Treppenhaus an der Nordseite der Lesebandhalle. Seine äußere Hülle besteht aus in Stahlrahmen eingesetztes Drahtglas. Die Teilung ist identisch mit dem historischem Bestand und auch die Farbe der Rahmen lehnt sich an das Original an. "Auf den ersten Blick könnte man es dem Bestand zuordnen", schrieb Böll darüber. Auf den zweiten Blick stellt man fest, dass die Fenstersprossen um 90 Grad gedreht sind. Ob dieser kleine Unterschied die Ablesbarkeit für den Betrachter genügend gewährleistet ist fraglich.

Bei anderen Treppen haben Böll/Krabel diese Bauweise nicht wiederholt. Die Verwendung von verzinkten Stahlprofilen und freiliegenden Treppenläufen sind ein geeigneteres Mittel. Die Profile und die Konstruktion greifen das Erscheinungsbild der auf dem Gelände vorhandenen Rohrstützen auf. Durch die Verzinkung unterscheiden sie sich dennoch deutlich sichtbar, und sind so direkt als Erweiterung zu erkennen.nach oben

Bautechnik

Für die Erhaltung der historischen Fassaden mussten bautechnische Lösungen entwickelt werden. Dazu wird innenseitig ein System aus horizontalen Hilfsriegeln zwischen den Portalrahmen montiert. In vertikaler Richtung werden gelochte Flacheisen über die Riegel gespannt, die mit der Fassade verschraubt werden. Die Pfosten und Riegel an den Fenster- und Türöffnungen werden vollständig saniert, da sie ihre statische Funktion beibehalten. Alle anderen Fassadenprofile werden nur an den Sichtflächen entrostet und neu beschichtet. Die zur Sicherung der Fassade entwickelte Bauweise erinnert in etwa an ein zweischaliges Mauerwerk - mit dem Unterschied, dass es hier quasi rückwirkend konstruiert wird. Diese Methode ermöglicht nun eine freie Gestaltung der raumseitigen Wand, die somit an die neuen Anforderungen (z.B. Wärmedämmung) angepasst werden kann.

Die Wärmedämmung und Abdichtung der Dächer wird außenseitig bewerkstelligt. Da es in den Dächern der Gebäude keine Lichtöffnungen gab, war dies konstruktiv gut möglich. Die tragende, stählerne Konstruktion des Daches bleibt dadurch von innen weiterhin sichtbar.
Für Gebäude, die Vollwärmeschutz erfordern, wurde unter anderem eine Kastenfensterkonstruktion entworfen. Die Rahmen der inneren Fensterebene entsprechen den gleichen Profilmaßen, wie bei der historischen äußeren Kastenfensterebene. Für die Verglasung der inneren Ebene wird Isolierglas verwendet. Bewegliche Fensterflügel wurden mit unauffälligen Magnetverschlüssen versehen. Bei Gebäuden mit geringeren Anforderungen an die Beheizbarkeit, wurde auf eine zweite Kastenfensterebene verzichtet.

 

Gebäude der Zeche Zollverein Schacht XII

Halle 1: Schachthalle, Fördergerüst; Halle 11: Fördermaschine Nord Restnutzung durch die RAG

Die auf Zollverein verbliebene und auch langfristig noch betriebene Wasserhaltung nimmt den vorderen Teil der Schachthalle, das Fördergerüst und das nördliche Fördermaschinenhaus in Anspruch. Das Gelände unmittelbar um das Gerüst ist umzäuntes Betriebsgelände der RAG. Von der ehemals "verbotenen Stadt" ist inmitten des Areals eine kleine "verbotene Insel" geblieben. Es wäre wünschenswert zumindest die Fläche südlich der Schachthalle für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Halle 2: Schalthaus

Die Sanierung der Halle 2 wurde im Rahmen der ersten Renovierungsphase 1993 abgeschlossen. Das ehemalige Schalthaus wurde zu einem Bürogebäude umfunktioniert. Damit bekam auch die mit der Realisierung der Umnutzung beauftragte Bauhütte Zeche Zollverein ihre Büroräume im vom Ehrenhof abgewandten Teil des Gebäudes. Im Erdgeschoss unter den Stahlbetonböcken der Umformer findet man Arbeitsplätze und einen gläsernen Besprechungsraum vor. Mit der Auflösung werden die Räumlichkeiten demnächst zur erneuten Vermietung zur Verfügung stehen.

In weiteren Räumlichkeiten wurden das Archiv und die Geschichtswerkstatt untergebracht. Mit der Eröffnung der Route der Industriekultur und der Festlegung als Ankerpunkt der Route der Industriekultur wurde im Obergeschoss ein Besucherzentrum eingerichtet. Neben Informationsmaterialien und Prospekten finden sich hier eine Ausstellung zur Geschichte der Industriekultur.

Halle 5: Zentralwerkstatt

Diese Halle beherbergte früher die zentrale Schlosserei, in der die Geräte repariert wurden. Sie war die erste fertiggestellte Halle auf Zollverein. Diese, nach ihrer heutigen Funktion benannte, Skulpturenhalle wurde als erstes von Ulrich Rückriem für einen Zeitraum von 5 Jahren als Atelier angemietet. Auf große Resonanz stießen seine Arbeiten im Rahmen der DOCUMENTA IX die er hier zeigte. Es war das erstemal, dass ein Teil der DOKUMENTA ausgelagert wurde . Die große Zahl der Besucher zeigte sich auch von dem alten Zechengelände fasziniert. Durch den denkmalgeschützten, aber noch nutzbaren Lastenkran im Inneren und den für schwere Lasten ausgelegten Boden ist diese Halle ideal für schwere, unhandliche Skulpturen.

In Zusammenarbeit mit der Bauhütte organisiert seitdem die Ausstellunggesellschaft für zeitgenössische Kunst das Ausstellungsprogramm. Dabei wurde der Ausstellungszeitraum von 100 Tagen von der Dokumenta übernommen. An der Stirnseite der Ausstellungshalle befinden sich Büroräume über zwei Stockwerke verteilt.nach oben

Halle 6: Elektrowerkstatt

Die ehemalige Elektrowerkstatt wurde zur Ausstellungshalle und zum Depot umgebaut und erhielt Vollwärmeschutz, der durch obige konstruktive Mittel gewährleistet wurde. Bei dieser Halle steht nicht nur die Fassade sondern auch der Grundriss unter Denkmalschutz.Genau wie in der gegenüberliegenden Halle 5 ist der vordere Teil zweigeschossig gehalten. Hier befinden sich im Erdgeschoss Büroräume, Toiletten und Ausstellungsflächen. Das obere Stockwerk beherbergt die Waschkaue der Steiger und Besucher / Ehrengäste des Schachtes XII. Sie waren auf dem Gelände die einzigen, die originaltreu erhalten blieben und deswegen unter Denkmalschutz gestellt wurden. Diese Räumlichkeiten wurden mit einer Klanginstallation von Rolf Julius ausgestatte.

Die Ausstellungsgesellschaft für zeitgenössische Kunst Zollverein mbH zeichnet sich für die Zusammenstellung der temporären Ausstellungen verantwortlich. Die Gründer dieser Gesellschaft waren der Essener Galerist Jochen Krüper, der Sammler und Mitinhaber der Wella AG Ulrich Ströher und Studierende der Universität-GH Essen. Letztere kümmern sich um den Ablauf des Ausstellungsbetriebes und erhalten so die Möglichkeit, Einblicke in die organisatorischen Prozesse zu nehmen.

Halle 7: Kesselhaus

Das Kesselhaus ist das ehemalige Energiezentrum der Zeche und bildet damit neben dem Kern des Entwicklungsleitbildes auch das architektonische Herz der Anlage.Das von Norman Foster & Partners umgesetzte Konzept sorgt für einen klaren Kontrast zwischen dem historischen Bestand und der neuen Konstruktion. Einen der fünf Kessel hat man als Denkmal der Technik seiner Zeit erhalten. Die anderen hat man einseitig geöffnet und weitgehend entkernt und statt dessen Ausstellungsflächen eingefügt, die über Galerien nach dem "Prinzip der Bedienungsbühnen" erschlossen werden. Durch die gefundene Form der Innenarchitektur ist im zentralen Kern des Gebäudes noch ein Eindruck des herben Industriecharakters ablesbar. Der 106 m hohe Schornstein, auf den die Dreiflügelanlage (Kesselhaus und die rechts und links vorgelagerten Kompressorenhäusern) axial bezog, wurde 1979 wegen Einsturzgefahr abgerissen. An seiner ehemaligen Position ist ein Außenaufzug errichtet worden.

In dem umgebauten Kesselhaus befindet sich seit April 1997 das Design Zentrum NRW mit einer Ausstellungsfläche von ungefähr 4000 m2 auf 4 Ebenen. Es beherbergt die Internationale Designausstellung, eine ständige Ausstellung aktuellen Produktdesigns aus verschieden Bereichen, die sich aus dem Gewinnerprodukten des jährlich stattfindenden internationalen Wettbewerbs "Design Innovationen" zusammensetzt. Daneben finden hier auch Sonderausstellungen, Symposien, Weiterbildungen und Firmenpräsentationen statt.
Im umgebauten ehemaligen Kohlebunker auf dem Dach des Gebäudes befinden sich die Büroräume. Obgleich das Design Zentrum sich erst seit knapp 3 Jahren auf Zollverein befindet, gibt es bereits Platzprobleme. Es fehlt an Lagerkapazitäten, so dass rückseitignach oben vier Container aufgestellt wurden und Lagerräume auf Schacht 1/2 angemietet werden mussten.

Halle 9: Niederdruckkompressorenhalle

Diese Halle beherbergt das sogenannte Casino. Das Niederdruckkompressorenhaus erhielt einen Erweiterungsbau, in dem Foyer, Verwaltung und Küche der Gastronomie untergebracht sind. Im Erdgeschoss sind die kolossalen Stahlbetonböcke der Druckluftkompressoren erhalten geblieben, um die herum die Sitzgruppen des Restaurants angeordnet sind. In dem darüberliegenden Veranstaltungssaal findet man die letzte von ursprünglich 3 Kompressoranlagen hinter einer Umhüllung aus Glas, beleuchtet unter einer Besuchergalerie.

Halle 10: Werkstatt Nord

Die Lagerhalle wurde nach dem Haus-im-Haus-Prinzip umgebaut. Das innenliegende Gebäude wurde als ausgemauertes Stahlbetonskelett ausgeführt. Der verbliebene Freiraum hinter der Fassade dient als Umgang und Klimapuffer. Zu Beginn beherbergte dieses Gebäude die von der Essener Arbeit- u. Beschäftigungsgesellschaft genutztes Werkstatt- und Verwaltungsgebäude. Das die Essener Arbeit und Beschäftigungsgesellschaft mbH in das ehemalige Lager einquartiert wurde, hatte wohl eher pragmatische Gründe.

Im Prinzip hätte eine Einbindung an den Gewerbe- und Handwerkspark naheliegendere Vorteile. Es ist denkbar, dass die IBA aus diplomatischen Gründen hier einen weiteren Punkt vorweisen wollte, als (nur) die Bewahrung eines Industriedenkmals als Kulturgutträger. Die Zielsetzung, die Wiederherstellung und Sanierung des Denkmals durch die Beschäftigung und gleichzeitige Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen zu erreichen, konnte nicht verwirklicht werden. Die dafür gegründete Essener Arbeitsbeschäftigungsgesellschaft mbH konnte nicht die schnelle Sanierung verwirklichen; in diesem Rahmen hätte sich die Sanierung über einen wesentlich längeren Zeitraum, eventuell sogar über Jahrzehnte, hingezogen. nach oben

Halle 12: Lesebandhalle

Die Wipper- und Lesebandhalle war ursprünglich im Erdgeschoss offen, da unter ihr Gleise verliefen, auf denen Güterwaggons von oben mit Kohle beschickt werden konnten. Nachträglich wurden zweiseitig Wandschürzen eingefügt, um die Kohlestaubentwicklung bei der Verladung einzudämmen. Um zusätzliche Flächen für die neuen Nutzungen zu gewinnen wurden im Erdgeschoss die restlichen Flächen mit Klarglasscheiben geschlossen. Das Gebäude wird von einer mittig angelegten Erschließungsstraße durchzogen. Diese Halle lässt sich am besten als multifunktionaler Raum beschreiben. Hier befinden sich vier Ateliers, die Bürgerbegegnungsstätte AKRA und die Probebühne der "Theater und Philharmonie GmbH Essen". Die Halle wurde von der Stadt angemietet um damit eine stadtteilbezogene Nutzung zu ermöglichen, wie man es bei der Planung der Umnutzung anstrebte.


Zu beiden Seiten liegen Werkstätten und Säle, sowie das Empfangsfoyer für den im Obergeschoss liegenden 900 m2 großen Mehrzwecksaal. Der Saal ist durch eine Glaswand vom musealen Teil abgetrennt. Ein Mezzaningeschoss nimmt Künstlergarderoben, Einsingräume und Sanitärräume auf.

Halle 15: Kühlturm I, Halle 21: Kühlturm II

Die Aufbauten der zwei Kühltürme auf Schacht XII der Zeche Zollverein waren nicht mehr erhalten. Die zwei massiven, achteckigen Kühltassen waren jedoch noch vorhanden. Die Halle 15 nimmt nun die Heizzentrale für das gesamte Areal auf.

Museum Zollverein / Denkmalpfad

Der Denkmalpfad ermöglicht es, den Weg der Kohle auf einem Rundgang durch die Halle 12 (Lesebandhalle), Halle 13 (Bergebunker), Halle 14 (Kohlenwäsche), Halle 17, (Turm zwischen den Brücken), Halle 18+19 (Wagenumlauf) nachzuvollziehen.

Nach der Schließung der Zeche 1986 wurde die Anlage zum ersten mal auch für die Angehörigen der ehemaligen Bergleute durch Führungen erlebbar. Dabei konnte man erstmalig sehen und anfassen, worüber Jahrzehnte lang nur gesprochen wurde. Das große Interesse bestärkte die Berücksichtigung eines Denkmalpfads bei der Umnutzungsplanung. Obgleich diese Idee zu einer der ersten über die zukünftige Nutzung gehörte, scheiterte die Umsetzung lange Jahre an fehlenden Fördermittel von Seiten der Stadt Essen. Neben den technischen Abläufen der Kohleproduktion möchte das Museum Zollverein den Besucher in diesem Zusammenhang auch die Arbeitsatmosphäre verdeutlichen, wie z.B. den Lärm, welchem die Arbeiter ausgesetzt waren.

Die Besichtigung des Museums sowie die Begehung des Denkmalpfades ist aufgrund der derzeitigen baulichen Gegebenheiten nur mit Führung möglich. Im Jahre 1999 wurden dazu 27000 Karten verkauft, die Stiftung rechnet aber mit dem 3-5fachen an Besuchern auf dem Gelände Zeche Zollverein.nach oben

Außenanlage, Industriewald und Skulpturenpark

Um den Besucher die Orientierung auf dem Gelände zu erleichtern wurde ein Leit- und Orientierungssystem installiert. Die Hallen der Zeche Zollverein sind dabei auf den Übersichtstafel auf zweifache Weise gekennzeichnet. Zum einen werden die Hallen nach ihrer früheren Funktion bezeichnet, zum anderen sind sie durchnummeriert. Dies erschwert jedoch dem Besucher, der mit dem Ablauf der Kohleförderung nicht vertraut ist, die Orientierung auf dem großen Gelände.Gelände Zeche Zollverein

Das Gelände der Zeche Zollverein Schacht XII erstreckt sich auf über 24 Hektar, rechnet man die angrenzenden Gelände der Schachtanlage 1/2 und der benachbarten Kokerei Zollverein dazu, steht ein ca. 100 ha großes Areal für einen neuen Ansatz der Industriekultur und Industrienatur zur Verfügung.

Im Rahmen des Emscher Landschaftparks wurden die bisher unzugänglichen Restflächen der Zeche Zollverein (Essen Katernberg), der ehemaligen Zeche Rheinelbe in Gelsenkirchen-Ückendorf mit ca. 50 ha und der ehemaligen Zeche und Kokerei Alma, ebenfalls in Gelsenkirchen, mit 20 ha für die Menschen der Umgebung geöffnet. "Mit einer behutsamen Pflege und Hilfe der natürlichen Sukzession" soll hier auf den Restflächen wilde Industriewälder wachsen. Diese bieten bedrohten Tier und Pflanzenarten ein Rückzugsgebiet.

Dabei hat man für die drei verschiedenen Testflächen unterschiedliche Leitbilder entworfen.
Für die Zeche Zollverein geht es dabei vor allem um die Integration künstlerischer Aspekte. Dabei handelt es sich um einen Skulpturenpark mit sechs Skulpturen des Bildhauers Ulrich Rückriem, der auf der Halde zwischen Schacht XII und der Kokerei angelegt wurde. Neben den Wegebaumaßnahmen wird der Natur hier Raum gelassen sich frei und ungestört zu entwickeln.

Der Träger des Projektes ist der Gründstücksfond in Zusammenarbeit mit der Landesforstverwaltung NRW/ Forstamt Recklinghausen. Die Forststation für diese drei Restflächen wurde im umgebauten Schalthaus der Zeche Rheinelbe einschließlich einer Ausstellungshalle errichtet. Die Kosten für die Maßnahmen auf den Testflächen beliefen sich (ohne Kunst) in den Jahren 196 und 1997 auf durchschnittlich 20.000 DM.
Zu Beginn diesen Jahres wurde der Verbindungsgang zu Schacht 1/2 über das ehemalige Förderband fertiggestellt.nach oben

Geplante Nutzung

Wie schon erwähnt sind die Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen auf Zeche Zollverein mit der Auflösung der Bauhütte bei weitem noch nicht abgeschlossen. Zur Zeit wird die Fassade der Schachtanlage saniert. Danach werden im Laufe des Jahres 2000 die Hallen 4 und 8 saniert und umgebaut. Die weitaus schwieriger umzunutzende Kohlenwäsche haben die Bauhütte und die IBA Emscher-Park an die Stiftung Zollverein weitergereicht, da alle innovativen Ideen bislang gescheitert sind oder zurückgestellt wurden. Nach abgeschlossener Sanierung werden in der Halle 4 (Fördermaschine Süd) eine private Kunstsammlung und die Fotosammlung des Museums Folkwang einziehen.

Nachdem in den letzten Jahren die noch nicht renovierte Hochdruckkompressorenhalle (Halle 8) bereits als Ausstellungsräumlichkeit genutzt wurde, wird in diesem Jahr mit dem Umbau dieser Halle zu Ateliers und Büros begonnen.


Halle 14: Kohlenwäsche; Halle 16: Kokskohlenbunker

Mit einem Grundriss von 34 x 91 m ist die Kohlewäsche das größte Gebäude auf Zollverein. Über die zukünftige Nutzung, neben dem Museum und dem Denkmalpfad, gibt es verschiedene Auffassungen. Ein wichtiger Faktor hierbei spielt vor allem die Finanzierung. Von der Europäischen Union stehen 100 Millionen DM offen, aber die Stadt Essen müsste sich mit weitern 20%, also 20 Millionen DM, daran beteiligen. Mit einer Entscheidung seitens der Stadt hierüber ist frühestens im Frühjahr 2000 zu rechnen.

Lange Zeit war eine Zusammenlegung und Übersiedlung des Fachbereichs Design der Universität-Gesamthochschulen Wuppertal und Essen im Gespräch, zumal der Fachbereich 4 in Essen sich stark in den bisherigen Projekten auf Zollverein engagiert hat, wie bereits im Kapitel über die heutige Nutzung angesprochen wurde. Diese Idee scheint aufgrund der hohen Kosten allerdings nicht verwirklicht zu werden.

Am 23. Dezember 1999 brachte Karl Ganser zusammen mit Peter Zec (DZ NRW) und Bosdorf (Ruhrlandmuseum) eine Denkschrift über die weitere Entwicklung auf Zollverein Schacht XII heraus, die in eine andere Richtung zielt. Die weitere Nutzung soll sich danach an drei Eckpfeilern orientieren, deren Ausgangspunkt die Kohlewäsche bildet: Anstelle des Fachbereichs Design soll eine "Plattform design" entstehen, eine private Ausbildungs- und Forschungseinrichtung, die neue Kooperationsformen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft erproben soll. Daneben soll alle fünf Jahre die "Interform" stattfinden, eine 100tägige Ausstellung aktuellsten Designs in Pavillons auf dem Gelände, in denen sich verschieden Länder und auch einzelne Konzerne präsentieren. Den dritten Eckpfeiler würde ein "Ruhr-Museum" bilden, das die Natur- und Kulturgeschichte der ehemaligen Industrieregion darstellt.

 

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