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Bergarbeitersiedlung Stemmersberg

Geschichte - Neugestaltung - Auswirkung

Die Planung für die Bergarbeitersiedlung in Oberhausen begann am Ende des vorletzten Jahrhunderts. Das erste Baugesuch wurde am 23.8.1899 von der Guten Hoffnungshütte für zunächst 8 Häuser auf der Hüttestrasse beantragt, wo vermutlich auch der Baubeginn erfolgte. Die Genehmigung für die ersten 32 Häuser erfolgte am 17.6.1900.
Das zweite Baugesuch vom 26.8.1902 umfaßte 16 Häuser und wurde am 20. 11. 1902 genehmigt.
Das dritte Baugesuch für weitere 32 Häuser vom 10.12.1903 wurde am 28.12.1903 genehmigt.
Das vierte Baugesuch für 16 neue Häuser vom 19.5.1904 fand Genehmigung am 12.7.1904.
Nach den vier Bauabschnitten erfolgte eine Erweiterung um 1919/20.

1900 zogen die ersten Mieter in die Häuser ein. Die Siedlung Stemmersberg liegt im unmittelbaren Einzugsgebiet der Zeche Osterfeld und zwei Werken der GHH in Sterkrade. Diese konnten ohne weiteres zu Fuss erreicht werden.

Im ersten Bauabschnitt wurden 32 Häuser des Typs Eisenheim gebaut. Ihr Grundriß ist rechteckig und im Innern sind die Häuser durch eine sogenannte H-Teilung in vier einzelne Wohnungen gegliedert.
Jedes Haus hat einen eigenen Eingang und im Unter- und Obergeschoß jeweils zwei gleich grosse Zimmer. Zu jeder Wohnung gehört ein Stall auf der der Straße abgewandten Seite, dessen Nutzung frei bestimmbar war. Er wurde zumeist für die Haltung von Kleintieren, wie Kaninchen und Hühnern benutzt, aber auch zur Aufzucht von Schweinen, um eine bessere Versorgung mit den notwendigen Nahrungsmitteln zu gewährleisten.
Neben den Stallgebäuden stand jedem Mieter auch ein Gartengrundstück zur Verfügung.
Der erste Bauabschnitt erstreckte sich auf die Hüttestraße, Hoffnungsstraße, Ziegelstraße. Die Häuser standen in vier Reihen hintereinander, zwischen zwei Reihen waren jeweils die Gartenanlagen und die Ställe angelegt.

Der zweite Bauabschnitt umfasst 16 Häuser, die jeweils zwischen die Reihen gesetzt wurden, so dass sich vier große Innenanlagen bildeten. Somit wurde eine sehr typische Siedlungsform geschaffen, mit geometrisch angeordneten Häuserkomplexen und Straßen.

Der dritte Bauabschnitt umfasste nochmals 32 Häuser des gleichen Typs. Diese waren aber in ihrer Gestaltung etwas aufwendiger.

Die Häuser des vierten Bauabschnittes an der Knappenstraße unterscheiden sich sehr deutlich von den zuvor genannten. Ihre Grundrisse sind grösser und auch die Einteilung wurde nicht nach der H- Aufteilung vorgenommen. Es sind sogenannte Schweizer Häuser deren Aufbau an die Architektur der Gartensiedlungen angelehnt war.
Gartensiedlungen kamen erstmals um 1870 in England auf, wo man bemüht war mit dieser Art der Wohnraumgestaltung gewachsene Dorfstruckturen zu kopieren. Man achtete darauf, dass schon bestehende Baumbestände und andere natürliche Gegebenheiten in das Wohnumfeld integriert wurden, um den Menschen nicht das Gefühl zu geben, in durchgeplanten Wohnsiedlungen leben zu müssen.
Beispiele für diese Arten von Siedlungen sind die Bergarbeitersiedlung in Oberhausen Vondern oder die Magaritenhöhe in Essen.
1912/13 wurde in der Siedlung Stemmersberg eine Kleinkinderschule erbaut, auch nach dem Vorbild der Gartenbaustädte. Sie diente in erster Linie, wie der Name schon sagt, zur Aufbewahrung der Kinder vor dem schulpflichtigem Alter.
Weiterhin wurden in diesen Schulen Kurse, z. B. in Handarbeitstechniken, für die Frauen der Belegschaftsangehörigen durchgeführt.

Die Häuser, die nach dem vierten Bauabschnitt als Erweiterung der Siedlung an der Hügelstraße in den Jahren 1919/20 errichtet wurden, sind wieder anderen Baustiels. Sie wurden in Anlehnung an die Bauhauhausarchitektur konzipiert, sind mehrgeschossig und bieten einer grösseren Anzahl von Wohneinheiten Platz.
Zu diesen Häusern gehörte auch die GHH-eigene Verkaufsanstalt. Diese Verkaufsanstalten wurden gegründet um eine Versorgung der Siedlungsbewohner mit Konsumartikeln zu gewährleisten und bildeten gleichzeitig eine weitere Einnahmequelle für die Zechenbetreiber, da die von ihnen bezahlten Löhne zum Teil wieder in den Betrieb zurückflossen.  

Während des Krieges konnten die gleichen Veränderungen betrachtet werden wie in den übrigen Industriestandorten. Eine Anzahl von Häusern wurde stark beschädigt und mussten renoviert oder abgerissen und dann neu aufgebaut werden. Diese Häuser unterscheiden sich geringfügig in einigen Details von den ursprünglichen. So war die Fassadengestaltung einfacher und statt zwei, sind nun drei Dachgauben eingebaut worden. Die Siedlung ging irgendwann von der GHH in den Besitz von Thyssen über, die keine besonders großen Anstrengungen zum Erhalt der Siedlung unternahmen. So wurde in den vergangenen 40 Jahren nur das Notwendigste an Instandhaltungsarbeiten erbracht. Die Häuser wurden natürlich nach dem Krieg an ein weiter ausgebautes Kanalisationsnetz angeschlossen. Die Arbeiten die im Laufe der Jahre notwendig waren, wurden so meist von den Bewohnern in Eigenleistung erbracht, und waren so natürlicher Weise unterschiedlicher Qualität.   1995 während der Verhandlungen von Thyssen mit der LEG GmbH drohte der Abriss der Siedlung und somit die Kündigung der Mietverhältnisse für alle Mieter. Daraufhin wurde, auf die Initiative einiger Mieter die Gründung eines Mieterrates inziniert. Das führte dann auch zu einer Gründung des Mieterrates Stemmersberg, gewählt von allen Mietern. Dieser Mieterrat übernahm dann die Interessenvertretung der Mieter gegenüber der LEG. Man konnte dann in Verhandlungen mit der LEG den Abriss der Siedlung abwenden und einen Modernisierungsplan durchsetzen. Man hat es auch geschafft als einzige Siedlung maßgeblich am Bewilligungsbescheid beteiligt gewesen zu sein. Der Modernisierungsplan sah dann vor, dass die schon von den Mietern geleisteten Modernisierungen, und deren Interessen berücksichtigt wurden. Es gab also keine Pauschalmodernisierung. Jede Wohnung konnte so ganz individüll renoviert werden. Erhaltenswerte Einrichtungen mussten erhalten bleiben. Der Mieter konnte selber bestimmen, was gemacht werden sollte und was nicht. Heizung und Bäder konnten in Eigenleistung um -, oder eingebaut werden, wodurch eine Mietsenkung erreicht werden konnte (sogenannte Erstattungsverträge). Ein weiterer wichtiger Forderungspunkt, war die Mieten auf einem niedrigen Niveau zu halten. Auch diese Forderung konnte nach Verhandlungen mit der LEG durchgesetzt werden. Es wurde eine Mietpreisbindung festgelegt, auf 25 Jahre, mit einem Quadratmeterpreis von acht Jahren. Dieses bedeutet nicht, daß Mieten die unter diesem Preis liegen automatisch erhöht werden.  

Anfang 1997 nahm man an einer Ausschreibung für ein IBA-Projekt teil. Es stand die Bebauung des Wohnumfeldes zur Disposition. Deshalb suchte man nach einer Lösung, um die Stallungen und auch die Gärten für die Bewohner erhalten zu können.
Da die LEG nur für die Renovierung der Wohnhäuser und nicht für das Wohnumfeld zuständig war und ist, beteiligte man sich an einer Ausschreibung für ein IBA Projekt. Aus diesem Grund wurde der Stemmersberger e.V. 1997 gegründet.
Da die Stallungen wie auch die Wohnhäuser in einem schlechten Zustand waren und auch die Wege im Hinterhofbereich sich gestalterisch wenig anspruchsvoll zeigten, entschied man sich für eine Neu- bzw. Umgestaltung des Wohnumfeldes, die die Ställe und die ganze Hinterhoffläche, mit den Wegen einbezog. Wege und Flächen sollten mit der gleichzeitigen Planung von Regenwasserableitungen, wie Rigolen, Zisternen und Mulden neu gestaltet werden. Mit diesem Konzept entschied man sich dem Antrag für ein IBA-Projekt stattzugeben.

Die Siedlung Stemmersberg wird seit 1997 durch die LEG saniert. Gelder für das Wohnumfeld standen nicht zur Verfügung.

Die Verbesserung des nachbarschaftlichen Umfeldes bezieht sich zum einen auf die hinter den Wohnhäusern liegenden ehemaligen Ställe, auf die Hofflächen und die seitlichen Erschließungswege sowie auf ein Regenwasserversickerungskonzept.  

Die Stallgebäude sind eingeschossige Ziegelbauten mit Satteldächern, teilweise mit verputzten kleineren Flachdachanbauten. Insgesamt, sind vier Grundtypen, mit Varianten in der Fenster- und Türeinteilung, in der Siedlung vertreten. Diese Stallgebäude sollen mit einfachen Instandsetzungsmaßnahmen für eine Nutzung durch die Mieter wieder hergerichtet werden. Hier bietet sich dem Mieter z.B. zusätzliche Abstellflächen, Werkstatt- und Bastelflächen, die bei der verhältnismäßig geringen Wohnfläche eine qualitätsvolle Nutzungserweiterung darstellt. Natürlich ist auch das Halten von Klein- oder Nutztieren, wie Tauben, Kaninchen und ähnlichem erlaubt.

Der bauliche Zustand der Stallgebäude war sehr unterschiedlich und deckte die Bandbreite von mangelhaft bis relativ gut erhalten ab. Diese Flächen und Wege charakterisieren sich durch unterschiedlichste Bestandsformen, teilweise aus gewachsenem Boden mit mehr oder weniger Grasbewuchs, aus Pflasterungen in den unterschiedlichsten Materialien und Ausführungen sowie Beton und Asphalt.

Die Wirtschaftswege auf der Rückseite der Wohngebäude sind ca. fünf Meter breit und werden als Hoffläche bezeichnet. Hier liegen die Eingänge zu den rückwärtigen Wohnungen und den Stallgebäuden. Im Laufe der Zeit wurden hier von den Mietern neben den Ställen Stellflächen oder Garagen für Autos angelegt, so dass die Hinterhöfe zum Teil befahren werden. Ansonsten stellt sich der Bereich als sehr ruhig dar und kann somit mit einer hohen Aufenthaltsqualität aufwarten, vor allem in Hinblick für die Spielmöglichkeiten von Kindern, die hier nicht fortwährend beobachtet werden müssen bzw. deren Beobachtung durch die nach hinten gerichteten Wohnungen durchaus vom Küchenfenster geschehen kann. Ein in der heutigen wohl Zeit nicht zu unterschätzender Faktor.

Es soll daher darauf geachtet werden, daß dieser Bereich auf keinem Fall nur zum Parken von Kraftfahrzeugen dient. Es ist also darauf zu achten, daß gewisse Hemmschwellen aufgebaut werden sollen um eine einfache Befahrung zu ermöglichen. Es soll allerdings nicht völlig ausgeschlossen werden. Hierbei ist die Aufstellung von abschließbaren Pollern angedacht sowie eine ansprechende Gestaltung als Signal zur vorsichtigen Befahrung und Nutzung mit Kraftfahrzeugen.

Bei der Regenwasserversickerung geht es in erster Linie darum Flächen zu schaffen, die der Ableitung des Regenwassers von der Erdoberfläche dienen. Gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr freie Flächen zubetoniert werden, kommt dieser Umweltgestalltung eine wachsende Bedeutung zu. In Zusammenarbeit mit der Emschergenossenschaft, werden deshalb solche Projekte gefördert.
Die Regenwasserversickerung ermöglicht die Überleitung von Regenwasser ins Grundwasser, möglichst ohne Verunreinigungen und trägt somit im weiteren Sinne zur Verbesserung der Trinkwasserqulität bei.
Neben den reinen Versickerungsflächen werden auch Mulden und Rigolen angelegt, in denen Regenwasser gesammelt und dann direckt weiterverwendet werden kann, z.B. für die Gartenbewässerung. Auch die Anlage von Regenrinnen und Fallrohren an den Stallgebäuden gehören zu diesen Maßnahmen.

Das Volumen der Finanzierung umfaßt ca. 6. Millionen Mark und wird zur einen Hälfte öffentlich getragen, wobei 90 % die IBA übernimmt bzw. die Regenwasserableitung von der Emschergenossenschaft. 10 % übernimmt die Stadt Oberhausen bzw. an ihre Stelle die LEG. Die andere Hälfte wird von den Bewohnern selbst getragen, also ist einer Eigenleistung von ca. 3 Millionen Mark zu rechnen. Diese Eigenleistung wird in Form von Muskelhypotheken erbracht, die auf freiwilliger Basis beruhen. Den Mitgliedern des Vereins ist es dabei freigestellt, ob sie sich an den gemeinschaftlichen Arbeiten beteiligen oder nicht.

Natürlich bleibt so ein Projekt nicht ohne Auswirkung auf die Bewohner. Sicherlich lassen sich diese Auswirkungen besser nach einem längeren Zeitabschnitt und unter besonderer soziologischer Betrachtungsweise untersuchen. Doch kann man aus Gesprächen, Erfahrungen und Beobachtungen mit und von den Bewohnern sicherlich schon erste, wenn auch nicht rein wissenschaftliche, Eindrücke ableiten.

Nach den Aussagen einiger Bewohner hat sich das Verhältnis der Mieter untereinander zum Teil verbessert. Durch die gemeinschaftliche Arbeit die allen Bewohnern offensteht, kommt man sich näher, lernt sich besser kennen. Es entsteht ein Gemeinschafts -, ein Wir-Gefühl.
Kannte man früher nur die direkten Nachbarn oder die Bewohner einer Straße, so werden einem im Laufe der Zeit auch Bewohner aus anderen Teilen der Siedlung bekannt. Für die älteren der Bewohner sicherlich ein Zustand der aus früheren Jahren, als die Männer noch alle in der gleichen Arbeitsstätte zusammentrafen, bekannt und in den letzten Jahren vermisst worden war. Für die jüngeren Bewohner eine Erfahrung die bisher noch nicht gemacht werden konnte, und in heutiger Zeit sicherlich auch immer schwieriger wird.

Sicherlich ist so ein Projekt sehr gut geeignet, integrierend zu wirken, insbesondere bei dem Zusammenleben unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen. Nicht nur für die Gemeinschaft in der vielleicht so etwas wie ein Dorfcharakter entsteht, sondern auch für das einzelne Individuum können sich positive Aspekte ergeben. So gibt die Arbeit, die zusammen geleistet wird, zum Bespiel gerade alten Menschen wieder ein Gefühl des Gebrauchtwerdens. Auch für jüngere, vielleicht arbeitslose oder frühverrentete Menschen kann eine solche Beschäftigung sicherlich zur Steigerung der Befindlichkeit oder des Selbstwertgefühls beitragen, was dann sicher nicht nur für den Einzelnen, sonder auch für Verwandte und Freunde positive Auswirkungen haben könnte.    


(Quelle: Oliver Kreilkamp, Tonbandaufzeichnungen mit Frau Tampenau, Vorsitzende des Mieterrates, Frau Kersting, Denkmalpflegerin im Amt für Denkmalpflege der Stadt Oberhausen, Gestaltungskonzept der afa architektur-fabrik-aachen)