Seife im 19. Jh.
Mit der Industrialisierung und dem damit einher gehenden Aufschwung der Textilindustrie setzte zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine größere Nachfrage nach Seife ein. Waschen wurde modern. Zunächst kamen deshalb die Seifensiedereien mit der Produktion nicht mehr nach; die Rohstoffe Talg und Holzasche wurden knapp. Erst durch die Einfuhr billiger Fettrohstoffe aus tropischen Ländern, die chemische Untersuchung der Fette durch Chevreul und die Erfindung des preisgünstigen Verfahrens zur Herstellung von Soda, die bisher nur aus Pflanzenasche gewonnen werden konnte, durch Nicolas Leblanc (1742-1806) (Leblanc- später Solvay-Verfahren) kam es wieder zu einer ausreichenden Rohstoffversorgung.
Damit war der Weg frei zur industriellen Massenproduktion von Seife, vorerst alleiniges Wasch- und Reinigungsmittel.
Die ständig wachsende Nachfrage nach Glycerin und die damit verbundene Fettspaltung wurden für die Seifen- und Waschmittelproduktion von entscheidender Bedeutung. Kontinuierlich arbeitende Kesselverseifungsverfahren lösten die alten Verfahren ab und moderne Methoden der Kühlung und Trocknung verkürzten die Produktionszeiten enorm. 

In  den meisten Haushalten wurde für den Eigenbedarf Schmierseife selbst hergestellt. Rohstoffe waren Pottasche und Rüböl, Hanföl, Leinöl, Tran und Talg. Neben Kernseife blieb Schmierseife bis in das 20. Jh. das wichtigste Wäschewaschmittel. 

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