Dr. phil. h.c. Jürgen Walter

 

Im Jahr 2003 verlieh die Fakultät Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen Herrn Jürgen Walter die Ehrendoktorwürde. Mit dieser Ehrung wurde Jürgen Walters unermüdliches und langjähriges Engagement in bedeutenden Gremien der deutschen Wissenschafts- und Forschungspolitik herausgestellt.

Jürgen Walter, geboren 1945, war bis 2004 Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) in Hannover. Nach Abschluss einer Berufsausbildung zum Maschinenschlosser und Tätigkeiten in der gewerkschaftlichen Jugendbildungsarbeit übernahm er 1969 die hauptamtliche Funktion eines Jugendgewerkschaftssekretärs im DGB-Landesbezirk Baden-Württemberg und im Jahr 1970 die Aufgabe des Bundesjugendsekretärs in der Hauptverwaltung der IG Chemie-Papier-Keramik. Im Jahre 1975 wurde er Leiter der Abteilung Berufsbildung und im Jahr 1981 Vorstandssekretär der Hauptabteilung Bildungswesen und Jugend. Mit seiner Wahl in den geschäftsführenden Hauptvorstand im Jahr 1982 übernahm er den Arbeitsbereich Bildung, Jugend, Berufsbildung und Forschung und seit 1997 war er zuständig für die Bereiche Organisation und Bildung.

In den Jahren von 1975 bis 1991 gehörte Jürgen Walter als Vertreter der Gewerkschaften dem Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) an, der die Bundesregierung in allen berufsbildungspolitischen Fragen berät. Zugleich war er Mitglied und Sprecher der Gewerkschaften im Forschungsausschuss des BIBB. Die Arbeit der beiden Gremien führten in den 70er und 80er Jahren zur Profilierung und Etablierung der Berufsbildungsforschung als eigenständige Wissenschaftsdisziplin. Zentrales Verdienst von Jürgen Walter als Mitglied beider Gremien war es, in dieser Periode den Prozess durch sein persönliches Engagement intensiv mitgestaltet zu haben. Durch sein Wirken in der Vermittlung zwischen wissenschaftlicher Forschung, beruflicher Praxis und der Politikberatung wurden nicht nur wichtige Akzentsetzungen in der Formulierung wegweisender Forschungsinitiativen und –schwerpunktsetzungen des BIBB vorgenommen, sondern seinem besonderen Einsatz ist es zu verdanken, dass die Forschungsfreiheit des Instituts gegenüber politischer Einflussnahme verteidigt werden konnte, was regelmäßig zu erheblichen Konflikten führte. Besonderes Anliegen Jürgen Walters war es, Ergebnisse der Berufsbildungsforschung in die Berufspraxis zu transferieren. Davon zeugen über einhundert wissenschaftliche Publikationen für Zeitschriften sowie eigene Buchveröffentlichungen. Seine enormen beruflichen Belastungen im Hauptamt haben ihn nie davon abhalten können, regelmäßig Beiträge zu wissenschaftlichen Tagungen (u.a. auch an Hochschulen) zu leisten, sich in der Lehre zu engagieren und als Initiator und Moderation von Tagungen und Kongressen tätig zu sein. Seine breiten Erfahrungen, seine versierten Kenntnisse und sein berufsbildungspolitisches Engagement haben dazu geführt, dass er unter den wissenschaftlichen Fachkollegen der Disziplin ein hohes Ansehen genießt. Auch nach seinem Ausscheiden aus den BIBB-Gremien hat er den Kontakt zur Berufsbildungsforschung aufrecht gehalten. In seiner Verantwortung für den Bereich des Umweltschutzes innerhalb der IG Chemie, als Vorstandsmitglied führender Umweltschutzorganisationen wie auch als Aufsichtsratsmitglied namhafter Unternehmen (z.B. BASF, Henkel AG) hat er wesentlich dazu beigetragen, den Bereich der Umweltbildung in der beruflichen Qualifzierung zu verankern, in dem er u. a. die BIBB-Modellversuchspolitik einschließlich der wissenschaftlichen Begleitungforschung im diesem Bereich förderte und unterstützte. Durch seine Vorstandstätigkeit in der Hans-Böckler-Stiftung hat er zudem immer wieder Projektaktivitäten bei der Förderung der Berufsbildungsforschung initiiert.

Seinem außergewöhnlichen Engagement als Mittler zwischen Wissenschaft und Praxis und seine bemerkenswerte Reputation in Fachkreisen verdankte Jürgen Walter seine Berufung in die beiden Enquetekommissionen „Gentechnik“ und „Schutz des Menschen und der Umwelt“ des deutschen Bundestages und schließlich im Jahr 2001 die Berufung in den Wissenschaftsrat.