Für einen kritischen Umgang mit Kindermedien (1978)

Einige Vorbemerkungen zur Aktualität des Reprints



Prof. Dr. Jörg Becker



Im Dezember 1978 veröffentlichte eine sog. Nationale Kommission für die Vorbereitung und Durchführung des Internationalen Jahres des Kindes in der Bundesrepublik Deutschland das Programm zum Internationalen Jahr des Kindes 1979. Dieses im DIN A4-Format veröffentlichte Programm umfaßte knapp 100 Seiten. Es enthielt Analysen und daraus abgeleitete Empfehlungen zur Verbesserung der Situation der Kinder an Kommunen, Bundesländer und Bundesregierung sowie alle privaten Träger und Institutionen. Die insgesamt elf Kapitel hatten folgende Überschriften: Rechte des Kindes, Förderung der Erziehungsbedingungen in der Familie, Verbesserung der Familienpflege und Heimerziehung, Ausbau der Gesundheitsvorsorge für das Kind, Förderung sozial benachteiligter Kinder, Für unsere Kinder - bessere Schulen, Außerschulische Bildung - ein eigenständiger Erziehungsbereich, Ausbau der Arbeit mit Kindern in Jugendeinrichtungen, Für eine kinderfreundliche Umwelt, Für einen kritischen Umgang mit Medien und Situation der Kinder in dritten Welt. Als Autoren für das damalige Medienkapitel zeichneten Dr. Reinald Eichholz aus dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (seit längerem auch Kinderbeauftragter der Landesregierung von NRW) und Dr. Jörg Becker, damals Mitarbeiter der Ausstellungs- und Messe GmbH des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (Frankfurter Buchmesse).



1. Wie so häufig, wenn man 'historische Texte' abdruckt - und immerhin ist der folgende Text ja bereits 20 Jahre alt -, gibt es das überraschende/peinli-che/spannende Erlebnis eines déjà vu. Gibt es also gegenwärtige Überlegungen über Vielsehfernsehkinder, TV-Konsum als Droge oder virtuelle Realität als Eskapismus, dann konfrontiert einen so ein Text mit der Tatsache, daß all diese Probleme und Fakten eher alt als neu sind.



2. Läßt man die damaligen Hauptforderungen noch einmal Revue passieren (Reduktion von TV-Angeboten, Entwicklung von kindgerechten TV-Programmen, Aktivierungsmöglichkeit für Kinder, Rechte des Kindes, usw.) dann wird vor allem deutlich, wie langsam und manchmal auch rückläufig gesamtgesellschaftliche Lernprozesse sind. Viele der damaligen Forderungen ("Keine Ausweitung der Sendezeiten!") erscheinen ja so radikal, daß sie gegenwärtig von Niemand erhoben werden.



3. Diese Forderungen standen 1978 im Kontext eines Plädoyers von Bundeskanzler Helmut Schmidt nach einem fernsehfreien Tag. Schmidt hatte damals geschrieben: "Mein Eindruck ist, übertriebener TV-Konsum drängt vielfach den unmittelbaren Umgang der Menschen miteinander zurück." (Die Zeit, 45, 1978) Was damals aus dem von u.a. Günther Grass gestalteten Klingenmünsterer Kreis gegen mehr TV-Konsum an Ideen hervorging, ist als politisches Argumentationsmuster nach wie vor vorhanden. 1994 formulierte z.B. der verstorbene englische Philosoph Sir Karl Raimund Popper: "Keine Demokratie kann überleben, wenn dem Machtmißbrauch des Fernsehens kein Ende gesetzt wird." So bleibt als weitere (ernüchternde) Erkenntnis festzuhalten: Unsere Gesellschaft ist sehr wohl über die Sozialisationsschäden im Kontext von Fernsehen informiert, erweist sich allerdings als unfähig, Wissen in Handeln zu übersetzen.



4. Das Programm des Internationalen Jahr des Kindes 1979 wurde von rd. 200 deutschen Institutionen im Konsens getragen. In diesen sehr breiten Konsens

waren die Bundestagsfraktionen der CDU/CSU, der SPD und der FDP eingebunden, dahinter standen sowohl amnesty international als auch die Zentralstelle für Weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz, der Bundesvorstand der Jusos genauso wie die Redaktion der Illustrierten "Für Sie" oder die Bundesvereinigung der Spanischen Elternvereine, die ARD, das ZDF und die Konrad Adenauer-Stiftung. Zwar ist Papier geduldig, gewiß doch, aber heute wäre es nicht einmal so geduldig wie 1978!



5. Dem pazifistischen Flügel der neuen rot-grünen Regierung sei hiermit ein kleines P.S. geschuldet: Der im Programm des Kinderjahres erwähnte Bundestagsbeschluß von 1950, Herstellung und Vertrieb von Kriegsspielzeug zu verbieten, wurde nach wie vor nicht umgesetzt.



Für einen kritischen Umgang mit Kindermedien (1978)



Reinald Eichholz/Jörg Becker



Problem



Zu den hochindustrialisierten Gesellschaften Europas und Amerikas sind die Massenmedien immer mehr zu einem der Faktoren geworden, die das alltägliche Verhalten der Menschen entscheidend prägen. Dabei stehen Phänomene wie »Reizüberflutung« und »Informationslawine« neben vielfältigen Problemen in anderen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere der physischen und psychischen Belastung des Menschen am Arbeitsplatz, in Schule und Familie. In dieser Situation besteht die Gefahr, daß die Massenmedien ihre ursprünglichen Funktionen von Informationsvermittlung und Unterhaltung nicht mehr erfüllen können. Vielmehr könnte ein inhaltliches Überangebot an massenmedial vermittelter Unterhaltung und Information dazu beitragen, daß aus Unterhaltung apathische Langeweile, aus Information Uninformiertheit aufgrund eines Zuviel an unstrukturiertem Einzelwissen resultieren und die Mensch-zu-Mensch-Kommunikation immer mehr durch die Maschine-zu-Mensch-Kommunikation ersetzt wird.



Kinder sind von diesen gesellschaftlichen Veränderungen in vielfacher und besonders intensiver Form betroffen. Wie aus vielen kinderpsychologischen Untersuchungen bekannt ist, benötigt gerade das Kleinkind den direkten, kontinuierlichen und intensiven Kontakt mit den es aufziehenden erwachsenen Menschen. Wird ein Fernsehgerät z. B. zu einem »Babysitter« umfunktioniert, sind schwerwiegende psychische Störungen für das Kind zu erwarten. Außerdem muß man die massenmedialen Einflüsse auf das kindliche Bewußtsein auch unter der Perspektive betrachten, daß die mit den gegenwärtigen Massenmedien aufwachsenden Kinder die politische Situation in der Bundesrepublik Deutschland der nächsten Generation bestimmen.



Die Debatte um Kinder und Massenmedien kreiste in den letzten Jahren in erster Linie um die Frage der Gewaltdarstellungen im Fernsehen und ihre Auswirkungen auf Kinder. So unlösbar eine Beantwortung dieser verallgemeinernden Frage erscheint, so einseitig und verfälschend erscheint uns das hinter einer solchen Frage stehende Frageinteresse: Wer nach den Auswirkungen von Massenmedien auf Kinder fragt, stellt eine produktbezogene Frage und behandelt das am massenmedialen Kommunikationsprozeß beteiligte Kind lediglich als Objekt und Opfer des Mediums. Indem sich die Kommission demgegenüber mehr auf die Frage konzentrierte »Was macht das Kind mit den Massenmedien?«, ist der am Kommunikationsprozeß beteiligte Mensch grundsätzlich Ausgangspunkt der Überlegungen und Forderungen. Könnte die erste Frageform auf eine Forderung nach weniger Mordszenen im Fernsehen hinauslaufen, verlangt die zweite Frageform eine Forderung nach solchen das Kind umgebenden gesellschaftlichen Situationen, in denen es nicht länger Bedürfnisse nach Mordszenen im Fernsehen entwickeln muß. Deshalb gilt es, die Entwicklungs- und Bildungschancen für Kinder in allen Lebensbereichen zu verwirklichen. Für den Bereich der Massenmedien ist vor allem eine Aktivierung von Eltern und Erziehern notwendig.



Angesichts dieser schwierigen Aufgaben ist zu fragen, ob die auf uns zukommende technische Machbarkeit der neuen elektronischen Medien (»Kabelfernsehen«, Kabeltext, Bildschirmtext, Videotext, computergesteuerte Datenbanksysteme, Fernsehempfang durch Satelliten) dem gesellschaftlich Wünschenswerten entspricht, ob nur die Medienproduzenten oder auch die Mediennutzer Interesse an diesen Neuen Medien haben. Ein Ausgleich der verschiedenen Interessen erscheint nur in öffentlicher Verantwortung möglich. Gerade wegen des zu erwartenden Zuwachses an Einflußmöglichkeiten Neuer Medien auf die kindliche Entwicklung ist gesellschaftliche Kontrolle unabdingbar. Daher ist die öffentlich-rechtliche Struktur nicht nur für die bestehenden Rundfunkanstalten zu sichern, sondern auch für die Neuen Medien zu gewährleisten.



Unter den auf das Kind wirkenden erzieherischen Einflüssen nimmt das Fernsehen eine besonders bedeutungsvolle Rolle ein. Die Kommission hat ihre Aussagen daher schwerpunktmäßig auf das Fernsehen konzentriert, ohne daß dadurch die Bedeutung der mehr am Rande behandelten anderen Medien für Kinder in Frage gestellt würde.









A. Fernsehprogramme am Interesse des

Kindes orientieren



1. Für das Kind ergeben sich aus den weitreichenden Einflüssen des Fernsehens vielfältige Auswirkungen auf die Bedingungen seiner Sozialisation. Die Kommission verlangt daher, das Fernsehen verstärkt von seinen tatsächlichen sozialen Auswirkungen her zu betrachten, statt die Wirkungsabsichten und deren Realisierung in den Vordergrund zu stellen.



Bei dieser Betrachtungsweise wird offensichtlich, daß Fernsehen für Kinder und der Zeitpunkt, zu dem Kinder tatsächlich fernsehen, deutlich auseinanderfallen.

Daraus ergibt sich die Forderung:

Die Programmstruktur des Fernsehens ist so zu ändern, daß Kindersendungen ausgestrahlt werden, wenn Kinder tatsächlich fernsehen, d. h. zwischen 17.30 und 19.00 Uhr. Andernfalls wird faktisch in Kauf genommen, daß Kinder schwerpunktmäßig für sie nicht bestimmte Sendungen sehen; das Werbefernsehen ist in die Abendprogramme zu übernehmen. Sendungen für Jugendliche sollten auch in den Abendstunden ausgestrahlt werden, so daß Jugendliche und Erwachsene die Möglichkeit haben, sie gemeinsam zu sehen.

2. Negative Einflüsse des Fernsehens sind bei einem Übermaß an Fernsehkonsum unverkennbar. Es muß gerade im Interesse von Kindern verhindert werden, daß die »Vielseher-Problematik« Ausmaße wie in den Vereinigten Staaten annimmt: Verarmung mitmenschlicher Kommunikation, Verzerrung des Wahrnehmungsvermögens für Realität, gesundheitliche Gefährdung, Suchterscheinungen durch Abhängigkeit vom Medium. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Belastbarkeitsgrenze erreicht;

Daraus ergibt sich die Forderung:

Keine Ausweitung der Sendezeiten. Die Ausnutzung Neuer Medien bedroht die Kinder und ihr Sozialisationsumfeld, wenn damit eine quantitative Ausdehnung des Fernsehkonsums einhergeht. Die Neuen Medien müssen statt dessen eingesetzt werden, um die bestehenden Programme stärker an gezielten Bedürfnissen zu orientieren.



3. Die Gewohnheiten der Fernsehnutzung lassen besonders in den unteren sozialen Schichten - auch heute bereits Probleme der Kommunikationsstörung usw. beobachten. Die Schwierigkeiten, Hilfen zum Umgang mit dem Fernsehen gerade an diese Bevölkerungsschichten über andere Medien heranzutragen, erfordert, daß das Fernsehen selbst Hilfen zum Umgang mit dem Fernsehen bietet Das Ziel, »Distanz zum Bildschirm« zu erreichen, muß verbunden werden mit der Anregung zu »positiven Alternativen« die in »Erziehungstips« zu allgemeinen Erziehungsproblemen dargestellt werden könnten.

Daraus ergibt sich die Forderung:

Die Rundfunkanstalten werden aufgefordert, ein auf Kinder und Familien abgestelltes Konzept medienkundlicher und erziehungskundlicher »Spots« sowie Sendeformen zu entwickeln, die nach der »mach mit«Methode ein höheres Maß an aktiver Teilnahme ermöglichen.



4. Bei der praktischen Entwicklung von Sendungen für Kinder und Jugendliche ist zu erkennen, daß Kinder zu stark in dem Sinne eingesetzt werden, wie sich Erwachsene die Welt des Kindes denken. Die Faszination von Kindern durch diese Sendungen ist eine Scheinrechtfertigung, die nichts darüber besagt, ob sie tatsächlich kindgerecht sind. Als Weg zur Befreiung der Kinder von dieser Art Fremdbestimmung sollte verstärkt erprobt werden, Sendungen mit Kindern gemeinsam zu entwickeln.

Daraus ergibt sich die Forderung:

Zur praktischen Entwicklung kindgerechter Sendungen soll Kindern und Jugendlichen verstärkter Einfluß auf Fernsehproduktionen eingeräumt werden mit dem Ziel, sie aus der Rolle des Darstellungsobjekts zu befreien, um selbst gestaltend mitwirken zu können.



5. Die Verstärkung kindbezogener Betrachtung des Fernsehens muß sich auch in der Forschung niederschlagen. Die Wirkungsforschung muß deutlicher als bisher bei der sozialen Realität von Kindern ansetzen und dabei die von Kindern tatsächlich gesehenen Sendungen in die Analyse einbeziehen. Die Ergebnisse dieser Forschungen müssen so aufgearbeitet werden, daß sie von den Programmachern in der Praxis verarbeitet werden können.



Für Medienaufklärung und Medienpädagogik sollte unter Verwertung dieser Ergebnisse ein »Medienpaket« zusammengestellt werden, das differenziertes didaktisches Material enthält; dabei sollte der Nachvollzug von Techniken der Medienproduktion und der selbständige Umgang mit ihnen gefördert werden, um die Darstellung von Wirklichkeit durch Medien durchschaubar zu machen. Zugleich sollten Probleme der Werbung schwerpunktmäßig aufgegriffen werden.





Daraus ergibt sich die Forderung:

Es müssen konkrete Anregungen an die Forschung ergehen, Wirkungen des Fernsehens in der konkreten sozialen Realität des Kindes zu erforschen: Die Ergebnisse dieser Forschung müssen für Programmmacher in der Praxis handhabbar gemacht werden; für die Medienpädagogik ist ein entsprechendes »Medienpaket« zu erarbeiten.



6. Die Fernsehforschung insgesamt leidet an unzureichenden Kommunikationsstrukturen und mangelhafter Praxisorientierung. Es ist notwendig, die Ergebnisse der Wirkungs- und Sozialisationsforschung insgesamt stärker auszubauen und zu verzahnen. Besonders die Ergebnisse unveröffentlichter Arbeiten sollten nutzbar gemacht werden. Die Benutzung in der Praxis setzt voraus, daß Überblicke über den Stand der Wissenschaft mit kurzen Inhaltsangaben versehen werden, die dem Praktiker gezielte Literatursichtung erlauben. Hier kann auf der Arbeit des Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) aufgebaut werden.

Daraus ergibt sich die Forderung:

Das Zentralinstitut für • das Jugend- und Bildungsfernsehen ist zu einer Infor-mations- und Sammelstelle für sozialisationsorientierte Fernsehforschung auszubauen, zu der sämtliche Universitäten und einschlägige Forschungsinstitute, insbesondere die Deutsche Forschungsgemeinschaft, im wissenschaftlichen Austausch stehen. Das Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen ist so auszustatten, daß eine praxisorientierte Aufbereitung von Forschungsmaterial möglich ist. .



Die praktische Auswirkung verstärkter Forschung und deren stärkere Praxisorientierung läßt sich nur sicherstellen, wenn es zu besseren Kontakten zwischen Forschern und Programmachern kommt. Bei einem sozialisationsorientierten Forschungsansatz gilt dies für Programmacher sämtlicher Sendungen, die - ins Gewicht fallend - von Kindern gesehen werden. Ein Ausbau der Fortbildung in dieser Richtung bietet sich an. Die Veranstaltungen sollten auch für die Mitglieder der Kontrollorgane geöffnet werden, um auch im Rahmen der Kontrollfunktionen die Sozialisationsbezüge stärker zur Geltung zu bringen. An die Arbeit der Zentralstelle Fortbildung Programm ARD/ZDF in Frankfurt könnte angeknüpft werden.

Daraus ergibt sich die Forderung:

Die bisher überwiegend fernsehtechnisch orientierte Fortbildung ist unter Beteiligung von Forschern, Programmachern und Mitgliedern der Kontrollorgane dahingehend auszubauen; daß verstärkt sozialisationsorientierte Fernsehforschung entwickelt und in der Praxis umgesetzt wird.



8. Die praktische Arbeit mit Produktionen von Rundfunk und Fernsehen wird weitgehend dadurch behindert, daß ihre Verfügbarkeit eingeschränkt ist.

Daraus ergibt sich die Forderung:

Die Rundfunkanstalten werden aufgefordert Rundfunk- und Fernsehproduktionen für die nicht kommerzielle praktische Medienarbeit in Kindergärten, im schulischen und außerschulischen Bereich zur Verfügung zu stellen.



9. Das Jahr des Kindes wird vielfältige Angebote hervorrufen, die durch Übersättigung zu Abwehrreaktionen führen könnten. Sämtliche Massenmedien sollten dies bei ihrer Angebotsgestaltung berücksichtigen, um den Problemen des Kindes auch über das Jahr 1979 hinaus Aufmerksamkeit zu sichern.



B. Medienalternativen außerhalb

des Fernsehens fördern



Kinderzeitschrift

Kinder gewinnen die notwendige Distanz zum Fernsehen vor allem dann, wenn ihnen Handlungsalternativen zur Verfügung stehen. Kinderzeitungen und Kinderzeitschriften können hierbei eine wichtige Funktion einnehmen. Da das bestehende Angebot in der Bundesrepublik jedoch unzureichend ist, werden die Jugendorganisationen aufgefordert, sich gemeinsam um die Gründung einer Kinderzeitschrift für eine breite Leserschaft zu bemühen. Die Bundesregierung wird um finanzielle Unterstützung dieses Vorhabens gebeten. Gleichzeitig werden die öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe aufgefordert, über vermehrte Indizierungsanträge bei der Bundesprüfstelle für jugend-gefährdende Schriften gegen neonazistische Schriften für Kinder und Jugendliche gezielt vorzugehen. solange ein gesetzliches Verbot solcher Schriften noch nicht besteht.

Kriegsspielzeug

Die Bundesregierung wird aufgefordert das am 23. 6. 1950 vom Deutschen Bundestag beschlossene Verbot der Herstellung und des Vertriebs von Kriegsspielzeug jeglicher Art durch einen entsprechenden Gesetzentwurf zu verwirklichen.

Aktiver Umgang mit Medien

Um den Umgang mit Medien in der unmittelbaren Lebensumwelt von Kindern lernen zu können, sollte die Förderung der Medienarbeit mit Kindern auf kommunaler Ebene beginnen. Wettbewerbe von Gemeinden und Städten zur Anerkennung der von Kindern selbst geschaffenen Produktionen (Kinderfilme, Kindertheater, Videofilme, Comics, Kinderzeitungen usw.) und der Ausbau der vorhandenen Medieneinrichtungen muß Bestandteil kommunaler Kinder- und Jugendarbeit werden. Die kommunalen Spitzenverbände und jede einzelne Kommune werden daher aufgefordert, ihr Medienangebot für Kinder zu überprüfen, und Jugendverbände, Schulen, Kindergärten, Bildstellen, Volkshochschulen usw. an der Erstellung eines Gesamtmedienkonzeptes zu beteiligen.



Der Einsatz von Medien in Kindergärten, Horten und Schulen bietet die Möglichkeit, Wissen durch den Umgang mit Medien zu vermitteln. Die Landesregierungen weiden daher aufgefordert, den aktiven Umgang mit Medien zum integralen Bestandteil der Erziehung im vorschulischen Bereich, der Schule und im außerschulischen Bereich werden zu lassen, und die Medienproduktionen finanziell ausreichend zu fördern. Die Kultusminister der Länder werden aufgefordert, von jeglicher Vor-und Nachzensur von Schülerzeitungen abzusehen und die Richtlinien entsprechend zu ändern.

Kinderfilm

In der Bundesrepublik gibt es seit 1975 - bis auf wenige Ausnahmen - keine Kinderfilmproduktion. Für Kinderfilmarbeit stehen insgesamt nur ca. 100 meist ausländische Filme zur Verfügung, von denen 20 als »gute« Kinderfilme bezeichnet werden können.



Um einen Kinderfilm in der Bundesrepublik zu schaffen, müssen organisatorische, finanzielle und inhaltliche Voraussetzungen geschaffen werden, die nur mit verstärkter staatlicher Hilfe möglich sind. Der Kinderfilm sollte deshalb ausschließlich als kulturelle und soziale Aufgabe und nicht unter dem Gesichtspunkt des wirtschaftlichen Ertrages gefördert werden. Die Förderungskriterien sollten von einem pädagogisch verantwortlichen Inhalt des Kinderfilms bestimmt sein. Der Kinderfilm muß zudem experimentierfreudig, situationsnah und praxisbezogen sein. Auch die Einbeziehung der Kinder in Produktionen und Gestaltung muß ermöglicht werden. Neue Formen der Produktion, des Vertriebs und der Aufführung sind mit öffentlicher Hilfe zu schaffen.



Kinder- and Jugendmedienpreis

Kinder sind gewohnt, mit verschiedenen Medien umzugehen: mit dem Fernsehen, mit Kassetten, Fotos, Zeitschriften, Comics, Büchern, Filmen usw. Das Kinderbuch stellt weder das einzige noch das wichtigste Medium dar, das in der Alltagswelt der Kinder eine Rolle spielt. Die tatsächliche Vielfalt der Mediennutzung sollte in einem neu zu schaffenden »Kinder- und Jugendmedienpreis« zum Ausdruck kommen. Er sollte langfristig den Jugendbuchpreis, der lediglich ein bestimmtes Medium würdigt, ersetzen. Der neue Kinder- und Jugendmedienpreis darf nicht den Interessen der Großverlage untergeordnet werden, sondern muß sich an den Interessen der Kinder und Jugendlichen an Grundqualifikationen für eine demokratische Gesellschaft orientieren.



C. Den Einfluß der Werbung auf

Kinder zurückdrängen



Die durch Druck- und Funkmedien verbreitete Werbung vermittelt nicht nur Produktinformationen, sondern auch gesellschaftliche Normen, Einstellungen und Verhaltensdispositionen Ein großer Teil dieser Werbung richtet sich an Kinder. Da Kinder jedoch alleine oft nicht in der Lage sind, die unbewußten Werbebotschaften zu erkennen, steht die Kommission sämtlicher Werbung, die von Kindern rezipiert wird, die sich bewußt an Kinder richtet oder in der Kinder dargestellt werden, kritisch gegenüber.

Daraus ergibt sich die Forderung:

Die allgemeine Werbung für solche Produkte, die (insbesondere . bei Kindern) ' gesundheitsschädliche Wirkungen :mit sich bringen;` wie z: B. Süßigkeiten, Tabakwaren und alkoholische Produkte, soll eingestellt werden. Dies gilt nicht nur für Produkte, bei denen die Gesundheitsschädigung eindeutig nachweisbar ist; ein begründeter Verdacht auf eine Gefährdung sollte im Interesse der Gesundheitsvorsorge ausreichen.



Im Fernsehen ist die Programmfolge so zu ändern, daß Sendezeiten für Werbung nur noch nach 20.00 Uhr zur Verfügung stehen, wenn kleine Kinder, die am meisten gefährdet sind, nicht mehr oder kaum noch fernsehen.



Die Rundfunkanstalten sollten in Form von Verbraucherspots kritisch über das Verbraucherverhalten informieren. . Diese Spots sollten regelmäßig in der Sendezeit von Hörfunk und Fernsehen ausgestrahlt werden, in der auch Werbung ausgesendet wird.



In dem bestehenden Modell von Werbepro-duktion, Werbevermittlung und Werberezeption haben Kinder keinerlei Möglichkeit, sich diesem Modell zu entziehen. Deshalb müssen Kinder in besonderer Weise geschützt werden.

Daraus ergibt sich die Forderung: Sämtliche Formen von Werbung, die sich an Kinder richten, sollten durch unabhängige Aufsichtsgremien nach unmißverständlichen Richtlinien konsequent kontrolliert werden. Im Rahmen der durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ausgesendeten Werbung, die sich an Kinder richtet, ist mit der konsequenten Programmverantwortung der Intendanten, die sich auch auf die Tätigkeit der Werbetochtergesellschaften bezieht, ernst zu machen.



Diese einschränkenden Maßnahmen können nur erste Schritte sein, um kritisches Bewußtsein in der Öffentlichkeit herzustellen und um langfristig Verbotsmaßnahmen für jegliche Werbung, die sich an Kinder richtet, einzuleiten. Dies gilt insbesondere für die Formen der Werbung, in der Kinder selbst mitmachen. Hier werden Kinder - ihrem Schutzbedürfnis zuwiderlaufend - vermarktet; hier spekuliert die leichtere Identifikationsmöglichkeit des kindlichen Konsumenten mit dem Werbekind auf höheren Produktabsatz.

Daraus ergibt sich die Forderung:

Werbung mit Kindern, die sich an Kinder richtet, soll gesetzlich verboten werden. In den zukünftigen Neuen Medien soll Werbung allgemein grundsätzlich verboten sein.







IV. An diesem Programm waren beteiligt:



Aktion DAS SICHERE HAUS

Aktion Gemeinsinn e. V.

Aktion Jugendschutz

Aktion Sorgenkind e. V.

Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt

Amnesty International-Deutsche Sektion e. V.

Andheri-Hilfe

Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V.

Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Familienorganisationen

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend Deutschlands

Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands

Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher

Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe

Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen

Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitischer

Arbeitskreise

Arbeitskreis für Jugendliteratur e. V.

Arbeitskreis »Lernen und Helfen in Übersee« e. V.

Arbeitskreis Neue Erziehung e. V.

Auswärtiges Amt

Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung

Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung, Hamburg - Amt für Jugend

Berufsverband der Kinderärzte Deutschlands e. V.

»Brigitte«-Redaktion

Brot für die Welt

Bund der Deutschen Katholischen Jugend

Bund der Deutschen Landjugend

Bundesarbeitsgemeinschaft der Clubs Behinderter und ihrer Freunde e.V.

Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter und überörtlichen Erziehungsbehörden

Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation

Bundesarbeitsgemeinschaft »Hilfe für Behinderte« e.V.

Bundesarbeitsgemeinschaft katholischer Familienbildungsstätten

Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V.

Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit

Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau

Bundesministerium für Verkehr

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit

Bundesverband Neue Erziehung e.V.

Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung e.V.

Bundesvereinigung Lebenshilfe für geistig Behinderte e.V.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Bundeszentrale für politische Bildung

Carl-Duisberg-Gesellschaft e.V.

CDU-Bundesgeschäftsstelle

CSU-Frauenunion

CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Confederacion de la asociaciones de padres de familia en la republica federal de Alemania (Bundesvereinigung der spanischen Elternvereine)

Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e. V.

Demokratische Fraueninitiative

Deutsche Ärztegemeinschaft für medizinische Zusammenarbeit e. V.

Deutsche Angestelltengewerkschaft - Abteilung weibliche Angestellte

Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft e.V.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde

Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie e.V.

DJO - Deutsche Jugend in Europa

Deutsche Schreberjugend

Deutsche Sportjugend

Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung

Deutsche UNESCO-Kommission

Deutsche Welthungerhilfe

Deutscher Ärztinnenbund

Deutscher Bundesjugendring

Deutscher Caritasverband e.V.

Deutscher Entwicklungsdienst

Deutscher Familienverband e.V.

Deutscher Frauenrat - Bundesvereinigung

Deutscher Frauenverbände und Frauengruppen gemischter Verbände e.V.

Deutscher Frauenring e.V.

Deutscher Gewerkschaftsbund -

Bundesvorstand Deutscher Kinderschutzbund e.V.

Deutscher Landfrauenverband e.V. Deutscher Landkreistag

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband e.V.

Deutscher Sportbund

Deutscher Städte- und Gemeindebund

Deutscher Städtetag

Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge

Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk e.V.

Deutsches Jugendinstitut Deutsches Rotes Kreuz

EIRENE - Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V.

Konrad Adenauer-Stiftung e.V.

»Eltern«-Chefredaktion

Kübel-Stiftung GmbH

Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen

Kultusministerium des Landes Schleswig-Holstein

Evangelisch-methodistische Kirche - Frauendienst

Familienbund der Deutschen Katholiken

FDP-Bundestagsfraktion

FDP-Bundesgeschäftsstelle

Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis

Friedrich-Naumann-Stiftung

Friedrich-Thieding-Stiftung des Hartmannbundes

»Für Sie«-Redaktion

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Hermann Gmeiner-Fonds Deutschland e.V.

Hessisches Sozialministerium

Initiativgruppe für ausländische Arbeiter Neuwied

IYC-Secretariat de I'Europe in Genf

Internationale Gesellschaft für Heimerziehung IGFH-Sektion Bundesrepublik Deutschland

Internationale Jugendgemeinschaftsdienste Gesellschaft für internationale und politische Bildung

Internationale Vereinigung der Waldorf Kindergärten e.V.

Internationaler Bund für Sozialarbeit

Jugendsozialwerk e.V.

Internationaler Sozialdienst - Deutscher Zweig e. V.

Internationales Katholisches Büro für das Kind Deutsches Nationalkomitee

Internationales Zentralinstitut für das Jugendund Bildungsfernsehen

Jugendpresseclub Jungsozialisten in der SPD - Bundesvorstand

Juristinnenbund - Vereinigung der Juristinnen, Volkswirtinnen und Betriebswirtinnen e.V.

Katholische Elternschaft Deutschlands

Katholischer Deutscher Frauenbund

Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands

Kinder- und Jugendfilmzentrum in der Bundesrepublik Deutschland

Kindernothilfe e.V.

Kinder-Verkehrs-Club

Kolpingwerk - Deutscher Zentralverband Familienreferat

Komitee Sicherheit für das Kind

Landesjugendring Berlin

Landeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayem - Landeskirchenamt

Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft

medico international e.V.

Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung Baden Württemberg

Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport Rheinland-Pfalz

Misereor - Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt - Bischöfliches Hilfswerk e. V.

Naturfreundejugend Deutschlands

Norddeutscher Rundfunk

ORT-Deutschland e.V.

Pestalozzi-Fröbel-Verband e.V.

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

PRO FAMILIA, Deutsche Gesellschaft für Sexualberatung und Familienplanung e.V. - Bundesverband Progressiver Eltern + Erzieherverband NRW e.V.

Psychologisches Institut der Universität Mainz

Reichsbund der Kriegsopfer, Behinderten, Sozialrentner und Hinterbliebenen

Ring deutscher Pfadfinderinnenverbände

Ring deutscher Pfadfinderverbände

Senator für Familie, Jugend und Sport in Berlin Senator für Wirtschaft in Berlin - Abteilung Verkehr SPD-Bundestagsfraktion

SPD-Parteivorstand Sozialdienst katholischer Männer e.V.

sozialer dienst familie e.V.

Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken

»Spielen und Lernen«-Redaktion

Statistisches Bundesamt

Stiftung für staatsbürgerliche Mitverantwortung »Die Mitarbeit«

Terre des Hommes Deutschland e.V.

Triater - Arbeitsgemeinschaften freischaffender Künstler

UNICEF - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Deutsches Komitee

Verband alleinstehender Mütter und Väter Bundesverband e.V.

Verbindungsstelle für Internationale Familienfragen

Wissenschaftlicher Beirat der Arbeitsgemeinschaft Spielzeug

Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Jugend,

Familie und Gesundheit

Zentralstelle für Weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz

Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Zweites Deutsches Fernsehen