Hieronymus Lorm

 

 

Meditationen über Lyrik.

 

I.

(Fünfzig neue Sammlungen. – Das Publikum für Lyrik. – Karl Siebel. – Allgemeine Betrachtungen.)

 

In einer alten Zeitung fand ich einmal eine Ankündigung ungefähr folgenden Inhalts: "Ein junger Mann, der sich durch unglückliche Verhältnisse genöthigt sieht, die Reste seines Besitzes zu veräußern, wünscht von seinem echten, feinen und, wie schon die Etikette zeigt, exquisiten und selten mehr vorkommenden Champagner fünfzig leere Flaschen zu verkaufen."

Vielleicht trägt die gleiche Zahl die Schuld, daß mir mein Erinnerungsvermögen beim Anblick von fünfzig neuen Sammlungen lyrischer Gedichte jene Ankündigung zurückruft. In der That, man kann sich die Verleger nicht exquisiter, den Druck nicht feiner, die aufgeklebten Titel oder Etiketten nicht verlockender denken. Selbst die Autornamen, die stets in einem umgekehrten Verhältniß zum Inhalt stehen, insofern als dieser um so älter zu sein pflegt, als jene neuer sind, haben das Anziehende, daß sie der Phantasie eine ziemliche Anzahl von Frauen vorführen. Nichts reizender als eine der Einbildungskraft im flüchtigen Vorübereilen schön sich darstellende Frau, von der man uns sagt, daß sie Dichterin sei, ohne im Stande zu sein, uns eine ihrer Poesien mitzutheilen. Alle diese Wohlthaten übt eine Titelseite, wenn man das Buch weglegt, sobald man sie gelesen hat.

Die männlichen Autornamen auf meinen fünfzig Recensions-Exemplaren sind aber auch nicht alle ohne magnetische Kraft. Einige begegneten mir schon in großen, von Arabesken des Lobes umschlungenen Lettern auf den hervorragendsten Seiten von Zeitungsblättern, welche sonst die ehernen Mauern des Todtschweigens sind. Unwiderstehlich muß man sich daher dem Glauben überlassen, hier sprühe der perlende, glühende Schauer, aus welchem die echte Muse der Lyrik in nackter Schönheit emporstiege – Sollten die verführerischen Gefäße wirklich nur fünfzig leere Flaschen sein?

Von der Untersuchung, wie diese Frage zu beantworten sei, schließe ich die Büchlein mit weiblichen Autornamen aus. Es gibt der Kritiker genug; und da die Frauen heutzutage so viele Lyrik produciren, mit der dem Geschlecht eigenen Vorliebe, zu thun, was sich <nicht> lohnt, so kömmt es bei Beurtheilung so außerordentlicher Vielheit nicht auf meine Wenigkeit an. Ich brauche mir daher die Phantasie nicht zu verderben, welche mir Damenpoesie stets mit jenem Damenschuh identificirt, der in der Auslage einer Pariser Boutique als ein seltenes Muster seiner Art die höchste Bewunderung erregte, bis Jemand auf den unglücklichen Gedanken kam, ihn zu probiren, worauf er sogleich platzte. Damenpoesie erregt schon durch ihre Existenz mein bewunderndes Erstaunen; und ich werde mir nicht einfallen lassen, sie erst zu lesen, wodurch sie für mich leicht ganz zu Grunde gehn könnte.

Edle Frauen mit genialen – Ansprüchen bedenken selten, daß ihr Ehrgeiz an zwei Tafeln zugleich schwelgen will, an der des moralischen wie an der des artistischen Ruhmes, daß aber die gute Meinung, die man einem Buch von ihnen entgegenbringt, von der anderen Seite die schlechtere Meinung ist, die man ihrer Persönlichkeit widmet, weil der Rang, den man der weiblichen Tugend und der Rang, den man der Kunst flicht, beinahe zwei einander ausschließende Sphären sind. Talent haben ist schon an sich eine Tragödie, setzt einen Zwiespalt, oft einen schuldvollen Bruch mit den normalen oder [284] mindestens mit den herkömmlichen Gesetzen des Lebens theoretisch voraus und führt ihn praktisch herbei. Es bedarf weiter keiner psychologischen Erörterung, daß der Schauplatz für die höchsten dichterischen oder mimischen Darstellungen nicht das γυναικεῖον sein kann.

In der That hat das griechische Alterthum eine im Verhältniß zur damaligen Verbreitung der Kunst und Cultur erstaunlich große Anzahl weiblicher Dichter aufzuweisen; und der Ruhm, den sie errangen, hat eine Kehrseite, so nothwendig und naturgemäß wie jede Vorderseite eine Rückseite hat, aber keineswegs von der Art, um dem modernen Frauenthum als ein des Erstrebens werther Glanz zu erscheinen. Besser aber, ein Gedicht als eine Frau geht verloren. Ja selbst der Ruhm griechischer Dichterinnen hat zuweilen vom Lauf der Zeiten seinen glänzendsten Lichtpunkt dort empfangen, wo sich mit dem dichterischen Beruf einigermaßen weibliche Thätigkeit verknüpfte. So erzählt Plutarch, daß die berühmte Korinna aus Tanagra dem jugendlichen Pindar hinsichtlich der Sprache und der Wahl der Stoffe lehrreiche Weisungen gegeben, auf die Entwicklung seiner lyrischen Gesangskunst entscheidenden Einfluß gewonnen hätte. Ihr eigentlicher Ruhm lebt somit in dem größeren Pindar's weiter; und wenn sie in einem Liede die minder bekannte Myrtis aus Anthedon, ihr einstige Meisterin meisterte, weil diese es einst unternommen hatte, um denselben Siegespreis zu ringen, um den ein Pindaros sich beworben, während Korinna selbst früher oder später keine Scheu getragen hatte, mit dem geprieseneren Dichter den öffentlichen Wettstreit einzugehen; so bringt selbst dies Pröbchen weiblicher Logik die Dichterin menschlich näher, als was von ihren Liedern erhalten blieb.

Die Einwirkung weiblichen Geschmacks und Gefühls auf die Entwicklung dichterischen Talentes ist aber eine poetische Thätigkeit der Frauen, der man auch heute noch, wie zu jeder Zeit, aus tiefstem Herzen seinen Segen spenden mag, eine Thätigkeit, die jeden Spott ausschließt, ja die man mit andächtigem Auge verfolgen mag. Diese Poesie der Frauen offenbart sich am leuchtendsten in den Müttern. Wie viel haben uns nicht schon Künstlerbiographien und Literaturgeschichte davon zu erzählen gewußt! Selbst wenn die Mutter eine schlichte Frau aus dem Volke war, zu simpel in ihrer Bildung, um zu lehren, ist oft ihr liebstes Wesen, bisher ihr selbst wie den Andern verborgen, erst vom Sohne erkannt worden und erst in ihm zu Worte gekommen. Man kann behaupten, in jedem echten Künstler und Poeten schafft und dichtet seine Mutter.

Nach solchen Muttersöhnchen höherer Art forsche ich in meinen fünfzig Recensionsexemplaren. Ich will jedoch zunächst bemerken, daß man zu wenig beachtet, wie sehr das Lesen eine Kunst sei. Die Nähmamsell, die sich in ihren Roman vertieft, übt diese Kunst instinktmäßig, wie Bienen und Spinnen ihre Künste üben. Die Halbbildung – demi-monde des Geistes – von der jeder ausgiebige wirkliche Erfolg in der Kunst abhängig ist, liest zwar auch noch, aber vertieft sich nicht mehr. Nun braucht aber gerade die Lyrik Leser, die sich vertiefen können, die eigene Poesie haben, welche auf den fremden Dichter wirket. Daß der Rosenduft empfunden werde, ist ja nicht Sache der Rose allein. Der lyrische Rosenduft begegnet aber bei jenem demi-monde dem Schnupfen.

Wüßte und empfände man nicht, daß es in der Natur und im Menschenleben, in jener objektiv sich darstellend, in diesem <subjektiv> gefühlt, ein Ewiges gibt, gleichsam das reine Sein, das Dasein an und für sich, unberührt vom Wechsel und Wandel der Dinge, unabhängig von der Zeit; – man müßte der Gegenwart das Talent, Lyrik in sich aufzunehmen, völlig absprechen, man könnte es nicht in ihr voraussetzen. Denn niemals waren die uralten, herkömmlichen Formen der Lebensgestaltung, die in ihrer langen Dauer selbst schon den Anschein des Ewigen hatten, in allen Ständen so erschüttert, ja die Stände selbst, diese weitesten und sichersten Formen der Lebensgestaltung, in ihren Principien, wie nicht minder in ihren Zielen und [285] Zwecken so sehr in's Schwanken gebracht, wie jetzt; folglich niemals die innere Ruhe weniger vorhanden, die zum Genuß der lyrischen Kunst wie zu dem keiner andern unerläßlich nothwendig ist. Das Theater, der Roman, die Musik und der Anblick plastischer oder malerischer Werke können durch ihre Wirkungen jene innere Ruhe für Augenblicke erzwingen; das Lied des Dichters muß sie als Mitwirkung an der Wirkung schon vorfinden, oder es erreicht keine, weil selbst seine außerordentlichste Gewalt noch zu sanft ist, um zu ertrotzen, was ihm nicht freiwillig entgegenkömmt. Ist aber das Entgegenkommen vorhanden, dann übertrifft freilich der lyrische Effekt jeden andern, wie außer den Volksliedern, den populären Balladen, die Kriegs- und Freiheitsgesänge aller Zeiten lehren vom Alterthum bis zur Marseillaise, von Nicolaus Becker bis zur "Wacht am Rhein".

Die stürmischen Aufwallungen des Volksgemüthes in Tagen der Gefahr oder eines sittlichen Kampfes sind keineswegs ein Widerspruch zu der als Bedingung des lyrischen Genußes erwähnten inneren Ruhe. Denn diese ist nicht todte Stille, sondern nur das Ausscheiden der gemeinen Interessen, welche heutzutage vorherrschend und in weit stärkerem Grade als noch in den politisch und literarisch brausenden Tagen vor 1848 die Lebensbewegungen des großen Publikums bilden und der Lyrik die allgemeine Wirkung, den Gesammtantheil der Nation, entziehen. Die Lyrik nimmt eben im Bereich der Kunst den höchsten Rang ein und kann deßhalb am wenigsten mit dem Niedrigen zugleich, mit der leidenschaftlichen und ideenlosen Erwerbsucht, um die Theilnahme des Menschenherzens ringen. Die Lyrik kann den Ausdruck der ewigen Interessen, ihren einzigen, ihren höchsten Preis, um keinen Preis aufgeben; die Zeitgenossen streben um jeden Preis nach jedem Preis.

Allein es ist ein Unterschied zwischen dem Allgemeinen und dem Zahlreichen, zwischen Millionen und Millionen – Einzelnen. Gerade wenn der Collectiv-Charakter einer Epoche einem bestimmten Kunstzweig nicht adäquat ist, kann dieser eine größere Anzahl von Verstehenden um sich sammeln als in Zeiten, da die große Menge sich gedankenlos auf ihn wirft. So kann man annehmen, daß auch die Lyrik heute noch mehr Leser hat, als die ihr abgneigte Zeit voraussetzen ließe: stille, einsame Leser, die zwar nicht tonangebend, nicht laut genug sind, daß man von einer Gesammtheit sprechen könnte, die für Lyrik empfänglich wäre, aber immerhin zahlreich genug, daß das Gute unter einigen begünstigenden Umständen hoffen dürfte, nicht ungenossen im Sande zu verrinnen.

Ein wesentlicher dieser begünstigenden Umstände liegt in der Kritik.

Eine rechte Kritik über Lyrik ist selten geworden, weil, wie schon oben erwähnt, die Kunst des Lesens, das innige Vertiefen, Gedichten gegenüber selten geworden ist. Ein großer, ein überwiegend großer Theil der Kritik verfolgt, in unserer gewerbereichen Zeit, ebenfalls jene Interessen der Hab- und Unterhaltungssucht, mit welchen sich zu vertragen, denen auch nur für Augenblicke uns zu entreißen, der Lyrik weniger als jeder anderen Kunst gegeben ist. Wer nicht begeistert für sie ist, nicht einen unentbehrlichen Lebensgenuß in ihr findet, nicht jährlich eine Reihe ihm liebgewordener Lyriker wieder liest und neue freiwillig aufsucht, der ist nicht geeignet, über Lyrik zu urtheilen. Lyrik ist eine sehr ernste Sache, sie ist das in einer Form-Phiole gefaßte Sublimat der Empfindungen, welche das Verhältniß des Sterblichen zum Unendlichen hervorruft. Kritik über Lyrik kann daher auch nur auf dem Ernst beruhen, der aus der Kraft wie aus dem Recht inniger Hingebung an die Sache, die Kraft und die Berechtigung schöpft, unerbittlich streng zurückzustoßen.

Wird von Demjenigen, der Lyrik würdigen soll, so viel gefordert, vor Allem der mitthätige Ernst des Gemüthes, so dürfen doch diese Forderungen nicht in dem Maße überspannt werden, daß dem Leser von Gedichten zugemuthet würde, seinen Eindruck und sein Urtheil von einem Interesse bestimmen zu lassen, [286] das nicht in ihnen selbst läge. Solcher Zumuthung aber hat man sich bei der Lectüre der "Dichtungen von Carl Siebel" (Berlin 1877.  G. Grote) zu erwehren. Sie sind herausgegeben von Emil Rittershaus und "gesammelt von seinen Freunden". Der Leser aber, der zufällig nicht zu den persönlichen Freunden des verstorbenen Dichters gehört, sagt sich seufzend, daß diese Dichtungen auch nur für seine Freunde gesammelt seien. Allerdings gibt ihnen auch dieser Zweck ein Recht zur Existenz; nur darf dann die Form der Erscheinung nicht über jene beschränkte Berechtigung hinausgreifen. Diese Grenzverletzung fand aber statt, indem die genannten Dichtungen der Grote'schen "Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller" einverleibt wurden, einer Sammlung, die schon weil sie Anastasius Grün's unsterblichen Nachlaß "In der Veranda" und die prächtigen, gesunden Dichtungen von Julius Wolff enthält, die nachsichts- und rücksichtslose Würdigung herausfordert, die es mit der Blüthe contemporainer Literatur zu thun zu haben glaubt.

Duften die Dichtungen Siebel's nach solcher Blüthe? Ein Lied "Frühlingstag" sagt: "Es ist so still, als wär' es Schlafenszeit, entschlummert Noth und Leid, gestorben Angst und Qual, kein Hauch bewegt die Bäume, wie unschuldsvolle Kinderträume ziehen die Wolken über das Thal." – Und damit ist es aus. Keine Empfindung erregt diese Copie des Geschauten, kein Gedanke entspinnt sich aus ihr – höchstens eine Erinnerung an Uhland's kurze Frühlings-Dithyramben, die im Unterschied von der Siebel'schen Kürze so aufdringlich sind, lebenslang in der Seele nachzuklingen. Viele dieser Lieder sind hübsch; aber das Hübsche, dessen in der epischen und dramatischen Dichtung, in der Musik und Malerei nicht genug vorhanden ist, weil in all diesen Künsten auch nur Hübsches zu produciren noch immer große Schwierigkeiten hat, das Hübsche ist in der Lyrik total überflüssig, theils weil es massenhaft schon existirt, theils weil es sich heutzutage Jeder selbst machen kann, und es dann für den Comperativ und Superlativ jenes Hübschen hält, das ihm bei Andern begegnet.

Einigermaßen befriedigender könnten die den "Liedern" folgenden "Bilder aus dem Leben" sein, weil das Epische voraussetzt, was nicht Jedermann zu haben glaubt: Erfindung und Geschicklichkeit der Behandlung. Beides aber geht hier an der Bedeutungslosigkeit der Stoffe ohne Wirkung unter. "Der Sohn der Verbrecher" bittet den Himmel um Verzeihung, daß er seine Eltern dennoch liebt. "Aus der Kinderstube" wird uns die Pein des kleinen Mädchens erzählt, welches vom älteren Bruder belehrt, nicht mehr glauben soll, daß es das Christkindlein und nicht der Laden sei, woher die schönen Gaben stammen. Und dergleichen merkwürdige Conflicte mehr. Brauchen wir solche Harmlosigkeiten erst in Büchern "gedruckt in diesem Jahre" aufzusuchen?

Der Sturm der Oeffentlichkeit entblättert die leicht gewundenen Kränze, die den stillen Raum des Hauses zierlich geschmückt haben mögen; und es thut dem Freunde der Poesie weh, gerade aus Liebe zu ihr das Organ des kritischen Zerstörens sein zu müssen. Statt darum auf schreiende Mängel der Form hinzuweisen, auf Gedankenlosigkeiten, wie wenn dem erwarteten Lenz mit Blumen entgegengezogen wird, die er doch erst hervorzubringen hat; statt das Einzelne zu zerpflücken, das doch nicht schlimmer ist als tausend und aber tausend lyrische Sammlungen, ist es minder schmerzlich, das einzelne Beispiel typisch zu nehmen und allgemeine Betrachtungen, die vielleicht nützen können, daran zu knüpfen.

Das Mittelmäßige ist in keiner Kunst gänzlich zu verachten und zu verwerfen, ausgenommen in der Lyrik. In den übrigen Künsten, selbst in den übrigen Gattungen der Dichtkunst, dient es dazu, die großen Zwischenräume im Auftauchen einzelner Genies soweit auszufüllen, daß der Sinn für die Kunst überhaupt dazwischen nicht ganz verloren gehe. Wollten Drama, Roman, Musik, Malerei [287] u.s.w. mit ihren Hervorbringungen so lange warten, bis ein Genie dafür auftaucht, so fände auch dieses dann nicht mehr die ihm zur Wirkung im Volke nöthige Empfänglichkeit noch lebendig vor.

In diesen Künsten erfordert aber auch schon das blos Anmuthige, das Gefällige, das Mittelmaß, einen Grad von Technik, der nur schwer und mühsam zu erwerben ist. Und da alle Kunst etymologisch wie sachlich vom Können herstammt, so macht hier das nur geschickt Gearbeitete schon nahezu einen künstlerischen Eindruck, der gerade hinreicht, den Sinn für die Kunst überhaupt rege zu erhalten.

In der Lyrik fällt die Schwierigkeit des Technischen so ziemlich ganz hinweg. Wesentlich vorausgestaltet liegt es schon in der "gebildeten Sprache, die für Dich dichtet und denkt". Nur das Genie hat mit ihr zu ringen, weil es immer fürchtet, daß ihm sein Bestes und Tiefstes unausgesprochen im Busen zurückbleibt. Die gewöhnliche Lyrik trifft das Technische ohne Schwierigkeit, macht daher nicht den Eindruck des Könnens und kann folglich keineswegs gleich dem Mittelmäßigen in anderen Künsten dazu dienen, den geistigen Antheil der Menge an der bestimmten Kunstgattung wach zu erhalten. Im Gegentheil! Der so mühelos und deßhalb jährlich in fabelhaften Massen producirte Singsang hat die Empfänglichkeit abgestumpft, eine grenzenlose Abneigung gegen Lyrik erzeugt. Und als ob die Masse gedankenloser Sammlungen nicht hinreichen würde, der Lyrik Verderben zu bereiten, kömmt eine Masse gedankenloser Kritik hinzu, die nach der Schablone lobt, und wo noch naive Gemüther übrig sind, die sich davon täuschen lassen, und deßhalb in die angepriesenen Gedichte sich versenken, auch diese letzten Empfänglichen enttäuschen und der Lyrik abwendig machen.

Man sehe sich doch einmal die gewöhnlichen Kritiker der Tagesblätter über lyrische Produktion, die den Verlegern oder Autoren gefälligen Notizen etwas genauer an. Verrathen nicht Geist und Ton, daß die oben erwähnte Eignung zum Kritiker über Lyrik gänzlich fehlt? In abgebrauchten Lobesphrasen spricht offenbar kein Mann, der, für Lyrik begeistert, einen unentbehrlichen Lebensgenuß in ihr fände und neue Erscheinungen freiwillig aufsuchte. Ach, er seufzt darüber, daß sie ihm ungebeten auf den Büchertisch kommen und fertigt sie so flüchtig als möglich ab, was am bequemsten, weil ohne Furcht, den Widerspruch der Betheiligten zu erfahren, durch Gemeinplätze des Lobes geschieht.

Gleichwohl bleibt der Widerspruch nicht aus. Nur ist er ein stummer, latenter; er manifestirt sich blos als Ekel oder Gleichgültigkeit des so oft irre geführten Publikums. Auf diese Weise droht eine der beiden höchsten Glorien deutscher Cultur zu erbleichen, die bisher durch ihre Philosophie und ihre Lyrik anderen Nationen voranleuchtete.

In neuester Zeit hat sich die innige Verwandtschaft zwischen beiden Gemüths- und Geistesthätigkeiten erkennbarer als jemals an den Tag gebracht. Vielleicht ist das neuerwachte schwesterliche Gefühl für die Philosophie die Rettung der Lyrik, was ich an einigen der neuesten lyrischen Erscheinungen zu demonstriren mir vorbehalte.

 

 

[355] II.

Lyrik und Philosophie. – Bodenstedt und der Pessimismus. – Reflexion und Poesie. – Georg von Oertzen.

 

Mit der dem Geschlechte eigenen Vorliebe, zu thun, was sich nicht lohnt, produciren die Frauen heutzutage so viele Lyrik. Dies wiederhole ich zur Berichtigung des Setzers, der im ersten Theil dieser Meditationen die Frauen thun läßt, was sich lohnt. Ach, dies wäre eine unverdiente Entweihung des Geschlechtes und eine unverdiente Apotheose des Schicksals, das der Lyrik blüht. Diese hat vielmehr nicht blos nach dem fatalistischen Zug geistiger Entwicklung, sondern auch aus praktischen Gründen, weil sie am wenigsten sich lohnt, alle Ursache bei der Philosophie Trost zu suchen. (Mit Ausnahme! D.R.)

So führt mich der Irrthum des Setzers indirekt zum Schluß der vorigen Betrachtung zurück, welcher in dem neuerwachten Gefühl der Lyrik für Philosophie eine Rettung der ersteren begrüßen zu dürfen glaubte. Wollte ich beim weiteren Ausspinnen dieser Ansicht auf dem angedeuteten praktischen Wege bleiben, so würde sie schon durch den Umstand bestätigt, daß die wenigen erfolgreichen, die glücklichen Lyriker, Unkenntniß, wenn nicht Verachtung, der Philosophie an den Tag legen – sie brauchen sie nicht.

Friedrich Bodenstedt ist ein erfolgreicher, ein glücklicher Lyriker, und so oft sein Name aus meiner Feder kommt, widersteht sie kaum, ihm eine Pauke erhabenen Ruhmes zu schlagen. In der That, Erfolg und Glück haben sich hier einmal ausnahmsweise demjenigen zu Füßen gelegt, der sie verdient, so daß des Dichters Geschick etwas von der Poesie und dem Charakter seiner Verse hat, indem es gleich diesen ergreift und erfreut. "Alle Schuld rächt sich", aber nicht alles Verdienst lohnt sich auf Erden, und einen mit Recht Glücklichen zu sehen, muß beglücken. Denn es gehört zu den höchst selten vorkommenden Schönheiten dieser Welt und kann mit ihr versöhnen.

Der Teufel muß aber auch dort sein Spiel haben, wo er es bereits verloren hat: selbst das gerechte Glück wirft noch immer ungerechten Schatten auf dasjenige, was ihm entgegensteht. Ernst Eckstein hat in einem Essay, den er im "Salon" von Franz Hirsch veröffentlichte, dem Dichter des "Mirza Schaffy" das Ungehörige, ja zum Theil geradezu Irrationelle seiner gegen die Philosophie unserer Epoche gerichteten Epigramme dargelegt. Da aber die Kritiker – auch mitunter der verbreitetsten Blätter – nicht nur das Buch nicht lesen, das sie besprechen, sondern nicht einmal vorhergegangene Besprechungen desselben Buches, die auf wirklicher Kenntniß des Gegenstandes beruhen, und überhaupt für das Studium der Materie, über die sie sich auslassen, viel zu erhabene Leute sind, die Alles induktiv auf den ersten Blick "weghaben", so hat sich ungeachtet des Eckstein'schen Nachweises, der den Irrthum sogleich hätte ausrotten sollen, das Lob der antiphilosophischen Epigramme Bodenstedt's mit der Hartnäckigkeit des Gemeinplatzes weiter behauptet. Des Kicherns und der Bewunderung ist namentlich kein Ende bei den mit "Tages-Philosophie" überschriebenen Aperçus, deren Sinn sich in die Worte zusammenfassen läßt: Warum, Ihr Welthasser, welche Ihr der Welt Recht und Vernunft, zu existiren, abschneidet, zögert Ihr, Euch gleich selbst den Hals abzuschneiden? Die Welt hätte ja nichts an Euch verloren (als ob es den Pessimisten darum zu thun sein könnte, dies zu [356] verhindern!) und wenn das Leben in der Welt nicht auszuhalten ist, warum lebt Ihr in der Welt? Werft Euch ins Wasser!

In diesem Sinne spöttelt Bodenstedt, und die kritischen Flachköpfe grinsen zu diesem unbedachten Hohne unausgesetzt ihren Beifall.

Bei der Hartnäckigkeit, mit der dies geschieht, wird es mir gestattet sein, auf meine gelegentlich schon einmal gegebene Widerlegung zurück zu kommen. Zunächst ist Bodenstedt nicht berechtigt, seine Epigramme gegen den Pessimismus als gegen eine "Tages-Philosophie" zu richten. Denn erstens ist der Pessimismus kein Geschöpf des Tages, zweitens ist er an und für sich noch keine Philosophie. Es giebt zwar eine Metaphysik, aus der sich pessimistische Consequenzen ziehen lassen; allein ein Irrthum wäre es, zu glauben, daß jemals der Pessimismus selbst zu einem philosophischen System ausgebildet worden wäre. Die Grundlagen, Prämissen und Resultate eines solchen haben mit dem Wohl- oder Uebelbefinden in dieser Welt, mit der Anschauung, daß sie die beste oder die schlechteste aller möglichen Welten sei, nicht das Geringste zu thun. Wer naturgeschichtlich erklärt, unter welchen Bedingungen und durch welche Mittel ein Baum zu seinen Früchten gekommen sei, der überläßt es dem subjektiven Geschmack jedes Einzelnen, diese Früchte süß oder bitter zu finden, ohne sich weiter wissenschaftlich darum zu kümmern. Nicht anders verhält sich die Philosophie zu ihrer Erklärung, wodurch die Welt lebt und Ergebnisse trägt. Man darf ihr nicht den Vorwurf machen, den Pessimismus als Philosophie proklamirt zu haben; man darf sie in diesem Sinne nicht Tages-Philosophie nennen. Der Pessimismus ist an sich noch keine Philosophie, wie der Ekel, den eine Speise erregt, an sich noch keine Kenntniß von der Beschaffenheit dieser Speise ist. Es giebt eine unermeßliche Anzahl von Pessimisten, denen es niemals im Traum einfiel, sich deßhalb für Philosophen zu halten.

Wenn nun Bodenstedt unter dem beifälligen Gelächter der Nichtdenkenden Denjenigen, welche Ursache haben, die Existenz zu beklagen und die Welt für die schlechtestmögliche zu halten, den höhnischen Rath giebt, sich ins Wasser zu stürzen, so können sie einfach erwidern, daß sie dazu allzusehr im Elend des Daseins stecken. Zu diesem gehört die Todesangst; – in einer trüben Weltauffassung aber liegt nicht auch schon die Befähigung, die Natur zu überwinden. Den Tod zu fürchten ist eines von den animalischen Gesetzen des Bewußtseins, und der gute Rath Bodenstedt's giebt den Pessimisten keineswegs auch die Mittel an die Hand, sich den thierischen Bedingungen der Existenz zu entziehen, denen sie wie alle anderen Geschöpfe unterworfen sind.

Das ist die einfache, wenn auch nur physiologische Widerlegung des oberflächlichen Witzes. Noch viel weniger könnte er vor der metaphysischen oder auch nur vor der ethischen Entgegnung bestehen bleiben. Jene sagt ihm, daß bei der Einheit alles Existirenden das Elend des Einzelnen nicht mit diesem verschwindet, sondern in allen Wesen, die zum Dasein berufen sind, sich fortsetzt; die sittliche Entgegnung aber weist auf die Pflichten hin, welche, wenn auch vielleicht gerade sie es sind, die den Druck des Lebensunglücks am schwersten machen, deßhalb nur um so weniger ermöglichen, sich ihnen durch die Flucht aus dem Leben zu entziehen.

Wie weit einige Gedichte Bodenstedt's an der Kant'schen Philosophie durch völliges Nichtverstehen ihrer Prämissen und Conclusionen sich versündigt, hat zum Theil Eckstein nachgewiesen, und will ich hier nicht weiter erörtern, weil das Gesagte genügt, um zu zeigen, daß wie im Leben auch in der Lyrik die Hinneigung zur Philosophie zunächst nicht bei den glücklichen und erfolgreichen Dichtern zu suchen sei.

Lyrik ist allerdings nicht mehr, wenn sie reflektirt; und die Betrachtung, welche aus der Erwägung hervorgeht, die Gedanken, in denen sich ein langes Nachdenken zuletzt krystallisirt – wie sie [357] den Philosophen auf die höchste Höhe des Gelingens tragen, stürzen sie den Lyriker in den Abgrund des Unwerthes hinab. Lyrik und Philosophie sind zugleich zärtliche Schwestern und feindselig sich vernichtende Gegner; jenes in der Wirkung auf das Gemüth, in der Erhebung der Seele; dieses im Wahn, ihre Arbeit, ihren Beruf vertauschen zu können. Was den gegebenen Objekten der Welt, dem Leben, mittelst der philosophischen Reflexion logisch abzugewinnen ist, das kömmt diesen Objekten selbst zu gut; es lehrt, sie gründlicher erkennen, sie tiefer verstehen. Dem Lyriker ist im voraus Nichts gegeben als die Fähigkeit der Empfindung. Sein Lied ist das Neuerschaffen der Objekte, die er besingt; sie sind für ihn nur als seine Stimmungen, für die Hörer nur als die in ihnen erweckten vorhanden. Wenn gleichwohl das Endergebniß, die letzte Wirkung dieselbe ist, ein betrachtendes Schweben über den Objekten der Welt, so gelangte der Philosoph nur so langsam auf die Höhe, wie im Mittelalter ein frommer Pilger nach Rom, nämlich zwei Schritte vorwärts und einen zurück, während den Lyriker ein überirdischer Schwung emportrug; jener steht aber auf der goldenen Säule der Wissenschaft, dieser erhält sich aus sich selbst frei in den Lüften. In orientalischer Form drücken dies die folgenden Zeilen aus:

Die Lerche sah ich hoch im Blau auf grauen Schwingen schweben,
Im Käfig bunte Papagein auf goldnen Ringen schweben.
So kann beschwingter Geist im Blau und auch im Ring der Erde
Betrachtend über Raum und Zeit und allen Dingen schweben.

Der Wahrheit gegenüber, daß der Lyriker nicht an schon fertige Objekte reflektirend herantritt, sondern sie erst hervorbringt, indem sie für ihn nur so weit als und in der Art wie er sie empfindet, vorhanden sind, kann nur eine Verworrenheit, die mit sich selbst schön thut, die Religion zur nothwendigen Grundlage dichterischen Schaffens machen wollen. Die Religionen überliefern uns mit ihren Offenbarungen, Vorstellungen und Fabeln fertige Objekte. Mit einem im Voraus gegebenen feststehenden Gotte hat der Dichter Nichts zu schaffen, weil er Nichts mehr an ihm zu erschaffen hat.

Von den beiden Polen der Lyrik, Freudigkeit und Schmerz, macht sich nun der letztere in unserer Zeit auffallend geltend. Ob dies in einem Gesetz der Weltentwicklung begründet sei oder in einem zufälligen Mangel an Talenten für den Ausdruck der naiven und unbefangenen Freudigkeit, wäre eine lange und vielleicht fruchtlose Untersuchung. Das Lied vom Liebes- und Naturgenuß hat aber einen Inhalt, dem sich Jedermann gerne zuneigt, dem Jedermanns Mitempfindung sicher ist, während das Lied, das die dem Genuß entgegengesetzten Gefühle ausdrückt, um nicht abstoßend zu wirken, eine Rechtfertigung seines Daseins bedarf. Diese kann nur in der Erweiterung des persönlichen Schmerzes zum allgemeinen, also zum Weltschmerz liegen, in der erweckten Ueberzeugung, daß, was hier der Einzelne beklagt, die Grundbedingung des Lebens überhaupt sei; weil nur auf diesem, dem lyrischen Ausdruck des Schmerzes, die Mitempfindung Aller gesichert ist.

Der Lyriker, der dies aus Berechnung äußern Erfolges thäte, hätte aufgehört Poet zu sein, sich also jedenfalls verrechnet. Vom Ernst der Zeit aber werden Dichter häufiger als sonst zu jener Erweiterung des Persönlichen hingerissen; ihre Empfindungsfähigkeit kann sich nur Genüge thun, wenn das Objekt, das sie sich nach ihrem Traum und ihrem Sinn erschafft, die Welt selbst ist.

Aus den neuen Publikationen contemplativer Lyrik hebe ich zuerst "Reime eines Verschollenen" von Georg von Oertzen hervor, weil sie den negativen Beweis liefern, daß Reflexion und spontane, ursprüngliche Poesie getrennte Wege gehen. Allerdings liefert das in diesem Jahre bei Breitkopf und Härtel in Leizpig erschienene, in stattlicher Gestalt sich präsentirende Buch auch einen positiven Beweis: daß auch geistreiche Poesie in Reimen nicht zu unterschätzen sei. Sinnsprüche, Epigramme, Parabeln, manche heitere Stelle, auf die sogar der [358] Humor einen Abglanz seines sonnigen Lächelns fallen läßt, überzeugen hier wieder einmal, daß der deutsche Geist zu einer weisen Lebensbetrachtung und zum sinnigen Ausdruck derselben besonders geeignet und befähigt ist. Somit könnte es den Anschein haben, daß der Tadel, der sich unabweisbar aufdrängt, nur aus der Unsitte einer mangelhaften Kritik hervorgehe, an den behandelten Gegenstand einen Maßstab zu legen, der nicht von dem Gegenstande selbst geboten, sondern aus anderen Werken genommen wird, denen nachzueifern, mit denen verglichen zu werden, gar nicht in der Intention des beurtheilten Autors lag. In der That, hätte Georg von Oertzen die oben erwähnten Einfälle und Aperçus, an welchen er so reich ist, zu einer in diesem Sinne sich gestaltenden Sammlung aneinander gereiht – kein gewissenhafter Kritiker dürfte an ein so schlichtes, dankenswerthes Buch die Ansprüche stellen, welche echte contemplative Lyrik zu befriedigen hat, obgleich auch ein Buch in der angedeuteten Zusammenstellung vielfach das Gebiet der höchsten Fragen streifen müßte.

Allein die "Reime eines Verschollenen" machen größere Prätentionen. Schon die in Prosa gegebene Einleitung "statt einer Vorrede" tritt pathetisch und vielversprechend auf. Man wird auf die Weltüberwindung eines Mannes vorbereitet, der sich aus Gram über die Beschaffenheit der irdischen Dinge ihrer ferneren Einwirkung und dem Anblick der Menschen möglichst entzog. Noch stärker wird diese Erwartung genährt und erhöht durch das auf die Prosa folgende Gedicht "Der Verschollene", das zudem in einem unbegreiflichen äußeren Widerspruch mit einer Stelle der Einleitung steht.

Was ist nun einer also gespannten Erwartung zu finden vorbehalten? Sie richtete die Augen auf eine gen Himmel geballte Faust eines neuen Prometheus – und findet die ablehnende Handbewegung eines Verdrießlichen, eines vom leeren Treiben der Salon-Menschen und ihrem geringen Verstande Gelangweilten.

Außerdem sind Liebesgedichte in dem Buch enthalten, die mit dem übrigen Inhalt desselben nicht im Einklang stehen und obendrein nicht nach dem Geschmack Derjenigen sein können, welche von den herrlichen Blüthen bisheriger deutscher Liebeslyrik verwöhnt sind. Es scheint, daß sich die verschiedenartigsten Produktionen des Verfassers bon gré mal gré in dasselbe Buch sperren lassen mußten. Ist nun Jemand in dieser Zeit, die schon zum einfachen Lesen der Bücher so schwer zu bringen ist, ausnahmsweise geneigt, aus einem Buche erst das Lesenswerthe hervor zu suchen, so sind ihm "Reime eines Verschollenen" wohl zu empfehlen. Denn sie enthalten, wie bemerkt, manches Ansprechende, Heitere und Geistreiche.

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Deutsche Dichterhalle.
1877:
Nr. 17, S. 283-287
Nr. 21, S. 355-358. [PDF]

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien). Zwei Druckfehler wurden korrigiert (S. 283, 284).

 

 

Zeitschriften-Repertorien

 

 

Literatur

Blumesberger, Susanne u.a. (Red.): Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Bd. 2. München 2002.  –  Nr. 6543 (S. 865-866): Art. Lorm.

Brandmeyer, Rudolf: Poetiken der Lyrik: Von der Normpoetik zur Autorenpoetik. In: Handbuch Lyrik. Theorie, Analyse, Geschichte. Hrsg. von Dieter Lamping. Stuttgart u.a. 2011, S. 1-14.

Bruck, Oliver: Die Gartenlaube für Österreich. Vom Scheitern des Projekts einer österreichischen Zeitschrift nach Königgrätz. In: Literarisches Leben in Österreich 1848 – 1890. Hrsg. von Klaus Amann. Wien u.a. 2000 (= Literaturgeschichte in Studien und Quellen, 1), S. 359-394.

Bucher, Max u.a. (Hrsg.): Realismus und Gründerzeit. Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur 1848 – 1880. 2 Bde. Stuttgart 1981.

Cirać, Fabio u.a. (Hrsg.): Schopenhauer und die Schopenhauer-Schule. Würzburg 2009 (= Beiträge zur Philosophie Schopenhauers, 7).

Farin, Michael: Art. Lorm, Hieronymus, eigentl.: Heinrich Landesmann. In: Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes. Hrsg. von Wilhelm Kühlmann. Bd. 7. Berlin u.a. 2010, S. 517.

Fohrmann, Jürgen: Lyrik. In: Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hrsg. von Edward McInnes u.a. München u.a. 1996 (= Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Bd. 6), S. 394-461.

Giebisch, Hans / Gugitz, Gustav: Bio-bibliographisches Literaturlexikon Österreichs. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2. Aufl. Wien 1985.  –  S. 222: Art. Landesmann, Heinrich (Ps. Hieronymus Lorm).

Häntzschel, Günter: "In zarte Frauenhand. Aus Schätzen der Dichtkunst". Zur Trivialisierung der Lyrik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 99 (1980), S. 199-226).

Häntzschel, Günter (Hrsg.): Bildung und Kultur bürgerlicher Frauen 1850 – 1918. Eine Quellendokumentation aus Anstandsbüchern und Lebenshilfen für Mädchen und Frauen als Beitrag zur weiblichen literarischen Sozialisation. Tübingen 1986 (= Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur, 15).

Häntzschel, Günter: Die deutschsprachigen Lyrikanthologien 1840 bis 1914. Sozialgeschichte der Lyrik des 19. Jahrhunderts. Wiesbaden 1997 (= Buchwissenschaftliche Beiträge aus dem Deutschen Bucharchiv München, 58).

Hanus, Valerie: Art. Landesmann Heinrich, Ps. Hieronymus Lorm. In: Österreichisches biographisches Lexikon 1815 – 1950. Bd. 4. 2. Aufl. Wien 1993, S. 428-429.

Kramer, Annett: Kultur der Verneinung. Negatives Denken in Literatur und Philosophie des 19. Jahrhunderts. Frankfurt a.M. 2006 (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 1, 1929).   –   Vgl. S. 177-192.



Lorm, Hieronymus: Gedichte. Hamburg u. Leipzig: Richter 1870.
URL: http://catalog.hathitrust.org/Record/009013655

[Lorm, Hieronymus]: Philosophisch-kritische Streifzüge von Heinrich Landsmann (H. Lorm.). Berlin: Mitscher & Roestell 1873.  –  Aufsatzsammlung; ohne bibliographische Angaben zur Erstpublikation der einzelnen Aufsätze.
URL: https://archive.org/details/philosophischkr00lormgoog
URL: http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb11158914.html

Lorm, Hieronymus: Geflügelte Stunden. Leben. Kritik. Dichtung. 3 Bde. Leipzig: Hartknoch 1875.  –  Bd. 1: Die Märchen der Gegenwart. Skizzen aus Zeit und Leben; Bd. 2: Diogenes im Tintenfass. Studien und Essays; Bd. 3: Novellen und Scenen.

Lorm, Hieronymus: Contemplative Lyrik. In: Hieronymus Lorm: Geflügelte Stunden. Leben. Kritik. Dichtung. Bd. 2: Diogenes im Tintenfass. Studien und Essays. Leipzig: Hartknoch 1875, S. 1-20. [PDF]

Lorm, Hieronymus: Künstlers Erdenwallen. In: Deutsche Dichterhalle. 1876: Nr. 19, S. 315-318; Nr. 22, S. 367-369. [PDF]  –  Entgegnung auf: Moritz Carrière: Wir brauchen eine Kunst, bei welcher uns wohl wird. In: Deutsche Dichterhalle. 1876: Nr. 14, S. 229-232; Nr. 17, S. 275-281; Nr. 24, S. 406-409. [PDF]

Lorm, Hieronymus: Meditationen über Lyrik. In: Deutsche Dichterhalle. 1877: Nr. 17, S. 283-287; Nr. 21, S. 355-358. [PDF]

Lorm, Hieronymus: Nestroy. Ein Culturbild. In: Die Gegenwart. Wochenschrift für Literatur, Kunst und öffentliches Leben. Bd. 15, 1879, Nr. 26, 28. Juni, S. 409-411. [PDF]

Lorm, Hieronymus: Gedichte. Gesammt-Ausgabe. Dresden: Pierson 1880.
URL: https://archive.org/details/gedichtevonhier00landgoog

Lorm, Hieronymus: Ausgewählte Briefe. Eingeleitet und herausgegeben von Ernst Friedegg. Berlin: Siegismund 1912.  –  Briefe 1845 – 1888.

Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Bd. 16. München: Saur 2008.
S. 162-173: Art. Lorm.

Stock, Karl F. / Heilinger, Rudolf / Stock, Marylène: Personalbibliographien österreichischer Dichterinnen und Dichter. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bd. 2. 2. Aufl. München: Saur 2002.
S. 1061-1062: Lorm.

Jacob, Herbert (Bearb.): Deutsches Schriftstellerlexikon 1830 – 1880. Bd. L. Berlin: Akademie Verlag 2009.
S. 52-64: Art. Landesmann (Pseud. Lorm).



Martini, Fritz: Deutsche Literatur im bürgerlichen Realismus 1848 – 1898. 3. Aufl. Stuttgart 1974.   –   Vgl. S. 330-331.

Pott, Sandra: Poetologische Reflexion. Lyrik als Gattung in poetologischer Lyrik, Poetik und Ästhetik des 19. Jahrhunderts. In: Lyrik im 19. Jahrhundert. Gattungspoetik als Reflexionsmedium der Kultur. Hrsg. von Steffen Martus u.a. Bern u.a. 2005 (= Publikationen zur Zeitschrift für Germanistik, 11), S. 31-59.

Rosenstein, Doris: Zur Literaturkritik in deutschsprachigen Zeitschriften zwischen 1870/71 und 1881/82. In: Deutschsprachige Literaturkritik 1870 – 1914. Eine Dokumentation. Hrsg. von Helmut Kreuzer. T. 1: 1870 – 1889. Frankfurt a.M. 2006, S. 5-26.

Rossbacher, Karlheinz: Literatur und Liberalismus. Zur Kultur der Ringstrassenzeit in Wien. Wien 1992.

Sprengel, Peter: Darwin oder Schopenhauer? Fortschrittspessimismus und Pessimismus-Kritik in der österreichischen Literatur (Anzengruber, Kürnberger, Sacher-Masoch, Hamerling). In: Literarisches Leben in Österreich 1848 – 1890. Hrsg. von Klaus Amann. Wien u.a. 2000 (= Literaturgeschichte in Studien und Quellen, 1), S. 60-93.

Straub, Julian: Hieronymus Lorm (Heinrich Landesmann). Biographie, Grundloser Optimismus, Prosa. München 1960.

Vesely, Jirí: Hieronymus Lorm und Adalbert Stifter. In: Mährische deutschsprachige Literatur. Eine Bestandsaufnahme. Beiträge der internationalen Konferenz Olmütz, 25.-28. 4. 1999. Hrsg. von Ingeborg Fialová-Fürstová. Olomouc 1999, S. 94-102.

 

 

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Lyriktheorie » R. Brandmeyer