Sommersemester 2012
Guy Helminger
18. bis 22. Juni 2012
Sprachanatomie
Sprache ist überall. Braucht man sich also nur zu bücken und kann mit einem Gedicht aufwarten?
Ich selbst bringe meine Funde immer in meinen Anatomieraum. Dort steht eine Tastatur, mit der ich Skalpelle von unterschiedlicher Größe bediene, daneben liegen Nadel, Nähfaden und Verband. Die Körperteile, Sehnen, Synapsen, die sich zeigen, sind von eigentümlicher Schönheit, manchmal kleben an ihnen Pläne, Fotografien, manchmal sind da dunkle Flecken, die sich nicht aufhellen lassen. Und manchmal schneide ich mich selbst, weil ich nicht zwischen Fremdkörper und eigenem Leib unterscheiden will. Laut wird es dabei, weil Sprache immer laut ist. Und natürlich sind diese Textkörper imstande zu lachen, aber bevor wir uns verbrüdern können, schiebe ich sie zurück in die Welt. Dort hängen und atmen sie wie Gespenstschrecken an den Wortstämmen, und viele Menschen gehen vorbei und halten sie für Blattwerk. Denn diese Verspräparate zappeln nicht ständig, rennen nicht herum, wiegen sich vielmehr wie ein Strauch im Wind, sich tarnend, wissend, die Literatur hat viele Feinde, man muß sie vor den Lesern schützen.
Poetikvorlesungen
Gedichtlappen. Lyrik und der dunkle Rest.
Montag, 18.06., 16:30 Uhr, Bibliothekssaal
Verweilen, bis es weh tut. Literatur und ihre Langsamkeit
Dienstag, 19.06., 16:30 Uhr, Bibliothekssaal
ICH! Und ist da noch wer? Die Biographie als Basis von Literatur
Mittwoch, 20.06., 16:30 Uhr, Bibliothekssaal
Schreibwerkstatt
Dienstag, 19.06., 10-13 Uhr, Casino
Mittwoch, 20.06.; 10-13 Uhr, Casino
Donnerstag, 21.06.; 10-13 Uhr, Casino
Präsentation der Ergebnisse der Schreibwerkstatt
Donnerstag, 21.06., 16:30 Uhr, Casino
Öffentliche Lesung
Mittwoch, 20.06., 20:00 Uhr, Stadtbibliothek Essen
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Wintersemester 2012/13
Reinhard Jirgl
Mitte November

