Verbesserung immunologischer Behandlungsmöglichkeiten
Antikörper gegen Krebs
[11.11.2010] Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Vor allem bei älteren Menschen findet sich in den letzten Jahrzehnten mit der gesteigerten Lebenserwartung eine deutliche Zunahme an Tumorerkrankungen. Die Behandlungsmöglichkeiten für Krebserkrankungen umfassen Chirurgie, Strahlentherapie und Chemotherapie. In den letzten Jahren konnte dieses Arsenal durch die erfolgreiche Einführung sogenannter zielgerichteter Tumormedikamente wie z.B. monoklonale Antikörper [
] erweitert werden. Am Westdeutschen Tumorzentrum des Universitätsklinikums Essen durchgeführte Behandlungsstudien haben hierzu wesentlich beigetragen.
Antikörper sind Eiweißstoffe der körpereigenen Immunabwehr, die bestimmt Strukturen auf der Oberfläche von Bakterien, aber auch kranker oder gesunder Zellen markieren und somit deren Zerstörung durch das Immunsystem einleiten oder das Zellwachstum hemmen. Monoklonale Antikörper wurden bislang durch Impfung von Mäusen und ein spezielles Zellverfahren hergestellt; sie erkennen jeweils eine bestimmte Zielstruktur auf der Zelloberfläche. Heutzutage können monoklonale Antikörper durch gentechnologische Verfahren so produziert werden, dass sie von eigenen Antikörpern des menschlichen Immunsystems nicht mehr als fremd unterschieden und somit dem Patienten weitgehend nebenwirkungsfrei verabreicht werden können. Dieser medizinische Fortschritt hat die Behandlung von Patienten mit verschiedenen Tumorerkrankungen, wie Lungen-, Brust-, Darmkrebs oder malignen Lymphomen, wirksamer und verträglicher gemacht.
Leider ist es aber immer noch so, dass eine große Gruppe von Krebspatienten nicht wie erhofft auf Antikörperbehandlungen anspricht. In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung mit 220.000 EUR geförderten Forschungsprojekt versucht die Arbeitgruppe um Professor Dr. Martin Schuler an der Inneren Klinik (Tumorforschung) des Universitätsklinikums Essen das Versagen oder den Wirkungsverlust von Antikörpertherapien zu vermeiden. Mit Hilfe neuer Verfahren haben die Forscher eine Reihe von "Kandidaten" gefunden, die für die Unempfindlichkeit von Krebszellen gegenüber Antikörpern verantwortlich sein können. In verschiedenen Versuchen wurden Strategien entwickelt, wie man durch gezielte Behandlungen diese Resistenz überwinden kann. Ferner wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pathologie und Neuropathologie des Universitätsklinikums Essen anhand vorhandener Tumorproben untersucht, ob diese "Kandidaten" das Therapieansprechen und den Krankheitsverlauf der jeweiligen Patienten vorhersagen können.
Ziel dieses umfassenden Forschungsprojektes ist, mit den im Laborexperiment und in den Untersuchungen an vorhandenen Tumorproben entwickelten neuen Behandlungsverfahren zukünftig zunächst im Rahmen wissenschaftlicher Behandlungsstudien am Westdeutschen Tumorzentrum die Behandlungsmöglichkeiten für Krebspatienten zu verbessern.
Weitere Informationen: Prof. Dr. Martin Schuler, Tel.: 0201 – 723 2000, Homepage Tumorforschung:
