Johann Joachim Eschenburg

 

 

Entwurf einer Theorie und Literatur
der schönen Wissenschaften

 

Von der Poesie überhaupt
Die lyrische Poesie

Editionsbericht
Literatur

 

Einleitung.
Von der Poesie überhaupt.

 

1.

Poesie ist sinnlich vollkommene Darstellung vermittelst der Rede, wodurch entweder sinnliche Gegenstände, oder Gedanken, oder Empfindungen, oder Handlungen, ausgedrückt, nachgeahmt, beschrieben, und in der Einbildungskraft des Hörers oder Lesers mit der lebhaftesten Stärke rege gemacht werden. Ein Gedicht ist folglich eine Rede, welche den Vorstellungen, die sie bezeichnet, den höchsten und zweckmäßigsten Grad sinlicher Kraft ertheilt. Dichtkunst bedeutet oft so viel, als Poesie im wissenschaftlichen Sinn; oft die poetische Fertigkeit; oft auch den Inbegrif dichterischer Vorschriften, oder die Poetik.

Ueber die Etymologie der Wörter Poet und Poesie s. Vossius, de artis poet. nat. et constitut. Cap. 1. 2. – Vergl. A. G. Baumgarten, Diss. de poesi et poemate, worin zuerst die hernach von so vielen angenommene und nur zufällig abgeänderte Erklärung befindlich war: "Poema est oratio sensitiva perfecta" – S. auch Schlegels Batteux, Th. II. Abh. VI. Vom höchsten Grundsatze in der Poesie. Vergl. Meiner's Revision der Philosophie, S. 300.

 

2.

In diesen Bestimmungen liegt also das wahre Wesen der Poesie; nicht in ihren einzelnen oder nur zufälligen Bestandtheilen, die entweder schon in wesentlichen Bestimmungen ent[36]halten, oder mit ihnen zu einem gemeinschaftlichen Zwecke verbunden sind. Nicht im Sylbenmaaß, nicht im Reim, nicht in der Auswahl und Besonderheit des Ausdrucks, nicht in der Erdichtung, nicht in der Begeisterung, auch nicht in der Nachahmung, noch in der Sprache der Leidenschaften, ist das Wesen der Poesie zu suchen; weil alle diese Eigenschaften entweder nur Verschönerungen der Poesie und Verstärkungen ihrer sinnlichen Kraft, oder doch nicht überall und allemal da befindlich sind, wo doch wahre Poesie ist.

 

3.

Poesie wird gemeiniglich der Prose entgegengesetzt; und ihr Unterschied liegt nicht bloß in der Form und äussern Einkleidung, in so fern jene gebundene, diese hingegen ungebundene Rede ist; auch nicht bloß in der Verschiedenheit des Ausdrucks, des Wortgebrauchs und der Redeverbindung; sondern vornehmlich in dem jeden eigenthümlichen Zwecke. Dieser ist bey der Poesie die mögliche Sinnlichkeit und Lebhaftigkeit der Vorstellungen, und die Unterhaltung der Phantasie durch dieselben; bey der Prose aber die Klarheit, Bestimmtheit, Richtigkeit und Gründlichkeit der Vorstellungen, und die dadurch zu bewirkende Ueberzeugung des Verstandes und Lenkung des Willens.

              For Eloquence the Soul, song charms the sense.
                                                                    Milton, P. L. II. 556.

 

4.

Poetischer Stof ist daher jeder Gegenstand, welcher der sinnlich vollkommenen Darstellung durch die Rede fähig ist. Dieser Stof liegt also hauptsächlich im Sinnlichen; doch kann auch das Geistige und Allgemeine, in so fern es sich versinnlichen, und für Einbildungskraft und Empfindung bearbeiten läst, zum poetischen Stof umgebildet werden. Ueberhaupt beschäftigt sich also die Poesie mit Darstellung, Beschreibung, [37] Nachahmung und Ausdruck wirklicher oder erdichteter Gegenstände, Begebenheit, Handlungen oder Gesinnungen, deren stufenweise Entstehung, Wachsthum und Abnahme sie zu schildern vermag. Bey dem allen hat sie Täuschung zur Absicht, vermöge welcher man die abwesenden Gegenstände so lebhaft wie vorhandne empfindet, sie für wirklich nimmt, und seinen gegenwärtigen äussern Zustand dabey vergißt.

 

5.

Zur poetischen Behandlung eines solchen Stofs wird der Dichter theils durch die lebhaftern Vorstellungen und Empfindungen veranlaßt, die der Gegenstand bey ihm hervorbringt, theils durch das Bestreben, diese seine lebhaften Vorstellungen und Empfindungen, vermittelst seines Gedichts, auch andern mitzutheilen. In dieser Absicht ertheilt er diesem Gedichte den möglichst vollkommnen und zweckmässigen Grad von Sinnlichkeit, Neuheit, Abwechselung und Nachdruck; die Gegenstände werden durch die bey ihrer Darstellung geschäftige Phantasie gehoben und verschönert; und so kann, durch Hülfe der poetischen Behandlung, oft ein an sich wenig beträchtlicher Gegenstand sehr viel Reiz und Interesse erhalten.

 

6.

So, wie die Gegenstände der Dichtkunst an sich sehr mannichfaltig sind; so vertragen sie auch eine mannichfaltige Behandlungsart. Und hieraus entstehen die verschiedenen Formen der dichtrischen Darstellung, die sich nach der Beschaffenheit des Stofs richten, und von dem Dichter, seiner jedesmaligen Absicht gemäß, gewählt werden müssen. Entweder geht diese Absicht bloß auf die Schilderung der Gegenstände, und ihrer Eigenschaften; und dann entsteht beschreibende Poesie; oder auf beschreibende Darstellung wahrer oder erdichteter Vorfälle und Handlungen, die dann Poetische Erzählung wird; oder auf Nachahmung solcher Handlungen durch Gespräch und sichtbare Vorstellung, woraus ein dramatisches [38] Gedicht entsteht; oder auf lebhaftern und sinnlichern Vortrag allgemeiner Wahrheiten und Vorschriften, in der didaktischen Poesie; oder endlich auf Ausdruck seiner Empfindungen in ihrer ganzen Fülle, durch die lyrische Poesie.

S. Schlegels Batteux, Th. II. Abh. VII. Von der Eintheilung der Poesie.

 

7.

Eine logisch strenge Eintheilung läßt sich nicht wohl von den verschiedenen Dichtungsarten machen, weil die Gränzen derselben sehr oft in einander laufen, die eine von der andern sehr oft die Behandlungsart entlehnt, und die Theilungsglieder folglich nicht ausschliessend sind. Auch läßt sich nicht wohl ein gemeinschaftlicher Theilungsgrund festsetzen; und in der bisherigen Absonderung und Klassifikation der Dichtungsarten liegt bald die Materie, bald die Form zum Grunde; überall aber das Verfahren der Dichter, welches sich auf die bisherige Anzahl dieser Arten doch nicht einschränken läßt, und daher ihre Vermehrung von jeher erlaubt hat, und ferner noch erlaubt.

 

8.

Aus dem Wesen der Poesie ergiebt sich auch ihr darin gegründeter Endzweck, der gleichfalls sinnlich vollkommene Darstellung, und auf die völligste Erweisung der ganzen ästhetischen Kraft, auf Rührung und Ergötzung der Sinne und Phantasie, auf Unterhaltung und Veredelung des Verstandes, auf Bewegung und Lenkung des Herzens gerichtet ist. Und die Fähigkeit, diese dreyfache Kraft zu äussern, beweist zugleich den hohen Werth der Dichtkunst, die nicht bloß zum Vergnügen, sondern auch zum Nutzen bestimmt ist, und diesen Nutzen auf eine der menschlichen Natur vorzüglich gemässe Art, durch sinnliches Wohlgefallen, zu erreichen vermag.

[39] S. Abbt vom Verdienste, in der Samml. s. Schriften, Th. I. S. 270. ff. – Herder's Preisschrift: über die Wirkung der Dichtkunst auf die Sitten der Völker in alten und neuen Zeiten; in den Abhandlungen der baierischen Akademie über Gegenstände der sch. W. (München 1781. gr. 8.) B. I. S. 25. ff.

 

9.

Poetisches Genie besteht in einem vorzüglichen Maasse derjenigen Seelenfähigkeiten, welche die Erreichung dieses Endzwecks erfodert: in einer behenden Empfänglichkeit sinnlicher Eindrücke, in einem lebhaften und starken Gefühl, in einer reichen und fruchtbaren Einbildungskraft, verbunden mit reifer Beurtheilung und feinem Geschmack. Diese Fähigkeiten erhält der Dichter, wenigstens der Anlage nach, von der Natur; sie hängen größtentheils von ursprünglicher Organisation und Gemüthsart ab; indeß kann er ihre Vollkommenheit durch Uebung, Anwendung und Ausbildung gar sehr erhöhen.

S. Gerard's Essay on Genius, P. I. Sect. 3. P. III. Sect. 2. 7. – Marmontel, Poetique Françoise, T. I. Ch. 2. Des talens du Poete.

 

10.

Ausser diesen zum Theil angebornen Fähigkeiten sind dem Dichter auch mancherley erworbene Kenntnisse unentbehrlich. Dahin gehören besonders die Regeln seiner Kunst; die Sprache, worin er dichtet, ihrer Richtigkeit und Ergiebigkeit nach; Kenntniß der Gegenstände, die er behandelt, nach ihrer physischen und moralischen Natur; Kenntniß seiner Fähigkeiten, nach ihrem Umfange sowohl, als nach ihrer eigenthümlichen und vorzüglichen Richtung; und ausserdem noch sehr viele Hülfskenntnisse aus andern Wissenschaften und Künsten, die ihm sowohl zum poetischen Stof, als zur glücklichern Bearbeitung desselben verhelfen können.

S. Marmontel, Poet. Franç. T. I. Ch. 3. Des Etudes du Poete.

 

[40] 11.

Wenn das poetische Genie sich thätig beweist, und die Seele des Dichters sich in einem Zustande vorzüglicher Lebhaftigkeit und Wirksamkeit befindet, so entsteht die Poetische Begeisterung, deren Veranlassungen oft zufällige äussere Umstände, oft auch absichtliche Anstrengung und willkührlicher Schwung der Einbildungskraft sind. Sie verhält sich zur Poesie, wie Ursache zur Wirkung, und macht daher nicht ihr Wesen aus. Mit Besonnenheit und Geschmack muß sie allemal verbunden seyn, um nicht in Schwärmerey auszuarten.

S. Bettinelli dell 'Entusiasmo delle belle Arti, (Milano, 1769. 8.) p. 24. ff.

 

12.

Diejenige Gemüthsfassung, worin der Dichter zur sinnlichen Darstellung vorzüglich aufgelegt, und daher in Ausübung seiner Kunst am glücklichsten ist, nennt man Poetische Laune, deren Einfluß, wie in den Werken des Witzes und der Kunst überhaupt, vornehmlich in Gedichten sichtbar und unverkennbar ist. Sie entsteht nie durch Zwang und Vorsatz, sondern durch irgend eine innere oder äussre Veranlassung, und äussert sich besonders in der Neigung, alle Gegenstände, die man denkt oder empfindet, auf poetischen Ausdruck zurückzuführen, sie in Beschreibung, Erzählung, Schilderung, Gesang, oder lebendige Vorstellung umzuschaffen.

 

13.

Den Namen eines Dichters verdient also der noch lange nicht, der bloß die Fähigkeit besitzt, gewöhnliche Gedanken und Empfindungen in Sylbenmaaß und Reim zu bringen. Wer mit Recht auf diesen Namen Anspruch machen will, muß ein vorzüglich lebhaftes Gefühl, eine sehr empfängliche Phantasie, eine ungewöhnliche Wirksamkeit des Geistes, und dabey sichre Beurtheilung und richtigen Geschmack besitzen. [41] Auch muß seine Denkungsart edel und gebildet genug seyn, um diese Talente auf die beste Art anzuwenden, und dadurch die wohlthätigsten Eindrücke hervorzubringen. Und in dieser Absicht wird genaue Seelenkenntniß, Beobachtungsgeist, und richtiges moralisches Gefühl dem Dichter, der seinen Beruf ganz erfüllen will, unentbehrlich seyn.

     – – Neque enim concludere versum
Dixeris esse satis, neque si quis scribat uti nos
Sermoni propiora, putes hunc esse poetam.
Ingenium cui sit, cui mens divinior atque os
Magna sonatorum, des nominis <huius> honorem.
                                            Horat, Sermon, I. 4.

 

14.

Aus diesen Begriffen vom poetischen Genie und den Eigenschaften des damit begabten Dichters ergiebt sich freylich, daß beyde nicht durch blosse Kunst zu erlangen, und daß folglich die Regeln der Poetik nicht hinlänglich sind, einen Dichter zu bilden. Aber zur weitern Entwickelung und vornehmlich zur bessern, zweckmässigern Richtung seiner Talente, und der dadurch zu bewirkenden grössern Vollkommenheit seiner Gedichte, kann die Beobachtung dieser Regeln allerdings sehr viel beytragen; so, wie sie auch den Beurtheiler poetischer Werke zur gehörigen Prüfung und Würdigung derselben, zur Gründlichkeit und Bestimmtheit seiner Urtheile, behülflich, und zum Theil unentbehrlich sind.

Natura fierit laudabile carmen, an arte,
Quæsitum est. Ego, nec studium sine divite vena.
Nec rude quid possit video ingenium. Alterius sic
Altera poscit opem res, et coniurat amice.
                      Horat. Ep. ad Pison.

These rules, of old discoverd, not devis'd,
Are Nature still, but Nature methodiz'd
                      Pope, Essay on Crit.

Vergl. Sulzers Allg. Th. Art. Regeln, Kunstregeln. – Harris's Philological Inquiries, (Lond. 1781. 2 Voll. 8.) Vol. I. p. 216. ff.

 

[42] 15.

Nur muß man diejenigen Regeln, die aus dem Wesen und Endzweck der Poesie überhaupt, und jeder <Dichtungsart> insbesondre, hergeleitet sind, an Werth und Verbindlichkeit von denen unterscheiden, die bloß das Mechanische, die äussere Regelmässigkeit, oder das Zufällige in der Materie und Form eines Gedichts, betreffen. Diese letztern tragen nur in so fern zur grössern Vollkommenheit desselben bey, als sie den Werth und die Wirkung der wesentlichen Eigenschaften erhöhen und verstärken; und sie leiden, nach Erforderniß der Umstände, manche Ausnahme und Abweichung. Die wesentlichen Regeln hingegen sind desto wichtiger und verbindlicher, weil ihre Vernachlässigung die innere Vollkommenheit und Zweckmäsigkeit des Ganzen schwächt, oder gar aufhebt.

 

16.

Der Inbegrif derer mechanischen Regeln der Poesie, welche den äussern Bau der Verse, die Länge und Kürze der Sylben, und die verschiedne Beschaffenheit und Benennung des daraus entstehenden Sylbenmaasses betreffen, heißt die Prosodie, und macht eigentlich einen Theil der Sprachlehre aus. Da indeß der poetische Wohlklang von der Beobachtung dieser prosodischen Regeln gröstentheils abhängt, und dieser Wohlklang zur Verstärkung des sinnlichen Eindrucks sehr viel beyträgt; so dürfen die vornehmsten und allgemeinsten Vorschriften dieser Art in der Poetik nicht ganz übergangen werden.

S. hiebey, in Absicht unsrer deutschen Sprache; Oest's Versuch einer kritischen Prosodie. Frankf. a.M. 1765. 8. – Ueber die deutsche Tonmessung 1766. 8. – Vergl. Neue Biblioth. d. sch. W. B. X. S. 69. ff.

 

17.

Die Länge und Kürze der Sylben wird entweder durch ihren innern Gehalt, durch ihre eigentliche Quantität be[43]bestimmt; oder durch ihre eingeführte Aussprache, durch den Accent, dessen Hebung und Senkung den Sylben verhältnißmässige Länge und Kürze ertheilen. Der erste Bestimmungsgrund war den Griechen und Römern eigen, und gab dem Sylbenmaasse eine sehr genaue Richtigkeit; der letztre ist die Richtschnur der neuern Prosodie, worin man bloß auf die Quantität der Aussprache Rücksicht nimmt, mit welcher das eigentliche Zeitmaaß der Worte nur selten und zufällig zusammentrift. Indeß hat auch diese Bestimmungsart ihre Vortheile, besonders in Rücksicht auf den Sinn und Nachdruck der Worte und Sylben, denen ihre Länge und Kürze in den meisten Fällen entspricht.

Genauere Untersuchungen hierüber, und Vergleichungen der deutschen Prosodie mit der griechischen s. in Klopstock's Fragmenten über Sprache und Dichtkunst. (Hamb. 1779. 8.) – S. auch Harris's Philolog. Inq. P. II. Ch. 2. 3.

 

18.

Das Poetische Sylbenmaaß besteht in der Anordnung und Abmessung der Wörter oder Redetheile nach der Länge und Kürze der Sylben, die durch prosodische Regeln bestimmt wird, in einer beständigen und gleichförmigen Folge, oder in einer freyern Abwechselung, nach Beschaffenheit der Versart. Diese besteht zuweilen aus gleichartigen Füssen in Zeilen von bestimmter und ähnlicher Länge; zuweilen aber aus einer abwechselnden Mannichfaltigkeit von mehrerley ungleichartigen Füssen, die nach gewissen Regeln in Einerley Versart gemischt sind. Der dadurch entstehende Gang und eigenthümliche Charakter des Verses, gleich der Bewegung und dem Zeitmaaß in der Musik, ist der Poetische Rhythmus.

 

19.

Füsse des Sylbenmaasses oder Verses sind nämlich die einzelnen aufgelösten Theile der poetischen Rede, die nach einer [44] festgesetzten prosodischen Abmessung aus zwey, drey, oder vier Sylben von bestimmter Länge und Kürze bestehen, und gleichförmig, oder abwechselnd, nach Erforderniß der Versart, auf einander folgen. Die gewöhnlichsten Füsse sind: Der Jambe (v–) der Trochäus (–v) der Spondäus (––) der Daktylus (–vv) der Amphibrachys (v–v) der Anapäst (vv–) der Pyrrhychius (vv) und der Choriambus (–vv–).

Ueber den Unterschied der Wortfüsse und künstlichen Füsse, s. Klopstock's angef. Fragmente, Th. I. S. 144. ff. und über ihr Charakteristisches, ebend. S. 158. ff. – Ein Verzeichniß von mehrern Füssen s. in Home's Grundsätzen der Kritik, als Anhang des XVIII. Kap.

 

20.

Versarten, in welchen lauter gleichförmige Füsse vorkommen, erhalten ihre Benennung gewöhlich von ihrem Sylbenmaaß, und heissen daher jambische, trochäische, daktylische, u.s.f. Nur die Länge der Zeilen, oder die Zahl der Sylben, macht alsdann eine Verschiedenheit, wie z.B. zwischen den zehnsylbigen Jamben und den zwölfsylbigen, oder Alexandrinern. Unter den Versarten mit abwechselnden Füssen sind die wichtigsten: die heroische Versart der Alten, die aus lauter Hexametern besteht, und die elegische, worin Hexameter und Pentameter unmittelbar u. beständig abwechseln. Am mannichfaltigsten sind die lyrischen Versarten, bey denen auch die Abtheilung und Abmessung der Strophen in Betrachtung kommt.

 

21.

Zu dem Mechanismus der Verse gehört auch die Cäsur, der Einschnitt oder Ruhepunkt, welcher vornemlich längern Versen eigen ist, und entweder in der Mitte, oder vor der Mitte gemacht wird. Im Hexameter ist dieser Einschnitt gewöhnlich zwischen dem dritten und vierten Fusse; im Penta[45]meter allemal in der Mitte, d.i. hinter der nach dem zweyten Fusse übrig bleibenden einzelnen Sylbe; in Alexandrinern gleichfalls in der Mitte, d.i. nach dem dritten Fusse; in fünffüßigen Jamben, gewöhnlich nach dem zweyten, oft auch nach dem dritten Fusse.

S. Home's Grundsätze, Kap. XVIII. Abschn. 4. Marmontel, Poet. Fr. T. I. Ch. 7. Ramlers Batteux, Th. I. S. 169. ff. Schlegels Batteux, B. II. Abh. X. S. 477. ff.

 

22.

Von diesem Ruhepunkte des Verses und der Skansion ist derjenige Ruhepunkt verschieden, welchen der Sinn der Worte, und die poetische Periode erfodert. Im Lesen der Verse wird nur dieser letztere bemerklich gemacht, und da er seine Stelle nach Beschaffenheit des Inhalts und Ausdrucks erhält und verändert; so verträgt er keine besondre und bestimmte Regeln. Zuweilen ist es Schönheit, wenn beyde Ruhepunkte zusammentreffen, besonders in Gegensätzen; in den meisten Fällen aber wird durch ihre verschiedene und abwechselnde Stelle der Wohlklang der Verse noch mehr befördert, und die durch immer gleiche Einschnitte leicht entstehende Monotonie vermieden.

 

23.

Wenn nun gleich Sylbenmaaß und Versart eigentlich nur zum Mechanischen und Zufälligen der Poesie gehören; so wird doch die wesentliche Vollkommenheit dieser Kunst nicht wenig dadurch befördert. In der gemessenen Abänderung der Rede, und in dem daraus entstehenden rhythmischen Wohlklange, liegt eine merkliche sinnliche Kraft, die nicht nur dem Gehör angenehm ist, sondern auch mehr Aufmerksamkeit erregt, und der poetischen Rede einen lebhaftern und dauerhaftern Eindruck mittheilt. Auch wird dadurch die Poesie, besonders die lyrische, für den Gesang und die musikalische Begleitung geschickter, und der musikalische Rhythmus durch den poetischen vorbereitet.

 

[46] 24.

Dazu kommt noch das Ausdrückende und Characteristische, welches jedem Sylbenmaaß und jeder Versart in Beziehung auf den Inhalt, und der dabey zum Grunde liegenden Hauptempfindung eigen ist. Von der Wahl schicklicher Füsse und Versarten hängt ein Theil des Eindrucks, der Ton und das Kolorit des ganzen Gedichts eben so sehr ab, als die Wirkung eines musikalischen Gedichts von der Wahl des Takts und der Tonart. Denn durch den freyen, leichten, hüpfenden, feyerlichen, schweren oder langsamen Gang des Verses, und dessen verhältnißmässigen Zusammenstimmung mit dem Inhalt und dem Affekt des Dichters, muß allemal der Ausdruck sinnlicher und treffender werden.

S. Schlegels Batteux, B. II. Abh. X. S. 482. Home's Grunds. Kap. XVIII. Abschn. 3.

 

25.

Von ähnlicher Wirkung ist auch die nachahmende Harmonie des Verses, oder die Aehnlichkeit zwischen dem Laut, der Folge und Verbindung der Redetheile, und zwischen dem dadurch ausgedrückten Inhalte. Hörbare Gegenstände sind solch eines mahlerischen Ausdrucks vorzüglich fähig: bey den Gegenständen andrer Sinne wirkt derselbe nur durch Analogie und Ideenverknüpfung. Indes wird diese Nachahmung allemal fehlerhaft, sobald man sie mühsam erkünstelt; und ist nur dann ein Verdienst, wenn sie sich dem begeisterten Dichter von selbst darbietet, und mehr in dem herrschenden Tone des Ganzen, als in dem Klange einzelner Sylben und Worte liegt. Alsdann befördert auch sie die Sinnlichkeit der Darstellung.

S. Home's Grunds. Kap. XVIII. Abschn. 3. – Vorschriften und Beyspiele zugleich giebt hierüber Vida, Poeticor. L. III. v. 355-454.

 

[47] 26.

Ueberhaupt ist der Poetische Wohlklang einem Gedichte jeder Art zur Beförderung seines wesentlichen Zwecks ungemein behülflich. Er entsteht aber theils durch die Wahl solcher Wörter, die einen gefälligen und dem Inhalt angemessenen Laut haben; theils durch solch eine Zusammenstellung dieser Wörter, wobey alles Harte und Anstössige für das Gehör entfernt wird; durch Vermeidung der öftern Wiederkehr ähnlicher Wortendungen; durch Abwechselung einsylbiger u. vielsylbiger Wörter; durch den guten Rhythmus und Schlußfall der poetischen Periode; und durch genaue Richtigkeit des Sylbenmaasses. Uebrigens ist der poetische Wohlklang mehr die Frucht eines feinen dichtrischen Gefühls, als Theoretischer Regeln, und vorsetzlicher Kunst.

S. Home's Grunds. Kap. XVIII. Abschn. 1. 2. – Schlegels angef. Abh. – N. Biblioth. d. sch. W. B. IV. S. 1. ff. "von dem Einfluß der offnen Vokalen in die Stärke des poetischen Ausdrucks."

 

27.

Auch der Reim, oder die Wiederkehr gleichklingender Endsylben der Verse, gehört nicht zu den wesentlichen Erfordernissen, sondern nur zu den zufälligen Verschönerungen eines Gedichts; und ist auch nur dann Verschönerung, wenn Anmuth, Wohlklang und Sinnlichkeit dadurch befördert werden. Man kann ihn daher nie ohne Einschränkung weder empfehlen noch verwerfen. Allemal muß dabey auf das Bedürfniß der Sprache und der Dichtart vorzüglich Rücksicht genommen werden. In kleinern lyrischen und epigrammatischen Gedichten, wo Ebenmaaß und Ründung des Ausdrucks Hauptschönheiten sind, hat der Reim unstreitig noch das meiste Verdienst.

S. hiebey Ramlers Anmerkungen über den Reim, in s. Batteux, Th. I. S. 168. ff. vergl. mit Schlegels Batteux, B. II. Abh. XI. "Vom Reime."

 

[48] 28.

Den Dichtern des Alterthums war der Reim völlig fremd; auch bedurften sie, bey der so genauen Bestimmtheit ihres Sylbenmaasses, zum Wohlklang ihrer Verse seiner Hülfe nicht. Erst im mittlern Zeitalter erfand man den Reim, und nahm ihn hernach in den Versbau der meisten neuern Völker auf. Die Italiener bedienen sich seiner zwar häufig, aber nicht durchgängig; und so auch die Engländer u. Deutschen. Bey den Franzosen hingegen ist er, aus Mangel der genau bestimmten Quantität ihrer Sylben, ein fast unentbehrliches Bedürfniß der poetischen Sprache. Am unnatürlichsten ist er in Schauspielen, besonders im Lustspiel.

 

29.

Zur Richtigkeit des Reims wird erfordert: daß die Vokalen oder Diphtongen der letzten Sylbe in männlichen, und der beyden letzten Sylben in weiblichen Versen die nämlichen, oder wenigstens gleichlautend, und in der Aussprache von gleicher Länge oder Kürze seyn müssen. Die vor diesen Vokalen oder Diphtongen vorhergehenden Konsonanten können verschieden oder gleich, die darauf folgenden Konsonanten aber müssen in beyden Reimendungen die nämlichen seyn. Auch darf der Reim nicht auf Verbindungspartikeln, oder auf solche Beywörter gelegt werden, die von ihren Hauptwörtern unzertrennlich sind. Je mehr man überhaupt Verschränkungen der Verse vermeidet, und den Reim mit dem periodischen Schluß oder Einschnitt der Rede zusammenfallen läst, desto sinnlicher u. gefälliger wird seine Wirkung.

Hiebey von den sogenannten reichen Reimen, und der oftmaligen guten Wirkung, welche die Wiederholung der nämlichen Wörter am Ende des Verses, statt der Reime thut. Vergl. Schlegels Batteux, B. II. Abh. X. S. 502. ff.

 

[49] 30.

Keine Sprache ist zur Nachahmung griechischer und römischer Sylbenmaasse so bequem, als unsre Deutsche; und daher hat sie sich zugleich, bey dieser Nachahmung, der Fesseln des Reims mit dem glücklichsten Erfolg entledigt. Dieß ist besonders der Fall in grössern epischen Gedichten, wozu auch in unsrer Sprache der Hexameter unstreitig die schicklichste Versart ist; in der höhern Ode, die durch das lyrische Sylbenmaaß der Alten einen freyern Schwung, einen edlern Gang und Ausdruck erhält; und im versificirten Schauspiel, dessen Sprache sich durch die Wahl reimloser Jamben, besonders wenn sie, nach Art der Alten, Anapästen untermischt werden, dem natürlichen Dialog mehr nährt, und doch zugleich über den ganz freyen prosaischen Ausdruck merklich u. vortheilhaft gehoben wird.

S. Klopstocks Abh. von der Nachahmung des griechischen Sylbenmaasses im Deutschen, vor dem zweyten Bande der hallischen Ausg. s. Messias; u. vom deutschen Hexameter, vor dessen dritten Bande; auch in den Fragmenten über Sprache und Dichtkunst, S. 1. ff.

 

31.

Der Ursprung der Poesie ist aus der ursprünglichen Einrichtung und Anlage der menschlichen Natur herzuleiten. Fülle der Empfindung und Trieb zur Nachahmung waren unstreitig schon in den frühesten Zeiten ihre ersten und vornehmsten Quellen. Anfänglich war die Dichtkunst nichts weiter, als ungebildeter, natürlicher Ausdruck des Gefühls, und kunstlose, aber schon durch Gehör und Wohllaut abgemessene, Mittheilung der Gedanken und Gesinnungen, oder Kundmachung denkwürdiger Begebenheiten. Lob der Gottheit, moralischer Unterricht, Gesetzgebung und Geschichte, waren der Inhalt der frühesten Gedichte, die, schriftlich aufgezeichnet, schon eher da waren, als prosaische Werke.

[50] S. Dr. Brown's Dissertation on the Rise, Union etc. of Poetry and Music. Lond. 1762. 4. übers. Leipz. 1769. 8. – Herder's Abh. über die Wirkung der Dichtkunst auf die Sitten der Völker, in den Abhandl. d. baier. Akad. über Gegenst. d. sch. W. B. I. S. 25.

 

32.

Sehr frühzeitige und trefliche Spuren der morgenländischen Poesie, in der lyrischen, lehrenden und erzählenden Gattung finden wir in einigen Büchern der heiligen Schrift. Keine Nation des Alterthums aber bildete diese Kunst so häufig und glücklich aus, als die griechische, deren Dichter jeder Art immer noch als vorzügliche Muster gelten, und von der die Poesie zuerst auf Regeln zurück geführt wurde, die aber längst vorhergegangene Dichterwerke zur Grundlage hatten. Die Römer waren in der Dichtkunst Nachahmer der Griechen, aber meistens Nachahmer von eignen Talenten, wodurch es ihnen gelang, sich mancher eigenthümlicher Vorzüge zu bemächtigen.

S. ausser der eben angf. Herderischen Abhandlung, auch den Entwurf des Abts Cesarotti vom Ursprunge und Fortgange der Poesie; übers. von Meinhard in der N. Biblioth. d. sch. W. B. II. S. 1.

 

33.

In dem mittlern Zeitalter gerieth die Poesie, gleich den übrigen Künsten und Wissenschaften, fast gänzlich in Verfall; wenigstens verlor sich aller poetischer Geist und Geschmack, und sie wurde leerer, selbst noch unvollkommener, Mechanismus, bis sie im dreyzehnten und den folgenden Jahrhunderten allmählich wieder hergestellt wurde, und sich aus Italien, ihrem neuen Vaterlande, nach Frankreich und Spanien, in der Folge auch nach England, Deutschland, und den übrigen Ländern verbreitete. Ihre Perioden waren seitdem bey jeder Nation abwechselnd; und jetzt freuen sich die nördlichern Gegenden mehr ihres blühenden Fortganges, als die südlichern.

 

[51] 34.

Der Unterricht in den Regeln der Dichtkunst überhaupt, und jeder Dichtkunstart insbesondre, wird mit Einem Worte Poetik genannt. Das älteste Lehrsystem dieser Art ist das von Aristoteles; wiewohl er sich dabey hauptsächlich nur auf das Heldengedicht und Trauerspiel einschränkte. Die brauchbarsten neuern Lehrbücher der Poetik, obgleich nicht alle von durchgängigen Werthe, sind die von Skaliger, Vossius, Breitinger, Gottsched und Marmontel. Auch gehört Horazens Epistel an die Pisonen, und die Poetik des Vida und Boileau hieher. Diese erstrecken sich aber bey weiten nicht auf den ganzen Umfang der poetischen Theorie, die sich durch einen gründlichen philosophischen Kopf noch ungemein erweitern, aufklären und bereichern liesse.

Aristotelis Poetica, ex ed. Harlesii, Lips. 1781. 8. übers. von Curtius, Hannov. 1753. 8. – I. C. Scaligeri Poetices Libri VII. L. B. 1681. 8. – G. I. Vossii de artis poeticæ natura ac constitutione Liber, Amst. 1647. Ejusd. Poeticar. Institutionum Libri III. Amst. 1647. 4. – J. J. Breitingers kritische Dichtkunst, Zürich, 1740. 2 Bde. 8. – J. C. Gottscheds Versuch e. krit. Dichtkunst für die Deutschen, Leipz. 1751. gr. 8. – Poetique Françoise par Mr. Marmontel. Par. 1763. 2. voll. 8. – Horatii Epistolæ ad Pisones et ad Augustum, with an English Commentary etc. by R. Hurd, Lond. 1766. 3 vols. 8. übersetzt, Leipz. 1772. 2 Bde. gr. 8. – M. H. Vidae Poeticorum Libri III. ex ed. Klotzii, Altenb. 1766. 8. – L'Art Poetique, Poeme en quatre chants, v. les Oeuvres de Boileau Despreaux. – S. auch Les quatre Poetiques d'Aristote, d'Horace, de Vida et de Boileau avec des Remarques par l'Abbé Batteux, Par. 1771. 2 Voll. 8.

 

35.

Ausserdem giebt es noch verschiedene Werke in neuern Sprachen, worin entweder einzelne zur Dichtkunst gehörige Gegenstände dogmatisch abgehandelt, oder Gedichte mit genauerer Kritik zergliedert sind. Wir bemerken davon nur einige der vornehmsten:

[52] Della Ragion Poetica Libri II. di V. Gravina, Roma, 1708. 4. Venez. 1731. 4. – Della perfetta Poesia Italiana, spiegata e dimostrata - - di L. A. Muratori, Venez. 1748. 2 Voll. 4. – Reflexions sur la Poetique et sur les Ouvrages des poetes anciens et modernes, par le P. Rapin, Par. 1684. 4. et dans ses Oeuvres T. II. p. 85. – Reflexions sur la poesie, par Mr. Remond de St. Mard, à la Haye, 1734. 12; et dans ses Oeuvres, (Par. 1750. 5 Voll. 12.) T. IV. V. – Reflexions sur la poesie par Louis Racine, dans ses Oeuvres, (Amst. 1750. 6 Voll. 12.) T. V. VI. – Reflexions sur la poesie et la peinture, par l'Abbé Du Bos, Par. 1755. 3 Voll. 8. Deutsch, Koppenh. 1760. 3 Bde. 8. – Principes pour la lecture des poetes, par Mr. Mallet, Par. 1745. 2 Voll. 12. – Ecole de literature, Par. 1767. 2 Voll. 8. – Ios. Trapp, Prælectiones Poeticæ, Lond. 1760. 2 Vols. 8. – Verschiedne deutsche Abhandlungen dieser Art findet man in den Literaturbriefen u. der Biblioth. der schönen Wissensch. Die nähere Anzeige dieser und mehrerer s. unten bey jeder Dichtungsart.

 

36.

Zur Geschichte der Dichtkunst und der Dichter aus den vornehmsten alten und neuen Völkern sind folgende Bücher die brauchbarsten:

Dr. C. H. Schmids Anweisung der vornehmsten Bücher in allen Theilen der Dichtkunst. Leipz. 1781. 8. – Lilii Greg. Gyraldi, Historiæ poetarum tam græcorum quam latinorum Dialogi X; in eiusd. Opp. L. B. 1696. fol. T. II. init. – B. Kennet's Lives and Characters of the ancient Grecian Poets, Lond. 1697. 8. – L. Crusius's Lives of the Roman Poets, Lond. 1733. 2 Vols. 8. übers. Halle, 1777. 78. 2 Bde. gr. 8. – P. Leyseri, Historia poetarum et poematum medii ævi. Hal. 1721. 8. – G. M. de Crescembeni, Historia della volgar Poesia (Italiana), Venez. 1731. 6 Voll. 4. – J. P. Meinhards Versuche über den Charakter und die Werke der besten italienischen Dichter, Braunschweig, 1774, 2 Bde. gr. 8. fortgesetzt von Hrn. Jagemann, e. d. 1774. 8. – Die vorzüglichsten italienischen Dichter im siebzehnten Jahrhundert. Bern, 1780. 8. (von Hrn. Werthes.) – Velazquez, Geschichte der spanischen u. portugiesischen Dichtkunst; übersetzt und sehr vermehrt von Hrn. J. A. Dieze, Göttingen 1769. 8. – Histoire de la Poesie Françoise par l'Abbé Massieu, Par. 1739. 8. – Annales Poetiques –– depuis l'origine de la poesie françoise, Par. [53] 1777. ff. bis itzt 18 Voll. 12. – Tho. Warton's History of English Poetry, Lond. 1774-81. 3 Vols. 4. Theoph. Cibber's Lives of the Poets of Great Britain and Ireland, Lond. 1753. 5 Vols. 12. – Dr. Sam. Johnson's Biographical and Critical Prefaces to his Collection of English Poets (60 Voll. 12.) Lond. 1779. 10 Vols. 12. ib. 1781. 4 vols. 8vo. – Uebers. vom Hrn. v. Blankenburg, mit Anmerkungen. Th. I. Altenburg. 1781. 8. – D. G. Morhofs Unterricht von der deutschen Sprache und Poesie, Lübeck, 1700. 8. – Kurze Geschichte der deutschen Dichtkunst, (von Hrn. Mag. Ebeling) im Hannöverischen Magazin v. J. 1767, St. 6-8. v. J. 1768, St. 6-8. 23. 24. 26-29. 34. 35. – (Meister's) Beyträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Nationalliteratur. Bern, 1771. 2 Theile. 8. – Charaktere deutscher Dichter und Prosaisten, Berl. 1781. 2 Theile. 8.

 

37.

Da die Dichtkunst einer sehr mannichfaltigen Anwendung und Behandlung, und ihr Vortag mehrerer Formen fähig ist; so pflegt man sie in verschiedene Gattungen oder Dichtungsarten einzutheilen. Diese Eintheilung ist ihr indeß nicht so wesentlich und nothwendig, daß die bisherige Anzahl keiner Vergrösserung, und die itzigen Dichtarten keiner weitern Abänderung der Form fähig wären. Nennt man die Gattungen, worin der Dichter selbst redet, er mag nun erzählen, oder beschreiben, oder schildern, oder lehren und bestrafen, oder sein volles Gefühl ausdrücken, die epischen; und die, worin er fremde Personen reden und handeln läst, ohne seinen eignen Vortrag einzumischen, die dramatischen; so lassen sch alle Formen der Poesie unter diese beyden Hauptgattungen bringen.

S. Hrn. Schlegels Abh. von der Eintheilung der Poesie, in s. Batteux, B. II. Abh. VII. – Hrn. Engels Abh. über Handlung, Gespräch und Erzählung, in der N. Biblioth. d. sch. W. XVI, 177. ff.

 

[54] 38.

Und sonach rechnen wir zu den epischen Dichtungsarten:

die Fabel und Erzählung;
das Schäfergedicht;
das Epigramm;
die Satire;
das Lehrgedicht und die Epistel;
die Elegie;
die lyrische Poesie; und
das Heldengedicht.

Zu den dramatischen:

das poetische Gespräch;
die Heroide;
die Kantate;
das Lustspiel;
das Trauerspiel; und
die Oper.

 

 

 

 

Die lyrische Poesie.

 

1.

Lyrische Poesie ist sinnlich vollkommner Ausdruck leidenschaftlichen Gefühls, welches die ganze Seele des Dichters einnimmt, vermittelst gleicher Fülle der Rede, und einer bestimmten, für den Gesang vorzüglich schicklichen, Abmessung der Verse, die in Strophen getheilt werden, welche gewöhnlich von Einerley Sylbenmaaß, Verselänge und Umfange sind.

S. zu diesem Abschnitt: Ramlers Batteux, Th. III. S. 3. ff. vergl. mit Schlegels Batteux, I. 362-380. - Poetique Franc. de Marmontel, T. II. Ch. XV. – Daciers Vorrede zu s. Uebers. des Horaz: De la poesie lyrique, de son charactere, des changemens qui lui sont arrivés jusqu' à ce qu'elle est parvenu à sa perfection – Discours sur l'Ode, par Mr. Gossart, Par. 1761. 12. – Versuch von der Ode, in den verm. Beyträgen zur Philos. u. d. sch. W. (Bresl. 1763. 8.) B. II. St. I. S. 152. Vergl. Allg. deutsche Biblioth. B. II. St. I. S. 219. – Sulzers Allg. Theorie, Art: Lyrisch; Hymne; Ode; Lied.


2.

Bey der Mannichfaltigkeit der Empfindungen, welche, durch eben so mancherley Veranlassungen erregt, die Seele des Dichters mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit erfüllen und zur lyrischen Poesie begeistern können, finden mehrerley Gattungen derselben Statt, deren Eintheilung in den Empfindungen selbst, oder in der Art ihres Ausdrucks gegründet seyn kann. Ueberhaupt aber lassen sich zwey Hauptgattungen lyrischer Gedichte absondern, die sich durch Inhalt und Vortrag merklich unterscheiden; nämlich, die eigentliche Ode und das Lied. Jene hat erhabnere Gegenstände, stärkre Empfindungen, [107] höhern Schwung der Gedanken und des Ausdrucks; dieses wird gewöhnlich durch leichtere und sanftere Gefühle veranlaßt, und hat daher auch einen leichtern, gemässigtern Ton.

S. andre Abtheilung beym Batteux und Marmontel, am angef. Orte.


3.

Die eigentliche Ode begreift wieder verschiedne Arten unter sich: Hymnen, oder feurige Lobgesänge der Gottheit und ihrer Werke; Oden, deren Gegenstände menschliche Unternehmungen von ungewöhnlicher Art sind; und philosophische Oden, Früchte eines vorzüglich lebhaften Gefühls solcher Wahrheiten, die leicht in Empfindung übergehn, und lyrischer Behandlung fähig sind. Die Quellen dieser Oden sind gleichfalls dreyfach: entweder vorzügliche Klarheit und anschauende Stärke der Betrachtung, oder ausserordentliche Rührung und Lebhaftigkeit der Einbildungskraft; oder ungewöhnliche Bewegung und leidenschaftliche Erschütterung der Seele.


4.

Begeisterung wird bey dem Odendichter in vorzüglichem Grade vorausgesetzt, weil seine ganze Seele mit ihrer itzigen Hauptempfindung und deren Gegenstande beschäftigt seyn muß. Dadurch entstehen dann grosse, erhabene, ungewöhnlich lebhafte Vorstellungen, Bilder und Gefühle, die sich dem Gedichte selbst mittheilen, und lyrischer Schwung heissen. Eben diese Stärke der Leidenschaft, und die ausschliessende Richtung der Seele auf sie allein, macht es dem lyrischen Dichter unmöglich, an eine absichtliche, regelmässige Folge seiner Gedanken, Bilder und Ausdrücke zu denken; daher die lyrische Unordnung, die aber mehr scheinbar als wirklich ist, weil die Ordnung und Gedankenreihe der begeisterten Phantasie doch immer dabey wirksam ist und zum Grunde liegt.

S. Marmontel, S. 412. ff. – Verm. Beyträge, S. 156. ff. Literaturbriefe, Th. XVII. S. 149. ff.


[108] 5.

Einheit des Gegenstandes der Ode, und der dadurch erregten Hauptempfindung in der Seele des Dichters bleibt allemal ein nothwendiges Erforderniß der Ode. Alle einzelnen Theile und Seiten des Gegenstandes, alle mit der herrschenden Leidenschaft verwandte Nebenempfindungen, sind so viel Quellen lyrischer Mannichfaltigkeit; und die Vorstellungen des Dichters entwickeln sich dann nach der natürlichen Entwickelung des Affekts in seiner Seele. Uebergänge und Abänderungen der Empfindung in verwandte oder gegenseitige finden hier nur dann Statt, wenn der Gegenstand unverändert bleibt, und nur, von mehrern Seiten genommen, verschiedentlich auf den Dichter wirkt.


6.

Auch erfodert die Ode eine gewisse Wahrscheinlichkeit, oder verhältnißmässige Zusammenstimmung ihres Gegenstandes mit den dadurch erregten Empfindungen, Vorstellungen und Bildern. Der Gegenstand sey, in Ansehung seiner Wichtigkeit und Wirkungsart, so beschaffen, daß er dieß höhere Maaß geistiger Anstrengung habe hervorbringen können; sonst wird die Ode ein blosses Spiel der Phantasie, ein Werk kalter, mühsamer Kunst, von gar keinem, oder sehr widrigem Eindruck; da sie hingegen, bey jenem gleichen Verhältniß zwischen ihrem Anlaß und Schwunge jeden Leser durch sich selbst interessiren muß.


7.

Die Natur des leidenschaftlichen Zustandes und die bald vorübergehende Währung desselben macht die Kürze, sowohl der Gedanken als des Ausdrucks, der Ode, und überhaupt der lyrischen Poesie nothwendig. Bloß der höhere Grad der Leidenschaft, nicht ihre allmähliche Zunahme und Abnahme, deren Beschreibung für die Elegie gehört, ist Veranlassung des [109] lyrischen Gesanges; der Grad nämlich, worin zwar die Leidenschaft schon unvermischt und in voller Stärke wird, der aber doch der Seele noch Deutlichkeit der Vorstellungen, und Besonnenheit genug läst, ihr Gefühl auszudrücken und andern mitzutheilen. Jene Kürze aber begränzt nicht nur den Umfang des Gedichts im ganzen, sondern auch jeden einzelnen Ausdruck, und giebt ihm Fülle und Gedrungenheit.


8.

In der höhern Ode wirkt die Grösse der Gegenstände und die Stärke der dadurch erregten Empfindungen Erhabenheit der Gedanken sowohl, als des Ausdrucks. Dieß wird oft noch durch das Wunderbare oder Ausserordentliche verstärckt, wenn sich Wirkung übernatürlicher Kraft in den Gegenständen äußert, und desto stärkere Bewunderung und Rührung in der Seele des Dichters und des Lesers hervorbringt. Daher auch das Neue, Unerwartete und Ueberraschende in den Empfindungen, Vorstellungsarten und Ausdrücken, welches oft schon aus dem individuellen Charackter des Dichters, oder aus der Besonderheit der Lage entspringt, worin er sich wirklich befindet, oder worin ihn seine lyrische Begeisterung versetzte.

S. Verm. Beyträge, S. 165. ff. vergl. Allgem. d. Biblioth. II. 221.


9.

Hymnen, deren Gegenstand das Lob der Gottheit, deren Inhalt die Bewunderung, Empfindung und Verherrlichung göttlicher Eigenschaften und Werke ist, machen die erhabenste Gattung der Oden aus, und fodern den höchsten Grad der Begeisterung des lyrischen Dichters. Andacht und gottesdienstliche Anbetung herrschen darin durchgehends; und je lauterer die Religion ist, deren Gefühl sie ausdrücken, desto mehr sind sie im Stande die Seele des Lesers zu heben und [110] mit gleich lebhafter Empfindung zu erwärmen. Nur wenige von unsern gewöhnlichen gottesdienstlichen Gesängen nehmen und vertragen den höhern lyrischen Schwung des Hymnus; die meisten sind mehr Lieder als Oden, mehr Aeusserungen stiller betrachtender Andacht, als Ausbrüche des lebhaftesten Religionsgefühls.


10.

Das Alterthum giebt uns in dieser ersten Gattung der Ode die vortrefflichsten Muster. Vorzüglich sind es einige lyrische Stücke der heiligen Schrift, und nächst ihnen verschiedene griechische Hymnen zum Lobe der Götter; sowohl die, welche man dem Orpheus und Homer beylegt, als die spätern vom Kallimachus. Auch gehören verschiedne Chöre griechischer Trauerspiele hieher, und aus der lyrischen Poesie der Römer einige Oden des Horaz.

Hiebey vom Ursprunge der lyrischen Poesie. – Biblische Stücke im Schwunge der höhern Ode sind z.B. das Lied Mosis, 2 B M. XV. der Gesang Debora's und Baraks, B. d. Richt. V; – Jes. XIV; und ein Theil der Psalmen. Vergl. Lowth de poesi sacra Hebræor. Præl. XXV-XXVIII. – Orphei Carmina, ex ed. Gesneri, Lips. 1764. 8. – Homeri hymni in Opp. ed. Ernesti T. V. – Ejusd. Hymnus in Cererem, ex ed. Rhunkenii. L. B. 1779. 4. – Callimachi Opera, ex ed. Spanhemii et Ernesti, L. B. 1761. 2 Voll. 8. – Chöre dieser Art sind z.B. im Oedipus des Sophokles, zwischen Akt I. und II., auch II. und III.; in der Iphigenia in Aulis vom Euripides, zwischen Akt II. und III. – Horazische Oden dieser Gattung sind: L. I. Od. 10. 21. 30. 31. 35. II. 19. III. 11. 22. 25. 26. IV. 1. 3. 6. und vorzüglich das Carmen seculare. – Katulls Pervigilium Veneris ist mehr Lied, als Hymne.


11.

Zu den vornehmsten neuern Hymnendichtern gehören: unter den Engländern Cowley; unter den Franzosen, J. B. Rousseau und le Franc de Pompignan; und unter den Deutschen, Cramer, Klopstock, Wieland, und Lavater.

[111] Cowley's Works, Lond. 1708. 3 Voll. 8 – Oeuvres de J. B. Rousseau, T. I. Odes sacrées. – Poesies sacrées de Mr. le Franc de Pompignan, Par. 1768. 4. – J. A. Cramers poet. Uebersetzung der Psalmen, Leipz. 1766. 4 Bde. 8. Auch eigne geistl. Oden von ihm in den Brem. Beyträgen, Nord. Aufseher, u.a.m. S. auch s. gesammelten Gedichte. – Klopstocks Oden. Hamb. 1771. kl. 4. S. 3. 15. 25. 32. 39. 43. 56. 59. 63. 65-69. Auch im Nord. Aufs. und viele seiner Geistl. Lieder, Koppenh. u. Leipz. 1758. ff. 3 Bde. 8. – Wielands Hymnus auf Gott, und zwey Oden auf die Geburt und Auferstehung des Erlösers; in s. poet. Schr. Th. II. S. 289. Th. III. S. 76. – Lavaters Oden und Poesien. Leipz. 1781. 2. Bde. gr. 8.


12.

Die zweyte Art der erhabnern Ode ist die sogenannte heroische, worin Menschen, menschliche Eigenschaften, Verdienste und Unternehmungen besungen werden. Sie hat alle ihre Regeln mit der Hymne gemein; nur nimmt sie keinen völlig so erhabenen Schwung, dem Verhältnisse ihrer Gegenstände gemäß. Diese sind gewöhnlich solche Personen, die sich durch vorzügliche Seelengrösse unterscheiden, und solche Handlungen oder Vorfälle, die viel Geist, Anstrengung oder Verläugnung fodern, und von grosser, ausgebreiteter Wirkung sind.


13.

Von der Art sind die Oden Pindar's zum Lobe der Sieger in den griechischen Kampfspielen, ob sie sich gleich durch Einmischung des Lobes der Götter meistens bis zur Hymne heben; und der grössere Theil von den Oden des Horaz.

Pindari Carmina, cur. C. G. Heyne, Goett. 1773. 4. – Gedikens schöne Uebersetzung der Olymp. und pyth. Oden, Berl. 1777.79. 8. – Vergl. Charactere de Pindare, par l'Abbé Fraguier, in den Mem. de l'acad. des Inscr. T. II. p. 34. – West's Diss. on Pindar, with his Translation, Lond. 1749. 4. – Schneiders Versuch über Pindars Leben und Schriften. Straßb. 1774. 8. – Von den Oden des Horaz: L. I. Od. 2. 3. 6. 12. 14. 15. 24. 36. 37. II. 1. 7. 9. 12. 13. 15. 17. 20. III. 3-6. 8. 14. 30. IV. 2. 4. 5. 8. 9. 14. 15.


[112] 14.

Die neuere poetische Literatur ist sehr reich an Oden dieser Gattung, die an Feuer, Schwung und Schönheit des Ausdrucks den besten Mustern des Alterthums gröstentheils gleich kommen. Die besten höhern Oden der Italiener, sind von Petrarca, Testi, Guidi, Chiabrera, und Frugoni; der Franzosen, von Malherbe, J. B. Rousseau, und dem jüngern Racine; der Engländer, von Dryden, Pope, Gray, und Ogilvie; der Deutschen, von Cramer, Uz, v. Cronegk, Weisse, der Karschin, Gleim, Ramler, Klopstock, Denis, Mastalier, und dem jüngern Grafen zu Stolberg.

Opere di Petrarca, s. oben. Vergl. Meinhards Versuche über d. ital. D. Th. I. S. 325. – Poesie del Conte Fulvio Testi, Venez. 1674. 12. – Poesie d' Aless. Guidi, Nap. 1780. 8. – Opere di Chiabrera, Venez. 1757. 5 Voll. 12. T. I. Canzoni Eroiche XCIII. – Opere Poetiche di Carlo Frugoni, Parma, 1779. 9 Voll. 8. – Oeuvres de Malherbe, Par. 1757. 3 Voll. 12. – Oeuv. de Rousseau et L. Racine, s. oben. – Dryden's, Pope's, Gray's Works: s. oben. – Ogilvies Poems on several Subjects, Lond. 1763.70. 2 Voll. 8. – Cramers, Uzens, v. Cronegks Gedichte s oben. – Weissens lyrische Gedichte, Leipz. 1774. 3 Theile kl. 8. – Gedichte der Frau Karschin, Berl. 1764. 8. – Gleims Kriegslieder, Berl. 1758. 12. 1778. 8. – Ramlers lyrische Gedichte, Berl. 1772. 8. – Klopstocks Oden, Hamb. 1771. 4. – Lieder Sineds (Denis) des Barden, Wien, 1773. gr. 8. – Mastaliers Gedichte, Wien, 1774. 8. – Gedichte der Grafen zu Stolberg, Leipz. 1779. 8. – S. auch: Oden der Deutschen, Saml. I. Leipz. 1778. 8.


15.

In der Mitte zwischen der Hymne und der heroischen Ode stehn die Dithyramben, höhere Gesänge von dem kühnsten Schwunge, die bey den Festen des Bacchus in Griechenland ursprünglich verfertigt und angestimmt wurden. Ihren Inhalt machen die feurigen Empfindungen aus, in welche der Dichter durch den frohen Genuß des Weins und die Be[113]wunderung seines ersten Pflanzers versetzt wird. Lyrische Unordnung des Ganzen, Kühnheit der Bilder, und Neuheit der Sprache überschreiten in dieser lyrischen Gattung die Gränzen jeder andern. Die Alten hatten ihrer viele, die aber fast alle verloren gegangen sind. Einige neuere Dichter haben sie in der italienischen und deutschen Sprache nachzuahmen versucht.

S. Vossii Institutt. Poet. L. III. c. XVI. – Literaturbriefe, Th. XXI, S. 39. – Herders Fragmente, Th. II. S 298. – Griechische Dithyrambendichter waren: Lasus, Perikletus, Melanippides, Philoxenus, und Pindar, dessen eigentliche Dithyramben verloren gegangen sind, obgleich die 13te olymp. Ode in diese Klasse zu gehören scheint. – Auch sind die beyden Horazischen Oden, II. 19. III. 25. von dieser Art. – Poesie di Angelo Poliziano, Venez. 1761. 12. – Canzoni anacreontiche di Baruffaldi, Venez. 1743. 12 – Dithyramben von Willamov, Berl. 1766. 8. S. auch Dess. poet. Werke, Th. I. Leipz. 1779. 8.


16.

Philosophische Oden haben nicht spekulative, sondern bloß praktische Wahrheiten der Philosophie, und auch aus dieser nur solche zum Gegenstande, deren überzeugende, einleuchtende Klarheit das Herz des lyrischen Dichters, dessen Schwung sich weit über den didaktischen hebt, mit lebhaftem, feurigen Gefühl zu erwärmen vermag. Alle trockne Vernünfteley, aller Lehrton, alle schulgerechte Zergliederung der Wahrheiten und ihrer Beweise, sind daher in solchen Oden zu vermeiden. Tugend und Pflicht müssen bey dem Dichter in leidenschaftliche Empfindung übergehen; und dann werden seine Gedanken sich in Bilder, seine Zergliedrungen in Gemählde, und seine Beweise in lebendig dargestellte Beyspiele verwandeln. Auch kann ihn der Eifer wider Verbrechen und Laster zum lyrischen Gesange begeistern.

S. Marmontel, Poet. Fr. T. II. p. 439.


17.

Von den Oden des Horaz gehören verschiedne zu der philosophischen Gattung, und zu den besten Mustern dieser [114] Art. So findet man auch ihrer viele unter den Oden der meisten neuern, zum Theil schon angeführten Dichter, z.B. unter den Engländern, von Shenstone, Akenside, und der Miß Carter; unter den Franzosen, von Rousseau, L. Racine, Gresset und Thomas; und unter den Deutschen, von v. Haller, v. Hagedorn, v. Creuz, v. Gemmingen, Uz und Ramler.

Horatii Lib. I. Od. 1. 11. 22. 34. L. II. Od. 2. 3. 10. 14. 15. 16. 18. L. III. Od. 1. 2. 3. 16. 24. L. IV. Od. 7. – W. Shenstone's Works, Lond. 1764-70. 3 Voll. 8. – Akenside's Poems. Lond. 1768. 8. – Miss Carter's Poems on several occasions, Lond. 1762. 8. – Oeuvres de J. B. Rousseau, T. I. – de L. Racine, T. IV – de Gresset, T. I. – de Thomas, Amst. 1766. 8. – v. Hallers und v. Hagedorns Gedichte. – v. Creuz Oden und andre Gedichte, Frkf. 1750. gr. 8. und im Anhange zu s. Gräbern, e. d. 1760. gr. 8. – v. Gemmingen Briefe, nebst andern poet. und pros. Ausarbeitungen, Braunschw. 1769. gr. 8. – Uzens und Ramlers lyrische Gedichte.


18.

Das Lied, die dritte Gattung der lyrischen Poesie, hat mit den beyden vorigen Gattungen den Hauptcharakter vollen Empfindungsausdrucks, und die daraus hergeleiteten Erfodernisse gemein; nur sind die darin ausgedrückten Empfindungen gewöhnlich von sanfterer Art, und die Gegenstände, welche sie veranlassen, minder erhaben und von minder ausgebreitetem Einfluß. Freude über den Anblick der Natur, das Gefühl der Zärtlichkeit und der Freundschaft, der frohe Genuß des geselligen Lebens, Scherz und Fröhlichkeit, durch diesen Genuß erweckt und belebt, machen den gewöhnlichsten Inhalt des Liedes aus.

S. Marmontel, Poet. Fr. T. II. p. 444. – I. Aikin's Essay on Song-Writing. Warrington and London; 1774. 8. – Sulzers Allg. Th. Art. Lied.


19.

[115] Nach der Verschiedenheit des Inhalts und Endzwecks lassen sich mehrere Arten von Liedern absondern; z.B. gottesdienstliche oder geistliche Lieder, zum Ausdruck sanfter Religionsempfindungen, die sich nicht bis zum Schwunge der Hymne, noch in die Sphäre anhaltender Betrachtung erheben, sondern vornehmlich die wohlthätigen Einflüsse der Religion auf die heitre, ruhige, aber doch gefühlvolle Stimmung der Seele zum Gegenstande haben; Nationallieder, zur Erweckung und Aeusserung der Vaterlandsliebe und einträchtiger Gesinnungen guter Bürger; moralische Lieder, zur Belebung edler sittlicher Gefühle; leidenschaftliche Lieder, zum Ausdruck sanfter Zärtlichkeit und inniger Freundschaft; und gesellschaftliche Lieder, zur Belebung und Unterhaltung der durch Umgang und Tischgenossenschaft erweckten geselligen Fröhlichkeit.


20.

Der Vortrag, Ausdruck, und ganze Gang des Liedes ist der Beschaffenheit seines Inhalts gemäß; leicht, natürlich, einfach, angenehm und wohlklingend.*) Dieß letztere um so mehr, da es von allen lyrischen Gattungen vorzüglich zum Gesang und zur musikalischen Begleitung bestimmt ist. Uebrigens ist auch die Sittsamkeit eine Pflicht, auf welche der Liederdichter desto sorgfältiger zu achten hat, je leichter ihn die Macht froher Empfindungen, und selbst der begeisterte Zustand, worin ihn Scherz und Fröhlichkeit des geselligen Lebens versetzen, über die Gränzen der Zucht hinaus führen können.

*) Hiebey die nöthigen Erinnerungen über die mannichfaltigen lyrischen Versarten und Sylbenmaasse der Alten und Neuern, und deren vornehmste Arten. Vergl. Ramlers Batteux, Th. I. S. 177.


21.

Griechenland hatte viele Liederdichter, von denen uns nur meistens bloß die Namen und einzelne zerstreute Beyspiele und [116] Fragmente übrig sind. Die Form und Bestimmung der griechischen Lieder war sehr mannichfaltig; am merkwürdigsten darunter sind die sogenannten Skolien, deren es wiederum mancherley Arten gab. Muster der Leichtigkeit, Natur und Anmuth sind an Inhalt und Ausdruck die Lieder Anakreon's, und in der zärtlichen Gattung die Fragmente der Sappho. Die besten römischen Liederdichter sind Horaz und Katull.

S. deux Memoires sur les chansons de l'ancienne Grece, par Mr. de la Nauze, dans les Mem. de l'Acad. des Inscr. ed. d' Amst. T. XIII. p. 496. übers. von Hrn. Ebert als ein Anhang zu v. Hagedorns Oden und Liedern, Th. 3. s. poet. Werke. – Anacreontis Carmina, ex ed. Fischeri, Lips. 1776. 8. – ex rec. Brunkii, ed. I. F. Degen, Erlang. 1780. 8. – Vergl. (Prof. Schneiders) Anmerkungen über den Anakreon, Leipz. 1770. 8. – Die Fragmente der Sappho findet man bey allen Ausgaben Anakreons. – Horatii Lib. I. Od. 4. 5. 8. 9. 13. 16-20. 23. 25-27. 29. 32. 33. 36-38. II. 4. 5. 6. 8. 12. 13. 18. III. 7-10. 12. 13. 15. 17. 19. 21. 23. 27. 28. IV. 3. 8. 10-13. – Catulli Carmina, s. oben Abschn. III. §. 9.


22.

Die vorzüglichsten neuern Liederdichter sind bey den Italienern, Testi, Chiabrera, Zappi, Filicaja, Rolli, und Metastasio; bey den Franzosen, Chaulieu, la Fare, Lainez, u.a.m. bey den Engländern, Waller, Prior, Landsdown, Shenstone, Mrs. Barbauld, Aikin, u.s.f. bey den Deutschen v. Hagedorn, Uz, Gleim, Lessing, Zachariä, v. Cronegk, Weisse, Jacobi, Götz und Bürger.

Opere di Testi, Milano, 1658. 8. – di Chiabrera, T. II. – di Zappi, Venez. 1728. 8. – di Filicaja, Venez. 1737. 8. – di Rolli, Lond. 1727. 8. – di Metastasio, T. IV. – Oeuvres de Chaulieu, Par. 1750. 2 Voll. 12. – de la Fare, Par. 1755. 2 Voll. 12. – de Lainez, à la Haye, 1753. 8. – S. auch: Recueil des Chansons choisies, à la Haye, 1736-46. 8 Vol. 12. – Anthologie Françoise, Par. 1767. 3 Vol. gr. 8. – Waller's Poems, Lond. 1745. 8. – Die besten Stücke der übrigen s. in Aikins Essay on Song-Writing, with a Collection of English Songs, Lond. [117] 1774. 8. und in Ramsay's Tea-table Collection, Lond. 1760. 8. – v. Hagedorns poet. Werke, Th. III. – Uz Werke, Th. I. – Gleims Versuch in scherzhaften Liedern, Berl. 1749. 8. – Lieder nach dem Anakreon, Berl. 1766. 8. und viele andre kleine Sammlungen. – Leßings verm. Schriften, Th. I. – Zachariäs poet. Schr. Th. II. – v. Cronegks Schriften, Th. II. – Weissens lyrische Gedichte, 3 Theile, Leipz. 1777. kl. 8. – Jacobi's Gedichte, Halberst. 1771. 3 Theile, 8. – Gözens Lieder s. in Ramlers Blumenlese. – Bürgers Gedichte. Gött. 1779. 8. – Vergl. Ramlers lyrische Blumenlese, Leipz. 1774. 78. 2 Bde. 8.


23.

Zu dieser letztern Gattung der lyrischen Poesie ist auch die Romanze zu rechnen, die gemeiniglich ihrem Inhalte nach erzählend, und ihrer Einkleidung nach lyrisch ist. Gewöhnlich ist irgend eine merkwürdige, oft auch an sich wenig erhebliche, aber durch den Vortrag des Dichters merkwürdig gemachte Begebenheit der Gegenstand dieser Dichtungsart, von leidenschaftlicher, tragischer, wundervoller, verliebter, oder auch bloß belustigender und scherzhafter Wendung. Mehr das Interessante der Begebenheit selbst, oder des dichtrischen Vortrags, als der Umfang derselben, und ihr Reichthum an vielfachen einzelnen Umständen, bezeichnet die darin erzählte Handlung.

Hiebey über den Ursprung des Namens dieser den neuern eigenthümlichen Gattung, aus dem Worte Romance, der schriftstellerischen Sprache der Provenzaldichter. – Vergl. Dr. Percy's historische Versuche über die Romanze in seinen bald anzuführenden Reliques of anc. Engl. Poetry. – Sulzers Allg. Th. Art. Romanze; und die Vorrede zum ersten Theil der Romanzen der Deutschen.


24.

Die Quellen, woraus der Romanzendichter seinen Stof zu entlehnen pflegt, sind: die Mythologie, die Geschichte, die Ritterzeiten, das Klosterleben, gemeine tägliche Vorfälle, oder das weite Gebiete der Dichtung. Am schicklichsten wird dieser Stof zur Romanze durch einen gewissen Anstrich [118] des Wunderbaren, Abentheuerlichen; Neuen, Schauderhaften oder Lächerlichen; und ihre Täuschung beruht gewöhnlich darauf, daß sich der Leser mit dem Dichter in eine Gemüthsfassung versetzt, die allen Eindrücken dieser Wirkungsmittel willig Raum giebt, und Meynungen, die auf Eingeschränktheit der Begriffe, Leichtgläubigkeit, Einfalt, Aberglauben, und Bildern schwärmerischer Phantasie beruhen, durch kein schärfers Nachdenken aufzulösen und zu berichtigen sucht.


25.

Diese Eindrücke werden durch den Vortrag des Dichters am meisten erweckt und unterhalten, deren wesentlichste Erfordernisse Natur, Einfachheit, Leichtigkeit und Anmuth der Erzählung sind, denen ein schicklich gewähltes lyrisches Sylbenmaaß keine geringe Hülfe giebt. Vorzüglich hat die Laune des Dichters in die Wirkung und das ganze Kolorit seiner Erzählung sehr viel Einfluß; und der daraus entstehende Ton des Vortrags, der, dem Inhalte gemäß, tragisch oder komisch, ernsthaft oder scherzhaft, naif oder drollicht ist, läst sich mehr aus Beyspielen abnehmen, als auf allgemeine Regeln zurückführen.


26.

Von dergleichen Beyspielen liefert die neuere Poesie eine zahlreiche Menge, sowohl bey den Spaniern, deren Romanzen aber selten erzählend sind, als bey den Engländern, denen in dieser Gattung, besonders in Balladen schauderhaften Inhalts der erste Rang gebührt, bey den Franzosen, und besonders bey den Deutschen, die darin mit den besten englischen Dichtern wetteifern.

Anzeige der vornehmsten Sammlungen spanischer Romanzen s. in Velazquez Gesch. d. span. Dichtk. von Hrn. Dieze, S. 444. ff. – Romanzen des Gongora, aus dem Spanischen von Hrn. Jacobi, Halle, 1767. 8. – Die vollständigsten Sammlungen englischer und [119] schottischer Romanzen und Balladen sind: Ramsay's Tea-table Collection, Lond. 1760. 8. Dr. Percy's Reliques of ancient English Poetry, Lond. 1765. 3 Vols. 8. Evan's Old Ballads, historical and narrative, Lond. 1777. 2 Vols. 8. – Französische s. in der angef. Anthologie Françoise, in den meisten franz. komischen Opern, und in den Oeuv. div. de Mr. Moncrif, Par. 1751. 2 Voll. 8. – Deutsche: Gleims Romanzen, Amst. 1757. 8. – Löwens Romanzen, Hamb. 1762. 8. u. Th. III. s. poet. Schriften. – Schiebelers Romanzen, Leipz. 1768. 8. und in s. auserl. Gedichten, Hamb. 1772. 8. – (Geißlers) Romanzen, Mietau, 1774. 8. – Bürgers, v. Stolbergs u.a.m. s. in ihren Gedichten, und versch. Musenalmanachen. – Sammlungen: Romanzen der Deutschen, Leipz. 1774.78. 2 Bde. 8. Balladen und Lieder altengl. und altschott. Dichter, herausg. von Hrn. Ursinus, Berl. 1777. 8. – Volkslieder, (von Hrn. Herder) Leipz. 1778.79. 2 Bde. 8. – (Bodmers) Altengl. und Altschwäb. Balladen, Zürich, 1780.81. 2 Bde. 8.

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Johann Joachim Eschenburg: Entwurf einer Theorie und Literatur der schönen Wissenschaften. Zur Grundlage bey Vorlesungen.
Berlin u. Stettin: Nicolai 1783, S. 35-54 u. 106-119.

URL: http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0001/bsb00012829/images/
URL: https://archive.org/details/bub_gb_6NZXAAAAcAAJ
URL: https://books.google.fr/books?id=6NZXAAAAcAAJ

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien). Für die Anmerkungen gilt: Interpunktion nach erkennbaren Regeln der Druckvorlage normalisiert; keine Übernahme der typographischen Differenzierung von Fraktur, Antiqua, Kursivierung und Fettdruck.

 

 

Weitere Auflagen (1789 – 1817)

 

Kommentierte Ausgabe

 

 

Literatur

Andersen, Zsuzsanna B.: The Concept of "Lyric disorder". In: Essays in Poetics. The Journal of the British Neo-Formalist School 13,2 (1988), S. 27-39.

[anonym]: [Rezension zu] Theorie der schönen Wissenschaften, zum Gebrauche seiner Vorlesungen, herausgegeben von Johann August Eberhard. Halle im Verlag der Waisenhausbuchhandlung, 1783.   –   Anfangsgründe einer Theorie der Dichtungsarten, aus deutschen Mustern entwickelt. Erster Theil, (von J. J. Engel) Berlin und Stettin bey Friedrich Nicolai 1783.   –   Entwurf einer Theorie und Litteratur der schönen Wissenschaften, zur Grundlage bey Vorlesungen, von Johann Joachim Eschenburg. Berlin und Stettin bey Friedrich Nicolai, 1783.
In: Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste. Bd. 29, 1784, Stück 1, S. 267-290.
URL: http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/toc/?PID=PPN556514408
URL: http://opacplus.bsb-muenchen.de/title/213491-3
URL: https://catalog.hathitrust.org/Record/008697295

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Eschenburg, Johann J.: Beispielsammlung zur Theorie und Literatur der schönen Wissenschaften. 8 Bde. Berlin u. Stettin: Nicolai 1788 – 1795.
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Eschenburg, Johann J.: Grundzüge eines Gemäldes der deutschen Litteratur und Geschmacksbildung während der drey letzten Jahrzehenden. In: Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. 1795: Januar, S. 1-31; März, S. 430-442; April, S. 45-54; August, S. 233-247.
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Verzeichnisse

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Brekle, Herbert E. u.a. (Hrsg.): Bio-bibliographisches Handbuch zur Sprachwissenschaft des 18. Jahrhunderts. Die Grammatiker, Lexikographen und Sprachtheoretiker des deutschsprachigen Raums mit Beschreibungen ihrer Werke. Bd. 2. Tübingen: Niemeyer 1993.
S. 398-402: Art. Eschenburg.

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Goßens, Peter: Art. Eschenburg. In: Poetiken. Autoren – Texte – Begriffe. Hrsg. von Monika Schmitz-Emans u.a. Berlin u.a. 2009, S. 120-121.

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Hilliard, Kevin: Die 'Baumgartensche Schule' und der Strukturwandel der Lyrik in der Gefühlskultur der Aufklärung. In: Gefühlskultur in der bürgerlichen Aufklärung. Hrsg. von Achim Aurnhammer u.a. Tübingen 2004 (= Frühe Neuzeit, 98), S. 11-22.

Hölter, Achim: Johann Joachim Eschenburg: Germanist und Komparatist vor dem Scheideweg. In: Germanistik und Komparatistik. DFG-Symposion 1993. Hrsg. von Hendrik Birus. Stuttgart u.a. 1995 (= Germanistische Symposien; Berichtsbände, 16), S. 571-592.

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S. 347-359: Second Mémoire.
URL: http://books.google.de/books?id=yE0VaKlaPIYC
URL: http://catalog.hathitrust.org/Record/012296094
Übersetzung in:
Friedrich von Hagedorn: Sammlung Neuer Oden und Lieder. Zweyter Theil. Hamburg: Bohn 1744, S. 2-40 (Übers. Johann Arnold Ebert).
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Vgl. S. 130-135.

Trappen, Stefan: Gattungspoetik. Studien zur Poetik des 16. bis 19. Jahrhunderts und zur Geschichte der triadischen Gattungslehre. Heidelberg 2001 (= Beihefte zum Euphorion, 40).

Vöhler, Martin: Pindarrezeptionen. Sechs Studien zum Wandel des Pindarverständnisses von Erasmus bis Herder. Heidelberg 2005 (= Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften; Reihe 2, N.F., 117).

Weimar, Klaus: Geschichte der deutschen Literaturwissenschaft bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Paderborn 2003 (= UTB, 8248).

Zelle, Carsten: Eschenburgs Beispielsammlung – ein norddeutsch-protestantischer Kanon? In: Der Kanon im Zeitalter der Aufklärung. Beiträge zur historischen Kanonforschung. Hrsg. von Anett Lütteken u.a. Göttingen 2009, S. 89-111.

Zelle, Carsten: Eschenburgs Ästhetik – zur Theorie und Literatur der schönen Wissenschaften In: Johann Joachim Eschenburg und die Künste und Wissenschaften zwischen Aufklärung und Romantik. Netzwerke und Kulturen des Wissens. Hrsg. von Cord-Friedrich Berghahn u.a. Heidelberg 2013 (= Germanisch-romanische Monatsschrift; Beiheft 50), S.  31-51.

Zymner, Rüdiger (Hrsg.): Handbuch Gattungstheorie. Stuttgart u.a. 2010.

Zymner, Rüdiger: Theorien der Lyrik seit dem 18. Jahrhundert. In: Handbuch Lyrik. Theorie, Analyse, Geschichte. Hrsg. von Dieter Lamping. Stuttgart u.a. 2011, S. 22-34.

 

 

Edition
Lyriktheorie » R. Brandmeyer