Karl Wilhelm Ramler (Hrsg.):
Lyrische Bluhmenlese

 

 

Karl Wilhelm Ramler

 

Vorbericht.

 

Diese vier letzten Bücher der lyrischen Bluhmenlese enthalten, in einer mehr oder weniger veränderten Gestalt, einen Theil der Lieder, welche im Jahr 1766 unter dem Titel Lieder der Deutschen erschienen sind. Einen großen Theil derselben hat man hier gänzlich verworfen und mit neuen Liedern ersetzt. Dieses ist nicht darum geschehen, weil die verworfenen schlecht waren, sondern [IV] weil einige darunter in einer auserlesenen Sammlung epigrammatischer Gedichte einen noch bessern Platz verdienten, als in einer Sammlung lyrischer Gedichte; und weil andere, die zum Theil von meinen besten Freunden herrühren, nicht von einer so vorzüglichen Schönheit waren, daß sie sich unter auserlesenen Liedern besonders ausgezeichnet hätten, ob sie gleich unter Liedern der Deutschen ihren Platz behaupten konnten.

Was die Ænderungen selbst betrifft, welche theils die Verfasser theils der Herausgeber mit diesen Liedern vorgenommen haben, so sind sie von der Art, daß [V] dem Liede sein Eigenthümliches dadurch nicht genommen ist. Und sollte man einmahl eine Stelle weggestrichen oder geändert haben, die nach dem Geschmacke irgend eines Liebhabers gewesen seyn möchte, so ist der Verlust leicht zu ersetzen. Es verhält sich mit veränderten Werken der Dichter anders, als mit veränderten Werken der Mahler. Wer in einem alten Gemählde vieles auslöscht, und etwas neues hinzuthut, der vertilgt gewisser maßen das vorige Gemählde und setzt ein anderes an dessen Stelle. Die alten Lesearten unsrer gesammelten Lieder hingegen werden durch diese Bluhmenlese nicht im geringsten vertilgt; man findet sie noch [VI] immer in den Werken ihrer ersten Verfasser, oder in den grössern Sammlungen, aus welchen sie genommen sind, und behält hiebey eine eben so freye Wahl, als bey den griechischen Fabeln des Æsopus, die man oft auf dreyerley Weise erzählt findet.

Ich habe mich aber überhaupt in Acht genommen solche Lieder zu wählen, deren Eigenthümliches man mehr für eine Ausschweifung des Dichters, als für eine wahre Schönheit zu halten Ursach hat. Was aber einen geringen Sprachfehler, der uns oft von unserer Provinz anklebt, oder eine zu harte Wortfügung, oder einen Ue[VII]belklang, oder einen unbestimmten, weniger natürlichen, weniger angemessenen Ausdruck, oder eine gezwungene Verbindung unter den Gedanken, oder einen kleinen Widerspruch mit einem der vorhergehenden Gedanken, oder einen zu leeren Vers, oder einen solchen betrifft, den allein der Reim hervorgebracht hat, so weiß man wohl, daß dieses das Eigenthümliche eines guten Dichters gar nicht ausmacht, sondern bloß der Eilfertigkeit zuzuschreiben ist.

Für einen großen Theil der Leser ist die Feile in der That ein unnützes Werkzeug. Mancher liest ein Gedicht mit Ver[VIII]gnügen, ohne darauf zu merken, ob der Dichter seine Gedanken allezeit innig verbunden, oder zuweilen bloß durch Redensarten an einander gekettet hat; ob ihm Ausdrücke entfallen sind, die der geschilderten Leidenschaft nicht zukommen, die dem Stande, dem Alter, dem Geschlecht der redenden Person zu wenig angemessen, oder auch für die Gattung des Gedichts bald zu hoch, bald zu niedrig sind; ob er einiger vortrefflichen Verse wegen sich eben so viele matte oder unnütze erlaubt hat; ob er die Gedanken, die er im Sinne hatte, wirklich ausgedrückt hat, oder ob sie nur aus dem Zusammenhange zu errathen und zu berichtigen sind; ob er [IX] etwas selbst erfunden, das heißt mehrentheils, ob er etwas durch eine neue Einkleidung, einen neuen Zusatz, sich zu eigen gemacht, oder ob er es bloß wiederhohlt und wörtlich nachgeschrieben hat.

Ein Leser, der alles dieses nicht untersucht, kann übrigens ein sehr vernünftiger Mann seyn, er kann so gar die Regeln des Schönen in einer andern Kunst, die besten Wahrheiten in einer andern Wissenschaft vollkommen inne haben: weil er sich aber nicht lange genug oder vielleicht gar nicht mit den Regeln der Poesie bekannt gemacht hat, und ein Gedicht nur darum in die Hand nimmt, sich auf einige Zeit von [X] anderer Arbeit zu erhohlen, so ist er zufrieden, wenn sein Ohr nur durch den Sylbenfall der Verse vergnügt, seine Einbildungskraft durch einige wohlgetroffene Bilder ergetzt, seine Wissensbegierde durch einzelne gelehrte Anspielungen befriedigt, und sein Verstand durch gewisse nicht alltägliche Wahrheiten aufs neue genährt worden ist. In die ihn ermüdende Prüfung der Grade des Schönen, in die Untersuchung des schicklichern oder unschicklichern Gebrauchs alter, neuer, fremder, verblühmter Wörter und Redensarten sich einzulassen, hat er weder Zeit noch Neigung. Ist ein solches Gedicht ein Lied, das sich zugleich besser, als ein anderes, [XI] nach demjenigen Ebenmaße bequemt, welches zu der immer wiederkehrenden Melodie erfodert wird, so wählt es ein Komponist, der seinen Vortheil in Acht nimmt, weit lieber, als ein anderes, welches ein guter Dichter oder Richter der Dichtkunst vorgezogen hätte. Der Komponist pflegt ein Lied voll gewöhnlicher und mit den gewöhnlichsten Worten ausgedrückter Gedanken, worin aber die bedeutendsten Worte an gleichen Stellen stehen, worin bequeme symmetrische Einschnitte und gute Vokale vorkommen, als eine leere Leinwand anzusehen, worauf er die vorzügliche Geschicklichkeit hat, die allerschmeichelhaftesten und rüh[XII]rendsten Gemählde zu tragen. Auch die meisten Sänger und Spieler seiner Stücke untersuchen weder den Grundriß, noch die poetischen Farben seines solchen Liedes. Wenn der reizende Ausdruck des Musikers ihr Ohr vergnügt und angenehme Empfindungen in ihnen erregt, so sind sie mit dem Poeten ganz wohl zufrieden.

Bey einem lyrischen Gedichte welches oft nichts als einen artigen Einfall enthält, muß allerdings die feinste Feile gebraucht werden: ohne einen sorgfältigen Ausputz würde es allzuviel von seinem Werthe verlieren; allein die genaue[XIII]ste Ausfeilung aller kleinen Theile macht den ganzen Werth eines solchen Gedichtes nicht aus. So wie es Gebäude giebt, woran die einzelnen Theile vollkommen ausgearbeitet sind, und wo doch das Ganze unschicklich zusammengesetzt ist, so giebt es auch Lieder, deren einzelne Verse aus den ausgesuchtesten Redensarten bestehen, deren Sprache das glückliche und seltene Mittel zwischen dem hohen und oft übertriebenen, und zwischen dem leichten und oft zu gemeinen Ausdruck hält, worinn alle Zeilen Ebenmaß und Wohlklang haben, worinn kein harter Zusammenstoß der Mitlauter, keine gähnende Oeffnung zusammentreffender Selbst[XIV]lauter das Ohr beleidigt, wo so gar fast jeder Vers einen artigen Gedanken enthält, und wo doch das Ganze aus mehr als Einer Ursache fehlerhaft ist. An solche Lieder darf man sich mit keiner Feile wagen, sie müssen völlig umgeschmelzt werden; ausgefeilt sind sie bis zum Uebermaß. Wer hier Lücken zwischen den Gedanken ausfüllen, üppige Zierathen wegnehmen, einen Widerspruch heben, einen angemessenen Ausdruck anbringen wollte, der würde doch schwerlich einen schönern Vers, eine zierlichere Redensart hinsetzen können. Welches kein Wunder ist, weil der Poet bloß nach dem an sich selbst schönen Gedanken oder zierlichen [XV] Ausdrucke getrachtet hatte, ohne sich darum zu bekümmern, ob dieses alles am rechten Orte stehe. Es giebt gewisse harte aber starke Verse, voll wahrer, großer, mannichfaltiger Gedanken, voll natürlich ausgedrückter Empfindungen, welche, wenn das Ganze dabey nicht aus den Augen gesetzt ist, über den Tadel der Kunstrichter erhaben und einem denkenden Kopfe weit angenehmer sind, als solche Gedichte, welche, so ausgearbeitet sie auch sind, uns immer mit einerley verzuckerten und ambrirten Sachen vergnügen wollen. Ja, wenn jene kraftvollen Gedichte auch kein vollkommenes Ganzes ausmachten, so würden wir [XVI] sie doch solchen Gedichten vorziehen, die zwar eine regelmäßige Anlage haben, worin aber nicht genug für den Geist und das Herz enthalten ist.

In dieser Sammlung hat man so wohl auf das Ganze als auf die einzelnen Theile gesehen, und ungeachtet die meisten dieser Lieder von der leichtesten Gattung sind, welche nicht sehr genährt seyn darf, so hat man doch kein Lied aufgenommen, welches leer an Gedanken wäre.

Weil nichts angenehmer ist, als die Mannichfaltigkeit, so hat man von allen [XVII] Arten der Lieder einige zusammengelesen, ohne gleichwohl alles Gute unserer Poeten erschöpft zu haben. Manche vortreffliche lyrische Poesien gehörten nicht in unsere Sammlung, weil sie nicht von gemeinnützigem Inhalt, auch zum Singen nicht im geringsten bestimmt waren. Andere, womit wir unsere Sammlung gern bereichert hätten, bedurften, um wahre Meisterstücke zu werden, noch eines vollkommenern Plans, welchen aber hineinzulegen so schwer zu seyn schien, daß diese Arbeit weit mehr gekostet haben würde, als die Erfindung und Ausarbeitung ganz neuer Stücke: eine Ursache, die vielleicht ihre Verfasser [XVIII] schon längst bewogen hatte, die Hand von ihnen abzuziehen. Doch haben wir ein Paar Stücke gewählt, deren unvergleichliche Farbengebung (mit den Mahlern zu reden) die minder vollkommene Zusammensetzung reichlich vergütete. Auch haben wir noch einige von solchen Liederchen beybehalten, welche die Gränze zwischen dem epigrammatischen und lyrischen Gedicht ausmachen, eine Mittelgattung, wovon in den Französischen Liedersammlungen ein großer Vorrath anzutreffen ist.

Eben so haben wir auch einige Stücke gewählt, wovon wir nicht wünsch[XIX]ten, daß unsere Poeten sie uns in solcher Menge liefern möchten, als die Welschen, die Franzosen und einige unserer ältern deutschen Dichter gethan haben: ich meine diejenigen, deren größte Schönheit oft in der Anordnung und Wiederhohlung der Reime, der Worte, der Zeilen besteht: dergleichen ist das Triolett, das Sonnett, das Ringelgedicht (Rondeau) und diejenige Balade, die bloß in zwey Reimen verfaßt und mit einer Zueignungsstrophe beschlossen wird. Die Lieder, deren Strophen sich allezeit mit einerley Verse schließen, und die zum Singen sehr bequem sind, haben wir in grösserer Anzahl aufgenommen. [XX] Auch fehlt es unserer Sammlung nicht an einem und dem andern Liebesliede im Geschmack unsrer alten Minnesinger, und an charakteristischen Liedern, die im Nahmen einer Nonne, eines Wilden, und anderer Personen gedichtet sind. Der Lieder nicht zu gedenken, die man arkadischen Schäfern und Schäferinnen in den Mund legt. Schäferstücke haben sich bereits das Vorrecht erworben, eine besondere Dichtungsart auszumachen, weil sie der poetischen Verschönerung am allerfähigsten sind, und uns einen Stand abschildern, welcher den Menschen der natürlichste und angenehmste ist, einen Stand, worin Gleichheit, Ruhe, [XXI] Zufriedenheit, unverdorbene Sitten und eine zwanglose Liebe herrschen.

Zu den charakteristischen Liedern können wir auch diejenigen rechnen, die seit einiger Zeit mit Fleiß für den allergrößten Haufen und mehrentheils im Nahmen desselben gemacht worden sind. Von diesen konnten wir nicht viele in eine Bluhmenlese aufnehmen, die wir eigentlich nicht für den allergrößten Haufen unternommen hatten. Unsre meisten Bewohner der Städte und Dörfer, so gute Menschen sie in anderer Betrachtung sind, lieben in der That kein einziges Werk der Kunst [XXII] von ganzem Herzen, wenn es nicht von einer gewissen Mittelmäßigkeit ist, man möchte sagen, wenn es nicht so beschaffen ist, daß sie es selbst zur Noth eben so gut hätten machen können. Was die bildenden Künstler für das schlechteste unter den Kunstwerken halten, ist diesen das liebste. Sollte ein Dichter, der Muße und Geschicklichkeit besitzt, eine auserlesene Anzahl von Menschen von Zeitalter zu Zeitalter mit wahren Meisterstücken zu vergnügen, sollte sich dieser wohl aus freyer Wahl damit abgeben, nach dem schlechten Geschmacke der meisten zu arbeiten? Das zahlreiche Volk, wel[XXIII]ches gebohren ist, die Früchte der wohlthätigen Erde zu genießen, findet zu allen Zeiten unter sich selbst witzige Köpfe, die es mit Reimlein auf das feine Liebchen und auch mit Mordgeschichten und Gespensterhistörchen versorgen, ohne daß Dichter von feinerm Geschmack es nöthig hätten, ihre Arbeiten ihm zu Gefallen herabzusetzen. Auch gelingt es ihnen selten damit; es entwischen ihnen fast immer poetische Redensarten, die diesen unpoetischen Köpfen viel zu hoch sind. Diejenigen unter dem Volke, die Zeit und Vermögen genug haben, werden gewiß Fleiß anwenden, ihren Geist zu erhe[XXIV]ben und zu verbessern, wenn sie an den schönen Künsten Antheil nehmen wollen, die schönen Künste aber müssen sich nicht freywillig erniedrigen und verschlechten. Mancher Dichter kömmt dadurch in den Verdacht, als ob er nicht mehr im Stande sey, etwas vollkommenes zu liefern, und daher vorgebe, er habe mit gutem Vorbedacht für das gemeine Volk arbeiten wollen. Wer indessen von verdrießlichen Amtsgeschäfften sich zu erhohlen dergleichen Werke verfertigen will, die ihn nicht in große Unkosten setzen, der wird in dem Beyfall der Menge, und zwar der Menge von allen Ständen, [XXV] auf einige Zeit seine Belohnung finden. Ein wirklicher Meister in dieser Art der Gesänge begnüge sich mit dieser guten Aufnahme, ohne der Welt und seinen Zunftgenossen beweisen zu wollen, daß man eigentlich so schreiben müsse. Männer von Geschmack und Einsicht, die einige von diesen Arbeiten, der Neuigkeit wegen, und als scherzhafte Nachbildungen der Denkungsart des gemeinen Volks, mit Vergnügen aufgenommen haben, würden sich durch die spitzfündigsten Beweise nicht hintergehen lassen; und die Lehrlinge der Musen, die alles Besondere, und zwar das fehlerhafte, weil es am [XXVI] leichtesten zu erreichen ist, am ersten nachzuahmen pflegen, würden nur noch mehr gereizt werden, unser Deutschland, das seinem goldenen Alter schon nahe zu seyn schien, mit niedrigen Werken des Witzes zu überschwemmen. Ausländer, die unsre gesunde Vernunft und Gelehrsamkeit schätzen, unsre reiche und starke Sprache erlernen, mit unsern berühmtesten alten und neuen Schriftstellern bekannt sind, fragen oft, warum die Deutschen ihre Sprache noch härter machten, warum ihre Dichter die Poesie durch so viele Redensarten des gemeinen Volks aller Provinzen und aller Zeitalter zu [XXVII] erniedrigen suchten. Wollen wir unsern guten Ruf bey ihnen verlieren? wollen wir wieder in die Kindheit unsrer Dichtkunst zurückkehren?

Leicht muß man allerdings schreiben, wenn man Lieder verfertigen will, die den fröhlichen Gesang unter uns allgemein machen sollen. Auch enthält unsre Bluhmenlese einige, die selbst dem gemeinen Mann gefallen können, ungeachtet sie nicht in seiner niedrigen und fehlerhaften Sprache verfaßt sind.

Einige Wendungen der Volkssprache nachzuahmen, etwas von der Spra[XXVIII]che anderer Provinzen in die hochdeutsche Büchersprache herüber zu nehmen, gute Wörter aus der längst veralteten Sprache wieder hervor zu ziehen, ist eines von den vielen Hülfsmitteln, die ein guter Dichter gebraucht, seiner Sprache dadurch einen besondern Anstrich zu geben. Virgil bedient sich in seinen Werken einiger Gräcismen, er gebraucht ein altlateinisches Wort, oder eine Personenendung dieses Wortes aus den Zeiten des Lukrez und Ennius, doch stopft er sein Gedicht nicht voll damit; er weiß mehr als Eine Art, die Dichtersprache von der Prose zu entfernen. Man wird auch in un[XXIX]srer Bluhmenlese irgend ein Lied finden, worin bald ein Wort aus der Sprache des Volks unsrer oder einer andern Provinz, bald ein Wort aus der Sprache des vorigen Jahrhunderts gebraucht ist; ein Lied, worin einmahl der Artikel vor einem Nennworte weggelassen, ein andermahl das Pronomen eines Zeitworts unterdrückt worden ist: allein wir haben keines gewählt, wo die neue und übliche Sprache sich unter dem Rost der alten versteckt.

Was die Verfasser dieser Lieder betrifft, so will ich nur überhaupt an[XXX]zeigen, daß fast der sechste Theil der ganzen Sammlung von unserm vortrefflichen Ungenannten, dem Verfasser des Liedes Daphnens und Apolls Geschichte herrührt; daß Weiße, Hagedorn, Lessing, Gleim, Uz, Kleist, Ebert, Adolph und Elias Schlegel, Kretschmann, Bürger, Gotter, Blum, Schiebeler, Giseke, Zachariä die Verfasser der meisten übrigen, und daß einige einzelne Stücke von den beliebtesten Dichtern und Weltweisen unsers Vaterlandes entworfen sind. Alle Verfasser, deren in diesen neun Büchern mehr als neunzig sind, kennen wir selber nicht; einige wollen nicht genannt seyn, oder [XXXI] dieses und jenes Lied nicht gemacht haben; und noch andere würden, wenn wir sie genannt hätten, vielleicht bey einigen ein kleines Vorurtheil wider unsre Bluhmenlese erweckt haben, weil man die eigenen Werke derselben hin und wieder nicht allzuwohl aufgenommen hat. Indessen sind die Lieder, die wir von ihnen gewählt haben, so beschaffen, daß sie oft mit den besten unsrer Sammlung um den Vorzug streiten: so daß man hoffen darf, diese Dichter werden ihre meisten jugendlichen Arbeiten bald selbst mißbilligen, und uns solche Meisterstücke liefern, als sie nach einigen vortrefflichen [XXXII] Proben zu urtheilen, bey grösserer Muße zu machen im Stande sind.

Geschrieben, Berlin, den 24. September, 1778.

Karl Wilhelm Ramler.

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Lyrische Bluhmenlese. VI. VII. VIII. IX. Buch. Leipzig: Weidmanns Erben und Reich 1778, S. III-XXXII. [PDF]

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien).

 

 

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Bd. 3. 1757, S. 3-88: Von der lyrischen Poesie. [PDF]

Einleitung in die Schönen Wissenschaften. Nach dem Französischen des Herrn Batteux, mit Zusätzen vermehret von Karl Wilhelm Ramler.
Zweyte und verbesserte Auflage.
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Bd. 3. 1763, S. 3-88: Von der lyrischen Poesie. [PDF]

Einleitung in die Schönen Wissenschaften. Nach dem Französischen des Herrn Batteux, mit Zusätzen vermehret von Karl Wilhelm Ramler.
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Einleitung in die Schönen Wissenschaften. Nach dem Französischen des Herrn Batteux, mit Zusätzen vermehret von Karl Wilhelm Ramler.
Vierte und verbesserte Auflage.
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Edition
Lyriktheorie » R. Brandmeyer