Robert Prutz

 

 

[Rezension]

 

Ein Münchner Dichterbuch.

 

"Ein Münchner Dichterbuch. Herausgegeben von Emanuel Geibel." (Stuttgart, Kröner.)

 

I.

"Ein Münchner Dichterbuch?" Warum "Ein" Münchner Dichterbuch?" Warum nicht einfach "Münchner Dichterbuch?" Wir vermuthen, aus gewissenhafter Rücksichtnahme auf diejenigen münchner Dichter, die in der vorliegenden Sammlung nicht vertreten sind. Es ist nämlich, um dies hier gleich vorauszuschicken, keineswegs der ganze Heerbann der münchner Poeten, der hier unter Emanuel Geibel's Banner zusammengetreten sind, vielmehr begegnen wir hier mit wenigen Ausnahmen nur solchen, die zu dem in München selbst sogenannten "Jungmünchen" oder, wie man es auch wol heißt, zu den "Fremden" gehören: jüngere Dichterkräfte, die der Mehrzahl nach erst im Laufe der letzten Jahre zum Theil aus Norddeutschland nach München übergesiedelt sind, und die man auswärts auch wol, mit nicht ganz zureichender Sachkenntniß, als die poetische Tafelrunde des kunstsinnigen König Max bezeichnen hört. Soviel wir uns erinnern, ist es hier das erste mal, daß diese junge Generation in geschlossener Masse, gleichsam als dichterische Phalanx auftritt. Wollte sie damit vielleicht Antwort geben auf die Anklagen und Verdächtigungen, welche seit Jahren von einer Seite her, die sich – gewiß nur sehr mit Unrecht – als die altbairische bezeich[290]net, gegen die sogenannten münchner Berufungen erhoben worden sind? Oder hat sie, von aller Tendenz abgesehen, nur der sehr natürliche und sehr nahe liegende Wunsch geleitet, wie sie persönlich in nächstem persönlichen Verkehr leben und allerlei geselligen und literarischen Umgang pflegen, so auch in der Literatur ein Denkmal ihrer gemeinsamen Thätigkeit zu stiften? Hoffentlich nur das letztere, da jene Anklagen und Beschuldigungen doch gar zu abgeschmackt und einfältig sind, um überhaupt eine Antwort, und wäre es auch eine Antwort durch Thaten, zu verdienen.

Allein wie es sich damit verhalte und was auch den nächsten Anstoß zur Herausgabe der vorliegenden Sammlung gegeben haben mag – mehr als ein bloßer Zufall ist es jedenfalls, daß gerade diese Dichter sich in dieser Weise vereinigt haben. Denn so verschieden die poetischen Individualitäten auch sind, die sich hier zusammengefunden, und so eigenthümlichen und stark ausgeprägten Persönlichkeiten wir darunter begegnen, so geht doch fast ausnahmslos durch alle, bewußt oder unbewußt, ein gewisser Zug geistiger Gemeinsamkeit, eine gewisse innere Verwandtschaft, welche, ohne die Selbständigkeit des einzelnen auszuschließen, doch auf eine gewisse gemeinschaftliche Grundlage der poetischen Bildung, der Ansichten und Bestrebungen hindeutet.

Von welcher Art diese Gemeinsamkeit ist und worin sie hauptsächlich besteht, das hätten die Verfasser des "Münchner Dichterbuch" selbst gar nicht besser andeuten und aussprechen können, als indem sie Emanuel Geibel sozusagen zu ihrem Heerführer erwählten. Emanuel Geibel ist nicht nur derjenige unter ihnen, der sich der größten und ausgebreitetsten Popularität erfreut, er war nicht nur der erste "Fremde", der nach München berufen ward und dessen Berufung dann direct oder indirect eine Reihe anderer nach sich zog, sondern er ist auch derjenige unter den hier vereinigten Poeten, dessen dichterische Eigenthümlichkeit auf die übrigen den meisten und nachhaltigsten Einfluß geübt hat und dessen Charakter daher auch dem Ganzen am deutlichsten aufgeprägt liegt. Wir rechnen dahin vor allem die größte Reinheit und Strenge der Form; ferner, was damit nah zusammenhängt, ein gewisses Maß der Ansichten und Empfindungen, die nirgends über die Grenzlinie des Schönen hinausschweifen, aber freilich auch gewisse Höhen der Speculation und gewisse Tiefen der Leidenschaft vorsichtig vermeiden; endlich eine sichtbare Vorliebe für solche Stoffe, die auf dem Uebergang zwischen Poesie und Reflexion liegen und ihre poetische Wirkung mehr der Anmuth und Sauberkeit der Behandlung als der innewohnenden poetischen Kraft verdanken.

Natürlich kommen auch Ausnahmen vor und wir selbst werden im Verlauf unserer Besprechung deren namhaft zu machen haben. Im [291] ganzen jedoch meinen wir den Gesammteindruck, den das "Münchner Dichterbuch" auf den unbefangenen Leser hervorbringt, nicht unrichtig bezeichnet zu haben, wenn wir sagen, daß Geibel dabei nicht blos als Herausgeber thätig gewesen ist, sondern daß er auch zu der Mehrzahl der Dichter, die wir hier vertreten finden, in dem Verhältniß einer geistigen Vaterschaft steht.

Auch glaube ja niemand, als ob wir dem "Münchner Dichterbuch" damit etwas Uebles nachsagen oder den Mitarbeitern desselben den wohlverdienten Lorber verkümmern wollten. Im Gegentheil, wir glauben damit ein Lob ausgesprochen zu haben und zwar kein ganz geringes. Es ist wahr, Reinheit und Strenge der Form, so unerläßlich sie sind, können und dürfen doch niemals das Höchste sein, was man von der Dichtung verlangt; auch können wir uns noch eine andere Poesie denken als die Geibel'sche, vielleicht minder maßvoll, minder harmonisch, minder keusch und bescheiden, aber von kühnerm Schwung der Einbildungskraft, von tieferer Glut der Empfindung und größerer Energie des Ausdrucks – eine Poesie mit einem Wort, die ihre Aufgaben nicht blos in jener mittlern Sphäre sucht, welche Geibel mit so viel Vorliebe und mit so glücklichem Erfolge anbaut, sondern die unerschrockenen, ja verwegenen Muthes alle tiefsten Geheimnisse zu enträthseln und alle höchsten Wonnen und Qualen auszusprechen wagt, welche die Brust der Menschheit durchwogen!

Aber wie Einer nicht alles kann, so ist es auch nicht jeder beliebigen Zeit gegeben, das Höchste und Größte in der Kunst zu leisten. Das Höchste und Größte in der Kunst kann überhaupt nur von solchen Zeiten und solchen Völkern geleistet werden, welche ihres geistigen und sittlichen Inhalts vollkommen Herr geworden und auch die entsprechende Form zur Verwirklichung desselben gefunden haben. Das classische Kunstwerk entsteht bekanntlich erst, wenn Form und Inhalt sich vollständig decken; so ist auch die Möglichkeit einer classischen Dichtung nur da gegeben, wo ein Volk und eine Zeit in vollständigster Uebereinstimmung mit sich selber leben und, getragen und gehoben durch dies Gefühl der Selbstbefriedigung, in freier Schöpferlust den ganzen Inhalt ihres Daseins im Kunstwerk verklären. Daß aber unsere mit sich selbst entzweite, ja nicht selten an sich selbst verzweifelnde Zeit eine solche Zeit künstlerischer Uebereinstimmung und künstlerischen Selbstgenusses nicht ist, und daß somit auch niemand weniger berufen ist, das Höchste und Größte in der Kunst zu leisten, als das ringende, kämpfende, ewig unzufriedene, ewig verlangende Geschlecht unserer Tage, wem brauche man es noch erst zu sagen?!

Und so erlangen denn jene bescheidenen Eigenschaften des Maßes und der Selbstbeschränkung, der Formenstrenge und Gedankenkeuschheit, [292] die wir soeben der Geibel'schen Dichtung als Hauptcharakterzug nachrühmten, für Zeiten wie die unsern eine erhöhte Bedeutung; was der reiche Mann vielleicht mit Achselzucken beseite schieben darf, das wird für den armen unschätzbar, und so freuen wir uns und wünschen den Mitarbeitern des "Münchner Dichterbuch" aufrichtig Glück, daß sie sich einen Poeten wie Geibel zum Muster und Führer genommen haben. Sie haben damit einen Weg betreten, auf dem sie gewisse höchste Ziele allerdings wol schwerlich erreichen werden, der sie aber auch niemals in jenen Sumpf der Barbarei und jene Wüste der Geschmacklosigkeit führen wird, die einige uns heutzutage wol gar als den echten wahren Garten der Poesie anrühmen. Ueberall, in der Politik, in der Wissenschaft und ebenso auch in der Poesie, gibt es Zeiten des Stillstands, wenn auch nur des scheinbaren, Zeiten, wo die schaffende Kraft sich gleichsam in sich selbst zurückgezogen und den Aftergeburten des Tages das Feld überlassen hat. In solchen Zeiten wenigstens dem zunehmenden Verfalle wehren, der Roheit und Verwilderung einen Damm setzen und gegenüber den Verirrungen des Zeitgeschmacks das Banner der Wahrheit und Schönheit hochhalten, auch wenn es zu keinem entscheidenden Siege führt – das ist immerhin ein Verdienst, und auch dem "Münchner Dichterbuch" muß ein Antheil an diesem Verdienste zuerkannt werden.

Wenden wir uns nach diesen allgemeinen Betrachtungen, die wir gern noch weiter ausgeführt hätten, wenn hier der Raum dazu wäre, zu einer nähern Betrachtung dessen, was das "Münchner Dichterbuch" bietet. Es sind im ganzen 16 Dichter, welche dazu beigesteuert haben, die meisten darunter von bekanntem Namen; so außer dem Herausgeber Henrik Hertz, dem Dichter von "König René's Tochter", Adolf Friedrich von Schack, der Geschichtschreiber des spanischen Theaters, Moritz Carriere, V. J. Scheffel, desen "Ekkehard", einer der vorzüglichsten Romane der Gegenwart, leider noch immer nicht so geschätzt ist, wie er es verdiente, ferner Hermann Lingg, Friedrich Bodenstedt, von dessen "Liedern des Mirza-Schaffy" soeben die elfte Auflage angekündigt wird, Julius Große, Melchior Meyr, Paul Heyse. Dazu gesellen sich dann von bisher minder bekannten Johannes Schrott, S. Lichtenstein, Felix Dahn, Heinrich Leuthold und Hans Hopfen; irren wir nicht, so gehören dieselben sämmtlich, wie auch einige der obengenannten, zu den eingeborenen münchner oder doch wenigstens bairischen Dichtern und haben wir in ihnen also wol den eigentlichen poetischen Nachwuchs zu erkennen, der durch Geibel's Berufung in Baiern selbst erweckt ist.

Den Reigen eröffnet Wilhelm Hertz mit einem längern erzählenden Gedichte: "Hugdietrich's Brautfahrt". König Walmund hat ein einziges Töchterlein, mit Namen Hildegard; dieselbe ist so schön und der [293] König hat sie so lieb, daß er beschließt, sie niemals von sich zu lassen, und also auch, solange er lebt, an keinen Freier zu vergeben. Auf der königlichen Burg zu Salneck sitzt sie, einsam und ungekannt, von keinem Manne gesehen außer von ihrem Vater, die Waldvöglein fütternd, den Wogen lauschend, die sich am Fuße des Thurmes brechen, und dem Zuge der Wolken nachschauend.

So schwanden ohne Klage
Wunschlose Jugendtage;
Doch kam ein Frühling blüteschwer,
Da ward sie stiller mehr und mehr;
Sie fühlte mit verschämtem Beben
In zarter Brust ein knospend Leben
Und sah sein ahnungsreiches Walten
In holden Räthseln sich entfalten:
Dann barg sie vor des Tages Schein
Sich in ihr dämmernd Kämmerlein.
Oft, wenn sie sang zum Harfenklang,
Ward ihr das Herz so sterbensbang;
Sie wünscht – und weiß nicht, was ihr fehlt,
Sie seufzt – und weiß nicht, was sie quält,
Ausweinend in bekämpften Thränen
Ein weiches, unverstand'nes Sehnen!

Aber so verborgen König Walmund seine Tochter auch hält, so kann er doch nicht hindern, daß die geheimnißvolle Kunde von ihrer Schönheit weit durch die Welt fliegt, fernhin zum jungen König von Byzanz, dem edeln Hugdietrich. Bald steht sein Herz in lichten Flammen für die nie gesehene und doch bereits geliebte Schöne; und sollte es ihm sein Leben kosten, er will und muß sie sehen und besitzen. Aber Herzog Berchtung von Meran, sein Erzieher und zweiter Vater, kennt König Walmund, er weiß, daß es schwer fallen wird, den harten Sinn des Alten zu ändern, und räth daher zur List. Da kein Mann zur schönen Hildegard gelangen kann, so soll Hugdietrich sich als Weib verkleiden:

Ihr seid ein schmuckes junges Blut,
Mich dünkt, ein Mieder steht euch gut.
Auf Euren rosenfarb'nen Wangen
Ist noch kein Flaumhaar aufgegangen,
Und Eure Hand ist weiß und fein
Zum Neid für manches Mägdelein.

Auch ist ihm eine Meerfrau mütterlich geneigt; dieselbe ist Meisterin im Spinnen und Weben und auf seine Bitte nimmt sie Hugdietrich in ihre Schule und lehrt ihn, künstliche Gewebe fertigen, so reich und schön, wie keine irdische Frau sie zu Stande bringt:

Still kreist die Flut mit dichtem Schaum
Und grüne Dämm'rung füllt den Raum;
Nur durch der Wölbung Ritzen bricht
In Streifen gold'nes Tageslicht.
Doch durch die Pfeilerhallen,
Da geht ein seltsam Schallen,
Ein Klimpern und ein Klirren,
Ein Schnarren und ein Schwirren.
Es sitzt mit schilfdurchflocht'nem Haar
Am Webstuhl rings der Nixen Schar.
Die Stühle sind von schlankem Bau,
Korallen roth und veilchenblau,
Die Muschelschifflein hüpfen,
Die Perlenfäden schlüpfen,
Und von des Meersterns Spule rollt
Melodisch das geschmeid'ge Gold.
Sie weben Schleier und Gewand,
Zu fein der feinsten Menschenhand,
Sie weben Mäntel ohne gleichen,
Unschätzbar in der Erde Reichen,
Mit lichten Wappenschildern
Und wundersamen Bildern
Aus uralt dunkeln Sagen
Von längstvergess'nen Tagen.

[294] So ausgerüstet und vorbereitet macht Hugdietrich, als Mägdelein verkleidet, sich mit Berchtung auf den Weg. Nach kurzer und glücklicher Fahrt landen sie bei Salneck; König Walmund, der eben beim Schmause sitzt und der mit Berchtung von alten Zeiten her bekannt ist, heißt die Gäste willkommen. Der verkleidete Hugdietrich wird als Hildegund vorgestellt; sie ist angeblich in Zwist gerathen mit ihrem Bruder, dem König von Byzanz, und sucht, vor dessen Zorne flüchtig geworden, bei Walmund eine Freistatt. Der König sagt dieselbe zu, Berchtung reist mit dem Versprechen baldiger Wiederkunft ab und läßt den zur schönen Hildegund metamorphosirten Hugdietrich in der Burg zurück. Noch kann er keine Spur von der Geliebten entdecken, aber schon das Bewußtsein von ihrer Nähe erfüllt ihn mit süßer Befriedigung. Auch läßt er sich gleich am nächsten Morgen einen Webstuhl bauen und mit rascher Hand wirkend und stickend bringt er ein Festgewand für die Königin, für den König aber eine Perlenhaube zu Stande, beides so schmuck und prächtig, wie der König es noch niemals gesehen. In seiner Freude beschließt er, die vermeintliche Hildegund zu seiner Tochter Hildegard zu führen, damit letztere ebenfalls diese wunderbare Webekunst erlerne. Zwar der Königin ist die Sache nicht recht geheuer, sie will der fremden Prinzessin allerhand angemerkt haben, was sie argwöhnisch in Betreff ihres Geschlechtes macht; der König jedoch verlacht ihre Warnungen als thörichte Grillen und führt den verkleideten Prinzen zu seiner Tochter, bei der er nun als Gesellschafterin bleiben soll.

In Salneck auf der hohen Wart
Saß Hildegund mit Hildegard;
In gleichgemess'nem Bogen
Die flinken Schifflein flogen,
Und fleißig hallte manchen Tag
Eintönig fort des Webstuhls Schlag.
Doch bei der Sonne Scheiden,
Da rasteten die beiden
Und sahen durch die dunkle Flut
Manch Segel ziehn in Abendglut.
Sie lehnten Wang' an Wange
Mit lieblichem Gesange,
Und in der Dämm'rung hub sodann
Hugdietrich zu erzählen an
Von ferner Länder Wunderpracht,
Von Meerfahrt und von Reckenschlacht,
Von treuer Liebe Sagen
Aus liederreichen Tagen.
Das Mägdlein war des Staunens voll,
Wenn ihm das Wort vom Munde quoll,
Und hat entzückt durch manche Nacht
Den schönen Mären nachgedacht.

Hildegund erzählt von ihrem angeblichen Bruder, dem König von Byzanz, und gesteht endlich, daß er in Hildegard verliebt, und daß sie selbst keineswegs vor ihm geflohen, sondern als Botin von ihm hergesandt sei, bei Hildegard für ihn zu werben. Die Schilderung von der heißen und innigen Liebe, welche der König der Niegesehenen widmet, erregt auch in der Brust der Jungfrau bisher nicht gekannte Empfindungen, auch in ihr Herz träufelt leise das süße Gift der Liebe und schon ist der Augenblick gekommen, wo Hugdietrich es wagen darf, der Geliebten sein Geheimniß zu enthüllen und ihr zu sagen, wer er ist:

[295] Sie schrak mit leisem Schrei zurück,
Verwirrt von Scham, betäubt vom Glück;
Doch er zieht kosend sie heran,
Das sel'ge Weib der sel'ge Mann,
Und arglos fordern Herz und Sinne
Der Jugend Recht, das Recht der Minne.
Hinschwindet Schreck und kindlich Bangen,
Sie hält anschmiegend ihn umfangen,
Ihr Antlitz glüht von seinem Hauch, –
Sie schwiegen still, – so schweig ich auch.

Und würd' auch meine Rede blühn
Gleich Rosen in des Maien Grün,
Und wären die Gedanken mein
Wie Morgenluft und Sonnenschein, –
Ich könnt' euch doch nicht Kunde sagen
Von jenen gold'nen Liebestagen.
Und wär' mein Athem Harfenklang
Und meine Stimme Lerchensang, –
Ich könnte stammelnd nur erzählen
Vom Jubelhall der jungen Seelen, –
O Wunderzeit, du fliehst dem Sinn
Unfaßbar, unaussprechlich hin,
Und nur, wenn lange du entschwunden,
Mag dich ein klagend Lied bekunden.

So lebt das holde Paar nun eine Reihe von Monaten in Freude und Frieden, glücklich durch seine Liebe und ohne daß der alte Walmund oder sonst jemand Verdacht schöpft. Aber wie der Winterschnee zu schmelzen beginnt und das Saatkorn, das solange im Dunkeln schlief, dem Lichte entgegendrängt, da beginnt es sich auch in Hildegard's Schos zu regen. Hugdietrich tröstet die Weinende und heißt sie frohen Muthes sein:

Scheut echte Lieb' der Menschen Groll?
Mein Herz ist neuer Freuden voll.
Was wir geheim gesponnen,
Es muß wol an die Sonnen:
Du warst mein Weib vor Gott allein,
Und sollst's auch vor den Menschen sein!
Und was dir jetzt den Muth mag kränken,
Deß wirst du lächelnd einst gedenken. –

Und richtig, wie er es versprochen, kommt mit dem beginnenden Frühjahr der getreue Berchtung, angeblich in Hugdietrich's Auftrag, um die Schwester, mit der derselbe sich auszusöhnen wünscht, zurückzuholen. So schwer die Trennung von der Geliebten ihm fällt, so muß Hugdietrich doch scheiden; auch von König Walmund verabschiedet er sich, indem er ihm einen Ring hinterläßt, den er der Prinzessin im Namen der scheidenden Freundin überreichen soll. In der Nacht nach Hugdietrich's Abreise kommt Hildegard's Stunde; die Frau des Thürmers steht ihr in ihren Nöthen bei und bald liegt ein Knäblein, stark und schön, mit großen hellen Augen und einem rothen Mal auf der Schulter, an der Brust der jugendlichen Mutter. Aber in demselben Augenblick hören sie den König kommen und in ihrer Bestürzung, um sich vor einer vorzeitigen Entdeckung zu sichern, läßt die Thürmerfrau den Knaben an einem Seil zum Fenster hinaus in den Zwingergraben. Der König ahnt noch immer nichts Schlimmes, er schreibt die Krankheit der Tochter ihrem Schmerz über die Abreise der schönen Gespielin zu und verläß sie arglos, indem er ihr den Ring übergibt, den Hugdietrich für sie zurückgelassen. Aber o weh, während der König in dem Gemach verweilt, hat sich ein Wolf in den Zwingergraben geschlichen [296] und den Neugeborenen davongetragen, weit hinaus in den Wald zu seinen Jungen:

Die waren just zur Nacht geboren
Mit zartem Pelz und schlappen Ohren;
Weich war ihr Kiefer noch; sie lagen
Und sogen Milch mit viel Behagen.
Die Wölflein tappten plump und blind,
Verdutzt berochen sie das Kind,
Doch ging das über ihre Witze:
Sie kehrten zu der Mutter Zitze.
Der derbe Junge war nicht bang,
Das Fasten währt' ihm ihm allzu lang:
Hinkroch er nach der warmen Stätte
Und sog mit ihnen um die Wette.
Die Wölfin lag in stolzer Ruh'
Und sah dem Raub gelassen zu.

Hildegard ist in Verzweiflung über den Verlust des Kindes, all ihr Lebensmuth ist geknickt – da fügt es das Glück, daß König Walmund eines Tages auf die Jagd zieht und dabei in den Schlupfwinkel geräth, wo die Wölfin mit ihren Jungen und mitten unter den jungen Wölfen das Knäblein liegt. Die Wölfin entflieht, der König aber nimmt das Kind, das ihn freundlich ansieht, mit sich ins Schloß und übergibt es seiner Gemahlin, die es wiederum für das Rathsamste hält, es hinauf zu ihrer Tochter zu bringen, als Trost in ihrer Trauer und Einsamkeit. Hildegard aber, die ihr Kind an dem Mal erkennt, in seliger Mutterwonne, gesteht der Königin alles, was vorgegangen. Nach dem ganz richtigen Grundsatz, daß geschehene Dinge nicht zu ändern, entdeckt die Königin das Geheimniß ihrem Gemahl, nicht ohne Anflug von Schadenfreude, da sie selbst ja vor langem etwas der Art geahnt hat. Der König tobt und wüthet, in dem Augenblick jedoch, da er eben seinen Fluch auf das Haupt der jammernden Tochter schleudern will, entsteht Lärmen am Strande: Herzog Berchtung kommt als Freiwerber für Hugdietrich von Byzanz und da gleichzeitig dieser selbst mit einer zahlreichen und wohlbewehrten Flotte hinterdrein gezogen kommt, der Werbung Nachdruck zu geben, so muß König Walmund, der nicht vorbereitet ist, es mit solchem Feinde aufzunehmen, sich wohl oder übel in das Unvermeidliche fügen –

Es lebte drauf das junge Paar
Vereint manch liebes langes Jahr
In Freuden bis zum Grabe.
Wolfdietrich hieß der Knabe,
Welch mächt'ger Streiter er gewesen,
Mögt ihr im Heldenbuche lesen.

Man sieht, die Erfindung ist ebenso einfach wie lieblich; es ist eine harmlose Dichtung, ein Nachklang aus glücklichern Tagen, wo die Menschen noch nichts zu thun hatten als ihrem Herzen zu leben, und wie die Gegenwart sie nicht mehr kennt. Doch hat der Dichter diesen einfachen Stoff mit solcher Anmuth und Grazie behandelt und namentlich in sprachlicher Hinsicht eine solche Fülle lieblichsten Wohllauts darüber ausgegossen, daß das Ganze den angenehmsten Eindruck macht. Es ist in der That etwas in diesem Gedichte, das an Gottfried von Strasburg und die Süßigkeit seines Vortrags erinnert; Verse und Reime fließen [297] in holdestem Wechselspiel, so kunstreich und dabei doch so ungezwungen, wie wir es nur in den gelungensten Werken unserer mittelalterlichen Dichter finden. Besondere Anerkennung verdient auch die Art und Weise, wie der Verfasser das Liebesleben des jungen Paares im Thurme behandelt hat; dieselbe ist ebenso entfernt von Pruderie wie von Lüsternheit und spiegelt in ihrer holden Natürlichkeit die angeborene Keuschheit eines echten Dichterherzens wider.

An dieses Eingangsgedicht, bei dem wir uns lange, aber doch nicht länger verweilt haben, als seine Schönheiten verdienen, schließen sich "Lieder und Balladen von Adolf Friedrich von Schack". Die Mehrheit derselben ist ernsten, ja düstern Charakters; der Dichter ergießt sich in schmerzlichen Klagen um ein großes Glück, das ihm auf ewig entschwunden, wobei nur dies unserer Theilnahme einigermaßen Abbruch thut, daß wir nicht so recht erfahren, um was es sich handelt. Auch herrscht in einzelnen Gedichten ein gewisses declamatorisches Pathos, das für den Leser ebenfalls etwas Erkältendes hat. Desto einfacher und tiefer empfunden ist z.B. das folgende, das wir als Probe einschalten:

Schmerz, der keinen Namen kennt,
Aber allempfunden
Durch das Herz der Wesen brennt
In Myriaden Wunden;

Mächt'ger, welchem unbewußt
Schon die zarten Kleinen,
Saugend an der Mutter Brust,
Ihre Thränen weinen;

Den der Tag, der junge, haucht,
In den Morgenwinden,
Und in den zurückgetaucht
Seine Strahlen schwinden;

Der in jedem Glockenschlag,
Wie mit eh'rnem Hammer
Du das Herz, das schon zerbrach,
Brichst durch neuen Jammer:

O, wird ewig deine Macht,
Wird sie ewig währen,
Und noch in der Grabesnacht
Unsern Schlummer stören?

Emanuel Geibel bringt "Erinnerungen aus Griechenland". Vermuthlich sind es Jugendgedichte oder doch wenigstens Eindrücke aus alter, längstvergangener Zeit, die erst nachträglich poetische Gestalt gewonnen haben. Es spricht sich darin das volle Entzücken des Dichters aus, auf classischem Boden wandeln und in den Reizen der südlichen Natur schwelgen zu dürfen. Doch gedenkt er bei alledem auch der deutschen Heimat, theils scherzweise, indem er sich nach "Punsch und einem deutschen Ofen" sehnt, theils ernstlicher, wie in dem nachstehenden Schlußgedicht:

Auf Chäronea's Heide
Im alten Schlachtgefild
Liegt wie versteint im Leide
Ein marmorn Löwenbild.

Es mahnt, daß kühn gemuthet,
Wo jetzt die Disteln wehn,
Im Kampf dereinst verblutet
Die Jugend von Athen.

[298] O Hellas, welche Lippe
Sagt, was dein Herz erlitt,
Als hier des Fremdlings Hippe
Der Freiheit Lilien schnitt!

Was half dir da der Musen
Verhängnißvolle Gunst,
Im götterreichen Busen
Das heit're Licht der Kunst?

Der Tiefsinn deiner Weisen,
Der Sänger Lorberzier,
An jenem Tag von Eisen
Was frommt es alles dir?

Ach, krank im Kern des Lebens
Von eifersücht'ger Glut,
Verströmtest du vergebens
Dein letztes Heldenblut.

Weil du gelöst mit Pochen
des Pfeilbunds stark Geflecht,
Sank, Schaft für Schaft zerbrochen,
Dahin dein ganz Geschlecht.

Mit eh'rnem Schluß die Zügel
Ergriff Barbarenhand –
O schau' in diesen Spiegel,
Schau' her, mein Vaterland!

An einer spätern Stelle des Buches begegnet Geibel uns noch einmal mit drei vermischten Gedichten, "Julin", "Im Frühling" und "Geschichte und Gegenwart" und wenn die "Erinnerungen aus Griechenland" uns mehr den jugendlichen Dichter in der glücklichen Unbefangenheit seines Daseins vor die Seele führen, so erkennen wir dagegen in dem letzten der drei eben genannten Gedichte den gereiften Mann, der nicht blos mehr seine persönlichen Leiden und Freuden singt, sondern dem die Geschichte selbst zur erhabensten Dichtung wird:

Du, die im Wirrsal dieser Tage
Sich zur Prophetin Gott ersah,
Wie hoch und ernst mit deiner Wage,
Geschichte, stehst du vor mir da.
Sibylle, der vom keuschen Munde
Das Zeugenwort der Dinge tönt,
Die mit jahrtausendalter Kunde
Des jüngsten Morgens Leid versöhnt.

Wol hast du, ewig unbestochen,
Von Zorn und Liebe nie entflammt,
Den Sterblichen ihr Recht gesprochen,
Doch schmückt dich heut' ein höher Amt.
Mit kühner Hand im Zeitenbuche
Aufblätternd was von Anfang war
Machst du mit priesterlichem Spruche
Das Weltgeheimniß offenbar.

Denn tief im Schutt bis an die Brüste,
Das Haupt von Flugsand überschneit,
Lag schweigend wie die Sphinx der Wüste
Dein Räthselbild, Vergangenheit.
Das Auge, das an Stirn und Falten
Nur hier und dort ein Zeichen las,
Verlor, vom Nächsten festgehalten,
Des Ganzen ungeheures Maß.

Doch nun allmählich aus den Tiefen,
Die wiederum der Fleiß durchgräbt,
Sich überdeckt mit Hieroglyphen
Des Riesenleibes Umriß hebt;
Nun in untrüglicher Gestaltung
Der Sprache Fußspur vielverzweigt
Uns der Geschlechter frühe Spaltung
Und ihren frühsten Bund uns zeigt:

Nun rollt vor dem betroff'nen Blicke
In festgegliedertem Verlauf
Die Kette sich der Weltgeschicke
Wie ein vollendet Kunstwerk auf;
Nun sehn wir reifend durch die Zeiten,
Das Antlitz wandelnd Zug um Zug,
Des Gottes Offenbarung schreiten,
Die jeder gab, was sie ertrug.

Wol lastet über weiten Räumen
Unsich'rer Dämm'rung trüber Flor,
Doch wächst in Bildern dort und Träumen
Die Sehnsucht nach dem Licht empor.
Wol stürzt was Macht und Kunst erschufen
Wie für die Ewigkeit bestimmt,
Doch alle Trümmer werden Stufen,
Darauf die Menschheit weiter klimmt.

[299] Und wie wir so aus Nacht zum Glanze
Den Wandel der Geschlechter sehn,
Erkennen wir – den Blick aufs Ganze –
Die Stätte, da wir selber stehn:
Wir spüren, froh des hohen Waltens,
Daß jeder Zeit ihr Ziel verliehn,
Den heil'gen Fortgang des Entfaltens
Im Tag auch, der uns heut' erschien.

Und ob sich rings Gewitter thürmen
In West und Ost um unsern Pfad,
Uns schwant, daß auch in diesen Stürmen
Ein gottgesandter Frühling naht;
Und aus der Kräfte dunkelm Gären
Umwittert uns geheimnißvoll
Der Hauch, der, was erstarb, verzehren,
Und was da lebt, verjüngen soll.

Da schwillt, was immer uns betroffen,
Das Herz voll muth'ger Werdelust,
Da füllt ein unvergänglich Hoffen
Zukünft'gen Heiles uns die Brust.
Zum Kern des Lebens wird der Glaube,
Vor dem das Kleid der Formel fällt,
Und wir verehren tief im Staube
Den Gott im Tempelbau der Welt.

 

II.

Wir sind unsern Lesern noch den Schluß unserer Besprechung des "Münchner Dichterbuch" schuldig. An Geibel's "Erinnerungen aus Griechenland" schließt sich ein Gedicht von Moritz Carriere, "Dreiklang des Lebens". Der Dichter verherrlicht darin jenes Gesetz des Gegensatzes, das allem Irdischen zu Grunde liegt, aber freilich nur, um sich in dem Ewigen und Göttlichen, als seiner höhern Einheit, zu versöhnen. Das Gedicht ist in Terzinen abgefaßt, die stolz und prächtig daherschreiten. Doch hätte das Enjambement zu Anfang des zweiten sowie in Mitte des dritten Abschnitts vermieden werden sollen. Die Wirkung der Terzine beruht wesentlich darauf, daß jedesmal mit Schluß der dreizeiligen Strophe auch der Sinn abschließt oder doch wenigstens einen bedeutenden Ruhepunkt erhält. Die einzelnen Terzinen gleichen in sich abgeschlossenen Quadern; je fester und massenhafter dieselben sind, um so anmuthiger und erfreulicher wirkt das kunstvolle Wechselspiel, zu welchem dieselben sich ineinander fügen und verschlingen.

Dann folgen "Vermischte Gedichte". Den Reigen derselben eröffnet Victor Joseph Scheffel mit vier Gedichten: "Seefahrt", "Reutti im [332] Winkel", "Ad Thaliarchum" und "Wiedersehen". In allen vieren weht der frische kecke Geist, der auch das Erstlingswerk des Verfassers, den "Trompeter von Säckingen" erfüllte und demselben rasch so zahlreiche Freunde erwarb. Dagegen stehen die lyrischen Gaben von Wilhelm Hertz hinter dem in der vorigen Nummer ausführlich besprochenen erzählenden Gedichte desselben Verfassers beträchtlich zurück; zwar in der Form sind sie ebenfalls vollendet, doch fehlt das Individuelle, unmittelbar Erlebte, das den Leser zum Mitgefühl gleichsam zwingt. Friedrich Bodenstedt hat ein Sonett "Völkerhaß" beigesteuert, in dessen ernsten, wuchtigen Rhythmen wir mit Vergnügen den Uebersetzer der Shakspeare'schen Sonette wiedererkennen, ferner eine Uebertragung von Ben Jonson's "Nachruf auf William Shakspeare" und eine Bearbeitung nach dem Tatarischen.

Die nun folgenden sieben Gedichte von Julius Große lassen einen bemerkenswerthen Fortschritt des Dichters erkennen und zwar nicht blos in ästhetischer Hinsicht, sondern vor allem auch in der sittlichen Grundlage seiner Dichtung. Schon öfter haben wir in diesen Blättern Gelegenheit genommen, die ungewöhnliche Fülle des Talents anzuerkennen, welche diesen Dichter auszeichnet. Julius Große paßt nicht ganz in den Geibel'schen Rahmen; seine Empfindungen sind stark und kühn, seine Leidenschaften stürmisch und glühend, seine Gestalten nicht selten schroff und abenteuerlich. Mit Einem Wort, wenn seinen Schöpfungen bisher noch etwas fehlte, um vollständig zu befriedigen, so war es eine gewisse Harmonie der Seele, ein gewisser innerer Friede, der sich in dem Ebenmaß des poetischen Kunstwerks widerspiegelt; es rang und gärte noch zu mächtig in dem Poeten, der Wein seiner Dichtung war ohne Zweifel vom edelsten Stamme, aber er hatte sich noch nicht völlig geläutert und abgeklärt. Diese innere Klarheit und Läuterung scheint der Dichter gegenwärtig gefunden zu haben, seit ihm das Glück der Häuslichkeit, die trauliche Sicherheit des eigenen Herdes zu Theil geworden. Die sämmtlichen hier mitgetheilten Gedichte feiern dieses Glück; der Dichter vergleicht die heitere Ruhe, das selige Genügen, das ihn an der Seite der Geliebten, im Anblick des Kindes, das sie ihm geboren, erfüllt, mit dem ruhelosen Sehnen und Suchen, dem Ringen und Kämpfen, in welchem er sich früher umgetrieben hat, und mit begeisterter Lippe preist er das gnädige Geschick, das ihn diesen Hafen vor dem Sturme hat finden lassen:

        Lebensüberfluß.

Rauschende Bäche quellenden Lebens
Tönen wie Lieder in meine Ruh'.
Sehet, erfüllt ist's. Nimmer vergebens
Schaut' ich in Sehnsucht den Wolken zu.

Draußen in sonnendämmernder Laube
Wiegt die holde Geliebte mein Kind;
Hoch an dem Dache reift mir die Traube,
Goldene Fäden die Parze spinnt.

[333] Schwellende Segel auf ruhigen Wogen
Bringen mir Gäste, Früchte und Fracht;
Meine Auen sind bienenumflogen,
Nachtigallen singen bei Nacht.

Rauschende Bäche quellenden Lebens,
Spült ihr mich fort einst im Wogenschaum,
Singen will ich dann: Nicht vergebens
Hab' ich geträumt den irdischen Traum.

Melchior Meyr preist Peter von Cornelius als den wahren Heros der modernen Kunst, der Geist und Natur, Christenthum wie Heidenthum versöhnt hat. Die Gedichte von Johannes Schrott und S. Lichtenstein sind wohlgefeilte Dilettantenarbeit. Dagegen verrathen die beiden Gedichte von Maximilian Beilhack den geborenen Dichter: "Die Spinnerin", ein liebliches Genrebild, und "Ein Waldsteig", wo namentlich die Schlußwendung eine sehr glückliche Wirkung thut. Felix Dahn ist durch drei erzählende Gedichte vertreten, "Kriemhilde", auf dem Söller stehend, während die Burgunden mit Hagen in Etzel's Hofburg einreiten, ist ein erschütterndes Nachtbild, während die beiden andern, "Jung Sigurd" und "König Richard und Sir Hugh", sich durch dramatische Lebendigkeit sowie durch den raschen, frischen Gang der Darstellung empfehlen. Die ziemlich zahlreichen Beiträge von Heinrich Leuthold, ein Name, der uns hier zum ersten male begegnet, gehören zu dem Schwächsten, was die Sammlung enthält; es sind theils Erinnerungen an den Süden, theils Klagen über die Vergänglichkeit des Irdischen, ohne daß der Dichter jedoch im Stande gewesen wäre, diesen etwas verbrauchten Gegenständen neue und wirksame Seiten abzugewinnen.

Eine der schönsten und werthvollsten Zierden des Buches dagegen sind die Gedichte von Hermann Lingg. Auch dieser Dichter, obwol er bekanntlich von Geibel zuerst in die Literatur eingeführt ward, darf dennoch nicht als Geibel's Schüler und Nachahmer betrachtet werden, im Gegentheil, die Poesie der Gegenwart hat wenig Dichter aufzuweisen von so spröder Selbständigkeit und so stark ausgeprägter Eigenthümlichkeit wie Hermann Lingg. Ja man könnte ihn geradezu als Gegensatz zu Geibel bezeichnen; während dieser eine überwiegend weibliche, anschmiegende Natur ist, charakterisirt Lingg sich vor allem durch die bewußte Männlichkeit, den strengen Ernst seines Denkens und Empfindens; während jener seine Stoffe mit Vorliebe theils der Welt des Gemüths, theils der umgebenden Natur entnimmt, liebt Lingg es, sich in die Geschichte der Völker zu versenken und aus dem Schacht der Vergangenheit lyrische Schätze zu heben; während endlich Geibel durch das Süße, Einschmeichlerische seiner Melodie gewinnt, liebt Lingg auch in der Form das Herbe, Strenge, Männliche, in solchem Maße sogar, daß er darüber zuweilen auch das Eckige und Seltsame nicht scheut. Von den vorliegenden Gedichten haben uns besonders zwei lebhaft angesprochen: "Die Römerstraße" und "Am Telegraphen". Beide geben sich schon durch die Wahl der Stoffe als echt Lingg'sche Producte zu erkennen. [334] In dem ersten versetzt der Dichter uns auf eine alte Römerstraße, tief im Walde, bedeckt von dem Staub und Schutt der Jahrhunderte und jetzt von der modernen Eisenbahn durchbrochen; er sieht im Geist die alten Zeiten neu werden:

Mir ist, Cohorten schreiten dort
Gepanzert nach dem Lagerwalle,
Es tönt des Kriegstribunen Wort
Vom Thurm her zu der Tuba Schalle.

Und eine Villa glänzt am Strom,
Wo Kähne landen, Sklaven lärmen;
Der Herr des Hauses seufzt nach Rom,
Nach Tibur und nach Bajä's Thermen.

Zur Gruftkapelle draußen wallt,
Mit Trauerspenden ihrem Sohne
Das Grab zu schmücken, die Gestalt
Der tiefverschleierten Matrone.

Der Prätor naht, vom Volk umringt;
Lictoren ziehn, behelmte Reiter –
Und wie sich Bild mit Bild verschlingt,
Am Tag traumwandelnd schreit' ich weiter.

Da plötzlich ruft ein Laut mich wach,
Ein Erzgedröhn' auf nahen Gleisen –
Ich steh' am Kreuzweg; hier durchbrach
Den Römerpfad der Pfad von Eisen.

Und donnernd rollt der Wagenzug
Vorbei den alten Meilensteinen,
Wie Blitz des Zeus und Geisterflug,
Der Erde Völker zu vereinen.

Zu dem Gedicht "Am Telegraphen" ist der Poet durch das eigenthümliche Tönen und Klingen veranlaßt worden, das man bei stiller Luft in der Nähe des Telegraphendrahts wahrnimmt; er hört darin gleichsam die Stimme des Schicksals, wie es durch die Welt schreitet, hier Luft und Freude, dort Noth und Jammer austheilend:

O sprich – die Zeit ist schwül und bang –
Beseeltes Erz, wann tönst du wieder
Durchs Vaterland mit hellem Klang
Als Harfe deutscher Siegeslieder?

Der nächstfolgende Abschnitt enthält "Lieder und Balladen von Hans Hopfen". Unter den jüngern, bisher weniger bekannten Dichtern, welche das "Münchner Dichterbuch" vorführt, dünkt uns dieser ohne Vergleich der bedeutendste. Wie Julius Große und Hermann Lingg unterscheidet auch er sich von der übrigen Genosenschaft durch die Energie seiner Empfindungen und eine gewisse langsam wühlende, still verhaltene Leidenschaftlichkeit, die nur ab und zu in einzelnen jähen Flammen emporzuckt. Auch seine Form hat etwas Strenges, Männliches, das jedoch den Wohllaut nicht ausschließt; nur wird er sich vor einer gewissen Hinneigung zu rhetorischer Breite zu hüten haben. Der Liedercyklus, welcher den Abschnitt eröffnet, behandelt ein etwas verbrauchtes Thema; es ist die Heine'sche Geschichte von den beiden, die sich liebten ohne sich zu kriegen. Bei der Wärme und Tiefe der Leidenschaft jedoch sowie bei der Kraft und Frische des Ausdrucks, welche der Verfasser bethätigt, ist es ihm gelungen, auch diesem oft behandelten Gegenstande eine fesselnde Kraft zu verleihen – ein neuer Beweis für die alte Wahrheit, daß der Stoff wenig, die Behandlung alles ist, und daß [335] Innigkeit und Wahrheit der Empfindung eine Sprache reden, der wir immer und immer mit Vergnügen lauschen. Als Probe mag das nachstehende Gedicht dienen; weder die Situation noch die Gedanken desselben sind, wie gesagt, neu, und doch spricht sich eine dichterische Individualität darin aus, der wir unser Interesse nicht versagen können:

Wenn du verrathen mich am Tage
Und wenn du nimmer mein gedacht,
Was kommst du weinend denn, o sage,
Im Traume zu mir jede Nacht?

Was streichst du mit den kleinen Händen
Mir durch das Haar wie dazumal,
Als deiner Augen süßes Blenden
Mein Herz, mein Glück, mein Leben stahl?

Wenn's wahr, was deine Briefe stammeln,
Daß du mich lassen kannst und mußt,
Warum aufs Haupt mir Dornen sammeln,
Und Kohlen auf die wunde Brust?

Laß mich in meinem Gram versinken,
Laß mich in meinem Schmerz vergehn!
Laß ab, ans Ufer mir zu winken,
Wo meiner Hoffnung Gräber stehn.

Und doch, wenn dieses Scheinbilds Flehen
Herüberschwebt in meinen Traum,
Dünkt mir's wie gold'ner Schleier Wehen
Und meine Sehnsucht zwing ich kaum.

Dann hör' ich's, wie aus feuchten Kissen
Ein bitter weinend Nachtgebet
Von sehnsuchtsvollem Gram zerrissen
Nach weiter Ferne wandern geht;

Dann kommt das Licht der alten Zeiten
Und fließt um dich wie Glorienschein,
Wie Glockentöne klingt's von weitem
Und in mein Herz zieht Frieden ein.

Wenn du verrathen mich am Tage
Und wenn du nimmer mein gedacht,
Wie käm' dein Denken dann, o sage
Dein Sehnen zu mir jede Nacht?

Noch glänzender entfaltet das Talent des Verfassers sich in den erzählenden Gedichten, welche die zweite Hälfte der Gruppe bilden: "Wie Dietrich's Palast von den Pavesen verbrannt wurde", "Jung Heinrich", die bekannte Entführung des jungen Heinrich IV. durch Bischof Hanno von Köln, und "Die Sendlinger Bauernschlacht". Der Verfasser trifft den Ton des erzählenden Liedes sehr glücklich, seine Darstellung ist rasch und keck und auch von seiner Hinneigung zum Pathetisch-Rhetorischen, die sich in jenen Liebesgedichten bemerkbar macht, ist hier nichts zu spüren. Das letzte Gedicht "Die Noth" würde freilich ohne Hermann Lingg's "Schwarzen Tod" wol kaum entstanden sein, im übrigen jedoch ist es von großer Schönheit und können wir uns nicht versagen, ihm hier ebenfalls eine Stelle einzuräumen:

                          Die Noth.

Ich sah gar oft im Traum, bevor die Hähne krähen,
Ein hünenhaftes Weib durch meine Nächte gehen,

Das von dem Schild des Reichs den Dunst der Jahre blies
Und mir ein flammend Bild in finsterm Rahmen wies.

Die Wipfel meines Traumes verfärbten sich wie Gluten,
Es scholl von draußen her wie Ueberschwemmungsfluten.

Im Rücken dämmerte der Brauch der heut'gen Welt;
Was rings um mich erklang, vertraut war's, doch entstellt.

[336] Entwöhnt seit lange schon von Hammer, Pflug und Feder,
Trug blutig Handwerks g'nug in seiner Faust ein jeder.

Ich selber war entstellt, ergraut in Bart und Haar,
Mein Denken kurz und karg, mein Herz der Sehnsucht bar;

Verloren war mein Lieb, vergessen war mein König,
Nur ein erstaunlich Lied, schwertscharf und glockentönig,

Zog brausend vor uns her, ein Lied so wundersam,
Zorntriefend, opferfromm, wie ich es nie vernahm.

Millionen sangen es, durch die verhüllte Gegend
In rother Dörfer Qualm sich rüstig fortbewegend.

Am Weg zuweilen fand ein Haus ich, ein Gesicht,
Das däuchte mir bekannt und dennoch kannt' ich's nicht;

Ei was, es ging vorbei, nicht mocht' ich mich besinnen,
Verloren war so viel und Eins nur zu gewinnen.

Und jener grause Sang in heil'gem Einerlei
War uns Gebet und Fluch, Grablied und Freudenschrei.

Wenn dann mein Blick voraus ins Weite sich versenkte,
Sah ich das Riesenweib, das die Millionen lenkte.

In kargen Ringeln fiel ihr Haar ums hohe Haupt,
Von einem stolzen Kranz aus engem Stahl umlaubt;

Die Lippen ernst und schmal, gewöhnt wie ans Versagen,
Lippen, wie ich sie sehr geliebt in schönen Tagen;

Ihr Auge feucht, jedoch der Fuß mit Erz beschuht,
Deß Tritt wie glüh'nden Stahls in festgefror'nem Blut.

Und donnernd ging das Wort der riesigen Walkyre
Die Tausende hinab: "Folgt mir, wie ich euch führe!

"Ihr habt das bunte Reich der Möglichkeit durchsucht,
Bis jedes Mittel ihr erkannt als taube Frucht,

"Bis ihr in mir erwählt den Spruch des alten Weisen:
Wo keine Kunst mehr heilt, hilft Feuer oder Eisen.

"Hie Brand und Stahl! Wohlan, erfüllt des Herrn Gebot;
Sein Zorn fegt durch die Welt. Ich bin die harte Noth."

– So rauscht das Riesenweib einher in meinen Nächten,
Das Weib mit strengem Mund und erzumschloss'nen Flechten.

Ich weiß, manch eines Traum hat nicht so kühnen Schwung,
Ist farblos wie er selbst, wie ew'ge Dämmerung.

Ich kann euch euern Schlaf nicht von den Wimpern rauben,
Doch wer den Schmerz nicht scheut, darf an die Flamme glauben.

Sei's denn, Walkyre, komm'! Wann wird der Tag erstehn,
Da wir bei Sonnenschein uns Aug' in Auge sehn?

[337] Den Schluß der Sammlung bildet ein längeres erzählendes Gedicht von Paul Heyse "Raphael". Es ist mit dem feinen Geschmack und der Formgewandtheit geschrieben, welche allen Heyse'schen Producten eigenthümlich, ohne daß es dem Verfasser jedoch, wenigstens nach unserm Dafürhalten, gelungen ist, das einigermaßen Befremdliche und Peinliche des Stoffs ganz zu bewältigen.

Fassen wir danach nun schließlich unser Gesammturtheil über das "Münchner Dichterbuch" zusammen, so kann dasselbe nichts anders als in hohem Grade günstig ausfallen. Nennen wir das Ding beim rechten Namen, so ist das "Münchner Dichterbuch" nach Anlage und Ausführung doch nicht viel anderes, als was man ehemals einen Musenalmanach hieß – und wenn nun in einem Musenalmanach des Vorzüglichen so viel, des Unbedeutenden und Mindergelungenen aber so wenig gefunden wird, wie es in der vorliegenden Sammlung der Fall ist, so hat man gewiß allen Grund, sowol mit dem Herausgeber wie mit den Mitarbeitern zufrieden zu sein. Allerdings ist das "Münchner Dichterbuch", wie man es nehmen will, noch etwas mehr oder etwas weniger als ein Musenalmanach, insofern es sich nicht, wie diese Almanache, aus aller Welt Enden rekrutirt hat, sondern vielmehr eine bestimmte Dichtergruppe, mit bestimmten gemeinsamen Merkmalen, vorführt. Allein wenn wir nicht irren, so liegt gerade in dieser Uebereinstimmung und Geschlossenheit des "Münchner Dichterbuch" ein Vorzug vor der charakterlosen Buntscheckigkeit der Musenalmanache, ja wenn es überhaupt möglich sein sollte, das letztere Institut, das sich bei uns offenbar seit langem überlebt hat und daher auch schon mit Recht seit einer Reihe von Jahren so gut wie verschollen ist, zu neuem Dasein zu erwecken, so scheint uns der Weg, den das "Münchner Dichterbuch" eingeschlagen, dazu am geeignetsten zu sein.

Und so mögen wir dasselbe denn auch in diesem Sinne willkommen heißen.

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Deutsches Museum. Zeitschrift für Literatur, Kunst und öffentliches Leben.
1862:
Nr. 34, 21. August, S. 289-299
Nr. 35, 28. August, S. 331-337. [PDF]

Ungezeichnet.

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien).

Weitere Rezensionen des "Münchner Dichterbuchs" verzeichnet: Herbert Jacob (Bearb.): Deutsches Schriftstellerlexikon 1830 – 1880. Bd. G. Berlin 2000, S. 84 (Nr. 42).

 

 

Zeitschriften-Repertorien

 

Das rezensierte Werk

 

 

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Nr. 214, 6. September, Sp. 1710-1712
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Lyriktheorie » R. Brandmeyer