Verehrte Leser*innen,

Sie haben sich sicher schon einmal gefragt, an welchen Themen Nachwuchswissenschafter*innen der Universität Duisburg-Essen (UDE) mit Begeisterung forschen. Das aktuelle UNIKATE Heft soll Ihnen hierzu Eindrücke vermitteln. So stehen die in dieser Ausgabe vertretenen Wissenschaftler*innen exemplarisch für viele jungen Forscher*innen, die das akademische Leben an unserer Universität so ungemein bereichern.

Ebenso repräsentieren die im Heft vertretenen Wissenschaftler*innen eine neue Ära der Nachwuchsförderung an der UDE. Die Voraussetzungen hierfür wurden in den letzten Jahren geschaffen, beispielsweise mit dem herausragenden Abschneiden der UDE in der ersten Runde des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (WISNA). Hiermit war ein klares Bekenntnis der UDE zum „Tenure track“ verbunden, mit dem Ziel, transparente und vor allem verlässliche Karrierewege für den exzellenten Nachwuchs zu schaffen. Dazu wurden 2018 neue Förderstrukturen um Tenure Track (TT) Plus, Personalentwicklung (PE) Plus und Graduate Center (GC) Plus an unserer Universität etabliert und kommen seither Nachwuchswissenschafter*innen zu Gute..

Diese Generation von jungen, neugierigen und exzellenten UDE-Wissenschaftler*innen wollen wir mit einer auch graphisch etwas anders gestalteten UNIKATE-Sonderausgabe in den Fokus rücken, auf den unterschiedlichen Stufen ihrer Karrieren: von der späten Post-Doc-Phase bis zur (frühen) Professur.

„Junge Wilde“ wollen neue Wege gehen und das „Etablierte“ in Frage stellen, gegebenenfalls ablösen, ergänzen und bereichern. Mit diesem Heft-Titel, beziehen wir uns auf den Ursprungsbegriff, der in den 1920ern und 1930ern die Gruppe von jungen Physikern rund um den Nobelpreisträger Niels Bohr bezeichnete, welche die Quantenmechanik revolutionierte. Mit dabei waren unter anderem Wolfgang Pauli und Werner Heisenberg. Nach Letzterem ist nicht zufällig ein Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) benannt, das sich an herausragende Wissenschaftler*innen richtet, „die alle Voraussetzungen für die Berufung auf eine Langzeit-Professur erfüllen, [und ihnen] ermöglichen soll, sich auf eine wissen-

UNIKATE 56 - Dagmar Führer-Sakel. Foto: Andre Zelck

Dagmar Führer-Sakel. Foto: Andre Zelck


schaftliche Leitungsposition vorzubereiten und in dieser Zeit weiterführende Forschungsthemen zu bearbeiten.“

So ist es folgerichtig, dass zwei unserer Autoren in genau diesem Förderformat erfolgreich waren. Unter den Autor*innen dieses Heftes befinden sich zudem ein NRW-Rückkehrer, eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppenleiterin sowie eine Sofja Kovalevskaja-Preisträgerin der Alexander von Humboldt-Stiftung. Aber auch die noch früher erworbenen Meriten im Werdegang unserer UDE-Wissenschaftler*-
innen können sich sehen lassen. Ihnen wird auffallen, dass die Themen dieses Heftes – sie reichen von den Natur- und Ingenieurwissenschaften über die Medizin bis hin zu den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften – ebenso breit gestreut sind, wie die Herangehensweise der Autor*innen, um ihre jeweiligen Themen im Sinne des „wissenschaftlichen Dialoges“ für Sie, für fachfremde Leser*innen und für die Öffentlichkeit erfahrbar zu machen.

Ich wünsche Ihnen nun eine interessante und anregende Lektüre


Ihre

Prof. Dr. Dr. med. Dagmar
Führer-Sakel
Prorektorin für Forschung,
wissenschaftlichen Nachwuchs &
Wissenstransfer


Von der Bedeutung und gezielten Anwendung nichtkovalenter Wechselwirkungen zwischen Molekülen

Die supramolekulare Chemie beschäftigt sich mit intermolekularen Wechselwirkungen. Diese sogenannten nichtkovalenten Interaktionen sind einzeln gesehen sehr schwach, können jedoch gezielt miteinander kombiniert werden, um eine Anwendung zu ermöglichen. Das Verständnis über die Nutzung dieser Wechselwirkungen bildet die Basis für das hochaktuelle und interdisziplinäre Forschungsfeld der supramolekularen Chemie.


Molekulare Barcodes in der Tumorforschung für neue in vivo-Screening Verfahren

Dieser Beitrag erläutert die technologischen Fortschritte im Bereich des molekularen Zell-Barcodings. Dies, in Kombination mit quantitativen Hochdurchsatz-DNA-Sequenzierungen und ausgefeilten Tiermodellen, lässt die Identifikation von klinisch relevanten Hemmstoffen der Metastasierung bei Krebserkrankungen näher rücken.


Entspannung mit Hilfe von Proteinen

Wie unsere Zellen mit Stress umgehen, ist eine wichtige Fragestellung auf dem Gebiet der mechanistischen Zellbiologie. Zellen haben Strategien entwickelt, um Stress, der beispielsweise von ungünstigen Wachstumsbedingungen ausgelöst werden kann, wahrzunehmen und sich an diese Gegebenheiten anzupassen. Eine Anpassung ist essentiell, um auch unter schwierigsten Bedingungen das Überleben der Zellen zu sichern. Wenn es den Zellen nicht möglich ist, sich an den Stress anzupassen, können sie auf kontrollierte Weise den eigenen Zelltod auslösen, um das umliegende Gewebe nicht zu schädigen. Um diese komplexen Zusammenhänge im Grundzustand der Zelle und in krankheitsrelevanten Situationen zu verstehen, ist es von großer Wichtigkeit, die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen aufzuklären.


Ein Problem weltweit, auch in Deutschland

Infektionen mit dem humanen Immundefizienzvirus (HIV) sind nach wie vor ein globales Problem und ein Impfstoff lässt bisher noch auf sich warten. Da es bis heute noch keine breit anwendbare Methode gibt, um eine erfolgte HIV-Infektion zu heilen, kann die HIV-Pandemie nur gestoppt werden, wenn Neuinfektionen verhindert werden. Obwohl bereits diverse Impfstoffkandidaten für einen HIV-Impfstoff in klinischen Studien getestet wurden, konnte bisher in den Proband*innen keine schützende Immunantwort im ausreichenden Maße stimuliert werden. Das Hauptziel der derzeitigen Anstrengungen ist es, eine potente neutralisierende Antikörperantwort gegen HIV zu induzieren. Diverse Schutzmechanismen des Virus stehen diesen Anstrengungen im Weg und Antikörper können mehr als Virus neutralisieren…


Let’s show the attraction of science all over the world!

This interview is with Stéphane Kenmoe, who is not only an extraordinarily promising young researcher, but also an outstanding and active science communicator – worldwide.


Über die Interaktionen von Mikroorganismen und ihre Infektionen in tiefen Regionen der Erdkruste

Die tiefe terrestrische Biosphäre der Erde beherbergt die Mehrheit der Prokaryoten, also Archaeen und Bakterien, auf unserem Planeten, und doch wissen wir sehr wenig darüber, wie diese Mikroben miteinander, mit ihrem Ökosystem und potenziellen Viren interagieren. Alexander Probst untersucht mit seiner Arbeitsgruppe die Wechselwirkungen von Mikroben in tiefen unterirdischen Ökosystemen, indem er deren Erbgut entschlüsselt.


Neue Materialien in neuen Anwendungen

Neue Materialien sind im Kontext der Energiewende unverzichtbar und teils bereits in größeren Mengen vorhanden, scheitern allerdings oftmals an der Verarbeitung. In diesem Artikel werden Hintergründe erklärt, die Problematik beschrieben und Lösungswege aufgezeigt. Zuletzt gibt dieser Artikel einen kurzen Überblick, wie bessere und in größerer Menge vorliegende Daten, kombiniert mit deren Analyse, die sich von statistischen Methoden bis zu maschinellem Lernen erstreckt, helfen, neue Prozesse für neue Materialien zu entwickeln.


Menschliches und Zwischenmenschliches hinter „objektiven“ Daten

Unangepasst, unbequem oder gar aufrührerisch sein, das ist für die Autorin keine Frage des biografischen oder akademischen Alters. Es ist eine professionelle Haltung, die zumindest in meinem Fach – der Soziologie – eigentlich (wieder) zum Standard oder auch zum Markenzeichen avancieren sollte: mit Methode das gesellschaftlich Selbstverständliche zu hinterfragen. Nicht dem etablierten Wissen hinterherrennen, sondern mittels Forschung eigene, neue und kritische Perspektiven auf die soziale Welt entwickeln – auch wenn sie naturgemäß nicht sofort verstanden und als relevant befunden werden können.


Eine Kartierung

In diesem Beitrag wird in zentrale Aspekte der philosophischen Erklärungsdebatte eingeführt. Dabei werden vier Schwerpunkte gesetzt: Erstens wird eine verbreitete Theorie von sogenanntem explanatorischen Wissen vorgestellt. Zweitens werden zwei Schwierigkeiten, mit denen sich eine solche Theorie konfrontiert sieht, diskutiert. Im Anschluss werden zwei unterschiedliche Perspektiven voneinander unterschieden, die bezüglich des Phänomenbereichs eingenommen werden können, und von denen es abhängt, ob die benannten Schwierigkeiten tatsächlich Probleme verursachen. Schließlich werden einige Überlegungen zur Relevanz beider Forschungsperspektiven angestellt.


Wie Sprachtechnologie Lehrende unterstützen kann

Am Ende jedes Semesters das gleiche Bild: ein riesiger Stapel Klausuren wartet schon seit Wochen darauf benotet zu werden. Für jede Antwort ein ermutigendes und korrigierendes Feedback zu schreiben, würde noch mehr Zeit kosten. Außerdem kursiert die Klausur im Internet. Für nächstes Jahr müssen dann doch mal neue Aufgaben her.