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Forschung
Projekte
Entwicklung und Perspektiven des Petitionswesens ins Deutschland
im Auftrag des Deutschen Bundestags im Rahmen des TA-Projekts
"Wissenschaftliche Evaluierung und Begleitung des Modellversuchs
'Öffentliche Petitionen' des Deutschen Bundestags", durchgeführt vom Büro für
Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag, Berlin
Teilaspekte des Projekts:
Systematische Darstellung, Reformbestrebungen und Nutzung des Petitionswesens
in Deutschland
Beginn: 01.06.2007
Status: abgeschlossen
Das Petitionsrecht ist ein integraler wie integrativer Bestandteil des politischen Systems
der Bundesrepublik Deutschland. Es hat den Rang eines Grundrechts und schützt einerseits das
Individuum vor dem Staat und wirkt andererseits integrierend, indem der Bürger in den
"Vorhof" des parlamentarischen Willensbildungsprozesses eingebunden wird.
Vor der Kulisse eines aktuell in der Forschung diagnostizierten "Wandels der Staatlichkeit"
hin zum "kooperativen Staat" spielt die Diskussion um seine Reform eine hervorgehobene Rolle.
Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes "Reformbestrebungen zum Petitionswesen in
Deutschland" steht die den Reformbemühungen verschiedener Akteure geschuldete
Ausdifferenzierung des Petitionsrechts seit seiner Einführung im Jahr 1949.
Hierbei wird nicht auf die Perspektive des Bundestages allein fokussiert, sondern werden
historische, institutionelle und praktische Aspekte integriert.
Die Fragen nach den reziproken Lernprozessen zwischen Bürger und Staat, den ökonomischen
Implikationen des Petitionswesens sowie seiner Modernisierung durch technische Neuerungen
zugrunde legend, werden die Stärkung der Teilhabechancen der BürgerInnen,
die Aufwertung der Rechte des Petitionsausschusses und die Verbesserung der Institution des
Petitionswesens insgesamt herausgearbeitet.

Habilitationsvorhaben
Matthias Lemke
Ausnahmezustände. Begründungen für Exekutivexpansionen zur Aufrechterhaltung von Ordnungsgefügen
Die theoretische Erschließung von Ausnahmezuständen hat seit dem 11. September 2001 eine Renaissance erfahren.
Staaten und staatsähnliche Ordnungsgefüge versprechen ihren Bürgern primäär Sicherheit gegenüber
einer als bedrohlich wahrgenommenen Umwelt. Ausnahmezustände, die als verfassungsrechtlich verankerte Optionen
zur Ausweitung von Exekutivkompetenzen der Regierung in Krisenzeiten außergewöhnliche Handlungsvollmachten
zuerkennen, sind für fast jede institutionell ausdifferenzierte Regierungsform seit der klassischen römischen
Republik nachweisbar. Sie erschließen dem Regierungshandeln einen Entscheidungs- und Handlungsraum jenseits des
geltenden Norm- und Ordnungsgefüges.
Auch in den repräsentativen Demokratien der Moderne existiert das Instrument des Ausnahmezustandes weiter.
Allerdings unterscheiden sich repräsentative Demokratien von anderen Regierungsformen dadurch, dass die
gewählten Vertreter für ihr Handeln gegenüber dem Souverän in besonderem Maße begründungspflichtig
sind. Nimmt man den Anspruch einer möglichst umfassenden Normierung der Binnenverhältnisse repräsentativer
Demokratien, der durch die technische Entwicklung der letzten 150 Jahre noch potenziert worden ist, hinzu, dann stellt
sich die Frage, warum Ausnahmezustände hier überhaupt noch erforderlich sind und wie sie, wenn sie als
erforderlich erachtet werden, gegenüber dem Souverän begründet werden können.
Die Studie unternimmt den Versuch, für ausgewählte repräsentativ-demokratisch verfasste Staaten den
historischen Verlauf von Begründungen zugunsten von politischen Praktiken der Normsuspendierung zu erheben,
so dass eine Topographie der Anwendung und Begründung von Ausnahmezuständen in repräsentativen
Demokratien sichtbar wird.

Promotionsvorhaben
Thomas Melde
Corporate Responsibility. Selbststeuerung im Sinne weltgesellschaftlicher Nachhaltigkeit?
Vor dem Hintergrund der gegenwärtig geführten "ökologischen Debatte" und angesichts der zunehmend
wahrgenommenen Unfähigkeit der Politik, auf die "ökologische Selbstgefährdung" (Luhmann) der modernen,
funktional hoch differenzierten Weltgesellschaft adäquat zu reagieren, stellt sich die Frage nach der
Möglichkeit von Ordnung durch gesellschaftliche Selbststeuerung in besonders drastischer Weise.
Die Promotion widmet sich am Beispiel der Corporate Responsibility (Unternehmensverantwortung) der Frage,
wie bzw. ob durch Prozesse der sozialen Selbststeuerung das gesamtgesellschaftlich ausgelobte Ziel der
Nachhaltigkeit verfolgt und erreicht wird. Den Kristallisationspunkt der Untersuchung stellen dabei
transnationale Unternehmen dar, da diese häufig gleichzeitig als Hauptverursacher und potentieller Teil
der Linderung der ökologischen Krise gelten.
Im Gegensatz zu der üblichen Vorgehensweise, auf der Basis einer wie auch immer gearteten "Wirtschaftsethik"
normative Forderungen an die globale Ökonomie zu begründen, wird hier in systemtheoretischer Manier das
Phänomen der Corporate Responsibility in seinem gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachtet und darin als
Ausdruck gesellschaftlicher Selbststeuerung untersucht. Dabei wird deutlich, wie am Leitbild der
Nachhaltigkeit orientierte Formen des sozialen Protests sowie Veränderungen innerhalb des politischen-,
Finanz-, Rechts- und Mediensystems zu bemerkenswerten Irritationen und Veränderungen im globalen
Wirtschaftssystem führen.

Ray Hebestreit
Wissenspolitik. Zur Genese eines neuen Politikfeldes
Zwei tief greifende Veränderungen prägen den Zustand und die Zukunft der Gesellschaft an der Schwelle vom 20.
zum 21. Jahrhundert: zum einen der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, zum anderen der Wandel
in der Wissensordnung von einer akademischen zu einer post-normalen oder post-akademischen Wissenschaft.
Beide Phänomene sind eng miteinander verknüpft und verweisen auf Veränderungen sowohl im Stellenwert als auch
Öffentlichkeitsbild des (wissenschaftlichen) Wissens sowie in der Bewertung von Wissenschaft und Technik im
Allgemeinen. So kommt immer öfter die Ambivalenz von Wissen zum Ausdruck, welche vor allem durch rapide
zunehmende wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Möglichkeiten verursacht wird. Wissen wird in der
modernen Gesellschaft folglich als Ressource und Risiko wahrgenommen.
Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass in der Öffentlichkeit westlicher Demokratien der Ruf nach
einer gesellschaftlichen Einbettung, Überwachung und bewussten Steuerung insbesondere von neuem Wissen immer
lauter artikuliert wird. An dieser Stelle setzt die Diskussion um Wissenspolitik als einem neuartigen Diskurs-
und Politikfeld an.
Das Promotionsvorhaben widmet sich vor diesem Hintergrund der Frage, wie Wissenspolitik konzeptualisiert und
für die Politikwissenschaft fruchtbar gemacht werden kann. Was ist der Gegenstand von Wissenspolitik, wer sind
relevante Akteure, was sind Instrumente und Organisationsformen von Wissenspolitik und wie kann eine solche
realisiert werden?
Im Fokus von Wissenspolitik soll die Frage der gezielten Öffnung von Wissenschaft für die Öffentlichkeit mit
dem Ziel stehen, die soziale Tragfähigkeit wissenschaftlich-technischen Wissens zu steigern. Es geht —
allgemein gesprochen — um die Formen des gesellschaftlichen Umgangs mit wissenschaftlich-technischen
Innovationen und deren potentiellen Risiken. Wissenspolitik soll in diesem Zusammenhang das Feld bereiten
für Möglichkeiten der gesellschaftlichen Bearbeitung von wissenschaftlich-technisch induzierten Problemlagen.

Thorsten Schlee
Die Wissensgesellschaft im politischen Diskurs
Das vorliegende Dissertationsvorhaben stellt die Forschungsfrage, mittels welcher diskursiven Praktiken
sich die Wissensgesellschaft konstituiert. Methodischer Anknüpfungspunkt dazu ist das Konzept der Diskursanalyse
im Anschluss an Michel Foucault.
Gegenstand der Untersuchung ist die Rede von der Wissensgesellschaft im parlamentarischen Diskurs, sowie
der Katalog bildungspolitischer Maßnahmen, der mit der Argumentationsfigur verknüpft ist.
Die Implementation bildungspolitischer Programmatik geht einher mit einem Wandel organisationeller Praktiken
innerhalb der Institutionen der Wissensvermittlung. Daneben etablieren sich auch auf individueller Ebene
eine Reihe von Imperativen der Lebens- und Selbstführung.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht damit eine Darstellung der diskursiven Systematik aber auch der
organisationellen und individuellen Praktiken, die sich mit dieser Rationalität der Wissensgesellschaft
vereinbaren lassen.
Ziel des Dissertationsvorhabens ist es derart die nicht kausal festzulegende Komplementarität der untersuchten
Ebenen aufzuzeigen, wodurch eine deutliche Abgrenzung gegenüber politischen Theorien der Souveränität wie auch
zu empirischen politikfeld- und institutionenzentrierten Ansätzen vorgenommen wird.

Tristan Zielinski
Neuzeitliche Ansätze zur Grundrechtslegitimierung
Das Promotionsvorhaben widmet sich der Frage, wie Grundrechte in einer ausdifferenzierten Gesellschaft legitimiert werden
können. Die dogmatische Festlegung der Grundrechte als ursprüngliche Naturrechte geschieht in Deutschland
üblicherweise durch die Bezugnahme auf den Topos Staat unter dem Gesichtspunkt der Herrschaft (Steuerung).
Dabei wird auf Implikationen zurückgegriffen, die in dieser Arbeit kritisch offen gelegt werden sollen: So ist es
beispielsweise nicht mehr zeitgemäß, den Staat als lebendigen Organismus zu bezeichnen.
Wenn hingegen Grundrechte nicht durch eine dichotomische Einteilung von Staat und Recht idealisiert, sondern als zeitweilige
Fixpunkte einer gesellschaftlichen Eigendynamik erklärt werden sollen, versagen "klassische" Denkfiguren.
Dies wird auch an der teilweisen Übernahme von politischer Steuerung durch nichtstaatliche Akteure ersichtlich.
Abschließend ist es das Ziel der Arbeit, mittels der Theorieansätze von Luhmann und Foucault die Frage nach der Funktion
von Grundrechten zu stellen und zu prüfen, inwieweit sich hierdurch neue Legitimationsmodelle ergeben. Durch eine
Re-Konzeptualisierung von politischer und gesellschaftlicher Moral kann der Grundrechtsbegriff innovative Impulse innerhalb der
Diskussion um Demokratietheorien geben.

Ingmar Hagemann
Kommunikation, Macht und Hegemonie — Theorie und Praxis strategischer Kommunikation
aus gegenhegemonialer Perspektive.
Um im Rahmen komplexer Gesellschaften als politischer Akteur strategisch bzw.
erfolgsorientiert handeln zu können, bedarf es eines angemessenen theoretischen Modells
des Selbst und der Umwelt. Die meisten Ansätze politischer Strategie beschränken sich
dabei auf die theoretische Beschreibung der näheren politischen Umwelt und ein Set an
Strategien mittlerer Reichweite.
In diesem Projekt wird ein genau entgegengesetzter Ansatz verfolgt: Ausgehend von der
Hegemonietheorie Laclaus und Mouffes wird ein Modell von Demokratie entwickelt, in dem
sowohl die bekannte Existenz demokratischer Spielregeln als auch die kontingente
Genese dieses Regelsystems als lediglich partiell fixiertes diskursives
Bedeutungssystemen reflektiert werden kann. Demokratie wird als diskursive Hegemonie
verstanden, die einerseits bestimmte Regeln erfolgreicher Artikulation impliziert und
zugleich selbst ein volatiles und veränderbares Konstrukt darstellt.
Ein durch dieses Modell erweitertes Verständnis von Strategie stellt die hier untersuchten
gegenhegemonialen Strategien professioneller sozialer Bewegungsakteure in einen
erweiterten Kontext, der verschiedene Vorzüge verspricht: unter anderem ein verbessertes
Verständnis der Strategien sozialer Bewegungen, ein erweitertes Repertoire möglicher
strategischer Praxis(-reflexion) sowie nicht zuletzt ein Modell von Demokratie, in dem die
Veränderungsbewegungen des demokratischen Diskurses verbessert aufzeigt werden
können. Letzteres analysiert damit die politische Praxis immer auch als wiederkehrenden
Versuch der (De-)Stabilisierung des demokratisch Denk- und Sagbaren.
Das Projekt versucht dabei, einen doppelten und parallelen Brückenschlag zwischen
Theorie und Praxis zu beschreiten: Erstens durch die Verknüpfung und den Abgleich des
hegemonietheoretischen Modells mit konkreter kommunikativer Strategie sozialer
Bewegungen. Zweitens in Form des Zieles, eine theoretisch-analytische Diskussion mit
einem für die politische Praxis orientierenden Angebot zu verbinden. Die künstliche
Trennung von Theorie und Praxis wird damit als überwunden, bzw. im Sinne von Žižek als
per se unmöglich gedacht, da entsprechend dieser Prämisse sowohl Theorie als auch
Praxis im jeweils anderen immer schon enthalten sind.

Ulf Kemper
Politische Legitimität und Politischer Raum im Wandel.
Historisch-systematische Studie zu einem Kontextverhältnis.
Von der neuzeitlichen Staatsbildung bis zur Zeit von Globalisierung und Europäisierung wurde die traditionell
schwer zu beantwortende Frage, was unter Politischer Legitimität zu verstehen ist, in einer Menge von Definitionsversuchen
und Theorien verschieden beantwortet. Die legitimitätstheoretischen Konzeptualisierungen dachten das Kontextverhältnis
von Politischer Legitimität und Politischem Raum in den Debatten über die Legitimation von Herrschaft teils explizit,
teils implizit immer mit: Das Bewusstsein richtete zu verschiedenen Zeitpunkten einen spezifischen Blickwinkel auf die
Räumlichkeit der Stellung der Dinge und der sozial-ökonomischen, kulturellen und politischen Prozesse im Raum.
Die Dissertation soll aus diesem Grund der Form und dem Inhalt der Bildung politischer Legitimitätsbegriffe innerhalb der
Konstruktionsprozesse von Politischer Räumlichkeit im geistesgeschichtlichen Progress nachforschen und das Verhältnis
von Politik, Legitimität und Raum in den Dissertationskapiteln epochen- und epochenabschnittsabhängig entcodieren.
Am Ende der Dissertation soll der gegenwärtigen Deterritorialisierung des nationalstaatlich geschlossenen Politikraums,
die neben, unter und über dem Nationalstaat mehrere politische Räume diversifiziert, mit dem Versuch einer neuen
legitimitätstheoretischen Genese begegnet werden, die Elemente klassischer Legitimitätstheorien, die
schwerpunktmäßig vom Nationalstaat aus denken, und neuerer Legitimitätsansätze, die auf die neuen
politischen Räume fokussieren, aufnimmt und nach der Kategorie "Politische Legitimität versus Politischer Raum"
analysiert, rekonstruiert und neu theoretisiert.

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