Arbeitskreis Ostasien in der Deutschen Gesellschaft für Geographie

Aufruf zur Einreichung von Themenvorschlägen für die Jahressitzung am 29.09.2017 an der Eberhard Karls Universität Tübingen

Die Jahressitzung 2017 des Arbeitskreises Ostasien in der Deutschen Gesellschaft für Geographie findet am Freitag, den 29.09.2017 im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Geographie an der Eberhard Karls Universität Tübingen statt. Der Arbeitskreis versteht sich als interdisziplinär offenes Forum, in welchem aktuelle bzw. geplante Forschungsprojekte, Abschlussarbeiten oder auch Werkstattberichte aus der Humangeographie, der Physischen Geographie oder nahestehenden Nachbarwissenschaften wie z.B. Stadt- und Regionalplanung, Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft, Verkehr und Logistik, Architektur und Bauwesen vorgestellt werden können.

Ein inhaltliches Schwerpunktthema ist nicht vorgegeben, der Arbeitskreis ist sowohl für theoretisch-methodische als auch forschungspraktische Fragestellungen der geographischen Ostasienforschung offen. Ein Anliegen ist es, über länderspezifische Themen hinaus auch den transnationalen Vernetzungen der Länder Ostasiens nachzugehen; entsprechende Beiträge sind besonders willkommen. Ausdrücklich seien auch NachwuchswissenschaftlerInnen und Studierende (Master/Promotion) dazu ermuntert, ihre Projekte zur Diskussion zu stellen.

Themenvorschläge mit einem erläuternden Exposé (300 bis 500 Wörter) unter Angabe vollständiger Kontaktdaten werden bis spätestens 30.06.2017 an folgende Email-Adresse erbeten: thomas.feldhoff@rub.de

Anliegen 

Der 1999 von Winfried Flüchter gegründete und bis 2008 mit Axel Thomas geleitete Arbeitskreis Ostasien spricht im Sinne humanökologischer Ansätze Human- und Physische Geographen gleichermaßen an. Er ist interdisziplinär offen. Herzlich willkommen sind Experten auch aus den Nachbarwissenschaften: Stadt- und Regionalplanung, Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft, Verkehr und Logistik, Architektur und Bauwesen, Jura (Bau- und Bodenrecht).
Wir wünschen uns Anregungen zu neuen Forschungsansätzen und möglichst theoriegeleitete Beiträge, die über Idiographisches hinaus ostasiatische Charakteristika international vergleichend einzuordnen versuchen und, wenn möglich, stimulierend auch im Sinne einer angewandt-handlungsorientierten Forschung wirken.


Sprecher:

Prof. Dr. Thomas Feldhoff
Humangeographie, insb. Geographische Energie-, Ressourcen- und Ostasienforschung
Geographisches Institut, Fakultät für Geowissenschaften
Ruhr-Universität Bochum
Universitätsstraße 150
44780 Bochum

T: +49(0)234 32-24847
E: thomas.feldhoff@rub.de
H: www.geographie.ruhr-uni-bochum.de

 

Link zur Liste der Mitglieder 

 

GEOGRAPHIE UND OSTASIENFORSCHUNG

Kooperationsdefizite und Potenziale

1. Intra-disziplinäre Kooperation

Auf Ostasien fixierte und interdisziplinär arbeitende Forscher, die zudem in einem extrem zeitintensiven und nie endenden Lernprozess Sprachkompetenz in einer ostasiatischen Sprache erworben haben, müssen sich mit der Gefahr auseinandersetzen, innerhalb der eigenen Fachwissenschaft sektoral hinter dem Niveau der ebenfalls hochgradig spezialisierten Kollegen zurückzubleiben. Andererseits fehlt diesen für seriöse Ostasien-Recherchen die soziokulturelle und sprachliche Kompetenz. Die Zusammenarbeit von beiden – von in der Geographie beheimateten Ostasien-Experten sowie von Spezialisten im sektoralen Segment der Geographie – ermöglicht daher ein Mehr an Anregungen und wissenschaftlicher Tiefgründigkeit. Diese Kooperation wird aber von beiden Seiten viel zu wenig gesucht, sei es aus Furcht vor Bloßstellung, sei es einfach aus Bequemlichkeit. Der auf dem 52. Deutschen Geographentag in Hamburg 1999 neu konstituierte Arbeitskreis Ostasien (s.u.) bietet hier intra-disziplinäre Möglichkeiten.

2. Inter-disziplinäre Kooperation

Ist Intra-disziplinarität schon schwierig genug zu realisieren, so gilt dies um so mehr für die so häufig beschworene inter-disziplinäre Zusammenarbeit. Im Hinblick auf Japan – leider noch nicht China und Korea – existiert in Deutschland eine institutionelle Infrastruktur, die Chancen eröffnet. Universitätsübergreifend ist die 1988 gegründete Vereinigung für sozialwissenschaftliche Japanforschung (VSJF) zu nennen, zu deren Vorstandsmitgliedern auch ein Geograph (Winfried Flüchter) gehört. Die VSJF führt regelmäßig Jahrestagungen zu einem vorgegebenen Leitthema durch, das interdisziplinär strukturiert und diskutiert wird. Ihr zehnjähriges Bestehen nahm die VSJF auf ihrer Jubiläumstagung 1998 in Berlin zum Anlass, Bilanz zu ziehen und Perspektiven für die sozialwissenschaftliche Japanforschung zu erörtern.[1] Vor und während der Jahrestagung der VSJF finden interdisziplinär offene Workshops und Fachgruppensitzungen statt. Eine der insgesamt sieben Fachgruppen, die von Geographen geleitete „Stadt- und Regionalforschung“, konstituiert sich 1998 (Fachgruppensprecher: Winfried Flüchter, Uta Hohn, Thomas Feldhoff).

3. Inter-disziplinärer und internationaler Austausch

Diesen ermöglicht die European Association for Japanese Studies (EAJS) durch ihre seit 1979 alle drei Jahre in einem europäischen Land stattfindenden Kongresse, die auch von japanischer Seite stark frequentiert werden. Die Kongresse der EAJS sind in acht Sektionen gegliedert. Die Sektion „Urban and Environmental Studies“ wurde 1990 von Geographen ins Leben gerufen (Augustin Berque und Winfried Flüchter), spricht aber auch Stadt- und Regionalforscher, Sozialwissenschaftler, Ökologen, Architekten und Ingenieure an. Als Convener waren wiederholt deutsche Geographen tätig: Winfried Flüchter 1991 in Berlin, Uta Hohn 1997 in Budapest, Carolin Funck 2003 in Warschau, Thomas Feldhoff 2005 in Wien, Oliver Mayer 2008 in Lecce.

In Bezug auf Universitätsstandorte gibt es mit dem inter-disziplinär angelegten Institut für Ostasienwissenschaften der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg (seit 2004: Universität Duisburg-Essen) eine Institution, die aufgrund ihrer fachlichen Bandbreite und der Kohärenz der hier angesiedelten Fächer – Geographie, Politikwissenschaft, Soziologie, Sprache und Kultur sowie nicht zuletzt Wirtschaftswissenschaft – in Deutschland einmalige Potenziale für fachübergreifende Ostasienforschung bietet. Die Wissenschaftler dieses Instituts haben zahlreiche Forschungsvorhaben zum Abschluss gebracht, darunter sechs DFG-Projekte zum Wandel und zur Stabilität von Institutionen in Ostasien. 2009 erhielt das Institut von der DFG das Graduierten-Kolleg „Risk and East Asia“ bewilligt.
______________________

[1] VSJF (Hrsg.): Grenzgänge: Quo vadis sozialwissenschaftliche Japanforschung? Methoden- und Zukunftsfragen. = Duisburger Arbeitspapiere Ostasienwissenschaften Nr. 20, 2000, darin aus geographischer Sicht der Beitrag von Uta Hohn: Stadt in Japan – eine interdisziplinäre Herausforderung für die gegenwartsbezogene, international vergleichende Stadtforschung (S. 37–46).