Dissertationsprojekt Anna Hasenkamp
Kurzfassung Dissertationsvorhaben Entwicklung der Qualität der Sachunterrichtsplanung in der zweiten Phase der Lehrerausbildung
Theoretischer Hintergrund
Im Rahmen des Vorbereitungsdienstes (VD), der zweiten Phase der Lehrerausbildung, erlernen angehende Lehrkräfte, aufbauend auf ihrem weitgehend theoretischen Wissen aus dem Studium, Unterricht selbstständig zu planen, durchzuführen und zu reflektieren. Dies stellt eine zentrale Entwicklungsaufgabe dieses Ausbildungsabschnittes dar (Hericks & Kunze, 2002).
Das hier beschriebene Teilprojekt beschränkt sich auf die Unterrichtsplanung im VD, während in weiteren Teilprojekten, die sich an dieses Projekt anschließen, auch die Unterrichtsdurchführung und die Unterrichtsreflexion untersucht werden (s. dazu Projekte von Sarah Rau & Anna Windt).
Unterrichtsplanung umfasst „alle dem Unterricht vorausgehenden Maßnahmen […], die das Lehren und Lernen im Unterricht selbst optimieren“ (Sandfuchs, 2006a, S. 696). Die angehenden Lehrkräfte müssen während des VDs lernen, ihr Planungsvorhaben in ihren schriftlichen Unterrichtsentwürfen didaktisch und methodisch begründet darzulegen (Minist. f. Schule u. Weiterbild. d. Landes NRW, 2012). Ihre Unterrichtsplanung soll sich dabei laut Sandfuchs (2006b) an den Qualitätsmerkmalen für guten Unterricht, wie z. B. von Helmke (2009) formuliert, orientieren.
Pietsch und Schulze (2008) haben, basierend auf diesen Qualitätsmerkmalen, ein Qualitätsstufenmodell des Unterrichts entwickelt. Das Modell, das aus vier hierarchischen Stufen besteht, ermöglicht die Unterrichtsqualität zu erfassen und zu bewerten. Die einzelnen Stufen werden durch spezifische Qualitätsmerkmale charakterisiert und stellen „jeweils unterschiedlich anspruchsvolle Anforderung[en] an die Gelingensbedingungen guten Unterrichts“ (Pietsch & Schulze, 2008, S. 52). Unterricht, der in die Niveaustufe eins eingeteilt wird, beschränkt sich auf die Qualitätsmerkmale Klassenführung und Klarheit & Strukturiertheit. In der zweiten Stufe wird die Unterrichtsqualität durch die Beachtung des Merkmals Angebotsvielfalt erhöht. In den ersten beiden Stufen liegt demnach der Fokus auf grundlegenden Aspekten der Unterrichtsorganisation und -strukturierung. Für die Einteilung des Unterrichts in die Stufe drei ist das Einbeziehen der Merkmale Lernförderliches Klima, Motivation und Schülerorientierung ausschlaggebend. Die Zuordnung zur Niveaustufe vier erfolgt durch Orientierung des Unterrichts an den Merkmalen Umgang mit Heterogenität und Aktivierung. Ein weiterer Qualitätsanstieg und damit die Einteilung des Unterrichts in die Stufen drei und vier, wird demnach durch das Einbeziehen der individuellen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Interessen der Schülerinnen und Schüler, also die Individualebene, in den Unterricht gewährleistet (Pietsch & Schulze, 2008).
Die Qualitätsmerkmale für guten Unterricht sind in der Literatur bislang nicht fachspezifisch formuliert. Bei einer fachbezogenen Unterrichtsplanung müssen jedoch fachspezifische Besonderheiten aus den einzelnen Fachdidaktiken beachtet und in dem schriftlichen Unterrichtsentwurf umgesetzt werden. Bei der Planung von Sachunterricht muss u.a. der Bildungsanspruch des Faches berücksichtigt werden.
Vorliegende Studien im Bereich der Unterrichtsplanung im Sachunterricht beschreiben bislang, wie Studierende, angehende Lehrkräfte sowie Lehrerinnen und Lehrer ihren Sachunterricht planen (vgl. u.a. Giest, 2002; Hedtke, Kahlert & Schwier, 1998; Tänzer, 2012). Ungeklärt ist, wie sich die Qualität der Unterrichtsplanung im Verlauf des VDs entwickelt. Wissen darüber ist jedoch von großer Bedeutung, um den angehenden Lehrkräfte in ihren Entwicklungsverläufen Hilfestellungen geben zu können, die auf Basis dieses Projektes durch eine gezielte Rückmeldung zu den einzelnen Qualitätsmerkmalen gewährleistet werden soll.
Forschungsfragen & Hypothesen
Forschungsfrage 1: Wie verändert sich die Qualität der Unterrichtsplanung im Verlaufe des VDs?
Hypothese: Die Qualität der Unterrichtsplanung im SU nimmt mit fortlaufender Ausbildungszeit zu.
Forschungsfrage 2: Wie verändert sich die Qualität der Planung hinsichtlich einzelner Qualitätsmerkmale im Verlauf des VDs?
Hypothese 2.1: In der ersten Hälfte des VDs entwickeln sich grundlegende Aspekte der Unterrichtsorganisation und -strukturierung (z. B. Klassenführung, Klarheit & Strukturiertheit, Angebotsvielfalt).
Hypothese 2.2: In der zweiten Hälfte des VDs entwickeln sich insbesondere Aspekte, die die Individualebene einbeziehen (z. B. Umgang mit Heterogenität, Aktivierung, Lernförderliches Klima).
Methoden & Design
Für die Klärung dieser Fragen sollen schriftliche Unterrichtsplanungen analysiert und hinsichtlich ihrer Qualität bewertet werden. Dazu wird ein Kategoriensystem entwickelt und angewendet. Bei der Erstellung des Systems werden die fächerübergreifenden Qualitätsmerkmale für guten Unterricht (Helmke, 2009) mit den spezifischen Besonderheiten der Sachunterrichtsdidaktik (vgl. hierzu u.a. Bartnitzky et al. 2009; GDSU, 2013; Kahlert, 2006; Kaiser, 2010) zu folgenden sechs Merkmalen guten Sachunterrichts zusammengeführt: Klassenführung, Klarheit & Strukturiertheit, Aktivierung (durch den Lehrer initiiert), Lernförderliches Klima, Umgang mit Heterogenität und Angebotsvielfalt. Zu jedem dieser sechs Merkmale enthält das Kategoriensystem fünf bis zehn Facetten. In der Hauptstudie wird die Qualität der Planung von 75 auszubildenden Lehrkräften im Sachunterricht an drei Unterrichtsbesuchen erfasst. Der Erhebungszeitraum erstreckt sich dabei längsschnittlich über die 1,5 jährige Ausbildungsphase in NRW.
Literatur
- Barnitzky, H., Brügelmann, H., Hecker, U., Heinzel, F., Schönknecht, G., Speck-Hamdan, A. (2009). Kursbuch Grundschule. Frankfurt a. M.: Grundschulverband.
- Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (Hrsg.) (2013). Perspektivrahmen Sachunterricht. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
- Giest, H. (2002). Entwicklungsfaktor Unterricht. Empirische Untersuchungen zum Verhältnis von Unterricht und Entwicklung in der Grundschule, dargestellt am Beispiel des Heimatkunde- und Sachkundeunterrichts. Landau: Empirische Pädagogik e.V.
- Hedtke, R., Kahlert, J., & Schwier, V. (1998). Umweltbildung, Unterrichtsvorbereitung und Internet. Wie nutzen Lehrerinnen und Lehrer Umweltinformationen im Internet? Berlin: Unesco-Verbindungsstelle Umwelterziehung.
- Helmke, A. (2009). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze: Klett-Kallmeyer.
- Hericks, U., & Kunze, I. (2002). Entwicklungsaufgaben von Lehramtsstudierenden, Referendaren und Berufseinsteigern. Ein Beitrag zur Professionalisierungsforschung. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 5 (3), 401-416.
- Kahlert, J. (2006). Sachunterricht. In K.-H. Arnold, U. Sandfuchs & J. W iechmann (Hrsg.). Handbuch Unterricht. (S. 543-551). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
- Kaiser, A. (2010). Neue Einführung in die Didaktik des Sachunterrichts. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.
- Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW (2012). Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Staatsprüfung für Lehrämter an Schulen – OVP. Frechen: Ritterbach Verlag.
- Pietsch, M., & Schulze, P. (2008). Struktur und Entwicklung von Unterrichtsqualität. Das Qualitätsstufenmodell des Unterrichts der Schulinspektion Hamburg. Hamburg macht Schule – Zeitschrift für Hamburger Lehrkräfte und Elternräte, 20 (3-4), 52-53.
- Sandfuchs, U. (2006a). Grundfragen der Unterrichtsplanung. In K.-H. Arnold, U. Sandfuchs & J. Wiechmann (Hrsg.). Handbuch Unterricht. (S. 685-694). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
- Sandfuchs, U. (2006b). Ebenen, Prinzipien und Situationen der Planung. In K.-H. Arnold, U. Sandfuchs & J. Wiechmann (Hrsg.). Handbuch Unterricht. (S. 695-701). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
- Tänzer, S. (2012). Wie bewältigen Lehramtsanwärterinnen die Planung von Sachunterricht? – Erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt. In H. Giest, E. Heran-Dörr & C. Archie (Hrsg.). Lernen und Lehren im Sachunterricht. Zum Verhältnis von Konstruktion und Instruktion. (S.199-206). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.