Arbeitsgruppe EInmaL »Epistemologische Interaktionsforschung mathematischer Lehr-Lern-Prozesse (EInmaL)«

Die Mathematik gilt als die Wissenschaft par excellence, in der das Wissen einheitlich, universell und widerspruchsfrei ist. Für das Lehren, Lernen und Verstehen der (Schul-) Mathematik muss jedoch eine andere Sicht eingenommen werden. Empirische Untersuchungen zur alltäglichen mathematischen Unterrichts- und Lernkultur zeigen, dass Schülerinnen und Schüler ihr mathematisches Wissen eher uneinheitlich, situationsgebunden und exemplarisch konstruieren und deuten. Kinder sind –  anders als forschende Mathematiker – auf dem Weg zur Mathematik, und damit notwendigerweise in einen Entwicklungsprozess eingebunden, in dem das Wissen und seine akzeptierten Deutungen nicht zu Beginn in endgültiger Form vorausgesetzt werden können, sondern ein anzustrebendes Ziel sind. Ein wichtiges didaktisches Forschungsinteresse besteht in der sorgsamen Analyse der von Kindern eigenständig konstruierten Mathematik. Die epistemologisch orientierte Analyse interaktiver Wissenskonstruktionen von Kindern, die Analyse kindlicher Deutungen von Anschauungsmitteln und Wissensrepräsentationen, sowie die Entwicklung und Erforschung des jahrgangsgemischten Mathematiklernens stellen exemplarisch das Spektrum der Forschungen der Arbeitsgruppe »Epistemologische Interaktionsforschung mathematischer Lehr-Lern-Prozesse (EInmaL)« dar.
Das zentrale Forschungsinteresse liegt im Bereich der wissenschaftlichen Grundlegung der Mathematikdidaktik, der Curriculum- und Lehrplanforschung (in Grund-, Haupt- und Realschule), sowie der Analyse der spezifischen Epistemologie des mathematischen Wissens in der alltäglichen Unterrichtsinteraktion sowie in mathematischen Kommunikations- und Problemlöseprozessen. Die qualitative, interpretative Unterrichtsforschung bildet zusammen mit einem epistemologischen Analyseansatz die wesentliche Forschungsmethode. Empirische Feldforschungen, die in enger Kooperation mit Mathematiklehrerinnen durchgeführt werden, stellen eine wichtige Basis für die Ausbildung von Lehramtsstudierenden und  für Lehrerfortbildungen dar.
Der Schwerpunkt der mathematikdidaktischen Forschung liegt auf dem Problem der spezifischen Epistemologie des mathematischen Wissens, wie sie in sozialen Unterrichtsprozessen konstituiert wird; insbesondere geht es um die Erforschung der besonderen Natur des mathematischen Wissens in allgemeinbildenden Lehr-Lern-Prozessen.

Grundlegende Publikation für das Forschungskonzept der Arbeitsgruppe EinmaL:
Heinz Steinbring: The Construction of New Mathematical Knowledge in Classroom Interaction – An Epistemological Perspective, Mathematics Education Library, vol. 38, Springer, Berlin, New York. April 2005.