Internationaler Forschungsaufenthalt in Belgien
Forschungaufenthalt in BelgienEKfG fördert internationale Forschung von EKfG-Vorstandsmitglied
Internationale Forschungsaufenthalte eröffnen Räume für Austausch, Beobachtung und die Weiterentwicklung wissenschaftlicher Fragestellungen. Im Rahmen eines Aufenthalts in Belgien im November und Dezember 2025 arbeitete EKfG-Vorstandsmitglied Dr. Lara Altenstädter gemeinsam mit drei wissenschaftlichen Hilfskräften an einem Forschungsvorhaben im Bereich der Geschlechterforschung.
Der Aufenthalt wurde unter anderem durch eine Anschubfinanzierung des Essener Kollegs für Geschlechterforschung ermöglicht. Im Interview berichtet Dr. Altenstädter über ihre Eindrücke und Erfahrungen.
Interview mit Dr. Lara Altenstädter
EKfG: Wie kam es zu Ihrem Forschungsaufenthalt in Hasselt, und woran arbeiten Sie dort gemeinsam mit Ihrem Team?
Der Forschungsaufenthalt wurde durch mehrere Faktoren ermöglicht. Zum einen hat die UA Ruhr über die Ausschreibung von Mobility Grants gezielt Mittel vergeben, um Forschungsaufenthalte von Postdocs zu fördern. Ich konnte mich in diesem kompetitiven Verfahren erfolgreich durchsetzen und so meine Reise finanzieren. Entscheidend war zudem die Einladung von Prof. Patrizia Zanoni von der Universität Hasselt, die meine Forschungsidee unterstützt und mir den Zugang zu ihrem Institut sowie zu lokalen Forschungsnetzwerken eröffnet hat.
Darüber hinaus hat die Anschubfinanzierung des Essener Kollegs für Geschlechterforschung (EKfG) es mir ermöglicht, gemeinsam mit drei wissenschaftlichen Hilfskräften – Melike Ulgar, Anna Doumanas und Michel Breuer – vor Ort zu arbeiten und zentrale Bausteine meines Forschungsvorhabens, in dem es um die Untersuchung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten im Wissenschaftssystem im deutsch-belgischen Vergleich gehen soll, vorzubereiten. Wir verbinden hier vor Ort intensive Literaturarbeit mit qualitativen Erkundungen – insbesondere teilnehmenden Beobachtungen an der Universität sowie in der nahegelegenen Bibliothek –, um konzeptionelle und empirische Grundlagen für ein geplantes Projekt weiterzuentwickeln.
Besonders wichtig war mir, dass Melike Ulgar, Anna Doumanas und Michel Breuer durch den Aufenthalt auch Möglichkeiten haben, sich selbst weiterzuentwickeln. Sie konnten eigenständig arbeiten, Erfahrungen in internationalen Forschungskontexten sammeln und ihre qualitativen Kompetenzen vertiefen. Die Finanzierung durch das EKfG schafft damit auch für studentische Forscher*innen wertvolle Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten.
Welche Eindrücke haben Sie von den städtischen und öffentlichen Räumen in Hasselt mitgenommen?
Die öffentliche Infrastruktur in Hasselt hat mich nachhaltig beeindruckt. Die Bibliothek etwa ist bewusst als offener Ort für alle Bürger*innen gestaltet: Sie erleichtert soziale Teilhabe, schafft Begegnungsräume und verankert die Universität sichtbar in der Stadtgesellschaft. Sie zeigt, wie institutionelle Räume Zugänge zu Wissen eröffnen und Anerkennung sowie wissenschaftliche Teilhabe strukturell fördern können. Dieses Verständnis – dass aus Wissen Verantwortung erwächst – verbindet die Universität Hasselt mit der Universität Duisburg-Essen, die sich ebenfalls stark als gesellschaftlich engagierte Universität positioniert.
Darüber hinaus habe ich gemeinsam mit meinen drei Kolleg*innen die Street-Art-Landschaft der Stadt erkundet, die kulturelle, politische und feministische Themen aufgreift und im gesamten Stadtraum präsent ist. Diese visuellen Eindrücke haben unseren Blick dafür geschärft, wie urbane Räume ästhetisch und gesellschaftlich gestaltet werden – und wie solche Impulse auch akademische Reflexionsprozesse inspirieren können.
Welchen wissenschaftlichen Mehrwert hat der Aufenthalt für Sie persönlich und Ihre weitere wissenschaftliche Entwicklung?
Der Aufenthalt hat meinen Blick auf internationale Forschungsnetzwerke deutlich erweitert. Er hat mir gezeigt, welchen Einfluss kulturelle und institutionelle Rahmenbedingungen auf die Entstehung, Zirkulation und Bewertung von Wissen haben. Die Möglichkeit, akademische Praktiken und lokale Wissenskulturen direkt zu beobachten, ist für die Weiterentwicklung meiner Forschungsidee elementar.
Gleichzeitig stärkt der Aufenthalt mein Gefühl, Teil einer europäischen Forschungsgemeinschaft zu sein, und bereichert meine wissenschaftliche Entwicklung nachhaltig. Besonders deutlich wurde für mich, wie wertvoll die Unterstützung des EKfG ist: Ohne die Anschubfinanzierung und die Möglichkeit, mit einem kleinen Team vor Ort intensiv zu arbeiten, wären diese vielfältigen Einblicke und Erkenntnisse in diesem Umfang nicht möglich gewesen.
Welche Rolle spielte der Austausch mit den Kolleg*innen der Universität Hasselt für die Weiterentwicklung Ihrer Forschungsidee?
Die Kolleg*innen vor Ort haben eine zentrale Rolle gespielt. Besonders prägend waren die Gespräche mit Veronika Leimere, Prof. Patrizia Zanoni sowie Joanna Beckmann. Jede von ihnen hat auf unterschiedliche Weise Impulse eingebracht, die meine Perspektive erweitert haben.
In unserem Austausch ging es nicht nur um akademische Fragen, sondern auch um ein tieferes Verständnis des belgischen Sozialsystems, der Funktionsweisen von Hochschulen und der Rahmenbedingungen wissenschaftlicher Karrieren. Darüber hinaus wurden viele implizite kulturelle Regeln und Erwartungen sichtbar, die im Alltag oft unausgesprochen bleiben, aber erheblichen Einfluss auf Arbeitskulturen haben, z. B. dass Internationalität in einem kleineren Land wie Belgien noch höhere Bedeutung hat als beispielsweise in Deutschland. Dies betrifft zum einen die Sprache, in der publiziert wird, aber auch Karrierewege in der Wissenschaft und den Grad an erwarteter Auslandserfahrung.
Diese Einblicke haben mir geholfen, meine Forschungsidee klarer zu schärfen, internationale Unterschiede besser einzuordnen und mögliche Vergleichsdimensionen für das geplante deutsch-belgische Projekt präziser herauszuarbeiten.
Welche nächsten Schritte planen Sie nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland?
Nach der Rückkehr werde ich die in Belgien gesammelten Materialien auswerten und die konzeptionellen Leitlinien des geplanten Forschungsprojekts weiter schärfen. Ziel ist es, die Erkenntnisse sowohl theoretisch als auch methodisch in den geplanten DFG-Antrag einfließen zu lassen. Der Aufenthalt hat die Ausrichtung des Projekts noch einmal deutlich präzisiert und neue internationale Kooperationen angestoßen, die wir nun weiter vertiefen möchten.
Die Förderung durch das EKfG ist für mich dabei in doppelter Hinsicht bedeutsam gewesen: Einerseits hat sie mir ermöglicht, ein internationales Forschungsprojekt aufzubauen, andererseits fließen die während des Aufenthalts gewonnenen Erkenntnisse auch in meine Arbeit in der Forschungswerkstatt des EKfG zurück. Dort arbeiten wir peer-organisiert und in einem geschützten Raum dialogorientiert an unseren wissenschaftlichen Projekten. Hier kann ich nun neue Impulse zu Internationalisierung, Mobilität und geschlechterbezogener Wissenschaftspraxis einbringen.