Plastik - eine bisher unterschaetzte Gefahr fuer saemtliche Lebewesen einschliesslich Mensch
Neben dem Treibhauseffekt (Folge: weltweite Bedrohung der Korallenriffe) spielen Plastik- Mikro- und Nanopartikel eine bisher noch nicht nachgewiesene Gefahr fuer die menschliche Gesundheit dar. Entweder liegen solche Partikel schon als Beimengungen zu Industrieprodukten und Kosmetika in dieser Groesse vor oder sie entstehen durch Mazeration von Makro-Plastik (Verpackungen jeglicher Art) durch Meeresbewegung und Sand. Besonders gravierend ist der Effekt, dass diese Partikel toxische Substanzen aus dem Wasser akkumulieren koennen, selbst wenn sie nicht selbst gesundheitsschaedigend sind. Die moegliche Toxizitaet gilt allerdings fuer alle Organismen in der Nahrungskette vom Einzeller bis zum Wirbeltier. Mikro-und Nanopartikel koennen Weichmacher oder hormon-imitierende Bestandteile besitzen, die innerhalb von Zellen im unguenstigsten Falle Ausloeser von Krebs und Mutationen sein koennen. In der Oeffentlichkeit sind diese Gefahren noch nicht hinreichend bekannt. Lediglich Muellstrudel im Pazifik oder Feuerzeuge im Magen eines toten Albatrosses rufen Verwunderung hervor.
Bereits 1962 habe ich als Student im Zoologischen Grosspraktikum zeigen koennen, dass Pantoffeltierchen Hefezellen aufnehmen und verdauen koennen (siehe Abbildung). Eine Hefezelle ist in der Regel zwischen 6 und 12 Mikrometer lang und ca 4-8 Mikrometer dick. Daher ist es wahrscheinlich, dass auch Plastikpartikel gleicher Groesse aufgenommen werden. Das gilt vor allem auch fuer Amoeben. Naechst hoehere Organismen (Evertebraten wie Muscheln und Krebse) in der Nahrungskette koennten diese Einzeller zur Nahrung dienen. Sie gelangen letztendlich in Fische, die eine wichtige Nahrungsquelle fuer uns Menschen darstellen. Als Embryologe (Entwicklungsbiologe) moechte ich das Augenmerk besonders auf die Larvenstadien der Organismen lenken, die besonders anfaellig fuer Schadstoffe jeglicher Art sind.
Daher ist die Vermeidung jedes zukuenftigen Plastikeintrags in Fluesse, Seen und das Meer ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit (Sustainability).

Dies ist eine Zeichnung, die ich 1962 als Biologie-Student in der Art einer Zeitraffer-Dokumentation ueber mehrere Stunden, angefertigt habe. Die Hefe war mit Kongorot gefaerbt und faerbte sich waehrend des Verdaungsprozesses zunaechst blau (pH=4) und spaeter wieder rot. Die Anmerkungen stammen von meinem damaligen Lehrer, Privat-Dozent Dr. Vahs.

Zu dieser Zeit war das Plastik-Problem noch kein Thema. Die Begriffe Oekologie und Umweltschutz waren in der Oeffentlichkeit noch nicht bekannt. Erst 1967 wurde in Koeln der erste Lehrstuhl fuer Zoologie und Physiologische Oekologie eingerichtet. In Deutschland gab es zu dieser Zeit lediglich in Kiel noch einen Lehrstuhl fuer Oekologie. Erst ab 1970 wurde die oekologische Forschung vonseiten der Politik gefoerdert.

Bis dahin wurde vor allem das Meer als Muellkippe betrachtet, das in unlimitierter Menge Schadstoffe aufnehmen koenne.

Aus eigener Erfahrung kann ich ueber ein Erlebnis von 1970 berichten: Auf einem Flug von Palermo nach Berlin von einem Natokurs in Entwicklungsbiologie (Developmental Biology) sass ein Manager von einem grossen Konzern neben mir. Als er erfuhr; dass ich Biologe sei, fragte er: Sie sind doch hoffentlich nicht einer dieser Umweltschuetzer? Immerhin haben sich die Zeiten seither einige Schritte zum Guten hin veraendert.

 

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