35 Jahre Memory Clinic Essen

Flyer des Tages der offenen Tür in der Memory Clinc in Essen. Auf dem Flyer oben ist ein Bild des Geriatrie-Zentrums Haus Berge zu sehen. In Text geschrieben ist: Campus Geriatrie-Zentrum Haus Berge. Freitag, 10. Juli 2026, 10 bis 14 Uhr. Klein darunter ist das Tagesprogramm zu erkennen.

Die Geschichte der Memory Clinic Essen ist eng mit dem Wandel der Altersmedizin in Deutschland verknüpft. Als die spezialisierte Gedächtnisambulanz im März 1991 am Geriatrie-Zentrum Haus Berge ihre Arbeit aufnahm, steckte die strukturierte Diagnostik und Versorgung von Demenzerkrankungen bundesweit noch in den Kinderschuhen. Unter der visionären Leitung des damaligen Chefarztes Prof. Dr. med. Hans Georg Nehen wurde ein Konzept realisiert, das sich an internationalen Vorbildern orientierte und in der deutschen Kliniklandschaft echte Pionierarbeit leistete. Ermöglicht wurde diese Anfangsphase durch die großzügige Anschubfinanzierung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie der Sparkassen-Stiftung, welche den Wert einer solchen Anlaufstelle für die alternde Stadtgesellschaft frühzeitig erkannten. Aus dem dreijährigen Modellprojekt erwuchs schnell eine unverzichtbare Institution für das gesamte Ruhrgebiet. 

Ein Bild einer Pinnwand aus der Ausstellung während des Tages der offenen Tür. Auf der linken Seite der Pinnwand ist das Geriatrie-Zentrum Haus Berge früher zu erkennen. In der Mitte und auf der rechten Seite sind Texte zu zu sehen.

Ein entscheidender Wendepunkt für den ganzheitlichen Behandlungsansatz der Klinik vollzog sich im Jahr 1999. In diesem Jahr gelang es, die neugegründete Alzheimer Gesellschaft Essen e.V. direkt unter dem Dach der Gedächtnisambulanz anzusiedeln. Diese enge räumliche und konzeptionelle Verzahnung von hochspezialisierter medizinischer Fachkompetenz und psychosozialer Beratung für Angehörige war wegweisend. Betroffene Familien erhielten fortan nicht nur eine präzise medizinische Abklärung, sondern zeitgleich eine emotionale und praktische Stütze für den herausfordernden Alltag mit der Erkrankung. Dieser multiprofessionelle Ansatz, der Mediziner, Psychologen und Sozialarbeiter an einen Tisch brachte, entwickelte sich zum Markenzeichen der Essener Einrichtung.

Eine Pinnwand mit Zeitungsartikel vom Geriatrie-Zentrum Haus Berge und dessen Mitarbeitern

 Im Jahr 2010 rückte die Memory Clinic Essen in das Licht der bundesweiten Öffentlichkeit, als der schwere Krankheitsverlauf des prominenten Schalke-Managers Rudi Assauer bekannt wurde. Assauer begab sich in die Hände der Essener Spezialisten und wurde über Jahre hinweg engmaschig in der Ambulanz betreut. Sein mutiger Schritt, die Alzheimer-Erkrankung trotz seiner enormen Bekanntheit nicht zu verstecken, sondern offensiv und transparent damit umzugehen, löste im gesamten deutschsprachigen Raum eine Welle der Enttabuisierung aus. Die Memory Clinic Essen stand in dieser Zeit im Zentrum eines gesellschaftlichen Wandels, der das Thema Demenz aus der Tabuzone mitten in den gesellschaftlichen Diskurs rückte und das Bewusstsein für die Betroffenen nachhaltig schärfte.

Professor Doktor Richard Dodel ist im Hinterund zu sehen, wie er vor eine Gruppe von sitzenden Personen in einem Raum spricht.

Mit dem Generationenwechsel in der Klinikleitung und der Übernahme durch Univ.-Prof. Dr. med. Richard Dodel vollzog die Institution den nächsten Entwicklungsschritt. Unter seiner Führung wurde die Memory Clinic mehr in den wissenschaftlichen Kontext integriert. Die Ambulanz zeichnet sich heute durch eine hohe Frequenz an wissenschaftlichen Arbeiten und die kontinuierliche Teilnahme an klinischen Studien aus. Patienten erhalten dadurch schon frühzeitig Zugang zu den modernsten Diagnoseverfahren. 

Von links nach rechts sind die Personen Frau Doktor Oedekoven, Herr Professor Doktor Dodel, Herr Doktor Nehen, Herr Doktor Fahnenstich, Frau Doktor Rothermund und Frau Holtkamp zu sehen

Am 10. Juli 2026 blickte die Memory Clinic im Rahmen eines feierlichen Tages der offenen Tür stolz auf ihr 35-jähriges Bestehen zurück. Seit der Gründung wurden in den Räumlichkeiten weit über 30.000 Patientinnen und Patienten untersucht und auf ihrem Weg begleitet. Das Jubiläum machte eindrucksvoll deutlich, dass die Einrichtung den perfekten Spagat zwischen ihrer traditionsreichen Geschichte und dem medizinischen Fortschritt der Zukunft meistert. Zwischen Kurzvorträgen der beiden prägenden Mediziner Nehen und Dodel, persönlichen Gedächtnis-Kurztestungen für die Bürger und einem herzlichen Austausch bei Kaffee und Kuchen vom Café Gretchen zeigte sich die Memory Clinic als das, was sie seit 35 Jahren ist: ein verlässlicher Anker der Fürsorge für Menschen mit Gedächtnisstörungen in Essen.