Creating an Indigenous High-Tech Industry: Biopharmaceuticals and China

Health Biotechnology in China

Gegenwärtig nimmt die Förderung der Biotechnologie einen hohen Stellenwert in den wirtschaftlichen Entwicklungsstrategien vieler Länder ein. Dies gilt nicht zuletzt für aufholende Volkswirtschaften wie der VR China, die ihre Ambitionen erst im kürzlich erlassenen Fünf-Jahres-Plan für Wissenschaft & Technik (2011-2015) bekräftigt hat. Bereits in den vergangenen Jahren hat China die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) massiv steigern können, während die Anzahl der Biotechnologie-Patente sprunghaft angestiegen ist. Allerdings können aus diesen makroskopischen Indikatoren nur in begrenztem Maße Rückschlüsse auf die Innovationsfähigkeit des chinesischen Sektors gezogen werden. Vor allem lässt sich hieraus nicht ersehen, inwiefern die Organisation dieses Sektors die Schaffung, Diffusion und kommerzielle Nutzung biotechnologischen Wissens begünstigt.

Inzwischen stehen eine stattliche Anzahl an Länderstudien zur Verfügung, die zur Identifizierung unterschiedlicher nationaler Organisationsformen und ihrer Leistungsfähigkeit im Biotechnologie-Sektor beitragen. Interessanterweise steht China aber trotz der großen internationalen Aufmerksamkeit in dieser Beziehung noch außen vor. Prof. Dr. Markus Taube und Marcus Conlé (MSM/INEAST) wollen diese Wissenslücke beheben. Durch einen vom Profilschwerpunkt geförderten Kurzaufenthalt in Beijing und Shanghai im Februar dieses Jahres konnten bereits erste explorative Interviews mit Firmen und Technologietransferstellen von Forschungsinstituten geführt werden. Aus diesen Interviews und den bei der Gelegenheit zusätzlich gesammelten Sekundärquellen geht u.a. hervor, dass im Unterschied zu den USA, Großbritannien oder Deutschland 1) Universitäten und Forschungsinstitute einen größeren räumlichen Radius in der Wissensdiffusion abdecken, auch was ihren Beitrag zu Firmenneugründungen betrifft, 2) auffällig viele Biotech-Unternehmen eine integrierte Expansionsstrategie wählen, die sich von der der üblichen „dedizierten Biotechnologiefirmen" mit ihrer Spezialisierung auf F&E absetzt, 3) diese Firmen trotz ihrer geringen Größe oft multiregional organisiert sind, 4) Kooperation zwischen chinesischen Firmen relativ selten ist und 5) multinationale Pharmaunternehmen insofern einen Einfluss auf die Entwicklung der chinesischen biopharmazeutischen Industrie ausüben, als sie Möglichkeiten für Kooperation und lokale Spezialisierung bieten.

Ein Artikel, der diese Beobachtungen und erste Erklärungsversuche enthält, ist bereits für die Veröffentlichung in einer Sonderausgabe der Zeitschrift „Chinese Management Studies" angenommen worden. Zur Zeit wird ferner ein Antrag für ein DFG-Projekt vorbereitet, mit Hilfe dessen die einstweiligen Erkenntnisse durch strukturierte Interviews mit hoher Fallzahl überprüft und vertieft werden sollen. Auf jeden Fall kann aus der bisherigen Analyse geschlossen werden, dass die konkrete Fragestellung nicht nur einen wertvollen Beitrag für die komparative Forschung zu Innovationen in wissensbasierten Industrien, sondern auch zur Diskussion über die chinesische Variante des Kapitalismus zu leisten vermag.

Quelle: Newsletter des Profilschwerpunktes 2/2010  [link]