Liebeserfindungen, Liebesempfindungen. Semantiken der Liebe zwischen Kontinuität und Wandel – vom Barock bis zur Gegenwart

Liebeserfindungen, Liebesempfindungen. Semantiken der Liebe zwischen Kontinuität und Wandel – vom Barock bis zur Gegenwart

Tagung „Liebeserfindungen, Liebesempfindungen. Semantiken der Liebe zwischen Kontinuität und Wandel – vom Barock bis zur Gegenwart“ (Essen, 21./22. September 2017)

Gegenwärtig ist viel von einem grundlegenden Wandel der (Vorstellungen von der) Liebe in der westlichen Welt die Rede. Schon die Anbahnung der Liebesbeziehungen verändert ihr Gesicht: Immer häufiger findet sie in den sozialen Medien statt. Ist die Beziehung einmal konstituiert, kann sie „offen“ oder „treuebasiert“, zusammen-lebend oder getrennt-lebend, unverheiratet oder verheiratet geführt werden. Der eine geht von lebenslangem Zusammensein aus, die andere von einer Lebensabschnittspartnerschaft. Was in der Beziehung stattfinden soll, wird ebenso unterschiedlich gesehen: Identitätsfindung und -stabilisierung durch vollständiges Verstehen des Partners, oder nur wechselseitige Unterstützung bei der Bewältigung des praktischen Lebens zwischen Sorgen und Vergnügungen? Und: Soll Nachwuchs gezeugt oder – gerade in „queeren“ Beziehungen –möglicherweise adoptiert werden?

   Weitere Faktoren verkomplizieren die Situation. So sorgt vermehrte Migration dafür, dass Partnerschaftsmodelle aus anderen Kulturen als zusätzliche Optionen im Raum stehen; ihre Verknüpfung mit westlichen Modellen kann zu interessanten Hybridformen führen. Mit „queeren“ Partnerschaften verbindet sich ebenfalls häufig die Erwartung, sie folgten anderen Denk- und Verhaltensmustern, als sie von den gängigen Liebessemantiken vorgegeben werden. Derweil inszenieren die Medien permanent eine immer „buntere“ Welt von Liebesgeschichten, die als Leitbilder und/ oder als diskussionswürdige Angebote auf die Gesellschaft zurückwirken.

All diesen Phänomenen widmet sich die Tagung, indem sie diachrone und synchrone Vergleiche anstellt. Die erzielten Ergebnisse sollen dabei in die Vorbereitung einer DFG-Forschergruppe zum Thema „Ambiguität und Unterscheidung: Historisch-kulturelle Dynamiken“ einfließen. Der Vorantrag für diese Forschergruppe ist mit Schreiben vom 17.11.2016 von der DFG bewilligt werden. Der Hauptantrag soll Ende 2017 bei der DFG eingereicht werden.