Rudolf Gottschall

 

 

[Rezension]

 

Emanuel Geibel's "Neue Gedichte".

 

Neue Gedichte von Emanuel Geibel. Stuttgart, Cotta. 1857. 8. 1 Thlr. 25 Ngr.

 

Ein Band schöner, gemüth- und gedankenvoller, in formeller Beziehung classischer Gedichte liegt vor uns, wiederum ein Beweis dafür, daß die deutsche Lyrik des 19. Jahrhunderts sich glänzender entfaltet als die des 18. und ihr den Lorber streitig macht. Es ist eine durch die thatsächliche Theilnahme der Nation widerlegte Ansicht Derjenigen, die ihre eigene Poesielosigkeit gern der ganzen Nation oder gar dem ganzen Jahrhundert zuschreiben möchten, daß es mit unserer Poesie zu Ende sei und die Dichter nichts Besseres zu thun hätten, als sich von den gestrengen Herren Kritikern todtschlagen zu lassen, wozu letztere der ganzen deutschen Poesie wie Caligula nur Einen Kopf wünschten. Abgesehen von dieser in sehr vielen kritischen Blättern eingebürgerten Ansicht, die man dem Publicum aufzudrängen sucht, und welche den bekannten Goethe'schen Spruch: "Schlagt ihn todt, den Hund – es ist ein Recensent!" frei ins Moderne übersetzt: "Schlagt ihn todt, den Hund – es ist ein Dichter!" hat sich auch eines großen Theils der Literaten selbst das Streben bemächtigt, um jeden Preis praktisch, technisch, industriell, realistisch zu sein. Man fragt: Was geht, was zieht, was liegt in der Zeit? Bürgerlich oder romantisch? Vers oder Prosa? Rührstück oder Poesie? und beantwortet diese Fragen nicht aus dem eigenen Genius, sondern nach äußerlichen Rücksichten und Erfolgen. Um so erfreulicher ist es, einen Dichter wie Geibel wieder zu begrüßen, der Das, was die Zeit bewegt, in idealer Spiegelung ausspricht und aus dem tiefsten Born seines Talents heraus dichtet.

Emanuel Geibel galt lange Zeit und gilt Vielen noch jetzt – als ein Dichter für "Backfische". In der That ist seine Muse außerordentlich keusch, und seine Werke bedürfen keiner editio castigata. Frei von allen genialen Auswüchsen, war schon in der ersten Sammlung Form und Inhalt von gleicher Sauberkeit, von gefälliger Anmuth und gefeilter Correctheit. Allerdings überwog in ihr eine sanfte, weiche, etwas enge Gemüthswelt; die Musik bemächtigte sich des verlockenden Textes, und die Poesie schaukelte sich wie ein weißer Schwan auf ihren Wellen. Es war daher kein Wunder, daß die weibliche Jugend, welche die ersten Pas auf den Bällen und im Leben machte, sich mit Vorliebe diesen Gedichten zuwendete, umsomehr, als damals ein großer Theil der begabtesten Dichter unter den Fahnen der kampflustigen politischen Lyrik kämpfte, welche für solche aufknospende Mädchenherzen wenig Anziehendes hatte. Doch waren auch schon in diesen ersten Gedichten Geibel's kräftige und männliche Klänge angeschlagen; im lyrischen Fehdebrief gegen Herwegh trat er als der entschiedene Apostel einer antirevolutionären, freisinnig conservativen Politik auf; in den "Juniusliedern" finden sich viele ausgezeichnete Situationsbilder und männlich schwunghafte Gedichte. Es war daher jede Veranlassung verschwunden, Geibel nur als den Orpheus der funfzehn- und sechzehnjährigen Confirmationsschönheiten zu betrachten und sein Bild mit den Arabesken blonder, schwärmerischer Engelsköpfchen zu umrahmen. Mochte er noch so weiche, süßtönende Klänge anschlagen, mochte seine altfromme protestantische Gesinnung ihn noch so fernhalten von jeder philosophischen Kühnheit oder auch nur von jenen blendenden Reflexen der Skepsis, welcher viele moderne Dichter ihren Ruf und ihre Bedeutung verdanken, das Dichterbild von Geibel, wie es besonders nach den "Neuen Gedichten" erscheint, hat männlichen Adel, Wärme und Innigkeit des Gemüths und ist aus Einem Guß. Mit einem solchen Dichter, der sich so ganz gibt und Das, was er ist, so ganz ist, wegen der Verschiedenheit der Weltanschauung zu rechten, das wäre die Sache jener Kritik, welche mit einem fertigen wissenschaftlichen Credo an die dichterischen Erscheinungen herangeht und sie herunterkanzelt, wenn die Antwort auf ihre Fragen anders lautet, als in ihrem Katechismus steht. Einer klar und bestimmt ausgeprägten dichterischen Begabung gegenüber, welche besonders die Form mit Meisterschaft beherrscht, muß die Kritik den nöthigen Respect an den Tag legen und sich damit begnügen, ein anschauliches Charakterbild [430] zu entwerfen, eine Aufgabe, welche freilich schwieriger ist und ein innigeres Versenken in den Dichter verlangt, als das Ausstellen rubricirter Censuren in Lob und Tadel, die man fertig in der Tasche hat.

Auch die neue Sammlung Geibel's enthält viele zarte und sinnige Lieder aus alter und neuer Zeit; doch daneben finden sich gedankenvollere Gedichte, in denen theils einem männlichen geistigen Streben Ausdruck gegeben ist, theils die Darstellung größere historische Perspectiven eröffnet, Sprüche mit epigrammatischer Schärfe, Balladen und Erzählungen, in denen das epische Element zur Geltung kommt.

Nach Anastasius Grün's Vorgang besingt auch Geibel "den Dampf"; doch er feiert in ihm nicht allegorisch wie jener den Genius der neuen Zeit; es weht durch seinen "Mythus vom Dampf" eine Polemik gegen den Triumph des Menschengeistes und seiner "stolzen Weisheit"; die unter sein Joch gebeugten Elemente Feuer und Wasser drohen mit ihrer einstigen Entfesselung am "Tage des Zorns"; und das stolze Lied des Dampfs endet mit der schwunghaften Strophe:

Dann wird des Vaters Krone blitzen,
Und jeder Blitz ist Weltenbrand;
Dann wird bis zu der Berge Spitzen
Die Mutter zieh'n ihr Schaumgewand;
Dann will ich selbst auf freier Schwinge
Durch's All, Zerstörung brausend, weh'n
Und über'm Trümmersturz der Dinge
Aufjauchzen und ins Nichts vergeh'n.

Das Gedicht "Babel" ist eine Kaulbach'sche Freske in meisterhaften Anapästen, welche ebenfalls einen "Tag des Zorns" feiert, der über die stolze Weisheit der Erdenkinder hineinbricht. Die damaligen Stoff- und Krafttitanen sprachen:

            Was brauchen wir fürder des Herrn?
Mag im Blauen er thronen, wir gönnen's ihm gern;
Doch die Erd' ist für uns, wir sind Könige d'rauf,
Laßt uns schwelgen ünd glüh'n, sie beschert uns vollauf.

Denn die Flur gibt uns Weiden und Brot das Gefild,
Und den Fisch gibt der Strom und die Forstung das Wild,
Und die Harfe den Ton, und die Rebe den Schaum,
Und das Weib ihren Reiz – und das And're ist Traum.

Und zum Zeugniß der Herrschaft, zum Zeugniß der Kraft
Laßt uns gründen ein Mal, das die Zeit nicht entrafft:
Einen Thurm, drum die Wolken sich legen im Kreis,
Dem da droben zum Trotz und uns selber zum Preis.

Für diese trotzige Blasphemie traf sie das Gericht des Herrn, dessen Schilderung einen grandiosen biblischen Schwung athmet.

Die "Historischen Studien" geben uns ein Gespräch zwischen Faust und Mephistopheles, in welchem der Goethe'sche Ton höchst glücklich getroffen ist. Faust vertritt in diesem Dialog das Gesetz des fortschreitenden historischen Geistes:

Das große Weltgesetz, nach dem im ew'gen Reigen
Die Völker sinken oder steigen
Und wechselnd alles Leben kommt und flieht.

Er rühmt die Vergangenheit als Lehrerin der Gegenwart. Mephistopheles leugnet, daß

            je die Einsicht in gewes'ne Dinge
Dem wilderregten Augenblick gefrommt.
Und lag der Fall auch noch so nah,
Und ließ er sich mit Händen fassen,
Wann hat ein Fürst durch Das, was einst geschah,
Wann hat ein Volk sich warnen lassen?

Er leugnet die fortschreitende Entwickelung der Menschheit und behauptet, daß sie sich im Kreise drehe:

So treibt sich's fort mit ruhelosem Drehen
Im Kreis, wie Mühlenräder gehen.

Der Dichter selbst steht natürlich auf der Seite Faust's; er glaubt an die Zukunft der Freiheit, wenn auch die Mitwelt nur mit schweren Händen, mit dumpfem Sinn, maßlos und fiebrisch nach ihr tastet; das sphinxgestaltige Zwitterbild wird zerstieben und wie Anadyomene wird einst die reine Göttin dem Schaum entsteigen. So singt der Dichter in jenen bereits aus den "Juniusliedern" bekannten herrlichen Terzinen: "Mein Friedensschluß." Wie Horaz sein Monumentum aere <perennius>, so stellt der Dichter in etwas stolzer Isolirung dies Gedicht als Denkmal seiner freien Gesinnung hin:

Und weil ich muß beim Kampf des Tages schweigen,
Den Larven schlagen, hab' ich aufgerichtet
Dies Lied als Mal, daß ich der Freiheit eigen.
In ihrer Zukunft Sinn hab' ich gedichtet.

Die "Klage" ist eine Elegie um Schleswig-Holstein und die deutsche Ehre:

Und du, o deutsches Schwert, das scharf gefegt,
Durch hundert Schlachten kühn sich Bahn gebrochen,
Wie zagst du in der Scheide nun verkrochen,
Als wärst du Schilf, das keine Wunden schlägt,
Sobald nur Moskaus Zar die Stirn in Runzeln legt.

Diese letztern "Gedichte" gehören alle unzweifelhaft der "politischen Lyrik" an, einer vollkommen berechtigten Richtung der Poesie, die sich freilich anfangs mit dem Anspruche auf eine ausschließliche Geltung der Nation aufdrängte, jetzt aber, in ein begrenzteres Bette zurückgedämmt, neben den andern lyrischen Gattungen und Richtungen in Reih' und Glied steht. Und in der That, wie sollte ein Dichter sich losreißen vom Gedankenleben seiner Zeit und von all den großen Fragen, welche sie bewegen? Mag er sich polemisch gegen die herrschenden Tendenzen verhalten, mag er satirisch die Gebrechen der Zeitgenossen schildern, immer bleibt er verstrickt in das dialektische Gedankennetz, welches sein Jahrhundert ihm über den Kopf wirft. Jede Poesie, welche heraustritt aus dem blos subjectiven Empfinden, aus der stillen Einsiedelei des Herzens, muß den Boden des Staats und der Gesellschaft berühren, und es ist keine Frage, daß dies kein fremder, sondern ein mütterlicher Boden ist, bei dessen Berührung ihre Kraft wächst. Durch das Culturleben ihrer Gegenwart wird die Poesie gerade mit jenen Stoffen befruchtet, welche noch künftige Jahrhunderte interessiren. Wir haben gesehen, wie Geibel zwar gegen die eigentliche Strömung der Zeit arbeitet, die uralte Kraft der Elemente gegen das Joch aufruft, das der industrielle Uebermuth der Menschen ihnen auferlegt, den [431] Babelsthurmbau der materiellen Tendenzen mit der Wucht eines biblischen Pathos verdammt; aber er ist doch voll patriotischer Begeisterung, er huldigt doch dem Genius der Freiheit, welcher der Genius dieses Jahrhunderts ist. Freilich scheint mit der Begeisterung für die Zukunft der Freiheit, die er in "Mein Friedensschluß" feiert, wenig das "Sonett" zu stimmen, in welchem er vom siechen und lahmen Geist der Völker spricht, die Zeit mit schwarzen Schlagschatten malt:

Das Wissen überschärft sich selbst zum Luge,
Die Kunst wird Machwerk, alles Glauben Fragen;
Und Zweifel, wägend stets, anstatt zu wagen,
Würgt jede That beim ersten Athemzuge.

Ausging die Zeugung, während tausend Zungen
Von Freiheit, Kraft und Größe prahlend dichten,
Als sei der Menschheit Gipfel nun erschwungen.

Doch plötzlich dann mit donnerndem Vernichten
Erbraust der Strom der Völkerwanderungen,
Aus Weltenschutt ein Brachfeld aufzuschichten.

Dieser Widerspruch zwischen den Ansichten des Dichters ist indeß wol nur ein scheinbarer, indem das Ideal der Freiheit, das er im Herzen trägt, durch diese Verwüstungen nicht zertrümmert <wird>, sondern aus ihnen erst emporblühen wird. In der That scheint der Dichter unsere Zeit mit einer gewissen Vorliebe mit jenen Zeiten des verfallenden römischen Kaiserreichs zu vergleichen, in welches später die Stürme der germanischen Völkerwanderung und die götterstürmende Macht des Christenthums hereinbrachen, und ihrer innern Gebrochenheit in jenen Bildern einen Spiegel vorzuhalten. Wir meinen hier besonders die drei Gedichte: "Die Sehnsucht des Weltweisen", "Der Tod des Tiberius" und "Der Bildhauer des Hadrian", die an und für sich Perlen dieser neuen Gedichtsammlung sind. Doch können dies bei dem Geibel'schen Standpunkt nur einzelne Anklänge bleiben, denn die letzte Consequenz dieser Vergleichung würde mehr für Strauß und Feuerbach passen als für ihn. Während Schiller in den "Göttern Griechenlands" der Sehnsucht unsers modernen humanistischen Heidenthums nach jener versunkenen Welt schöner Gestalten einen beredten Ausdruck gab und gegen die Einheit eines nach starren Gesetzen herrschenden Gottes protestirte, spricht Geibel dagegen in der "Sehnsucht des Weltweisen" das Aufdämmern dieser einen Gottheit in der Oede der heidnischen Philosophie, die Sehnsucht des Denkers nach einer sich zu ihm niederneigenden Liebe, kurz, die Ahnung des Christenthums in der Epoche des verfallenden Heidenthums aus. Dies Gedicht ist das directe Gegenbild zu den "Göttern Griechenlands". Während Schiller darüber klagt, daß "Einen zu bereichern unter allen" die schöne Götterwelt vergehen mußte, heißt es bei Geibel:

Doch wie sich des Olymps Gestalten
Gleich Träumen lösten nebelhaft,
Da war es mir, als flöss' ihr Walten
Zurück in Eine heil'ge Kraft.
Aus Allem, was der Tag vollendet,
Spricht göttlich doch ein ein'ger Sinn,
Und meine Seele stürzt geblendet
Vor dieses Reichtums Fülle hin.
O du, den ich zu nennen zage,
Du ew'ger Geist, deß reines Licht
Noch durch den Dunst der Göttersage
In tausend Farben spielend bricht,
Den sie in tausend Bildern ehren,
Und dem doch nie ein Bildniß glich,
Du, den ich nimmer kann entbehren,
Du Einziger, wie fass' ich dich!

"Der Tod des Tiberius" ist ein markiges Situationsbild mit großen welthistorischen Perspectiven. Die drastische Kraft der Darstellung, die in ungesuchten, aber bedeutungsvollen Contrasten gipfelt, zeigt uns Geibel's Talent im schönsten Lichte. Diejenigen, welche in Geibel nur einen sentimentalen Pegnitzschäfer sehen, werden solchen Dichtungen gegenüber ihre Ansicht nicht länger mit Glück behaupten können. "Der Bildhauer des Hadrian" spricht nach dem Sinne des Dichters die Sehnsucht der heidnischen Kunst in der Zeit der Auflösung, des Verfalls und der Skepsis nach einer neuen Gottheit aus. In diese Elegie tönt indeß soviel Skeptisches und Bezügliches aus der Gegenwart hinein, daß wol auch die moderne Kunst, wenigstens nach einer weitverbreiteten Anschauung, die folgenden Strophen im Chorus mitsingen könnte:

O Fluch, dem diese Zeit verfallen,
Daß sie kein großer Puls durchbebt,
Kein Sehnen, das, getheilt von Allen,
Im Künstler nach Gestaltung strebt;
Das ihm nicht Rast gönnt, bis er's endlich
Bewältigt in den Marmor flößt,
Und so in Schönheit allverständlich
Das Räthsel seiner Tage löst.

Wohl bänd'gen wir den Stein und küren,
Bewußt berechnend, jede Zier;
Doch wie wir glatt den Meißel führen,
Nur vom Vergang'nen zehren wir.
O trostlos kluges Auserlesen,
Dabei kein Blitz die Brust durchzückt!
Was schön wird, ist schon dagewesen,
Und nachgeahmt ist, was uns glückt.

Der Kreis der Formen liegt beschlossen,
Die einst der Griechen Geist beseelt;
Umsonst durchtasten wir verdrossen
Ein Leben, dem der Inhalt fehlt.
Wo lodert noch ein Opferfunken?
Wo blüht ein Fest noch, das nicht hohl?
Der Glaub' ist ach! dahingesunken,
Und todter Schmuck ward sein Symbol.

Sieh her, noch braun sind diese Haare,
Und nicht das Alter schuf mich blaß;
Doch gäb' ich alle meine Jahre
Für Einen Tag des Phidias.
Nicht weil des Volks verstummend Gaffen,
Der Welt Bewund'rung ihm gelohnt;
Nein, weil der Zeus, den er erschaffen,
Ihm selbst ein Gott im Sinn gethront.

Das Gedicht "Judas Ischarioth" ist ein Monolog in reimfreien Jamben, in welchem der zwölfte Jünger seinen Bruch mit Christus ausspricht, weil dieser nicht das Streben nach einem weltlichen jüdischen Reich mit ihm theilt. Der Dichter läßt, etwas unbiblisch, Judas Ischarioth auch als den Versucher erscheinen, welcher dem Heiland die Reiche der Welt zeigt:

[432] Und als ich endlich, in der düstern Brust
Den ungeduld'gen Groll nicht länger zügelnd,
Auf eines Berges Gipfel zu ihm trat,
Und an sein Amt ihn mahnt', und ihm das Land
Verheißend wies, das seines Fürsten harrte,
Wie's vor uns lag mit seinen Seen und Städten
Und Cedernhöh'n, in Abendglut getaucht,
Da fuhr's aus seinem Aug' in meine Seele
Wie zornig Wetterleuchten, und sein Ruf
Ging dräuend in mein Ohr: Hinweg, Versucher!
Kommst du noch einmal? Hebe dich hinweg!

Wir haben bisjetzt vorzugsweise die Gedichte hervorgehoben, in denen sich Geibel's Talent von einer neuen Seite zeigt oder mindestens seine bereits früher sichtbare gedankenvolle Energie kräftiger markirt. Außerdem sind die "Neuen Gedichte" natürlich reich an jenen lieblichen Naturbildern und Liedergaben, welche den Dichter schon früher zu einem Liebling der Frauen gemacht. Hier ist wiederum eine reiche Ernte für die deutschen Liedercomponisten:

Durch die wolkige Maiennacht
Geht ein leises Schallen,
Wie im Wald die Tropfen sacht
Auf die Blätter fallen.

Oder

Nun will der Ost sich lichten,
Die Hähne kräh'n von fern,
Und über schwarzen Fichten
Erglänzt der Morgenstern.

Zahlreiche andere Lieder haben einen so musikalischen Schmelz, einen so einfach austönenden Wohllaut, daß sie sich von selbst zur Composition empfehlen. Anmuthig schlingen sich durch die deutschen Naturbilder und Empfindungsklänge Reminiscenzen an die hellenische Landschaft und die hellenische Poesie, an jenen ewig frischen kastalischen Quell, aus welchem Geibel's Muse ihre maßvolle Formenschönheit schöpft. Wir leugnen nicht, daß wir jene altclassische Poesie dem modernen Genius verwandter finden als die altgermanische, welcher Geibel auch mit großer Vorliebe huldigt, der aber gerade jenes reine Maß der Schönheit fehlt. So halten wir auch die "Balladen" für die schwächere Partie des Werks, weil sie nicht im modernen Geiste gedichtet sind, sondern sich absichtlich in jener altfränkischen, soi–disant volksthümlichen Manier gefallen, die in Wahrheit für unsere Zeit nicht mehr volksthümlich ist. So klingt auch der Inhalt an das oft Dagewesene, fast Triviale mehrfach an; "Des Deutschritters Ave" verherrlicht das ganz gewöhnliche Haudegenthum in manierirten, germanistischen Wendungen. "Am Waldsee" und "Herr Walther" behandeln sehr bekannte Stoffe, denn wie oft hat schon die deutsche Muse im schneeweißen Arm der Waldfrau gelegen. Der "Windsbraut" und der "Türkenkugel" möchten wir von diesen Balladen den Preis zuerkennen und ihnen auch vor jener slawischen Ballade "Die weiße Schlange" den Vorzug geben. Das Fragment aus einem größern Gedichte: "Valer und Anna" in ottave rime, in denen die vielfach in die nächsten Verszeilen hinübergreifenden Sätze und die mitten in den Zeilen markirten Satzeinschnitte einen freiern, erzählenden Ton hervorbringen, welcher den allzu volltönenden Reimklang der italienischen Strophe dämpft, enthält wol einzelne Schönheiten; doch ist das epische Element, soweit dies Bruchstück reicht, wenig ausgiebig und uns will scheinen, als ob die leichter dahinspielende Darstellungsweise den Dichter verhindere, den eigentlichen Nerv seines Talents zur Geltung zu bringen. Die Tagebuchblätter "Ada" sind biographische Reflexe in einfach lyrischer Form; der Dichter versenkt sich mit Wehmuth in die Geschichte einer ihn beglückenden Liebe, die ihm früh durch den Tod entrissen wurde; doch scheint es fast, als ob ihm Herz und Hand noch zu sehr zittere, als ob diese Eindrücke noch zu unmittelbar und heftig ihn bestürmten, um sie ganz mit künstlerisch geläuterter Klarheit wiederzugeben.

Eine reiche Fülle trefflicher und trefflich in schlagender Form ausgesprochener Gedanken enthalten die "Sprüche" und "Distichen", erstere mit mehr Anklang an die Rückert'schen Vierzeilen, letztere mehr xenienhaft. Es sind ethische und ästhetische Lehren von beherzigenswerther Wahrheit. Wir heben einige der letzteren hervor, welche für den Standpunkt des Dichters bezeichnend sind:

Das wollen wir Platen nicht vergessen,
Daß wir in seiner Schule gesessen;
Die strenge Pflicht, die römische Zucht,
Sie trug uns Allen gute Frucht.
Aber wir möchten dabei nicht bleiben,
Das Dichten wieder deutsch betreiben
Und geh'n, wohin der Sprache Geist
Mit ahnungsvollem Laute weist.

            — — —
Irrational erscheint das Leben;
Die Kunst soll keine Brüche geben.
            Goethe und Schiller.
Schön ist's, wenn das Gedicht uns reizvoll in sich hineinzieht,
Daß der bezauberte Sinn drüber des Dichters vergißt;
Aber den Pulsschlag auch der begeisterten Brust zu empfinden,
Welcher im Werk durchbebt, ist ein erhab'ner Genuß.

            — — —
Wechselnd färbt, wie der Strahl des Gefühls, sich des Lyrikers Ausdruck,
Aber des Epikers Stil fließe wie reiner Krystall.
Klar sei jede Gestalt, und unsichtbar wie das Licht nur
Ueber dem Ganzen dahin schwebe des Dichters Gemüth.

            — — —
Das ist des Lyrikers Kunst, aussprechen, was Allen gemein ist,
Wie er's im tiefsten Gemüth neu und besonders erschuf,
Oder dem Eigensten auch solch allverständlich Gepräge
Leih'n, daß Jeglicher drin staunend sich selber erkennt
.

Diese Kunst des Lyrikers besitzt Emanuel Geibel vollkommen; er wird als Dichter seiner ästhetischen Theorie ganz gerecht und verdient nicht blos ein Liebling der Frauen, sondern ein Liebling der ganzen Nation zu sein.

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Blätter für literarische Unterhaltung.
1857, Nr. 24, 11. Juni, S. 429-432. [PDF]

Gezeichnet: Rudolf Gottschall.

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien).

Rezensionen der "Neuen Gedichte" verzeichnet:
Herbert Jacob (Bearb.): Deutsches Schriftstellerlexikon 1830 – 1880. Bd. G. Berlin 2000, S. 82-83 (Nr. 32).

Blätter für literarische Unterhaltung online:
URL: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/89826/1/
URL: https://catalog.hathitrust.org/Record/100319397

 

 

Zeitschriften-Repertorien

 

Das rezensierte Werk

 

 

Literatur

Anz, Thomas: Art. Rezension. In: Handbuch der literarischen Gattungen. Hrsg. von Dieter Lamping. Stuttgart 2009, S. 606-612.

Bucher, Max u.a. (Hrsg.): Realismus und Gründerzeit. Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur 1848 – 1880. 2 Bde. Stuttgart 1981.

Fohrmann, Jürgen: Lyrik. In: Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hrsg. von Edward McInnes u.a. München u.a. 1996 (= Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Bd. 6), S. 394-461.

Frank, Horst J.: Literatur in Schleswig-Holstein. Bd. 3: 19. Jahrhundert. Teil 1: Im Gesamtstaat. Neumünster 2004.
Kap. 13: Vergänglicher Ruhm: Emanuel Geibel (S. 404-432).



Gottschall, Rudolf: Die Poesie des Kaukasus. In: Blätter für literarische Unterhaltung. 1852, Nr. 27, 3. Juli, S. 638-641. [PDF]

Gottschall, Rudolf: Die neue deutsche Lyrik. In: Die Gegenwart. Eine encyklopädische Darstellung der neuesten Zeitgeschichte für alle Stände. Bd. 8. Leipzig: Brockhaus 1853, S. 29-78.
URL: https://archive.org/details/diegegenwartein04unkngoog
URL: https://catalog.hathitrust.org/Record/011543339
Anonym veröffentlicht; vollständig überarbeitet eingegangen in:
Rudolph Gottschall: Die deutsche Nationalliteratur in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Literarhistorisch und kritisch dargestellt. Bd. 2. Breslau: Trewendt & Granier 1855; hier S. 95-327: Die moderne Lyrik.
URL: http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10732719.html
URL: https://archive.org/details/bub_gb_R4RLAAAAcAAJ

Gottschall, Rudolf: Emanuel Geibel's "Neue Gedichte". In: Blätter für literarische Unterhaltung. 1857, Nr. 24, 11. Juni, S. 429-432. [PDF]

Gottschall, Rudolf: Poetik. Die Dichtkunst und ihre Technik. Vom Standpunkte der Neuzeit. Breslau: Trewendt 1858.
URL: http://archive.org/details/poetikdiedichtk01gottgoog
URL: http://catalog.hathitrust.org/Record/011543437
URL: http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/gottschall_poetik_1858
S. 248-326: Die Lyrik.

Gottschall, Rudolf: An die Leser. In: Blätter für literarische Unterhaltung. 1865, Nr. 1, 1. Januar, S. 1-2. [PDF]

Gottschall, Rudolf: Emanuel Geibel's neueste Gedichte. In: Blätter für literarische Unterhaltung. 1865, Nr. 3, 19. Januar, S. 39-43. [PDF]

Gottschall, Rudolf: Poetik. Die Dichtkunst und ihre Technik. Vom Standpunkte der Neuzeit.
Bd. 1. Zweite, wesentlich verbesserte und vermehrte Auflage. Breslau: Trewendt 1870.
URL: http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10573935.html
URL: http://catalog.hathitrust.org/Record/008915634

Gottschall, Rudolf: Poetik. Die Dichtkunst und ihre Technik. Vom Standpunkte der Neuzeit.
Bd. 2. Zweite, wesentlich verbesserte und vermehrte Auflage. Breslau: Trewendt 1870.
URL: http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10573936.html
URL: http://catalog.hathitrust.org/Record/008915634
S. 4-93: Die Lyrik.

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Gottschall, Rudolf: Dichtungen und Gedichte [Sammelrezension]. In: Blätter für literarische Unterhaltung. 1886: Nr. 24, 17. Juni, S. 369-373; Nr. 25, 24. Juni, S. 386-390. [PDF]

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Gottschall, Rudolf: Friedrich von Bodenstedt. In: Die Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt. 1889, Nr. 16, S. 269-270. [PDF]

Gottschall, Rudolf: Hermann Lingg. In: Die Gartenlaube. Illustriertes Familienblatt. 1890, Nr. 3, S. 43-44. [PDF]

Gottschall, Rudolf: Poetik. Die Dichtkunst und ihre Technik. Vom Standpunkte der Neuzeit.
Bd. 2. Sechste vermehrte und verbesserte Auflage. Breslau: Trewendt 1893.
URL: https://archive.org/details/poetikdiedichtk02gottgoog
S. 5-113: "Die Lyrik".

Gottschall, Rudolf: Die Literatur in der Irrenklinik. In: Neues Wiener Journal. 1893, Nr. 45, 6. Dezember, S. 1-2.
URL: http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj

Gottschall, Rudolf: Adolf Friedrich Graf v. Schack. In: Beilage zur Allgemeinen Zeitung. 1894: Nr. 129, 7. Juni, S. 1-3; Nr. 130, 8. Juni, S. 3-6.
URL: https://digipress2.digitale-sammlungen.de/

Gottschall, Rudolf: Glossen zur Aesthetik des Häßlichen. In: Deutsche Revue über das gesamte nationale Leben der Gegenwart. Jg. 20, 1895, Bd. 3, Juli, S. 38-54.
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Gottschall, Rudolf: Nikolaus Lenau. Ein Erinnerungsblatt. In: Die Gartenlaube. Illustriertes Familienblatt. 1900, Nr. 18, S. 578-579. [PDF]

Gottschall, Rudolf von: Das kritische Richteramt in der Literatur. In: Deutsche Revue. Eine Monatschrift. Jg. 31, 1906, Bd. 1, März, S. 300-312.
URL: https://archive.org/details/bub_gb_EyQNAAAAYAAJ

Gottschall, Rudolf von: Die deutsche Nationallitteratur des neunzehnten Jahrhunderts. Litterarhistorisch und kritisch dargestellt. Bd. 4. 7. Aufl. Breslau 1902.
S. 637-673: Das lyrische Jungdeutschland. [PDF]

Gottschall, Rudolf [Hrsg.]: Deutsche Lyrik des neunzehnten Jahrhunderts bis zur modernen Aera. Mit einer literargeschichtlichen Einleitung. Leipzig o.J.: Reclam [1908] (= Universal-Bibliothek, 951-955).
S. 3-47: Einleitung. [PDF]

Gottschall, Rudolf: Literarische Schulen und Cliquen. In: Deutsche Revue. Eine Monatschrift. Jg. 34, 1909, Bd. 1, Februar, S. 207-222. [PDF]


Jacob, Herbert (Bearb.): Deutsches Schriftstellerlexikon 1830 – 1880. Bd. G. Berlin: Akademie Verlag 2000.
S. 342-370: Art. Gottschall.




Häntzschel, Günter: Die deutschsprachigen Lyrikanthologien 1840 bis 1914. Sozialgeschichte der Lyrik des 19. Jahrhunderts. Wiesbaden 1997 (= Buchwissenschaftliche Beiträge aus dem Deutschen Bucharchiv München, 58).
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Edition
Lyriktheorie » R. Brandmeyer