Richard M. Meyer

 

 

Ein neuer Dichterkreis

 

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Editionsbericht
Literatur

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Texte zur George-Rezeption
Texte zur Theorie und Rezeption des Symbolismus

 

Vor einem Leserkreis, dem der Begriff der Weltlitteratur zu einer Wahrheit geworden ist und dem kundige Berichte nahe gebracht haben, was irgend in räumlicher oder zeitlicher Ferne herzbewegend erklang: vor einem solchen Kreis vorurtheilsloser Hörer möchten wir von einer Dichtergruppe erzählen, die eben erst am Horizont sichtbar wird. Vielen wird sie kaum weniger fremdartig erscheinen als die eben ausgegrabenen Mimiamben des Herondas oder andere Dichtergrüße aus verschütteten Welten. Wir hoffen aber, für die Modernen auf die gleiche, voreiligen Geschmacksurtheilen abgeneigte Gesinnung rechnen zu dürfen, die Mittheilungen aus altgriechischer oder neuspanischer, deutschlateinischer oder russischer Litteratur zu Theil ward. Mehr begehren wir für jetzt nicht. Daß ernstlich Strebenden deshalb ein größeres Maß von Sympathie gezollt werde, weil sie Deutsche und weil sie Zeitgenossen in voller Blüthe sind, das dürfen wir nicht erwarten; unsere Tradition macht das vielmehr alles nur zu Ursachen schärferen und strengeren Urtheils. Auch wollen wir selbst weder Lobredner sein noch auch nur übereifrig zur eigenen Kenntnißnahme empfehlen; das läge wenig im Sinne der Besprochenen und gar nicht in unserer Absicht. Wir geben ein litterarhistorisches Referat, wie über ein Stück zeitlich und örtlich entfernter Litteratur und nicht zum Lobpreisen oder Verdammen wollen wir anleiten, sondern zum Verstehen. [34] Solcher Anleitung aber bedarf es wohl bei einer Dichterreihe, die Wenige auch nur dem Namen nach, unter diesen Wenigen aber die Wenigsten nach ihrer eigentlichen Natur kennen.

"Ogni nuovo solgimento è nel motivo suo primo reazione", sagt der große italienische Dichter und Litterarhistoriker Carducci. Auch die neue Entwickelung innerhalb der deutschen Dichtung, die sich an die Namen Stefan George und Hugo von Hofmannsthal knüpft, ist ihrem ersten Motiv nach eine Gegenbewegung. Es ist eine Reaktion gegen jenen der "Wahrheit" und nur der "Wahrheit" geltenden Fanatismus, der seinerseits in gesunder Abwehr flacher Schönmalerei seine Wurzel hatte. In dieser Abwehr gingen aber die stürmischen Temperamente rasch dazu über, das böse Wort der Hexen aus dem "Macbeth": "fair is foul and foul is fair" zum Wahlspruch zu machen. Schon Victor Hugo hatte es in der Uebersetzung "le laid c'est le beau" in seine Fahnen sticken lassen. Nun aber kam bei Zola und bei Zolas doktrinären Schülern in Deutschland ein wahres Schwelgen im Häßlichen auf, eine "messe noir" der unbedingten Anbetung des Widerwärtigen. Was Huysmans im Roman gab, spendete man bei uns in der neuen Kunstlehre; und ich habe aufrichtige Verehrer der neuen Richtung von dem "Schönen" mit demselben frommen Zorn sprechen hören, mit dem Luthers Freund, der fromme Amsdorf, die "guten Werke" als an sich der Seligkeit schädlich verwarf. Man fragte höhnisch, was denn "Schönheit" sei – als ob "Wahrheit" sicherer zu definiren wäre! – und erkannte jede Regung zum Bösen in der Menschenseele bereitwillig an, während man die psychologische Thatsache einer Tausende verbindenden Sehnsucht nach einer höheren Schönheit verkannte oder abstritt.

Um so schärfer erwachte diese uralte Sehnsucht in Gemüthern wieder, denen immer nur Gemälde des Elends, der Dürftigkeit, der Bosheit geboten wurden. Sie bezweifelten nicht, daß alles das wahr sei; sie bezeifelten auch schwerlich, daß alles das geschildert werden dürfe. Aber dagegen wehrten sie sich, daß nichts weiter angestrebt werden solle. Die inneren Bilder und Klänge einer nach Harmonie dürstenden Seele schienen ihnen so gut wahre Thatsachen wie Dinge des äußeren Lebens es sind. Dieselbe Sehnsucht nach der Schönheit, nach der Verwirklichung geträumter Schönheit, die in allen Zeiten Paradiese erschuf und goldene Märchenschlösser der Götter erbaute, erhob langsam wieder ihr Haupt ans Licht. In romanischen Ländern war sie nie ganz aus [35] der Dichtung verbannt worden; bei uns aber standen eine flache, flaue Wiederholung abgebrauchter Schönheitsmodelle und eine lebenskräftige feurig ernste Erfassung der Wirklichkeit in all ihrer Unschönheit unversöhnt nebeneinander. In Frankreich versuchte Théophile Gautier in den prunkvollen Räumen, die er seinen Fortunios zum Spielplatz eines zwecklosen Daseins anwies, das Ideal noch ziemlich roh tapeziermäßig zu realisiren, während seine Poesie einem wirklichen Einklang von Form und Inhalt näher kam. Baudelaire verfeinerte dies Bedürfnis zur Schöpfung einer künstlichen Welt aus Marmor und glänzendem Metall – ein Augustus der Dichtung ließ er marmorn zurück, was er in Ziegelsteinen vorgefunden. Währenddeß freute man sich bei uns an Geibel und Thumann, von denen auch Geibel wirklich nicht ohne jedes Verdienst war. Ebensowenig hatten wir Genies, die der Kraft eines Flaubert oder Courbet verwandte Leistungen hätten zur Seite stellen können. Einen Riesen besaßen wir: Gottfried Keller. Aber der unvergleichliche Meister der Prosa ließ jenes Verlangen, aus dem die seltsame und paradoxe Erfindung der poetischen Form geboren wurde, nur zu oft unbefriedigt; seine Gedichte, hart, unvollendet eckig im höchsten Sinne zeigen zu deutlich, was nun Entwürfe aus seinem Nachlaß bestätigen: daß sie der Masse nach in Prosa gedacht und in Poesie nur übersetzt wurden. Keller selbst kannte und theilte übrigens jene Stimmung; von seinem "Martin Salander" hat er selbst geklagt, er sei "nicht schön genug". Doch neben ihm schritt ein Genosse, der schönheitsdurstig ausrief: "Genug ist nicht genug!" und aus dem Ueberfluß der dichterischen Anschauung heraus seinen "Pescara", seine "Angela Borgia" schuf: C. F. Meyer.

Aber das titanische Ringen der wahrhaft großen Realisten, denen ein Ueberschwang wahrlich zu Gute zu halten ist, war an der Jugend nicht vergeblich vorbeigegangen. Auch frühere Generationen hatten nach Schönheit gesucht, leidenschaftlich, mit ganzer Seele. Aber da sie sie suchten, verloren sie sie. Und dann kam die bittere Desillusionslitteratur und erklärte das erhoffte Ideal für eine lächerliche Täuschung. Die Rouget de Lisle und Theodor Körner hatten die Poesie der Schlacht verkündet – Stendhal kam und zeigte spöttisch die Schlacht von Waterloo in der Nähe und ihm folgte Merimée mit der "Erstürmung der Schanze." Der pathetische Tod vergifteter Heroinen hatte mehr oder weniger opernhaft die Zuhörer von "Euryanthe" oder "Adrienne Lecouvreur" begeistert – Flaubert machte sich daran, in "Madame Bovary" [36] mit medizinischer Genauigkeit zu demonstriren, wie eine vergiftete Frau in Wirklichkeit stirbt. Wo ein Dingelstedt die romantische Biederkeit der Burnsschen Hochländer parodirte, da ließ Jens Peter Jacobsen mit der ganzen Meisterschaft seiner Psychologie jede große Szene, auf die sein dilettantischer Heros Niels Lyhne und dessen Umgebung sich eingerichtet hatten, zur Parodie ihrer Absicht werden.

Die tiefe Lehre, die in all diesen Enttäuschungen lag, haben die Neueren beherzigt. Sie erkennen es an, daß diese wirkliche Welt nicht dazu da ist, um mit sentimentalen Gefühlen umgedichtet zu werden. Dazu ist sie zu ernst; dazu ist die Wirklichkeit – wir brauchen das große Wort – zu heilig. Die ungeheuere Masse des Elends, der Sünde, der Verzweiflung in dieser Welt ist uns allen eine Wahrheit, die ein Ueberhängen mit den Theaterflittern freundlich tröstender Wendungen nicht länger verträgt. Hier gilt es Arbeit, Kampf, Verbindung zum Lindern und Lösen; mag sein, daß als Hülfsgenosse auch die Litteratur nicht zu entbehren ist. Aber die Poesie hat abzulassen von einem künstlichen konventionellen Kombiniren dieser Wirklichkeit mit der erträumten Schönheit. Gewiß giebt es auch "draußen in der Welt" des Erfreulichen, des Erhebenden genug; wie könnten wir sonst leben! Aber überall bleibt ein Erdenrest, der einer nach der höchsten Schönheit verlangenden Seele "zu tragen peinlich" ist.

Und doch hat auch die Schönheit ihre Wahrheit. Sie hat sie da, wohin der neue Reformator des Protestantismus, Schleiermacher, die Religion wies: in der Erfahrung des Einzelnen. Der Traum kann sich nicht verwirklichen ohne Enttäuschung; aber ohne Verwirklichung bleibt er eine ungetrübte Erfahrung der Seele.

Aus dieser Anschauung heraus, vielmehr aus einem naiven Gefühl von diesen Dingen heraus gelangen nun jene Dichter zu einer neuen Technik. Oder richtiger zu einer für die Poesie annähernd neuen Technik; denn in der Malerei blüht sie längst, und gerade im Lager der Realisten.

Frühere Kunst suchte uns die Dinge selbst vorzuzaubern: die moderne will uns den Eindruck der Dinge erwecken. Sie malt nicht ein Haus, eine untergehende Sonne, sondern sie sucht den seelischen Eindruck zu reproduziren, den auf uns der Anblick des Hauses, des Sonnenunterganges macht. Und so nun auch hier: Der Dichter träumt sich so recht hinein in sein Ideal, bis das himmlische Jerusalem gleichsam greifbar vor ihm steht; nun aber [37] zeichnet er es nicht nach, sondern giebt uns die Eindrücke, die die Vision in ihm erweckt. Da fehlt denn wohl die klare Deutlichkeit der Linien; dafür aber wirkt Alles mit, was mit anklingt im Gemüth: verwandte musikalische Klänge, symbolische Gestalten, Gleichnisse – Alles nur Mittel zu dem Einen Zweck, den Würdigen eine schöne Welt vorzutäuschen, wie ihre Sinne, wie ihre Seelen sie begehren.

Ich bin, muß ich hier wiederholen, Berichterstatter. Wie weit die Ansprüche der Neuesten schon früher befriedigt wurden, untersuche ich hier nicht; eine Verurtheilung früherer Meister läge aber selbst nicht in der Verneinung, da eben die Ansprüche neue sind. Unsere Dichter sind übrigens weit davon entfernt, mit der Keckheit mancher Ultrarealisten ein "Avant nous le déluge!" zu rufen, damit von allen Vorgängern jede Spur vertilgt werde. Den fremden Vorbildern und Genossen widmen sie begeisterte Anerkennung: Baudelaire, Gautier, Mallarmé, Swinburne, Rosetti und Anderen. Aber auch das gilt nicht von ihnen, was man vielen früheren Neuerern zum Vorwurf machen mußte, daß sie nur ins Ausland Lob streuen. Neben Meistern und Nachbargebieten – sie nennen etwa Richard Wagner, Nietzsche, Böcklin, Klinger – preisen sie so verschiedene Dichter wie Novalis und Platen und einer schließt eine Lobrede auf Jean Paul: "Wenn Du, höchster Goethe, mit deiner marmornen Hand und deinem sicheren Schritt unserer Sprache die edelste Bauart hinterlassen hast, so hat Jean Paul, der Suchende, der Sehnende, ihr gewiß die glühendsten Farben gegeben und die tiefsten Klänge."

Dieser liebende Anschluß an verwandte Geister schließt aber eine Neuheit des eigenen Standpunktes nicht aus. Verwandt sind sie der Schule, die zum Wahlspruch machte: "l'art pour l'art;" und wie die "Parnassiens" streben sie auch nach vollkommener Form. Aeußerlich tritt sogar gerade diese Seite vielleicht am stärksten hervor. Ein Ausarbeiten der Form zur äußersten Reinheit war bei uns immer selten; haben die Klassiker im Vertrauen auf die Höhe des Inhalts in Wortfügung, Reim, Sprachklang sich manches gestattet, was Griechen oder Franzosen barbarisch nennen würden, so haben auch kunsteifrige Epigonen, wie Platen und Heine, über der einen Formstrenge fast stets die andere vernachlässigt. Platens Reim ist tadellos, aber seine Sätze sind oft gezwungen; Heines Perioden sind melodisch, aber seine Reime verletzen oft durch ihr "à-peu-près". Hierin nun sucht die neue [38] Schule – man verzeihe den Ausdruck, der schon deshalb nicht paßt, weil glücklicherweise ein uniformirender Lehrmeister fehlt – das Aeußerste zu ereichen. Die Verse sollen sich durch kunstvolle Vertheilung der Accente von selbst mit solcher Nothwendigkeit gliedern, daß auf das bequeme Hilfsmittel der Interpunktion ganz verzichtet werden kann; die Reime sollen mit ihrem Klang verwandte Eindrücke erwecken wie die Zeichnung selbst; und ein musikalischer Wohlklang soll die Strophe an sich zu einem Kunstwerk gestalten, des köstlichen Inhalts würdig. Ich gebe als Beispiel eine Strophe aus Stefan Georges "Algabal"; sie schildert einen weißen Saal des Kaisers, den wir Heliogabal zu nennen pflegen:

Daneben war der Raum der blassen Helle,
Der weißes Licht und weißen Glanz vereint,
Das Dach ist Glas; die Streu gebleichter Felle
Am Boden Schnee und oben Wolke scheint.

Eine unbefangene Leserin gab ihren Eindruck mit den Worten wieder: "wie ist da alles weiß!" In der That ist ohne die Geheimnisse der "audition colorée", der Verbindung bestimmter Klänge mit bestimmten Farbenvorstellungen, die Wirkung solcher Stellen nicht zu erklären. Ein einziges reines u mit seinem dunkeln Klang würde die ganze Helle verderben, die durch die hellen Vokale, vor allem die kunstvoll vertheilten a hervorgerufen wird. An der höchsten Stelle steigert sich der Klang zu dem grellen, weil bis dahin aufgesparten i in "Licht"; am Schluß geht das weiße Gemach mit dem o von "Boden" und "oben", "Wolke" in eine weniger reine Färbung über. Wortwahl, Wortstellung, Accentvertheilung ergänzen sich und verstärken die durch den Inhalt der Worte erweckte Vorstellung.

Man wird das ein Kunststück nennen; obwohl es vielleicht mehr ist. Aber auch ich lege auf diese Seite keineswegs das Hauptgewicht. Gegen die Verwahrlosung, die in unserer Dichtkunst vielfach eingerissen ist, gegen die Formlosigkeit, die mit dem Sprachstoff ohne alle Rücksicht auf Klang und Klangeigenheit wirthschaftet, war ein Widerspruch nöthig. Aus einem andern Lager hat Detlev von Liliencron nicht minder energisch den Unfug des Vorbeireimens und der Sprachmißhandlung gerügt. Aber doch ist das andere bedeutsamer. Wie mit der Schule, der "l'art pour l'art" als Parole gilt, so sind Stefan George und Hofmannsthal auch mit der verwandt, die die "Stimmung" als höchstes Ziel setzt: Verlaine, Mallarmé, bei uns etwa Richard Dehmel und [39] (zuweilen) wieder Detlev v. Liliencron. Und das modifizirt jene erste Parole. Auch ihnen soll das Kunstwerk vollkommen sein ("impeccable" ist das französische Schlagwort); nur aber bestimmen sie die Vollkommenheit nicht nach äußeren festen Regeln (wie Platen oder Théodore de Banville), sondern nach der Reinheit der dadurch erweckten Stimmung. Vollkommen ist ein Kunstwerk, das in dem Betrachter ganz ungetheilt und ganz unbedingt einen reinen Eindruck hervorruft. Kein ungenauer Reim, aber auch kein aus Ungefähr gewähltes Wort; kein schwer auszusprechender Konsonantenhaufen, aber auch kein auf Nebenwege lockender geistreich spielender Vergleich – nichts soll von der zu vollster Wirkung gesammelten Kraft des Einzelwerks ablenken.

Hierin liegt denn auch ein Weiteres, und das Allerwichtigste. Formstrenge nach äußeren Regeln kann Jeder erreichen; sie hat an sich nichts Persönliches. Nun aber ist die Möglichkeit gegeben, sie mit eigenartigem Inhalt zu erfüllen. Es ist etwas Individuelles, was ausgedrückt werden soll; die Stimmung, die gerade dieser Seele, gerade dieser Dichter beim Anblick einer ganz bestimmten Schönheit aus Natur, Leben oder Traumwelt empfängt. Sie soll wiedergegeben werden. Und deshalb verlangen die Genossen einen persönlichen Stil, einen von der individuellen Natur geforderten Ausdruck ihrer Eigenart.

Ueberwiegt dennoch ein Gesammteindruck, so liegt das theils an der geringen Zahl der Mitarbeitenden und ihrer Werke, theils an dem starken Einfluß jener gemeinschaftlichen Tendenzen. Jens Peter <Jacobsen> hat es (in Niels Lyhne) geistreich hervorgehoben, wie wenig individuell die Träume sind. "Die Menschen können sehr verschieden sein, aber die Träume sind es nicht; denn die drei, vier Dinge, welche die Menschen begehren, lassen sie sich von Träumen mehr oder weniger schnell, mehr oder weniger vollständig geben, aber sie bekommen sie stets, alle; es gibt Niemand, der im Ernst seine Hände für leer hält." Ein wenig von dieser traumhaften Uebereinstimmung im Vollbesitz der ersehnten Güter liegt in den Dichtungen der Freunde, doch zeigt sich schon jetzt, daß die Führer weit auseinandergehen.

Stefan George, ein Rheinhesse aus Bingen (mehr weiß ich nicht von ihm), hat zwei lyrische Trilogien und eine Anzahl von einzelnen Gedichten und Uebersetzungen (nach Baudelaire, Swinburne u. A.) veröffentlicht. Zwar darf dieser Ausdruck nur mit Einschränkung angewandt werden, denn die sämmtlichen Ausgaben [40] werden vom Buchhandel fern gehalten; die Zeitschrift "Blätter für die Kunst", aus der allein man den ganzen Dichterkreis kennen kann, "hat einen geschlossenen von den Mitgliedern geladenen Leserkreis," die einzelnen Werke von Stefan George sind nur in einer beschränkten Zahl von Privatdrucken erschienen. – Die erste Reihe führt die Titel: "Hymnen, Pilgerfahrten, Algabal". Ihren Inhalt giebt der Theoretiker und Redakteur der Gruppe, Carl August Klein, in folgenden für ihre Gesammtanschauungen bezeichnenden Worten wieder: "Jedes einzelne Gedicht ist ein Bild, eine Scene. Handelnde Person ist überall die Seele des modernen Künstlers. In den Hymnen sehen wir sie mit noch deutlicher Weltfreude über Gärten und Uferlandschaften schweben, in den Pilgerfahrten tritt sie uns entgegen unter dem Symbol des Wanderers mit sehnsüchtigen aber unterdrückten Leidenschaften, in Algabal unter dem Symbol des byzantinischen Imperators, der im Rieseln der Metalle und überreichen Gewänder sich zu Tode trauert. Im ersten Buch herrschen Trompete und Pauke vor, im zweiten Leier und Flöte, im dritten lange vibrirende Fiedelstriche, die wie Verzweiflung klingen und den Sinn verwirren." Uns scheint die Trilogie gleichzeitig als ein Bild psychologischer Entwickelung zu verstehen. Der Geist, der suchend, umschauend, anfassend in den "Hymnen" schöne Bilder von allen Seiten zusammenstellt, einen Angelico neben ein Rokkoko-Gemälde und eine Gartenlandschaft neben einen einsamen Dialog, der wandert in den "Pilgerfahrten" wie Parcival einem bestimmten Ziel entgegen:

In alte Lande laden Bogenhallen,
Schlanke Kolonne,
Und Licht in dem getragene Strophen schallen.
Dort sog ich Sonne
Nach einer Flucht aus feuchter Drachen Krallen.

In "Algabal" ist das Ziel erreicht: ein weltfremder Graltempel nicht der Weisheit oder Tugend, sondern der Schönheit. Der Weltbeherrscher wird sprechende Person, dessen ungeheure Mittel grade genügen, um einen harmonischen Traum vollkommener Herrlichkeit Wirklichkeit werden zu lassen.

An allen Seiten aufgereiht zu Spiegeln –
Gesammter Städte, ganzer Staaten Beute –
Die ungeschminkten, platten, goldnen Ziegeln,
Und an der Erde breiten Löwenhäute.

Dieser Kaiser in seiner einsamen Pracht ist ein Symbol des Dichters im Traumreich, dem alle Wunder der Welt nur gut genug [41] sind als Bausteine zu dem erträumten Märchentempel. Dies Symbol selbst hat seine Geschichte, in der Wirklichkeit so gut wie in der Poesie. In der Wirklichkeit, wo jener vorletzte Herzog von Portland, den Villiers de l'Isle Adam zu dem Helden einer grausigen Erzählung machte, menschenscheu sich unter der Erde einen prachtvollen Palast baute, in dem er sich von unsichtbaren Händen bedienen ließ; in der Dichtung, wo Baudelaire sich eine außernatürliche Landschaft erträumte, ganz aus Metall, Marmor und Wasser, mit Edelsteinen und Glas, statt mit den zu unregelmäßigen Pflanzen besetzt. Bis dann Dichtung und Wirklichkeit sich die Hände reichen in König Ludwigs anachronistischen Schlössern oder in der künstlichen Welt von Huysmans' "A rebours", deren Heros dem Dichter Robert de Montesquiou nachgebildet ist. Ueberall haben wir hier das Bestreben, eine ideal schöne Welt künstlich herzustellen, in deren Mitte einsam und unbeschränkt der Dichter-König träumen kann. "Ich bin anders organisirt, habe reizbare Nerven; Schönheit, Glanz und Licht muß ich haben!" rief Richard Wagner denen entgegen, die ihm Einschränkung anriethen. Schönheit, Glanz und Licht begehren auch unsere Dichter und "Märchen noch so wunderbar – Dichterkünste machens wahr!"

So schaut also der Poet zunächst umher, wo in dem Kreislauf der Wirklchkeiten sich ihm ein harmonisches Bild biete. Und der Schüler der Franzosen kann den Weg eines Watteauschen Gemäldes nicht übersehen:

Ton verklang auf den Altanen,
Aus den Gärten Klänge tönen,
Unter prangenden Platanen
Wiegen sich die stolzen Schönen. . . .

Pauken schweigen.   Sachte Geigen.
Ferner Tritt.   Es nahen Reiter.
Leises Traben.   Langsam weiter.
Zwanglos darf ein flüchtig Raunen
Sie bestaunen.

Fröhliche galante Leere,
Feindlich trübem Thatenmeere. . . .
Auf dem Wasser Ruder klirren;
Gondel die vorüberfuhr.
Sanfte Takte sanftem Kirren
Sich vereinen einer kleinen
Pompadour.

Hingehaucht, oft nur leise angedeutet, in satzlosen Ausrufen hingestreut, gewahren wir ein Märchenbild aus dem Glanz des [42] Rokkoko. Der Dichter aber darf hier nicht verweilen, "feindlich trübem Thatenmeere." Seine Pilgerfahrt führt zu höherer Schönheit, von Watteau zu Tizian:

Wenn aus der Gondel sie zur Treppe stieg,
So ließ sie lässig die Gewande wallen
Und wie nach grollend anerkanntem Sieg
Des greisen Edlen Stütze sich gefallen.

Kein sanfter Ton verfing in ihrem Ohr,
Bei Festen saß sie eisig in den Sälen,
Nur an den Decken brauner Engel Chor
Verstand es ihr von Freuden zu erzählen.

In schwerem Sammet hat sie sich gebauscht
Den ersten Hub aus unerhörten Trachten,
Und an dem reichen Oele sich berauscht,
Das neulings ihr die Inderschiffe brachten.

Nun hat sie in verhangenem Gemach
Zu einem ruhmeslosen Fant gesprochen:
Vermelde man am Markte meine Schmach,
Ich liege vor dir niedrig und gebrochen.

Wie man in den Gärten von Schiras alle Pracht des Rosenhains zerstört, um ein kleines Fläschchen Rosenwasser voll betäubend süßen Geruchs zu erzeugen, so schafft der Dichter sich eine mit allem Prunk ausgestattete Welt. In einem fürstlichen Saal, dessen Getäfel etwa wie zu Venedig in der Scuola di San Rocco geschnitzte Engelsfiguren verzieren, beherrscht alle andere Pracht eine stolze königliche Erscheinung. Wundervolle Stoffe umwallen sie, die sie mit vornehmer Lässigkeit trägt; der greise Nachkomme der edelsten Geschlechter ist eben nur edel genug, ihren Arm zu stützen. Und nun preßt der Dichter seine Finger um diese volle Rose und wirft auch sie zu Boden – auch sie ist nicht vollkommen genug, nicht vornehm genug. Das mag ein in venetianische Glanzzeit übertragenes Erlebniß sein, oder auch ein Symbol für eine Poesie, an die der Dichter glaubte, ehe sie sich erniedrigte – was thuts? So oder so ward uns ein Kunstwerk geschenkt, das in sich vollendet die ganze Blüthe und das ganze Ende einer reichen Existenz zusammenfaßt. Und wir glauben die Pracht erlebt zu haben und den Sturz, der die Seele des Sängers bricht.

Und da so die Welt überall verwundet, da für den idealisirenden Traum des Dichters die Wirklichkeit nur Enttäuschugen bietet und ein erdgeborener Makel selbst die Priesterin entstellt, so erbaut er sich sein eigenes Reich jenseits von Gut und Böse dieser Welt:

[43] Mein Garten bedarf nicht Luft und nicht Wärme.
Der Garten, den ich mir selber erbaut,
Und seiner Vögel leblose Schwärme
Haben noch nie einen Frühling geschaut.

Und hier lauscht er nun reinen Tönen, die voll Einer Stimmung Ausdruck geben:

Da auf dem seidenen Lager
Neidisch der Schlummer mich mied,
So bringt keine Wundersager,
So will ich kein lullendes Lied
Der Mädchen attischer Lande,
Was mir vor Monden gefiel.
Nun schlingt mich in eure Bande,
Flötenspieler vom Nil.

Ich lag in Aethergezelten,
Ich aß von himmlischem Brod
Ihr sanget die Flucht aus den Welten,
Ihr sanget vom glorreichen Tod,
Bevor die brennenden Lider
Endlicher Schlummer befiel.
Entrückt und tötet mich wieder,
Flötenspieler vom Nil.

Daß es nicht auf eine Spielerei mit historischem Kostüm abgesehen ist, ebensowenig aber auf eine beliebige Maskerade der sprechenden Person, das wird Niemand verkennen, der die feinen Regungen ganz individueller Stimmung aus diesen wunderbar nachgiebigen Reimen und Rhythmen heraushört. Es kommt nicht darauf an, was Heliogabalus in bestimmter Situation gedacht haben würde. Sondern die wirkliche Seele des lebenden Dichters träumt sich in eine Stimmung, die für uns durch alle einem Weltbeherrscher und weichen Gemüth zur Verfügung stehenden Mittel sinnlicher Reizung symbolisirt wird, die aber an sich nur die äußerste Konsequenz seiner ganz persönlichen Wünsche ist. Und der Eindruck, den sie nun empfängt, wird uns vermittelt, indem die Bilder und Töne nachgeformt werden, die der Dichter im poetischen Opiumrausch empfing, wie de Quincey seine Visionen erwacht nachzeichnete. Und eben diese Vereinigung von objektiver Kunstfertigkeit mit subjektiver Stimmung, von idealistischem Schönheitskultus mit realistischer Technik der Nachbildung scheint uns das Neue – das Neue als Prinzip; daß gelegentlich auch früher schon Aehnliches und selbst Höheres erreicht wurde, wer zweifelt das an?

Auf jene erste Trilogie, die den Verehrern des Dichters vielfach die liebste blieb, folgte seine zweite im Jahre 1895: "Die Bücher [44] der Hirten und Preisgedichte, der Sagen und Sänge und der hängenden Gärten." Eine Vorrede, die in der Buchausgabe dann doch fortblieb, sagt ("Blätter für die Kunst" 2, 97): "Es steht wohl an, vorauszuschicken, daß in diesen drei Werken nirgends das Bild eines geschichtlichen oder Entwickelungsabschnittes entworfen werden soll: sie enthalten die Spiegelungen einer Seele, die vorübergehend in andere Zeiten und Oertlichkeiten geflohen ist und sich dort gewiegt hat. Dabei kamen ihr begreiflicherweise ererbte Vorstellungen ebenso zu Hülfe als die jeweilige wirkliche Umgebung: einmal unsere noch unentweihten Thäler und Wälder, ein anderesmal unsere mittelalterlichen Ströme, dann wieder die sinnliche Luft unserer angebeteten Städte. Spiel und Uebung bedeute das scheinbare Ausbilden verschiedener Stile für solche, die nur auf den einen hinzuarbeiten rathen: den unserer Zeit oder der kommenden." Die höchst bezeichnenden Worte gelten auch für die früheren und späteren Gedichte Stefan Georges. Die Seele versetzt sich gleichsam experimental <aus> ihrem wirklichen aber eben deßhalb gleichsam nur zufälligen "Milieu" in ein solches, das ihrer Eigenart breiteren Raum gewähren könnte. Wie in den "Hymnen" und "Pilgerfahrten" sucht sie reine Spielplätze und findet sie in der stillen Schönheit einer mit Böcklins Augen angeschauten Antike, in der kräftigen Schönheit eines mit Thoma's Gemüth erblickten deutschen Mittelalters, und in der phantastischen Schönheit einer mit Nietzsche erträumten übermenschlichen Zukunft. Ein gewisser Parallelismus dieser drei Bücher mit den ersten wird Niemandem entgehen und hier wie dort ist eine traurig-herrliche Einsamkeit des erlangten Ideals der nachklingende Schlußakkord. Eine sehr schöne Besprechung, die Hofmannsthal (in der Wiener "Zeit", 21. März 1896) dem Werk des Genossen gewidmet hat, schließt mit den Worten: "Die angeborene Königlichkeit eines sich selbst besitzenden Gemüthes ist der Gegenstand der drei Bücher. Nichts ist der Zeit fremder, nichts ist den Wenigen werthvoller. Die Zeit wird sich begnügen, aus den schlanken tyrannischen Geberden, aus den mit schmalen Lippen sparsam gesetzten Worten, aus dieser leichtschreitenden hochköpfigen Menschlichkeit und der im unsicheren Licht der frühen Morgenstunden gesehenen Welt einen seltsamen Reiz zu ziehen. Einige wenige aber meinen nun mehr um den Werth des Daseins zu wissen als vorher." Ich muß mich zu diesen Wenigen zählen. Die "angeborene Königlichkeit eines sich selbst besitzenden Gemüthes", der Anblick einer mit fürstlicher Freiheit über die eigene [45] Begabung verfügenden Dichterseele hat für den, den in litterarischer Betrachtung so unendlich oft (und nirgends häufiger als in deutscher Poesie) ein Mißverhältnis von Wollen und Können abstößt, eine ähnlich beglückende Wirkung, wie sie auf den Dichter selbst das erträumte Bild einer fleckenlosen Pracht der Architektur, Ausstattung und Musik ausübt.

"Die Welt ist vollkommen überall, wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual." Was Schiller mit diesen Versen ausdrückt, wird für Stefan George der Gegenstand einer mythologischen Erfindung von seltsamem Reiz: des "Herrn der Insel:"

Die fischer überliefern daß im süden
Auf einer insel reich an zimmt und öl
Und edlen steinen die im sande glitzern
Ein vogel war der wenn am boden fussend
Mit seinem schnabel hoher stämme krone
Zerpflücken konnte.   wenn er seine flügel
Gefärbt wie mit dem saft der Tyrer-schnecke
Zu schwerem niedren flug erhoben, habe
Er einer dunklen wolke gleich gesehn.
Des tages sei er im gehölz verschwunden
Des abends aber an den strand gekommen
Im kühlen windeshauch von salz und tang
Die süße stimme hebend daß delfine
Die freunde des gesanges näher schwammen
Im meer voll goldner federn goldner funken.
So habe er seit urbeginn gelebt
Gescheiterte nur hätten ihn erblickt.
Denn als zum ersten mal die weißen segel
Der menschen sich mit günstigem geleit
Dem eiland zugedreht sei er zum hügel
Die ganze teure stätte zu beschaun gestiegen
Verbreitet habe er die großen schwingen
Verscheidend in gedämpften schmerzeslauten.

Wie er sich hier ein mythisch-geisterhaftes Wesen erdichtet und ihm eine halb unbewußt vom thierischen Instinkt, halb von der Klarheit einer Dichterseele geleitete Haltung verleiht, so formt er wirklich gesehene Typen zu antikisirenden Statuen um, die vor uns stehen, einfach, nothwendig wie Adolf Hildebrands nackter Jüngling in der Nationalgallerie. So schildert er den Saitenspieler:

Wie er das krause haupt mit weißem ringe
Die schmalen schultern mit dem reichen kleide
Geschmückt hervortrat und die laute schlug
Zuerst erzitternd in der scheu der jugend:
Darob erwärmen sich auch strenge greise.
[46] Wie er auf wangen banges rot entzündet
Wie dem vor ungewohntem gruß geneigten
Von manchem busen köstliches gehäng
Und spangen niederfielen; deß gedenkt man
Soweit des heilgen baumes frucht gedeiht.
Die mädchen sprechen eifrig unter sich
Verschwiegen duldend schwärmen alle knaben
Vom helden ihrer wachen sternennächte.

In der Schlichtheit, mit der hier typische Züge ausgewählt sind, die schmalen Schultern, der Gruß der Menge, die schlaflosen Nächte – darin glaube ich einen Abglanz homerischer Kunst zu sehen und doch wieder ganz modernes Fühlen, das dem Virtuosen einen Heroenkultus entgegenbringt, wie man ihn seit der Renaissance nicht gekannt hat. Es ist ein Porträt, gewiß; aber keine ikonische Statue, sondern eine idealisirende wird dem Olympiasieger errichtet – eine Statue, in der das Ideal des bildenden Künstlers mit der Realität des Dargestellten wie Vater und Mutter sich zusammenfinden, um ein Drittes, Höheres zu erzeugen.

Aber dem Dichter, der wie sein Algabal aus dem "trüben Thatenmeer" sich in poetische Einsamkeit geflüchtet hat, schlägt das Herz in seiner thatenlosen Versunkenheit; oder er sieht einen in wollüstigen Träumen untergehenden Mann, dessen starke Arme keinem Löwen mehr fürchterlich, keiner bedrängten Jungfrau mehr ein Segen sind. Und er übersetzt sich den Anblick in die typische Situation des mittlalterlichen Ritters, der sich "verliegt":

Hör ich nicht dumpf ein klirren
Kämpfer die die rosse schirren?
Bange rufe vom altan?
Speere schwirren?

Drunten schlägt ein thor nur an.

Ist es nicht der gäste lache?
Emsig knecht und kastellan
Unter rebenschmuckem dache?
Frohe wache?

Wurde nicht in zarte saiten
Ein gedehnter griff gethan:
Ahnungsloser schöner zeiten
Scheues gleiten?

Drunten schlägt ein thor nur an.

Ueberall ist es die gleiche Technik: der Seele volle Freiheit zu gewähren, daß sie ihr Traumleben auslebe, und dann den [47] Eindruck, den sie empfing, rein und glatt wiederzugeben. Und so auch, wenn er in den "Hängenden Gärten" die stimulirenden Farben und Geräusche der Großstadt zu phantastischer Pracht umdichtet, wie die Goncourts im Eingang von "Manette Salomon" das abendliche Paris, wie Hofmannsthal das Venedig Tizians:

Siehst du die Stadt, wie jetzt sie drunten ruht?
Gehüllt in Duft und goldne Abendglut
Und rosig helles Gelb und helles Grau,
Zu ihren Füßen schwarzer Schatten Blau,
In Schönheit lockend, feuchtverklärter Reinheit.

Wollen wir wirklich diese Kunst von uns weisen, die sogar der Häßlichkeit moderner Großstädte Schönheit, eigenartige Schönheit zu entlocken versteht? Die englischen Prediger des Schönen, John Ruskin, William Morris, Walter Crane, klagen beweglich, daß aus dem Bereiche unserer Schornsteine Alles verbannt sei, was reizt und erfreut; diesen schönheitstrunkenen Realisten löst selbst aus der harten Linie unserer Straßen sich, nicht mehr an Wellenlinien gebunden, Venus Anadyomene:

Und Wolken schwarz und schwefelgelb belasten
Die kahlen Mauern und die starren Masten.

Die Gärten atmen schwer von Duft beladen,
Die Schatten wachsen fester in den Pfaden. . . .

Im dichten Dunste dringt nur dumpf und selten
Ein Ton herauf aus unterworfenen Welten.

Aber es sind "hängende Gärten", zauberisch über der Wirklichkeit befestigt, und ebenso erhebt sich die orientalisch stilisirte Unterwürfigkeit des Minnesängers über die Wahrheit moderner Liebesdemuth:

Saget mir auf welchem Pfade
Heute sie vorüberschreite,
Daß ich aus der reichsten Lade
Zarte Seidenweben hole,
Rose pflücke und Viole,
Daß ich meine Wange breite
Schemel unter ihrer Soole.

Eine gewisse Vergeistigung, eine zunehmende Neigung zum Verarbeiten der Eindrücke, ein stärkeres Hervortreten der inneren Natur ist bei der neuen Trilogie der alten gegenüber sichtbar; in die gleiche Richtung weist schon der Titel der neuen selbständig noch nicht vorliegenden Sammlung: "Das Jahr der Seele." Hier [48] werden die Töne mehr lyrisch im engeren Sinne, das Symbol tritt zurück, der direkte Ausdruck wird deutlicher:

Es lacht in dem steigenden Jahre dir
Der Duft aus dem Garten noch leis,
Flicht in dem flatternden Haar dir
Eppich und Ehrenpreis.

Die wehende Saat ist wie Gold noch,
Vielleicht nicht so hoch mehr und reich,
Rosen begrüßen dich hold noch,
Ward auch ihr Glanz etwas bleich.

Verschweigen wir, was uns verwehrt ist,
Geloben wir glücklich zu sein,
Wenn auch nicht mehr uns beschert ist,
Als noch ein Rundgang zu zwein. . . .

In diesem Anschlagen einfacherer Töne, in dieser Rückkehr in das alte Heimathsgebiet der Lyrik möchten vielleicht manche Leser ein "Gesunden" sehen und in der Neigung zu "außerweltlichen" Tönen werden sicher einige im Schlagwort und in alter Doktrin befangene Richter "etwas Pathologisches" erblicken. Mir scheint das Letztere weit gefehlt, denn was kann gesunder sein, als der jedem natürlichen Menschen angeborene Traum von goldenem Glück und mehr als menschlicher Herrlichkeit? Aber auch die Meinung, ein Abwenden von den Zauberschlössern des "Algabal" und der "Hängenden Gärten" bedeute an sich eine "Rückkehr zur Natur", scheint mir das Wesentliche in der älteren Art Stefan Georges und seiner Freunde nicht zu treffen. Denn gerade dies ist ihre Ansicht, all diese paradiesische Pracht sei so gut "Wahrheit" wie ein beliebiges Stück irdischer Wirklichkeit, sei es selbst in höherem Maße. Hierbei ist aber nicht etwa an Mystisches zu denken; gerade vom Boden der modernen Erkenntniß aus fassen diese Dichter die Natur in ihrem großen Sinne auf. Es bewahrheitet sich auch an ihnen, daß nur halbe Wissenschaft der Poesie (wie der Religion) entfremdet, ganze dahin zurückleitet.

Der englische Dichter John Keats hat Newton mit dem Anathema belegt, weil er die Poesie des Regenbogens zerstört habe. Mir aber sagte ein befreundeter Physiker, wer einmal an die Pracht der Farben in Geißlerschen Röhren und anderen Apparaten gewöhnt sei, dem komme alle Farbe der Natur matt und blaß vor. Jene Farben, die in physikalischen Apparaten erglänzen, mag man nun "künstlich" nennen, weil sie durch den Menschen willkürlich [49] hervorgerufen sind; sie bleiben deßhalb doch "natürlich" und wohl mag man sagen, sie allein seien das eigentlich ganz, unsere Naturfarben seien durch trübende Medien abgeblaßte Zufälligkeiten. Gerade so nun fassen diese Dichter das "Leben" in seinem realistischen Sinne auf: als matten Einzelfall, dessen Bedeutung vor Allem darin ruht, daß er auf die dauernden wahren Lebenskräfte hinweist. Hugo von Hofmannsthal sagt in einer Rezension: "Immerhin ist von gemeimnißvollen Mächten dieses kleine Buch irgendwie beherrscht, wie der zierliche Magnet von ungeheuren, im Ungewissen gelagerten Kräften."

Das ist die Idee: wir sind gute oder schlechte Magneten, aber allemal sind wir beherrscht von ungeheuren Kräften, deren Wucht alle irdische Erhebung in Machtentfaltung, Schönheit, Geist als Spiel erscheinen läßt. Und die großen Mächte sind es, auf die der Magnet der Dichtung hinweist. Etwas, was entfernt an die alten Träumereien von der Harmonie der Sphären erinnert, was die Philosophie der Sophie Germain mit ihrer Psychologie der mathematischen Schönheit eigenartig erneut hat, etwas was man im höchsten Sinne religiös nennen muß, ist der Untergrund der kunstreichen Bauten dieser merkwürdigen Werkmeister.

In diesen Dingen vor allem stimmen die Genossen überein: in dem Fundament einer realistisch-mythologischen Weltanbetung, der Licht, Wärme, Schönheit wieder wie den alten Griechen lebende Gottheiten, wirkende Kräfte geworden sind und in der Kunst, die auf dieser Grundlage die Illusion vollkommen schöner Eindrücke hervorrufen will. Im Uebrigen bleibt Raum genug für Eigenart. Neben Stefan George steht Hugo von Hofmannsthal, ein Wiener, wie ich glaube, 1874 geboren. Ein Siebzehnjähriger, veröffentlichte er unter dem Pseudonym "Theophil Morren" ein gestalten- und gedankenreiches Renaissance-Stück "Gestern", welches mit Ricarda Huchs Renaissance-Drama "Evoe" sich merkwürdig berührt und wieder in der Grundanschauung ihm seltsam widerspricht. Dann hat er unter dem eigenen Namen und als "Loris" Gedichte, besonders in den "Blättern für die Kunst" erscheinen lassen; eine Sammlung steht erst in Aussicht. Er hat auch geistreiche, nur in der Sprache zuweilen ein wenig gesuchte, eine Bildersprache mit Symbolen aus der Ornamentik graziös handhabende Kritiken verfaßt. Er erscheint weicher, fast weiblicher als Stefan George. Während dieser trotz seiner Schulung an zeitgenössischen Meistern von Einzelanklängen merkwürdig frei ist, be[50]gegnen uns bei Hofmannsthal zuweilen Töne aus Goethe, aus J. P. <Jacobsen>, auch wohl aus George; immer freilich zu eigenem Besitze verarbeitet. Der wesentliche Unterschied bleibt doch ein rein technischer. Georges Visionen sind architektonisch, mit breiten Räumen, tiefem Hintergrund; Loris erscheinen die Dinge als Basreliefs, wie in der sehr schönen "Idylle" (eine Vereinigung antiker Kunst mit der der Goethischen "Pandora"), oder als Gemälde, wie in seinem berauschend schönen "Tod des Tizian". Dies liegt hierin: wenn George seine Traumbilder ganz aus Stoff und Art der wirklichen "großen Natur" nimmt, neigt Hofmannsthal dazu, schon diese Welt selbst künstlerisch durchzuarbeiten, nicht blos ihre poetischen Abbilder; seine Phantasie ist von den bildenden Künsten stärker geschult, vielleicht auch etwas gebunden. So reflektiert er denn auch mehr, greift bewußt zum Symbol und schafft sein Schönstes, wo ein tief andeutender Sinn seiner Dichtung gleichsam die dritte Dimension verleiht. Stefan George hätte die "Ballade des äußeren Lebens" nicht dichten können, die das Märchenspiel des alltäglichen Lebens so tiefsinnig zu einem Fries spielender Putten und stilisirter Ornamente formt:

Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,
Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben
Und alle Menschen gehen ihre Wege.

Und süße Früchte werden aus den herben
Und fallen nachts wie todte Vögel nieder,
Und liegen wenig Tage und verderben.

Und immer weht der Wind, und immer wieder
Vernehmen wir und reden viele Worte
Und spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.

Und Straßen laufen durch das Gras und Orte
Sind da und dort voll Fackeln, Bäumen, Teichen,
Und drohende und todtenhaft verdorrte.

Wozu sind diese aufgebaut und gleichen
Einander nie und sind unzählig viele?
Was wechselt Lachen Weinen und Erbleichen?

Was frommt das Alles uns und diese Spiele,
Die wir doch groß und ewig einsam sind,
Und wandernd nimmer suchen irgend Ziele!

Was frommts dergleichen viel gesehen haben?
Und dennoch sagt, der viel, der Abend sagt
Ein Wort daraus Tiefsinn und Trauer rinnt
Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.

[51] Für Stefan George gilt Dürers Wort von der Natur, nur daß er es auf die große Gesammtnatur anwendet, in deren unendlicher Schatzkammer alle Pracht unserer Erde nur ein Kästchen mit mäßigen Kleinoden bildet: die Schönheit steckt wahrlich in der Natur; wer sie herausreißt, der hat sie. Hofmannsthal dagegen hat Liebhabereien, bevorzugt bestimmte, besonders lyrische Eindrücke:

Mir hats gefallen.   Zwar ists nicht so hübsch
Wie Lieder, die das Volk im Sommer singt,
Wie hübsche Frauen, wie ein Kind, das lacht,
Wie graziöse, goldverzierte Gondeln
Und wie Jasmin in einer Delfter Vase . . .

oder im "Tod des Tizian":

Das macht so schön die halb verwehten Klänge,
So schön die dunklen Worte todter Dichter
Und alle Dinge, denen wir entsagen.

Mit andern Worten: neben Stefan Georges Objektivität erscheint Hofmannsthals Subjektivität "sentimentalisch" im Sinne Schillers. Für jenen ist auch der Traum der Seele nur eben ein Stück wirklicher Natur. Für Hofmannsthal ist (wie für Byron oder für Amiel) auch ein Stück wirklicher Natur nur Traum der Seele. So rühmt er seinen Meister Tizian:

Er hat den Wolken, die vorüberschweben,
Den wesenlosen, einen Sinn gegeben:
Der blassen weißen schleierhaftes Dehnen
Gedeutet in ein blaßes, süßes Sehnen;
Der mächtgen goldumrandet schwarzes Wallen
Und runde, graue, die sich lachend ballen
Und rosig silberne, die Abends ziehen:
Sie haben Seele, haben Sinn durch ihn.

Am stärksten hat er selbst den Gegensatz charakterisirt in seinem entzückenden Gedicht "Psyche", wo erst Stefan Georges Welt entrollt wird und dann seine eigene:

. . . und Psyche, meine Seele, sah mich an
Von unterdrücktem Weinen blaß und bebend,
Und sagte leise: "Herr, ich möchte sterben,
Ich bin zum Sterben müde, und mich friert."

""O Psyche, Psyche, meine kleine Seele,
Sei still, ich will dir einen Trank bereiten,
Der warmes Leben strömt durch alle Glieder,
Mit gutem, warmen Wein will ich dich tränken
Mit glühendem, sprühendem Saft des lebendigen,
Funkelnden, dunkelnden, rauschend unbändigen,
Quellenden, schwellenden, lachenden Lebens.
Mit Farben und Garben des trunkenen Bebens
[52] Mit sehnender Seele von weinenden Liedern,
Mit Ballspiel und Grazie von tanzenden Gliedern.
Mit jauchzender Schönheit von sonnigem Wehen
Hellrollender Stürme auf schwarzgrünen Seen,
Mit Gärten, wo Rosen und Efeu verwildern,
Mit blassen Frauen und leuchtenden Bildern;
Mit fremden Ländern, mit violetten,
Gelbleuchtenden Wolken und Rosenbetten,
Mit heißen Rubinen, grüngoldenen Ringen
Und allen prunkenden, duftenden Dingen.""

Und Psyche, meine Seele, sah mich an,
Und sagte traurig: "Alle diese Dinge
Sind schal und trüb und tot.  Das Leben hat
Nicht Glanz und Duft.   Ich bin es müde, Herr."
Ich sagte, noch weiß ich wohl eine Welt,
Wenn dir die lebendige nicht gefällt,
Mit wunderbar nie vernommenen Worten,
Reiß ich dir auf der Träume Pforten;
Mit goldenglühenden, süßen lauen
Wie duftendes Tanzen von lachenden Frauen,
Mit monddurchsickerten nächtig webenden,
Wie fiebernde Blumenkelche bebenden,
Mit grünen, rieselnden, kühlen, feuchten,
Wie rieselndes, grünes Meeresleuchten;
Mit trunkentanzenden, dunklen, schwülen,
Wie dunkelglühender Geigen Wühlen;
Mit wilden, wehenden, irren und wirren,
Wie großer, nächtiger Vögel Schwirren;
Mit schnellen und gellenden, heißen und grellen,
Wie metallener Flüsse grellblinkende Wellen;
Mit vielerlei solchen verzauberten Worten,
Werf ich dir auf der Träume Pforten,
Den goldenen Garten mit duftenden Auen
Im Abendroth schwimmend mit lachenden Frauen,
Das rauschende, violette Dunkel,
Mit weißleuchtenden Bäumen und Sterngefunkel,
Den flüsternden, braunen, vergessenen Teich,
Mit kreisenden Schwänen, und Nebel bleich,
Die Gondeln im Dunkeln mit seltsamen Lichtern,
Schwülduftenden Blumen und blassen Gesichtern
Die Heimat der Winde, die nachts wild wehen,
Mit riesigen Schatten auf traurigen Seen
Und das Land von Metall das in schweigender Glut,
Unter eisernem, grauen Himmel ruht.

Neben Tizian ist es vor allem Böcklin, mit dem Hofmannsthals Kunst herzverwandte Aehnlichkeiten aufweist und ein schönes Loblied auf diesen großen Meister, das die "Blätter für die Kunst" (3, 49) [53] bringen, enthält manches Wort, das auch den Dichter zeichnet. "Wir hatten seltsame und wunderbare Gegenden ausgekundschaftet . . . Stille Traumlandschaften waren da . . . Das eiserne Thor schließt sich hinter dem heiligen Hain, dem Haine, der sich ausdehnt mit seinem zitternden Leben, seinen üppigen und fühlenden Gesträuchen. Und das Einhorn liegt da, wachend, Hüter der unergründlichen Gemeimnisse."

Hofmannsthal verwendet gern die Strophengebilde der italienischen Renaissance: Stanzen, Terzinen; die nordische Alliteration, deren gelegentliche Uebertreibung vielleicht den einzigen Kunstfehler Stefan Georges ausmacht, meidet er. Ueberhaupt zieht es ihn, den Süddeutschen, stärker noch zu südlichen Gefilden, als den mitteldeutschen Weltdurchwanderer George: die Antike und die Renaissance sind ihm wie Hölderlin oder Anselm Feuerbach bevorzugte, fast alleinige Kultusstätten der Schönheit. Seine Rhythmen sind weicher, seine Reime kommen uns bekannter entgegen und zuweilen klingen seine Verse wie die Erinnerung an Feste, die wir selbst erlebt zu haben glauben:

Es gleitet flink durch dunkelblaue Wogen
Das goldne Schiff der Insel nun entgegen,
Der Flötenschall ist singend vorgeflogen,
Und auf den blumenüberquollnen Wegen,
Aus des Theaters schwarzen Marmorbogen
Sieht man den Chor sich feierlich bewegen,
Um Bacchus und die Musen anzurufen,
Die aus dem Rausche die Tragödie schufen.

Hört man hier neben den Meistern der bildenden Kunst auch Nietzsche, den ersten großen Baumeister der übermenschlich-menschlichen Gesammtwelt, so ist der Franzose Paul Gérardy, der mit deutschen Versen und Prosareden sich dem Kreise anschließt, mehr von Dichtern wie Jean Paul und Novalis mitbedingt. Er liebt es, ein Sinnbild im Cyklus durchzuführen, die Kreuze oder die Lilien, die Jungfrauen oder die Ritter, die Tänze und die Freuden zu einem geschlossenen Kreis zu vereinen, der in leisen Abtönungen eine Grundstimmung zeigt; etwas von der ordnenden, symmetrische Hierarchien aufbauenden Art der Franzosen verräth sich da durch die Adoption deutschen Wesens hindurch. Richard Perls, eine elegische Natur, im Reiz des Südens heimwehkrank, findet in weniger eigenartigen Gedichten einzelne Rufe von ergreifender Wahrheit.

[54] "Wie lacht es sich leise am dunkelnden Meer!"

Und beim Spiele dunkler Traurigkeiten
Locke Seelen zu dem letzten Tanz.

Karl Wolfskehl neigt zu einer dämmernden stimmungsvollen Mischung von Poesie und Prosa, wie Novalis in seinen Hymnen sie angab und verstärkt durch wirkungsvolle Wiederholungen den mystischen Eindruck undeutlich in verschwimmendem Licht sich zeigender Gestalten. Seine soeben erschienene Sammlung "Ulais" läßt durch den Schleier lyrisch-wirksamer Andeutung hindurch stärkere Annäherung an epische Abrundung als die Dichtungen der meisten Genossen erkennen und einen wärmeren Gefühlston. – Hat man bei ihnen allen den Eindruck einer freudigen Hingabe an die künstlerische Aufgabe, so läßt allein Waclaw Lieder mit unerfreulichem Hervordringen seiner eigenen Person die Demuth des echten Künstlers vermissen. Andere schließen sich an, Emil Rudolf Weiß, Max Dauthendey und mehrere Genossen. Man empfängt den Eindruck einer in ihren Idealen einigen Gemeinschaft, die übrigens Jeden nach seinen Gaben schalten läßt. Ein kluger Ordner, Carl August Klein, erscheint als der typische weltliche Leiter des Kreises, etwa wie Boie beim Hainbund, Gärtner bei den Bremer Beiträgen thätig war; seine zahlreichen theoretischen Ausführungen klingen mehr wie ein Echo aus der Praxis seiner Freunde als wie ein vorgefaßtes Programm. Jenes Reklamewesen, das so viele kleine Dichtergruppen schändet, wird streng fern gehalten bis zu einer fast esoterischen Art sich zu geben; die Werke sollen wo möglich Eigenthum des Kreises bleiben, weil nur seinen Mitgliedern alle Voraussetzungen zum Genuß eigen seien. Diesen Bann glaubte ich durch einen Hinweis auf den jungen verheißungsreichen Dichterkreis brechen zu sollen. Es ist wohl möglich, daß ich dabei meiner Absicht, weder zu loben noch zu tadeln, nicht treu geblieben bin, vielleicht finden meine Leser sogar, ich sei einfach zum Lobredner geworden, und begreifen nicht einmal warum. Nun, es sei gewagt. In einer Zeit, in der Alles klagt über trübe, dumpfe Stimmung, über die herrschende Häßlichkeit, über die pessimistische Richtung der Kunst, hat ein Hinweis auf diese Gruppe mindestens das Verdienst, zu zeigen, so schlimm stehe es denn doch nicht. Wohl liegt noch ein dumpfer Bann über weiten Gebieten –

Doch sah ich manches Auge flammen
Und klopfen hört ich manches Herz!

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Preußische Jahrbücher.
Bd. 88, 1897, April, S. 33-54. [PDF]

Unser Auszug: S. 43-45.

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien). Keine Korrektur der Zitate (George und Hofmannsthal).

 

 

Zeitschriften-Repertorien

 

 

Literatur

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